Maklercourtage rechtens?

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conlikei
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Maklercourtage rechtens?

Beitrag von conlikei »

Hallo Forum,
dies ist die Situation:
ein Hausbesitzer verkauft Eigentumswohnungen in einem Mehrfamilienobjekt. Er verweist auf einen 'Makler', der bereits im Vorfeld als Verwalter der Mietparteien in diesem Objekt tätig war und auch noch ist.
Nun soll bei Abschluß eines Kaufvertrages die Provision in Höhe von 6,25% erhoben werden.
Ist das Vetternwirtschaft? Der Besitzer kassiert die Provision über seinen Mitarbeiter ja selbst...
Danke für die Antworten,
Constanze

Thommer
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von Thommer »

Nenn es Vetternwirtschaft, machen kannst du nichts dagegen. Wenn der Hausbesitzer den Verkauf der Wohnungen einem Makkler übertragen hat, wirst du zahlen müssen.
Grüße,
Thomas

ingok.
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von ingok. »

Thommer hat geschrieben:Nenn es Vetternwirtschaft, machen kannst du nichts dagegen. Wenn der Hausbesitzer den Verkauf der Wohnungen einem Makkler übertragen hat, wirst du zahlen müssen.
Grüße,
Thomas
Das sehen die Gerichte aber unterschiedlich:
"In der Rechtsprechung umstritten ist die Frage, ob für die Vermittlung einer Eigentumswohnung der Verwalter der Wohnanlage Anspruch auf Provision hat oder nicht.

Einige Gerichte bejahen den Provisionsanspruch, solange der Verwalter der Eigentumswohnanlage nicht auch noch zusätzlich für den einzelnen Wohnungseigentümer dessen Wohnung verwaltet, die er dann vermittelt (LG Osnabrück 12 S 232/97; LG Köln 26 S 291/95; LG Stade 2 S 8/96).

Immer häufiger urteilen die Gerichte aber anders und machen keinen Unterschied mehr zwischen dem Verwalter der gemeinschaftlichen Eigentumsanlage und dem Verwalter einer einzelnen Wohnung. Danach hat der Verwalter der Wohnungseigentumsanlage grundsätzlich keinen Anspruch auf Provision, wenn er eine Wohnung in dieser Anlage vermittelt (LG Ravensburg 1 S 51/97; LG Bautzen 1 S 25/98; LG Lüneburg 1 S 200/96; LG München I 31 S 24382/94 und LG Bonn 8 S 122/95).

Nach Ansicht des Deutschen Mieterbundes ist dies auch richtig. Nach dem gesetzlichen Leitbild ist der Makler der unabhängige Vermittler von Verträgen. Da aber auch der Verwalter einer Wohnungseigentumsanlage die Interessen der Vermieter und Wohnungseigentümer wahrnimmt, fehlt ihm die neutrale Stellung, die ein Makler haben muß."


Quelle: http://www.pro-wohnen.de/Mietrecht_Makler.htm

khmlev
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von khmlev »

Verwalter ist nicht gleich Verwalter. Da muss man unterscheiden.

Der BGH sieht kein Problem darin, dass der (gewöhnliche) Verwalter einer Wohnungseigentumsanlage, für die Vermittlung von Wohnungen zum Abschluss eines Mietvertrages einen Anspruch auf ein Entgelt hat.
Der amtliche Leitsatz lautet dazu: Dem (gewöhnlichen) Verwalter nach §§ 20 ff WEG ist ein Anspruch auf Entgelt für die Vermittlung oder den Nachweis einer Gelegenheit zum Abschluß von Mietverträgen über Wohnräume nicht nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 WoVermittG versagt; er ist nicht Verwalter von Wohnräumen im Sinne dieser Bestimmung.

Anders sieht es aus, wenn der Verwalter einer Wohungseigentumsanlage zusätzlich und im Auftrag des betreffenden Wohnungseigentümers erhebliche Verwaltungsleistungen für die konkrete Wohnung erbringt oder als dessen Repräsentant auftritt oder der Verwalter für den Eigentümer die Wohnungen eines Mietshauses verwaltet. In diesen Fällen ist ihm ein Entgelt für die Vermittlung oder den Nachweis einer Gelegenheit zum Abschluß von Mietverträgen über Wohnräume nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 WoVermittG versagt.

(BGH, 13.03.2003, AZ III ZR 299/02).
Gruß
khmlev
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juggernaut
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von juggernaut »

das WoVermittG und damit auch die von khmcologne und ingok zitierten urteile betreffen die vermittlung von mietverträgen (vgl. 1 I WoVermittG).

hier geht es aber um den verkauf:
conlikei hat geschrieben:dies ist die Situation: ein Hausbesitzer verkauft Eigentumswohnungen in einem Mehrfamilienobjekt.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

khmlev
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von khmlev »

juggernaut hat geschrieben:das WoVermittG und damit auch die von khmcologne und ingok zitierten urteile betreffen die vermittlung von mietverträgen... hier geht es aber um den verkauf: ...
Sorry ... da waren die Augen noch müde.
Gruß
khmlev
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Lucky
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Re: Maklercourtage rechtens?

Beitrag von Lucky »

conlikei hat geschrieben:... Er verweist auf einen 'Makler', der bereits im Vorfeld als Verwalter der Mietparteien in diesem Objekt tätig war und auch noch ist.
Für den Makler könnte eher die Verweisung ein Problem darstellen, denn die Maklerprovision kennt 2 Anspruchsgrundlagen, von denen eine erfüllt sein muss: Nachweis oder Vermittlung.
Die Anspruchsgrundlage "Nachweis" fällt hier wohl weg, weil der Käufer das Angebot bereits kannte.
Hierzu http://www.frankfurt-main.ihk.de/branch ... index.html
Eine Verweisung an den Makler ist vom Gesetzgeber als unzulässig betrachtet, bzw. kann nur über eine echte Individualvereinbarung ausgehandelt werden.
Hierzu: http://www.finanztip.de/recht/immobilie ... 01000a.htm
Es könnte sich ein Provisionsaspruch aus Vermittlung ergeben haben. Dies setzt aber voraus, daß der Makler sein Provisionsverlangen von Anfang genannt hat und der Käufer - im Wissen um die Provisionspflicht - die Dienste des Maklers weiterhin in Anspruch genommen hat (bzw. sich dessen Dienste widerspruchslos gefallen hat lassen).
Die spannende Frage lautet also, ob zwischen Käufer und Makler ein Maklervertrag zustande kam - mit dem Inhalt, daß bei Zustandekommen eines Hauptvertrages (Kaufvertrag) Maklergebühr zu zahlen ist.
MfG
Lucky
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