Grundstück mit zwei Eigentümern

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Snowflake
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Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von Snowflake » 26.03.18, 11:32

Bonjour,

folgende Konstellation: Eine alte Dame verstirbt und vererbt ein großes Grundstück außerhalb je hälftig an ihre beiden Kindern. Der Sohn verstirbt einige Jahre später ebenfalls, woraufhin seine Hälfte des Grundstücks an seine Witwe (bzw. das gemeinsame Kind in Teilen? Wie beim Haus?) weitervererbt wird. Nun gehört also das Grundstück zu 50% der Witwe (bzw. ggf. Witwe und Kind) und zu 50% der Schwester des Verstorbenen.

Letztere möchte mit Instandhaltung der Zäune, der Pflege des Grundstückes bzw. der notwendig werdenden Beauftragung einer Firma das Grundstück davon abzuhalten sich zum Urwald zu entwickeln nichts zu tun haben, verweigert aber auch den Verkauf, sowohl an die Witwe als auch gemeinsam mit der Witwe an Dritte bzw. nennt hier Mondpreise mit der Begründung, es könne ja irgendwann einmal Bauland werden und dann mache sie ein schlechtes Geschäft damit jetzt zum "Gartengrundstückspreis" zu verkaufen.

Die Witwe steht jetzt also vor dem Problem, dass unklar ist, ob sie das Grundstück von Dritten überhaupt entwildern lassen darf, in jedem Fall müsste sie wohl alleine für die Kosten aufkommen. Bestünde ggf. die Möglichkeit "nur" die eigene Hälfte des Grundstückes zu verkaufen? Dann stellt sich jedoch die Frage, welche Hälfte das sei - oben? Unten? Die mit Eingang oder die ohne (Das Grundstück ist nur von einer Seite zugänglich)? Müsste ein neuer Eigentümer dann praktisch 50% erneut abzäunen und zwei Grundstücke draus machen?


Beste Grüße
Flocke
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SusanneBerlin
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von SusanneBerlin » 26.03.18, 11:47

Salut,

Es gibt keine "obere Hälfte" und "untere Hälte" des Grundstücks. Das Grundst7ck gehört als ganzes der Erbengemeinschaft.

Damit ein Mitglied der Erbengemeinschaft seinen Anteil an eine außenstehende Person verkaufen kann, müsste erstmal das Grundbuch von der Erbengemeinschaft A, B, C
auf die Eigentümeranteile erfolgen. (Auch dann ist das Grundstück nicht real geteilt, sondern jedem Miteigentümer gehört von jedem qm, jedem Baum und Grashalm ein Anteil.

Wahrscheinlich ist noch nicht einmal die Erbengemeinschaft im Grundbuch eingetragen, sondern immer noch die verstorbene alte Dame.

Zur Grundbuchberichtigung benötigt man den Erbschein der Erben der alten Dame, und den Erbschein im Erbfall des Sohnes.

Man kann auch einen Notar damit beauftragen, die Erbscheine zu beantragen und die Grundbuchberichtigung in die Wege zu leiten. (Ist dann nur doppelt so teuer, weil das Honorar des Notars zu den Erbscheingebühren dazu kommt).
Grüße, Susanne

Snowflake
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von Snowflake » 26.03.18, 12:08

Howdie,

ändert denn eine Änderung im Grundbuch irgendetwas an der Problematik selbst?
Oder ist dann auch nur das Problem quasi offiziell festgehalten? :)

Beste Grüße
Flocke
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lottchen
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von lottchen » 26.03.18, 12:22

Wenn die richtigen Erben im Grundbuch eingetragen sind kann jeder Erbe seinen Anteil an wen auch immer verkaufen oder wenn er keinen Käufer findet der seinen Anteil kaufen will (was außerhalb der Erben wahrscheinlich ist) eine Teilungsversteigerung beantragen. Dazu bedarf es nicht der Zustimmung der anderen Erben. Dann wird das Grundstück versteigert und der Erlöß wird auf die Erben aufgeteilt. Solange das Grundbuch nicht bereinigt ist ist das nicht möglich.

CruNCC
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von CruNCC » 26.03.18, 13:03

Man kann auch einen Notar damit beauftragen, die Erbscheine zu beantragen und die Grundbuchberichtigung in die Wege zu leiten.

Ein Notar kann keinen Erbschein beantragen. Jeder Erbe kann einen Erbscheinsantrag beim Notar beurkunden lassen, dieser wird dann an das zuständige Nachlassgericht weiterleitet.
(Ist dann nur doppelt so teuer, weil das Honorar des Notars zu den Erbscheingebühren dazu kommt).
Das ist falsch. Ein Notar erhält kein "Honorar". Die Gebühr für den Erbscheinsantrag beim Notar und beim Nachlassgericht ist dieselbe - beim Notar kommen allerdings Schreibauslagen, Porto und UST dazu.

CruNCC
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von CruNCC » 26.03.18, 13:08

ändert denn eine Änderung im Grundbuch irgendetwas an der Problematik selbst?
Nein, früher oder später muss das Grundbuch berichtigt werden. Warum also warten, insbesondere ist die Grundbuchberichtigung innerhalb von zwei Jahren gebührenfrei?
Wenn die richtigen Erben im Grundbuch eingetragen sind kann jeder Erbe seinen Anteil an wen auch immer verkaufen
... wobei die Miterben ein Vorkaufsrecht haben.

hambre
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Re: Grundstück mit zwei Eigentümern

Beitrag von hambre » 26.03.18, 13:38

Wenn die richtigen Erben im Grundbuch eingetragen sind kann jeder Erbe seinen Anteil an wen auch immer verkaufen
Das ist nicht richtig. Bei einer nicht auseinandergesetzten Erbengemeinschaft kann ein Erbe nur seinen kompletten Erbteil verkaufen, nicht jedoch seinen geerbten Anteil am Haus.
verweigert aber auch den Verkauf, sowohl an die Witwe als auch gemeinsam mit der Witwe an Dritte bzw. nennt hier Mondpreise mit der Begründung, es könne ja irgendwann einmal Bauland werden und dann mache sie ein schlechtes Geschäft damit jetzt zum "Gartengrundstückspreis" zu verkaufen.
Durch eine Teilungsversteigerung kann man den "Verkauf" erzwingen.

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