Verwalterentlastung ungültig?

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mtriebler
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Verwalterentlastung ungültig?

Beitrag von mtriebler » 10.07.09, 10:58

Tag die Herrschaften.

Es geht um eine WEG.

1. Meine Verwaltung hat sich, wie ich festgestellt habe, seit mehr als 10 Jahren durch
folgende Konstruktion selbst entlastet: 2 Gesellschaften handeln
- die "A" und "B" GmbH ist Hausverwalter.
- eine GbR, die aus "A", "B" und "C" besteht, ist Besitzer mehrerer Wohnungen;
"C" hat die Verwalter immer entlastet. Fiel uns 13 Jahre lang nicht auf.

2. Stelle ich (jetzt erst) fest, daß bei vielen der Entlastungen

keine Beschlußfähigkeit bestand , da ja die Stimmverbote der Verwalter
(Vollmachten und eben die genannten Wohnungen von ABC) bei der Berechnung, ob das Quorum erreicht wird, abgezogen werden müssen

Erste Frage: ist das Grund genug, die Verwaltung vom Gericht absetzten zu lassen ? -
sie schaffen es immer wieder, die Eigentümer mit Ausreden vollzuquatschen.

Zweite Frage: kann man durch Nachweis der fehlenden Beschlußfähigkeit auch
rückwirkend Entlastungen für ungültigerklären lassen?

Edelmieter
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Re: Verwalterentlastung ungültig?

Beitrag von Edelmieter » 10.07.09, 13:00

mtriebler hat geschrieben: Erste Frage: ist das Grund genug, die Verwaltung vom Gericht absetzten zu lassen ? -
sie schaffen es immer wieder, die Eigentümer mit Ausreden vollzuquatschen.
Das WEG sieht keinen definierten Intelligenzquotienten für Wohnungseigentümer vor. Es gelten die gleichen Voraussetzungen wie in der Politik. Eine Verwaltung kann ebensowenig wie eine Regierung aufgrund dummer Wähler oder Kälber gerichtlich abgesetzt werden.
mtriebler hat geschrieben:Zweite Frage: kann man durch Nachweis der fehlenden Beschlußfähigkeit auch
rückwirkend Entlastungen für ungültigerklären lassen?
Nach meiner Kenntnis nicht. Nach drei Jahren verjähren die Schadensersatzansprüche gegen den Verwalter sowieso automatisch.

Chess45
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Stimmberechtigt.

Beitrag von Chess45 » 10.07.09, 13:31

Bei der Verwalterwahl ist C stimmberechtigt.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen

Thorsten D.
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Beitrag von Thorsten D. » 10.07.09, 14:04

Wenn ich Dich richtig verstehe, dann ist Fa. AB GmbH der Verwalter und ABC GbR ist Eigentümer mehrer Wohnungen ? Die Personen sind identisch ?

Das würde bedeuten dass beide Firmen eng miteinander verbunden sind und damit die GbR einen Stimmrechtsverbot bei der Entlastung unterliegen würde. Dies gilt auch für der GbR erteilte Vollmachten.

Wichtig wäre jetzt auch wie abgestimmt wird, nach Köpfen - Wertprinzip - Miteigentumsanteilen ?

Anfechten kann man die alten Beschlüsse nicht mehr, auch bei fehlender Beschlussfähigkeit ist ein Beschluss nicht nichtig, sondern lediglich innerhalb der Monatsfrist nach Verkündung anfechtbar
Wer nicht bereit ist für sein Recht als Eigentümer einzutreten , sollte besser zur Miete wohnen

mtriebler
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Das hab ich ja auch schon gemerkt ....

Beitrag von mtriebler » 10.07.09, 15:07

..... ich war ja eben (nach 13 Jahren) der erste, dem das auffiel, und auch nur, weil ich aufgrund diverser Ereignisse (Auftarhsvergabe, wenn du dich erinnerst, Edelmieter und andere) angefangen habe, genau hinzugucken und zu Gesetzbücher zu lesen.

NATÜRLICH dürfen sie es nicht, aber wenn jetzt der Verwalter sagt, daß es ja nur "Gesellschaften" wären, die nicht mit den Personen gleichzusetzten sind, dann glauben ihm das immer noch 90% der Eigntümer.

Meine Frage zielt aber nicht auf deren Dummheit, sondern ich frage, ob diese jahrelange Praxis nicht von Amts wegen ein Grund ist, ihn abzusetzen.

Übrigens: leider Gottes ist es wohl so, daß trotz fehlender Ermächtigung der Verwalter alles mögliche machen kann, wenn die Eigentümer den Haushaltsplan genhemigen. Hat er da seine Aufträge (hauswart etc.) verpackt, dann hat ihm der BGH ein "stillschweigendes Einverständnis" der Eigentümer konzediert.

Schön, Gell?

Edelmieter
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Re: Das hab ich ja auch schon gemerkt ....

Beitrag von Edelmieter » 10.07.09, 17:21

mtriebler hat geschrieben:Meine Frage zielt aber nicht auf deren Dummheit, sondern ich frage, ob diese jahrelange Praxis nicht von Amts wegen ein Grund ist, ihn abzusetzen.
Es waren doch alle Eigentümer mit der Leistungserbringung des Verwalters, unabhängig von den personellen Verpflechtungen, einverstanden gewesen. Warum sollte dieses Verhalten in der Vergangenheit nun ein Grund sein, den Verwalter abzusetzen?
mtriebler hat geschrieben:Übrigens: leider Gottes ist es wohl so, daß trotz fehlender Ermächtigung der Verwalter alles mögliche machen kann, wenn die Eigentümer den Haushaltsplan genhemigen.
Ich denke nicht, dass dem so ist. Es ist allerdings häufig so, dass die Eigentümer, mangels Interesse, ein derartiges Handel des Verwalters wünschen, also entsprechend ans Händchen genommen werden wollen. Dieser Auffassung kann man sich anschließen oder gerichtliche Klärungen herbeiführen, falls es nicht gelingt, die Eigentümer in Einzelgesprächen von dem unrechtmäßigen Tun des Verwalters zu überzeugen.

Als Trotz ein kleines Bibelzitat (Johannes 09, 25): ... eines weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun sehend.

Lucky
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Re: Verwalterentlastung ungültig?

Beitrag von Lucky » 10.07.09, 20:18

Edelmieter hat geschrieben:... Das WEG sieht keinen definierten Intelligenzquotienten für Wohnungseigentümer vor. .
Aber die Idee wäre nicht schlecht.
MfG
Lucky
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