Schwierigkeiten bei Majorisierung

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CharlesX
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Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von CharlesX » 09.03.19, 08:51

A. ist Eigentümer einer ETW, die er selbst bewohnt.
Es gibt einige Schwierigkeiten in der WEG, die alle darauf zurückzuführen sind, dass es in der WEG einen Mehrheitseigentümer gibt und der Hausverwalter mit diesem an einem Strang zieht.

A. hat derzeit einen gebrochenen Fuss und muss einen ärztlich verordneten 'Astronautenschuh' tragen. A. wohnt im 4. Stock, dass Treppenhausgeländer wackelt und A. kann mit dem Astronautenschuh nicht die Treppe heruntergehen. Er hat bereits vor einem Monat den Hausverwalter gebeten die Stabilität des Treppenhausgeländers zu überprüfen, es wurde jedoch kein Fachmann beauftragt. Lediglich der Hausmeister erschien und stellte auch fest, dass das Treppenhausgeländer bei Belastung wackelt, was für das Alter des Gebäudes nicht ungewöhnlich ist.

Was für Möglichkeiten hat A., den Hausverwalter zu packen?

Begeht die Hausverwaltung in dem o.g. Fall Pflichtverletzung? Unter welchen Umständen kann A. ggfs. Schmerzensgeld verlangen und von wem?

webelch
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von webelch » 09.03.19, 09:24

Welche Schmerzen verursacht das wackelnde Treppengeländer dem A?

A kann - aus meiner Sicht - lediglich bei der nächsten Eigentümerversammlung einen Beschlussantrag einbringen die Treppe entsprechend zu sanieren. Eine Mehrheit wird er für diesen Beschluss nach Schilderung des Sachverhaltes wohl nicht erreichen können.

Sollte A durch das überalterte Geländer zu schaden kommen, wäre die Haftung zu prüfen.

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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von Verpflichteter » 09.03.19, 10:18

Hallo,

Astronautenschuh und Geländer haben also keinen Zusammenhang.
CharlesX hat geschrieben: A. kann mit dem Astronautenschuh nicht die Treppe heruntergehen
Das Problem besteht schon länger.
CharlesX hat geschrieben:hat bereits vor einem Monat den Hausverwalter gebeten die Stabilität des Treppenhausgeländers zu überprüfen
CharlesX hat geschrieben:stellte auch fest, dass das Treppenhausgeländer bei Belastung wackelt, was für das Alter des Gebäudes nicht ungewöhnlich ist.
CharlesX hat geschrieben:Was für Möglichkeiten hat A., den Hausverwalter zu packen?
Der Verwalter ist nicht der richtige Ansprechpartner sondern die Eigentümergemeinschaft. siehe webelch

Je nach Teilungserklärung und Stimmrecht könnte der "Mehrheitseigentümer" bei einer baulichen Änderung überstimmt werden.
Z.B. zusätzlichen Handlauf auf der Wandseite.

Es steht A frei einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

A könnte selbst Hand anlegen und versuchen in lose Holzverbindungen mittels einer Spritze dünnflüssiges Gießharz zu füllen.

Er könnte auch selbst einen Fachmann mit der Rep. beauftragen weil Gefahr im Verzug o.s.

A könnte alle Schritte streitfest dokumentieren, Zeugen generieren und dies so, dass die Widerwilligen das auch sehen.
CharlesX hat geschrieben:Unter welchen Umständen kann A. ggfs. Schmerzensgeld verlangen und von wem?
A könnte als Geschädigter von A als Eigentümer Schmerzensgeld verlangen. A könnte dann an A zahlen und im Innenverhältnis von den anderen Eigentümer Anteile fordern. :ostern:

Schätze mal, die wird er jedoch nicht bekommen.

Anders wäre es, wenn ein Besucher von A sich den Hals bricht, weil das Geländer nicht mehr standsicher war.
Da hat die WEG hoffentlich eine gute Versicherung.
Mit den Unterlagen des A könnte dann die Versicherung auf Verwalter zugehen.

So stelle ich es mir zumindest vor.

MfG
uwe

CharlesX
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von CharlesX » 09.03.19, 10:46

Zwischen dem Astronautenschuh und dem Treppengeländer besteht sehr wohl ein Zusammenhang:

A. kann mit dem Astronautenschuh nicht die Treppe heruntergehen, weil das Treppenhausgeländer wackelt.
Daher muss er den Astronautenschuh in eine Tasche packen, ärztlich verbotenerweise normale Schuhe anziehen,
seine Krücken in die Hand nehmen und 4 Treppen heruntergehen, um im Erdgeschoss den Astronautenschuh wieder
anziehen zu können. Und wenn A. ohne den Astronautenschuh eine falsche Bewegung macht, schwillt der Fuss sofort
wieder an. A. empfindet diesen Zustand als nicht zumutbar und gesundheitsschädigend.

Den Vorschlag, dass A. auf eigene Kosten einen Fachmann beauftragt, der das Treppengeländer stabilisiert, wird die
WEG nicht dulden. Der Mehrheitseigentümer kann/will nicht begreifen, dass er nicht mehr Hauseigentümer ist.
Irgendwo hat A. gehört, dass es rechtlich so etwas wie eine Majorisierungsklausel gibt.

