Wie lange gilt ein Maklervertrag?

Moderator: FDR-Team

ronnyd
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Wie lange gilt ein Maklervertrag?

Beitrag von ronnyd »

Hallo,

wir haben uns vor ca. 7 Monaten ein Haus über einen Makler angeschaut, hatten damals jedoch kein Interesse. Mittlerweile sieht das ganze etwas anders aus und wir planen diese Immobilie zu kaufen.
Wie sieht das jetzt mit dem Makler von "damals" aus, der uns als Erster die Immobilie gezeigt hat? Besteht so ein Vertrag "ewig" oder ist dieser Vertrag irgendwann einmal nichtig? Wenn wir können, würden wie gern die Maklercourtage umgehen.
Wie ist die Rechtslage?

Grüße

Ronny D.

ingok.
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Beitrag von ingok. »

Hallo,

ich glaube, da stellt sich erstmal die Frage, ob der Makler dieses Objekt noch im Programm hat. Wenn nicht, dann dürfte eigentlich alles i. O. sein. Es dürfte keine Courtage anfallen. Wenn der Makler jedoch das Objekt immer noch im Angebot hat, dann dürfte die Courtage anfallen. Allerdings lässt sich ja eventuell etwas am Kaufpreis drehen, so dass die ganze Sache zu einem Nullsummenspiel wird. Sieben Monate sind schon eine etwas längere Zeit für einen Verkauf. Zumindest hier in HH.

VG
Ingo

ronnyd
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Beitrag von ronnyd »

Hallo,
ingok. hat geschrieben: ich glaube, da stellt sich erstmal die Frage, ob der Makler dieses Objekt noch im Programm hat. Wenn nicht, dann dürfte eigentlich alles i. O. sein.
ja, wird noch angeboten.
ingok. hat geschrieben: Sieben Monate sind schon eine etwas längere Zeit für einen Verkauf. Zumindest hier in HH.
Im wilden Osten in der Provinz nicht so sehr.

Grüße

Ronny

ronnyd
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Beitrag von ronnyd »

Hallo, ich habe gerade erfahren dass der Verkäufer den Marklervertrag gekündigt hat. Wie sieht jetzt die Sachlage aus? Hätte der Makler trotzdem Anspruch auf die Cortage da er ja damals den Erstkontakt hergestellt hat?

Grüße

Ronny

sisch
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Beitrag von sisch »

ja
die Maklercourtage ist fällig, da der Makler das Haus gezeigt hat, insbesondere, wenn der Makler das Haus im Angebot noch hat. Der Makler hat ja hier dann doch seine Arbeit getan. Ist ein schriftlicher Nachweis vorhanden?Gruß sisch
Moral ist nicht gleich Recht, schon gar nicht im Recht sein

ronnyd
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Beitrag von ronnyd »

Ist ein schriftlicher Nachweis vorhanden?
Nun ja, es gibt einen Mail-Kontakt und ein schriftliches Angebot vom
Makler. Einen Vertrag oder ähnliches habe ich allerdings nicht unterschrieben.

Gruß

Ronny

RM
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Beitrag von RM »

ronnyd hat geschrieben:Hallo, ich habe gerade erfahren dass der Verkäufer den Marklervertrag gekündigt hat. Wie sieht jetzt die Sachlage aus? Hätte der Makler trotzdem Anspruch auf die Cortage da er ja damals den Erstkontakt hergestellt hat?
Zunächst einmal hat der Verkäufer nicht den Maklervertrag gekündigt, sondern den Maklerauftrag.
Die Sachlage hat sich dadurch für den Maklerkunden allerdings nicht im geringsten geändert. Grundlage für den Provisionsanspruch des Maklers ist der Maklervertrag (zwischen Makler und (potenziellem) Käufer). Die Provision wird fällig mit dem Abschluss des Hauptvertrags zwischen Käufer und Verkäufer.
Der Maklerauftrag des Verkäufers ist niemals Voraussetzung für einen Provisionsanspruch. Der Anspruch würde sogar bestehen, wenn es niemals einen Auftrag gegeben hätte.
Ein Makler, der ohne Auftrag ist, würde allenfalls - falls der Auftrag durch den Verkäufer nicht noch nachträglich erteilt würde - eine Ordnungswidrigkeit begehen. Daraus kann der Maklerkunde allerdings keine Rechte ableiten.

