Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Moderator: FDR-Team

Antworten
sane
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: 24.03.05, 09:24

Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von sane »

Hallo,

Ein Verkäufer hat sein Haus verkauft, zum 31.12. soll die Übergabe sein. Nun bekam er vom Hauskäufer eine weitergeleitete WhatsApp seiner Bank (ist das üblich, dass Banken WhatsApps schreiben?), in dem der Käufer aufgefordert wird, der Bank die erfolgreiche Übergabe zu bestätigen, so dass diese danach den Kaufpreis anweisen kann.

Beim Notar wurde vereinbart, dass die Übergabe „Zug um Zug, Schlüssel gegen Geld“ stattfindet, was bedeutet, laut Notar, die Übergabe findet statt, sobald das Geld auf dem Konto vom Verkäufer angewiesen ist.

Nun scheint es sich so zu entwickeln, dass der Käufer erst den Schlüssel haben muss, weil vorher keine Zahlung seitens der Bank stattfindet. Darauf will sich der Verkäufer auf gar keinen Fall einlassen! Man hört ja immer wieder, dass man den Schlüssel nicht vor Geldübergabe herausgeben soll, da man ansonsten als Verkäufer im Schlimmsten Fall weder Haus noch Geld hat…

Welche Möglichkeit hat der Verkäufer? Muss er bis zur Frist 31.12.2016 warten und dann die rechtlichen Schritte laut Notarvertrag vornehmen? Bei der Bank anzurufen nützt nichts, die gibt dem Verkäufer am Telefon keinerlei Auskünfte. Dem Verkäufer ist jedoch sehr daran gelegen, dass die Zahlung spätestens am 31.12.2016 stattfindet, da er selbst auch ein Haus gekauft hat, welches von dem Betrag bezahlt werden muss…

Wie muss er nun vorgehen?

Danke und Gruß
... nach bestem Wissen und Gewissen - zumindest mein Gewissen ist rein ;o))

Wohni
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 427
Registriert: 31.07.08, 09:37

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Wohni »

Am besten noch mal ganz genau im Kaufvertrag nachlesen!

Steht da „Zug um Zug, Schlüssel gegen Geld“ oder „Zug um Zug, Geld gegen Schlüssel“ ???

Dass die Bank Wotts-epp benutzt, kann ich mir nicht vorstellen.

Ich würde mit dem Käufer direkt kommunizieren.
Sprechen oder telefonieren ist fruchtbarer als das Aussenden von irgendwelchen einseitigen Mitteilungen.

MfG Wohni

Bumblebii
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 440
Registriert: 02.05.16, 17:23

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Bumblebii »

Ich habe auch erst die Übergabe gemacht, trotz anderer Vereinbarung im Notarvertrag weil die Bank des Käufers sonst nicht ausgezahlt hätte. Per WA finde ich merkwürdig. Hat der Käufer vllt. ein Schreiben (oder Anruf) von der Bank bekommen, welches er Ihnen per WA übermittelt hat?

Hat Ihre Bank Ihnen keine Zwischenfinanzierung angeboten? Das hatten wir falls die Zahlung nicht rechtzeitig auf dem Konto ist. Durch die vorzeitige Übergabe allerdings nicht in Anspruch genommen.

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2196
Registriert: 22.06.05, 22:24

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Celestro »

sane hat geschrieben:Darauf will sich der Verkäufer auf gar keinen Fall einlassen! Man hört ja immer wieder, dass man den Schlüssel nicht vor Geldübergabe herausgeben soll, da man ansonsten als Verkäufer im Schlimmsten Fall weder Haus noch Geld hat…
Seit wann hängen die Eigentumsverhältnisse an einem Haus am Schlüssel desselben ?

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6092
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von khmlev »

Es ist das alleinige Problem des Käufers für eine fristgerechte und vertragsgemäße Zahlung Sorge zu tragen. Es ist nicht Aufgabe des Verkäufers, die Bank zur Zahlung zu bewegen. Der Besitzübergang erfolgt regelmäßig nicht vor Eingang der vollständigen Kaufpreiszahlung.

Ob der Verkäufer, unabhängig davon, die Schlüssel bereits früher übergibt, ist seine Entscheidung. Zu empfehlen ist es nicht, da bei nicht Zahlung der Besitz zwar rechtlich nicht übergeht, der Käufer aber den Kaufgegenstand tatsächlich bereits erhalten hat. Anspruch auf Aushändigung des Kaufgegenstandes (=Schlüsselübergabe) hat der Käufer aber erst nach Besitzübergang.

Im Übrigen nutzen, insbesondere die Online-Banken, inzwischen alle Kommunikationswege. Selbst WA.
Gruß
khmlev
- out of order -

Altbauer
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 617
Registriert: 10.12.14, 17:47

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Altbauer »

Wenn man den Schlüssel übergeben hat, kann der Käufer sich im Haus einnisten.
Zahlt er dann nicht, hat man Probleme ohne Ende.

