Notaranderkonto

Moderator: FDR-Team

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awri
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Notaranderkonto

Beitrag von awri »

Hallo,

am 8. August dieses Jahres habe ich eine Wohnung gekauft. Dabei lief einiges nicht so, wie es hätte laufen sollen.

Der Makler versprach mir, den Vorvertrag am Freitag vor dem Notar-Termin, der am darauf folgenden Montag war, in den Briefkasten zu werfen. Da ich noch vieles andere um die Ohren habe, wurde mir erst am Sonntag bewusst, dass ich den Vorvertrag noch nicht erhalten hatte. Nachdem ich den Makler angerufen hatte, erhielt ich am Sonntag Nachmittag dann die Unterlagen. Ich konnte mich also schon mal nicht ausreichend vorbereiten.

Im Vertrag vereinbart wurde, dass die Zahlungsabwicklung über ein Notaranderkonto läuft. Nun habe ich im Nachhinein erfahren, dass das gar nicht sein muss. In Süddeutschland, wo ich wohne, ist das nicht mehr üblich.

Der Notar hat mich nicht darüber aufgeklärt. Nun muss ich über 500 Euro bezahlen für einen Service, den ich nicht angenommen hätte, hätte ich gewusst, dass ich das ablehnen kann.

Die Verkäuferin wusste das übrigens auch nicht und bezahlt genau so viel.

Mich ärgert das sehr und habe nun die Frage an Euch: Habe ich eine Chance, um diese Kosten herum zu kommen?

Ich bedanke mich schon mal im Voraus für Eure Antworten!!!

Herzliche Grüße,

Gabriele

CruNCC
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von CruNCC »

Nachdem ich den Makler angerufen hatte, erhielt ich am Sonntag Nachmittag dann die Unterlagen. Ich konnte mich also schon mal nicht ausreichend vorbereiten.
Dann hätte man den Beurkundungstermin verschieben können.
Der Notar hat mich nicht darüber aufgeklärt. Nun muss ich über 500 Euro bezahlen für einen Service, den ich nicht angenommen hätte, hätte ich gewusst, dass ich das ablehnen kann.
Dazu ist der Notar auch nicht verpflichtet. Der Notar hat den Vertrag vollständig vorgelesen, weshalb wurde nicht nachgefragt.
Mich ärgert das sehr und habe nun die Frage an Euch: Habe ich eine Chance, um diese Kosten herum zu kommen?
Nein.

khmlev
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von khmlev »

Aus Lust und Tollerei wird der Notar kein Anderkonto in den Vertrag aufnehmen, da hier für den Notar ein erhöhter Aufwand besteht. Im Übrigen werden Anderkonten nur noch verwendet, wenn ein Sicherungsbedürfnis besteht und irgendein Beteiligter muss es ja angeregt haben.
Gruß
khmlev
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Baden-57
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von Baden-57 »

Wäre mir neu, dass bei uns in Süddeutschland Notaranderkonto nicht mehr üblich wäre; dies wird weiterhin genutzt, um eine schnelle und risikolose Abwicklung des Vertrages zu gewährleisten.
Wenn man am Sonntag Nachmittag den Vertrag erhält, hatte man doch genügend Zeit, diesen durchzulesen.

CruNCC
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von CruNCC »

Baden-57 hat geschrieben:Wäre mir neu, dass bei uns in Süddeutschland Notaranderkonto nicht mehr üblich wäre; dies wird weiterhin genutzt, um eine schnelle und risikolose Abwicklung des Vertrages zu gewährleisten.
Auch in Süddeutschland ist es nicht üblich, "normale" Kaufverträge mit Notaranderkonten abzuwicklen.