Man wird darüber streiten können, ob die Maklertätigkeit nach 7 Monaten noch kausal ist für den Abschluss des Kaufvertrags. Das Ergebnis wird von den Umständen des Einzelfalls abhängen.

avisio
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Beitrag von avisio »

Hallo

eines vorweg. Jeder der eine Leistung erbringt soll dafür bezahlt werden.
In eurem Fall ist zu prüfen ob überhaupt, zwischen euch und dem Makler, ein Vertrag zustande gekommen ist.
Das tut es in den meisten Fällen nämlich nicht.
Auch das Zeigen eines Hauses ist noch kein Vertrag. Erst wenn zwei übereistimmende Willenserklärungen abgegeben wurden und ein Vertrag vereinbart wurde (Handschlag, mündlich, schriftlich...)ist dieser auch gültig. Lasst euch nichts anderes erzählen. In weit über 80% der Fälle kommt kein Vertrag zustande und die Käufer zahlen trotzdem weil sie es nicht wissen. Leider.

RM
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Beitrag von RM »

avisio hat geschrieben: Erst wenn zwei übereistimmende Willenserklärungen abgegeben wurden und ein Vertrag vereinbart wurde (Handschlag, mündlich, schriftlich...)ist dieser auch gültig.
Ich habe beträchtliche Schwierigkeiten damit, dass zusätzlich zu den beiden Willenserklärungen mit Handschlag, ... ein Vertrag vereinbart werden muss. Was könnte wohl passieren, wenn es zwar zwei deckungsgleiche Willenserklärungen gibt, der zur Gültigkeit des Vertrags anscheinend zusätzlich erforderliche Vertrag aber nicht vereinbart wird?
Zwei deckungsgleiche Willenserklärungen sind ein Vertrag.
avisio hat geschrieben: Lasst euch nichts anderes erzählen. In weit über 80% der Fälle kommt kein Vertrag zustande und die Käufer zahlen trotzdem weil sie es nicht wissen. Leider.
Die wirren Vorstellungen über den Abschluss eines Vertrags qualifizieren unbedingt zu dieser Wertung.

Maklerverträge werden in sehr vielen Fällen durch konkludente Handlung abgeschlossen. Der Makler bietet ein Objekt an und weist dabei auf seine Maklerstellung und die Provisionsforderung hin. Der Kunde nimmt dieses Vertragsangebot dadurch an, dass er mit dem Makler Kontakt aufnimmt. Damit ist der Maklervertrag abgeschlossen.

avisio
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Beitrag von avisio »

Kontakaufnahme zu einem Makler ist kein Vertargsabschluss. Wenn ich mit einem Autoverkäufer Kontakt aufnnehme habe ich auch noch kein Auto gekauft.

"Für das Zustandekommen eines gültigen Vertrags sind immer mindestens zwei übereinstimmende Willenserklärungen erforderlich. Dabei wird die erste (verbindliche) Willenserklärung als Angebot bezeichnet (im Sinne von Vertragsangebot, im BGB auch "Antrag"), die zweite Willenserklärung als Annahme (auch Zustimmungserklärung oder Vertragsannahme)."

Viele gehen davon aus, dass die angebotene Zeitung am Kiosk (oder das Brötchen beim Bäcker bzw. die Ware im Regal vom Supermarkt) bereits das Vertragsangebot darstellt und man nur noch das Geld auf den Ladentisch legen muss, um einen Kaufvertrag zu schließen. Das ist aber grund- sätzlich falsch.

Die beim Kioskbesitzer ausgelegten Zeitungen sind nichts weiter als eine Warenpräsentation, kein rechtsverbindliches Verkaufsangebot. Es erfordert erst der Zustimmung (Vertragsannahme) des Zeitungsverkäufers, um einen Kaufvertrag herbeizuführen. (Expose Makler mit Hinweis auf Courtage)

Es muss extra ein Vertrag geschlossen werden. Ganz einfach.

Lucky
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Beitrag von Lucky »

avisio hat geschrieben:... Es muss extra ein Vertrag geschlossen werden. Ganz einfach.
Sorry, aber diese Aussage ist ganz einfach falsch.