Man kann ihn keineswegs mit ein paar kräftigen Helfern wieder hinausbefördern!
Es folgt stattdessen ein langer Weg vor Gericht.

Umgekehrter Fall :
Zahlt der Käufer, der Verkäufer rückt aber den Schlüssel nicht heraus.
Er bestätigt auch nicht dem Notar den Eingand der Zahlung.
Wie läuft es denn dann ?

khmlev
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6092
Registriert: 02.05.09, 18:01
Wohnort: Leverkusen

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von khmlev »

khmlev hat geschrieben:Er bestätigt auch nicht dem Notar den Eingand der Zahlung.
Die vollständige Zahlung des Kaufpreises kann regelmäßig auch auf andere Weise nachgewiesen werden (zum Beispiel durch eine Bankbestätigung), so dass die Eintragung des Eigentumswechsel in das Grundbuch daran grundsätzlich nicht scheitern kann.
Altbauer hat geschrieben:Zahlt der Käufer, der Verkäufer rückt aber den Schlüssel nicht heraus.
Übergibt der Verkäufer den Kaufgegenstand nicht, geht der Besitz trotzdem über. Der Käufer muss den Verkäufer im Zweifel dann auf Herausgabe verklagen.
Gruß
khmlev
- out of order -

Baden-57
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1602
Registriert: 13.08.15, 16:49

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Baden-57 »

WhatsApps ist keine Kommunikationsform, welche eine Bank üblicherweise mit dem Finanzierungskunden betreibt und da dies lediglich die Beziehung Bank/Käufer betrifft, sollte sich der Verkäufer tunlichst an den Kaufvertrag halten, und dies wortwörtlich, sonst könnte ggf. in 2-3 Monaten ein neuer Thread hier zu lesen sein nach dem Motto: Hilfe, habe dem Käufer Schlüssel übergeben und kein Geld bekommen :shock:

Welche Probleme der Käufer hat, ist gänzlichst uninteressant und der Verkäufer sollte auch nicht irgendwelche "Gefälligkeitserklärungen" dem Käufer gegenüber abgeben, nur weil dieser nicht in der Lage ist, eine Finanzierung im üblichen Rahmen durchzuführen. :roll:

sane
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: 24.03.05, 09:24

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von sane »

Vielen Dank schonmal.
Wie hier schon angemerkt wurde, befürchtet der Verkäufer, dass sich der Käufer eben ins Haus "einnistet" (hat ein Kleinkind und ein Baby, solche Leute bekommst du niemals rausgeklagt...). Natürlich ist der Schlüssel kein Indiz fürs Eigentum, aber eben für den Besitz!
Die ganze Finanzierungssache war ohnehin komisch, da die Frau (ohne eigenes Einkommen) das Haus für fast 500.000€ alleine gekauft hat (100%-Finanzierung!), und direkt nach dem Hauskauf-Notartermin ein weiterer Termin zwecks Gütertrennung folgte, google spuckt bei dem (recht seltenen Namen) eine Firmeninsolvenz aus...
Alles recht seltsam...
Letztendlich wurde nun vereinbart, dass eine Begehung erfolgt, in dem eine neutrale Person (hier der Makler) den vertragsgemäßen Zustand des Hauses bestätigt und dieses Protokoll dann der Bank zugesendet wird. Diese soll dann das Geld anweisen, und sobald es auf dem Konto des Verkäufers ist, gibt es den Schlüssel.
Manmanman, was ein Heckmeck...
P.S.: Zur Geschichte, dass erst Geld und dann Schlüssel auch ein Risiko ist: Nunja, das Haus steht nunmal da wo es steht und ist ja definitiv im Besitz des Verkäufers. Da wird es ein leichtes sein, sich Zutritt zu verschaffen, wenn man der rechtmäßige Eigentümer ist. Das wird kaum an einem mickrigen Schlüssel scheitern.
Aber der Käufer ist eben nicht 100%ig sicher im Besitz des Geldes und wenn er es nunmal nicht hat und auch nicht von irgendeiner Bank bekommt, dann kann sich der Verkäufer dies auch nirgendwo holen. Selbst nicht mit Rechtsmitteln - wenn nichts da ist...!
... nach bestem Wissen und Gewissen - zumindest mein Gewissen ist rein ;o))

Wohni
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 427
Registriert: 31.07.08, 09:37

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Wohni »

Es bleibt dir wohl keine andere Möglichkeit, als die paar Tage bis zum vereinbarten Übergabetermin abzuwarten.

Wenn der Käufer am Ende nicht zahlungsfähig ist, wird es danach wohl zur Rückabwicklung kommen müssen.

Zu deinem Satz: " Da wird es ein leichtes sein, sich Zutritt zu verschaffen, wenn man der rechtmäßige Eigentümer ist.":

Nein nein, Eigentümer ist man erst, wenn man im Grundbuch eingetragen ist.
Voraussetzung dafür ist, dass man den Kaufpreis gezahlt hat.

Halt die Reihenfolge ein, dann dürfte auch nichts passieren.