Das wackelige Treppenhausgeländer hat A. bereits vor einem halben Jahr der Hausverwaltung gemeldet, als A.
sich mit einem schweren Koffer in der Hand am Treppenhausgeländer festgehalten hat und A. damals Angst
hatte, dass er mit dem Treppengeländer einbricht.

webelch
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von webelch » 09.03.19, 10:50

CharlesX hat geschrieben:Der Mehrheitseigentümer kann/will nicht begreifen, dass er nicht mehr Hauseigentümer ist.
Und A will wohl nicht verstehen, dass sich die Mehrheitsverhältnisse der WEG zu seinen Ungunsten verändert haben.

ISpeech
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von ISpeech » 09.03.19, 11:04

Ich kann keinen Zusammenhang zwischen den Astronautenschuhen und dem wackelnden Geländer feststellen. Entweder wackelt das Geländer so stark, dass es defekt ist, dann muss die Hausverwaltung sofort handeln und reparieren lassen. Der HV eine Frist geben und mit den Konsequenzen drohen. Dies kann Selbstvornahme sein, Anzeige beim Bauamt/Ordnungsamt (keine Ahnung wer zuständig ist) Schadensersatz, Verwalterkündigung oder oder oder sein. Um die Notwendigkeit der Reparatur aufzuzeigen, kann ein Mutiger auch mit einem beherzten Zug am Geländer die Reparaturnotwendigkeit ermitteln.

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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von Verpflichteter » 09.03.19, 11:40

CharlesX hat geschrieben:Den Vorschlag, dass A. auf eigene Kosten einen Fachmann beauftragt, der das Treppengeländer stabilisiert, wird die WEG nicht dulden. Der Mehrheitseigentümer kann/will nicht begreifen, dass er nicht mehr Hauseigentümer ist.
Irgendwo hat A. gehört, dass es rechtlich so etwas wie eine Majorisierungsklausel gibt.
A sollte zuerst aus der Teilungserklärung entnehmen was zum Stimmrecht darin geregelt ist, Kopfprinzip, Wertprinzip oder das Objektprinzip .

Wenn da auf einmal ein Schreiner im Treppenhaus steht und das Geländer repariert, wird jede Reaktion der übrigen Eigentümer zu spät kommen. Anschließend wird A ggf. Stress bekommen, so what. Er kann auf den Kosten für den Schreiner sitzen bleiben. :shock:
Rückbau wird man wohl nicht einklagen. :D

Man kann auch dem Verwalter mitteilen, dass man (A) über die Schreinerinnung einen bestellten Sachverständigen beauftragen wird (auf Kosten des A), der das Geländer untersucht.

Besteht nach Ansicht des Sachverständigen unmittelbarer Handlungsbedarf, wird die entsprechende Baubehörde informiert die dann das Treppenhaus sperrt. Dann zieht man ins Hotel. Auf dem Weg ins Hotel geht man bei einem Anwalt vorbei und bespricht mit ihm den Weg, seine,des As Kosten, erstattet zu bekommen.

Ist der Mehrheitseigentümer ein grober Klotz, hilft nur ein grober Keil und kein rumgeeiere.

MfG
uwe

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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von Evariste » 09.03.19, 17:03

Mit dem Stichwort "Majorisierung" finde ich z. B.:
Nutzt der Mehrheitseigentümer seine Stimmenmehrheit aber dazu aus, eigennützige und gemeinschaftsfremde Ziele gegen den Willen der übrigen Eigentümer durchzusetzen, ist der gefasste Beschluss rechtsmissbräuchlich. Er widerspricht dann dem Grundsatz ordnungsgemäßer Verwaltung und Sie können gegen ihn mit der Anfechtungsklage vorgehen. Halten Sie dann unbedingt die einmonatige Anfechtungsfrist ein. Versäumen Sie diese Frist, wird nämlich der Beschluss wirksam, auch wenn er rechtsmissbräuchlich ist.

CharlesX
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von CharlesX » 09.03.19, 18:11

Sehr geehrte/geehrter Evariste,

vielen Dank für die Antwort.

So wie es aussieht wird A. den ETV-Beschluss anfechten.

A. ist rechtsschutzversichert und seine RSV übernimmt die Kosten für seinen RA und evtl. auf ihn anfallende Gerichtsgebühren.

Wie sieht es für A. bzgl. der Anwaltskosten der Gemeinschaft bei der Beschlussanfechtung aus? Muss er diese anteilig
- i.H. seiner Miteigentumsanteile in der WEG - selbst tragen?

Vielen Dank.

webelch
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von webelch » 09.03.19, 18:36

CharlesX hat geschrieben:So wie es aussieht wird A. den ETV-Beschluss anfechten.
Welchen Beschluss?

CharlesX
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von CharlesX » 09.03.19, 19:15

Den Beschluss über die Genehmigung der Jahresabrechnung 2018

und
den Beschluss über die Entlastung des Verwaltungsbeirats bzgl. der Jahresabrechnung 2018.

Der TOP: Überprüfung der Stabilität des Treppenhausgeländers wurde auf mehrfachen Vorschlag des A.
durch die Hausverwaltung nicht aufgenommen, A. kann dieses Thema nur unter Sonstiges auf der ETV vortragen.

fodeure
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Re: Schwierigkeiten bei Majorisierung

Beitrag von fodeure » 10.03.19, 10:47

CharlesX hat geschrieben:Den Beschluss über die Genehmigung der Jahresabrechnung 2018

und
den Beschluss über die Entlastung des Verwaltungsbeirats bzgl. der Jahresabrechnung 2018
Und das übernimmt wirklich die RSV? Die Erfolgsaussichten für eine Beschlußanfechtung liegen hier bei 0%, da das Treppengeländer nun rein gar nichts mit der Jahresabrechnung zu tun hat?

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