ISpeech
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von ISpeech »

Ich kann awri verstehen. Wir wissen welche Kostenfolgen ein Notaranderkonto hat. Der Normalbürger versteht das aber nicht. Und wie überall gibt es "schwarze" oder "unwissende" Schafe, auch bei Notaren. Und so steht ein Notaranderkonto bereits im Vertragsentwurf ohne das ein Beteiligter dies beauftragt hat. Ich sehe im Regelfall (normaler Kaufvertrag) ein Notaranderkonto auch als ein überflüssiges Instrument an.

khmlev
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von khmlev »

ISpeech hat geschrieben:Und wie überall gibt es "schwarze" oder "unwissende" Schafe, auch bei Notaren. Und so steht ein Notaranderkonto bereits im Vertragsentwurf ohne das ein Beteiligter dies beauftragt hat.
Da jedes Notaranderkonto durch den Landgerichtspräsidenten überprüft wird, wird ein Notar nur bei einem bestehenden Sicherungsbedürfnis das Notaranderkonto vorschlagen. Sollte er ein Sicherungsbedürfnis gegenüber dem Landgerichtspräsidenten nicht nachweisen können, wird er die erhobenen Gebühren für das Notaranderkonto dem Kostenschuldner zurückerstatten müssen. Kommt diese Handlungsweise öfters bei dem beanstandeten Notar vor, muss er mit einer Diziplinarstrafe rechnen, die bis zur Amtsenthebung gehen kann.
Gruß
khmlev
- out of order -

Lucky
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Re: Notaranderkonto

Beitrag von Lucky »

awri hat geschrieben:Hallo,

am 8. August dieses Jahres habe ich eine Wohnung gekauft. Dabei lief einiges nicht so, wie es hätte laufen sollen.

Der Makler versprach mir, den Vorvertrag am Freitag vor dem Notar-Termin, der am darauf folgenden Montag war, in den Briefkasten zu werfen. Da ich noch vieles andere um die Ohren habe, wurde mir erst am Sonntag bewusst, dass ich den Vorvertrag noch nicht erhalten hatte. Nachdem ich den Makler angerufen hatte, erhielt ich am Sonntag Nachmittag dann die Unterlagen. Ich konnte mich also schon mal nicht ausreichend vorbereiten.

Im Vertrag vereinbart wurde, dass die Zahlungsabwicklung über ein Notaranderkonto läuft. Nun habe ich im Nachhinein erfahren, dass das gar nicht sein muss. In Süddeutschland, wo ich wohne, ist das nicht mehr üblich.

Der Notar hat mich nicht darüber aufgeklärt. Nun muss ich über 500 Euro bezahlen für einen Service, den ich nicht angenommen hätte, hätte ich gewusst, dass ich das ablehnen kann.

Die Verkäuferin wusste das übrigens auch nicht und bezahlt genau so viel.

Mich ärgert das sehr und habe nun die Frage an Euch: Habe ich eine Chance, um diese Kosten herum zu kommen?

Ich bedanke mich schon mal im Voraus für Eure Antworten!!!

Herzliche Grüße,

Gabriele
Was ist ein Vorvertrag?
Ist damit der Vertragsentwurf gemeint?
Falls der Verkäufer keine Privatperson sondern ein Unternehmer ist, muss der Vertragsentwurf 14 Tage vor der Beurkundung dem Käufer zugegangen sein. (Verbrauchervertrag)
Ist der Verkäufer kein Unternehmer, so gilt diese 14-Tage-Frist nicht.
Ist die Kaufpreiszahlung kompliziert weil z.B. mehrere Gläubiger vorhanden oder Tageszinsen berücksichtig werden müssen und der Kaufpreis nur knapp für die Lastenfreistellung ausreicht, so besteht ein Sicherheitsbedürfnis für den Käufer. Der Notar empfiehlt in solchen Fällen die Abwicklung über Notaranderkonto. Liegt jedoch kein Sicherungsbedürfnis vor, so darf der Notar gar kein Anderkonto wählen, denn er muss die für den Kunden kostengünstigste Variante wählen.
MfG
Lucky
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Ich gebe grundsätzlich weder Steuer- noch Rechtsberatung.

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