Der Vertrag kommt i.d.R. kunkludent zustande,d.h.durch schlüssiges Verhalten.
Makler wirbt im internet und nennt dabei sein Provisionsverlangen z.B. 3,57 % Courtage.
Ein Interessent meldet sich beim Makler - im Wissen um die Provisionspflicht - und schliesst damit einen Maklervertrag. RM hat es bereits zutreffend beschrieben.
Eine andere Frage ist, ob das Angebot nach 7 Monaten bereits als "aus den Augen verloren" betrachtet werden kann. Dann wäre der Interessent nicht mehr an seinen Maklervertrag gebunden. Die Zeitspanne, ab wann ein Angebot "aus den Augen verloren" ist, ist Ermessenssache d.h. es kommt auf den Einzelfall und auf den Richter an.
MfG
Lucky
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ingok.
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Beitrag von ingok. »

Lucky hat geschrieben: Der Vertrag kommt i.d.R. kunkludent zustande,d.h.durch schlüssiges Verhalten.
Makler wirbt im internet und nennt dabei sein Provisionsverlangen z.B. 3,57 % Courtage.
Ein Interessent meldet sich beim Makler - im Wissen um die Provisionspflicht - und schliesst damit einen Maklervertrag.
Zumal die meisten Makler die relevanten Unterlagen immer noch per Post zustellen. In denen ist dann meist auch ein Schreiben enthalten, welches über die Kaution aufklärt. Zumindest sind dies meine Erfahrungen des letzten Jahres. Da haben wir selber ein Haus gesucht. Und in HH wird dieses meist so gehandhabt. Wenn das Angebot per Mail kommt, dann waren dort auch die "AGB's" des Maklers dabei.

Lucky
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Beitrag von Lucky »

ingok. hat geschrieben:...Zumal die meisten Makler die relevanten Unterlagen immer noch per Post zustellen. In denen ist dann meist auch ein Schreiben enthalten, welches über die Kaution aufklärt. ..... Wenn das Angebot per Mail kommt, dann waren dort auch die "AGB's" des Maklers dabei.
Abgesehen davon, daß es nicht um Kaution geht (die ein Vermieter bekommt), sondern um Provision (die ein Makler bekommt) möchte ich klarstellen:
Wenn ein Schreiben des Maklers (per Post oder email) kommt in dem er sein Provisionsverlangen samt Allgemeine Geschäftsbedingungen nennt, so kommt dadurch noch kein Maklervertrag zustande.
Erst wenn ein Interessent - im Wissen um die Provisionspflicht - die Dienste des Maklers in Ansprucht, schliesst er damit einen Maklervertrag. In der Regel nennt der Makler seine Bedingungen bereits im internet-Angebot. Wenn jemand daraufhin mit dem Makler Kontakt aufnimmt, so akzeptiert er damit stillschweigend die genannten Bedingungen und der Maklervertrag wird durch schlüssiges Verhalten (konkludent) geschlossen.
Da ein Makler nie sicher sein kann, wer sich tatsächlich hinter einer email-adresse versteckt, verschickt er gerne sicherheitshalber das Expose (den sog. Objektnachweis) per Post. An diesselbe Anschrift geht dann später (nach Zustandekommen des Hauptvertrages) auch die Provisionsrechnung. Wenn der Makler das Angebot verschickt, besteht also bereits der Maklerauftrag.
MfG
Lucky
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avisio
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Beitrag von avisio »

Nochmal. Der Hinweis auf Provision, Courtage oder ähnliches ist noch kein Vertragsabschluss. Kann es gar nicht sein.
Jeder der das Gegenteil behauptet lügt ganz einfach.
Ich kenn genügend Richter die Makler mit einer solchen Argumentation vor Gericht einfach abblitzen lassen.
Außerdem kann bei dem einfachen Hinweis das Cortage fällig wird von Käuferseite ausgegangen werden das die Courtage vom Verkäufer bezahlt wird.
Stillschweigend wird schonmal gar kein Vertrag in diesem Fall geschlossen.
Das wäre ja auch noch schöner.

avisio
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Beitrag von avisio »


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