MfG Wohni

Altbauer
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 617
Registriert: 10.12.14, 17:47

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Altbauer »

Baden-57 hat geschrieben:Nunja, das Haus steht nunmal da wo es steht und ist ja definitiv im Besitz des Verkäufers. Da wird es ein leichtes sein, sich Zutritt zu verschaffen, wenn man der rechtmäßige Eigentümer ist. Das wird kaum an einem mickrigen Schlüssel scheitern.
so ist es wohl.

Es ist eigentlich nicht die Sache des Verkäufers, sich nun irgendeinen Kopf zu machen!

Wenn der Verkäufer von der Bank das Geld nicht erhält, dann hat das schon seine Gründe !
(trauen die ihm evtl. nicht ? )

Übrigens habe ich schon von folgendem Verfahren gehört :
Die Bank überweist das Geld aus einem Kredit für eine Immobilie nicht dem Kreditnehmer , sondern dem
Verkäufer direkt !
Außerdem sollten doch wohl schon beim Notar bei Abschluss des Kaufvertrages die Bestellung der Grundschuld zur Sicherung
der Ansprüche der Bank in Auftrag gegeben worden sein.

Das Verhalten des Käufers scheint mir also wenig vertrauenswürdig.

Übrigens : wenn die Bank des Käufers so unbedingt auf der Schlüsselübergabe besteht :
- Zusammen mit dem Käufer zu dieser Bank hingehen und erfragen, ob es wirklich so ist.
- Den Schlüssel auf den Tisch des Bankmitarbeiters legen, und erst loslassen, wenn der Bankmitarbeiter das Geld
für den Kaufpreis direkt auf das Konto des Verkäufers überwiesen hat. ( Macht er direkt am Bildschirm )

Wenn Sie ihrem Vertragspartner ( dem Käufer) dieses Verfahren vorschlagen, werden Sie sich womöglich wundern,
was er dann noch für Argumente aus dem Hut zaubert. ( " kriegen keinen Termin bei der Bank, Bankgeheimnis etc. was
natürlich dann nicht gilt, wenn der Kreditnehmer mit bei der Bank erscheint und seine Einwilligung gibt .... usw. usw. )

Sicher wollen Sie selbst den Verkauf nun endlich abgewickelt haben.
Aber spielen Sie ruhig mal die Perspektive durch, was zu tun ist, wenn der Kauf platzt , weil der Käufer
nicht zahlen kann.
So ganz einfach ist es wohl dann nicht, das Haus an jemanden anderen zu verkaufen !

sane
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: 24.03.05, 09:24

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von sane »

Altbauer hat geschrieben: Übrigens : wenn die Bank des Käufers so unbedingt auf der Schlüsselübergabe besteht :
- Zusammen mit dem Käufer zu dieser Bank hingehen und erfragen, ob es wirklich so ist.
- Den Schlüssel auf den Tisch des Bankmitarbeiters legen, und erst loslassen, wenn der Bankmitarbeiter das Geld
für den Kaufpreis direkt auf das Konto des Verkäufers überwiesen hat. ( Macht er direkt am Bildschirm )
...wäre eine wirklich überlegenswerte Vorgehensweise, wenn wir nicht in Norddeutschland wären, die finanzierende Bank jedoch im tiefsten Bayern säße... :?
... nach bestem Wissen und Gewissen - zumindest mein Gewissen ist rein ;o))

Altbauer
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 617
Registriert: 10.12.14, 17:47

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Altbauer »

sane hat geschrieben:..wäre eine wirklich überlegenswerte Vorgehensweise, wenn wir nicht in Norddeutschland wären, die finanzierende Bank jedoch im tiefsten Bayern säße...
Irgendwie hab ich so etwas schon erwartet !
Bei mir wären da schon alle Alarmglocken am klingeln.

Lucky
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6108
Registriert: 31.12.04, 16:27

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von Lucky »

Erst wird bezahlt, dann gibt's die Schlüssel.
Auf etwas anderes würde ich mich nicht einlassen.
MfG
Lucky
Meine Beiträge stellen lediglich meine private Meinung sowie ggf. Transparenzinformationenen dar.
Ich gebe grundsätzlich weder Steuer- noch Rechtsberatung.

sane
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 113
Registriert: 24.03.05, 09:24

Re: Hausverkauf: Schlüssel vor Geld!?

Beitrag von sane »

Vielen Dank für alle Antworten.
Es ging alles glatt, wir machten den Vorschlag, mit einer neutralen Person (Makler) eine Vorab-Übergabe durchzuführen, woraufhin ddieser der Bank den Zustand des Hauses bestätigte (natürlich einwandfrei), drei Tage später war das Geld auf unserem Konto und wir übergaben die Schlüssel,
Anders hätten wir es nicht gemacht. Laut Notar hätte sich der Käufer ab dem notariell vereinbarten Termin in Verzug befunden, mit allen Konsequenzen. Das wollte der Käufer dann wohl lieber nicht riskieren.
... nach bestem Wissen und Gewissen - zumindest mein Gewissen ist rein ;o))

Antworten