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Recht auf Verwalter?

Verfasst: 10.04.19, 18:35
von elreib
Eine kleine Eigentümergemeinschaft hat sich ca. 20 Jahre selbst verwaltet. Jetzt möchte ein Eigentümer die Verwaltung von einem professionellen Verwalter erledigen lassen. Wie kann man das angehen bzw. umsetzten, wenn der Rest der Eigentümer dagegen ist und weiter wie bisher verfahren will.
Vielen Dank!

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 10.04.19, 20:28
von fodeure
Wenn der Rest der Eigentümer dagegen ist, muß man klagen.

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 11.04.19, 06:35
von ISpeech
Was bedeutet "selbst verwaltet"? Wurde ein Verwalter bestellt?
Es gibt keine Verpflichtung einen "professionellen" Verwalter zu bestellen. Es kann auch ein Miteigentümer zum Verwalter bestellt werden.

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 11.04.19, 08:19
von webmaster76
Jeder einzelne Eigentümer kann die Bestellung eines Verwalters verlangen und dies notfalls auch einklagen, siehe:

https://www.haufe.de/immobilien/wohnung ... 25034.html

Seit dem 01.08.2018 wurden die Voraussetzungen an die Verwaltertätigkeit verschärft, siehe:

https://www.fibucom.com/wohnungseigentu ... ancen.html

Dies schützt den einen Eigentümer (bedingt) davor (wegen den höheren Hürden), dass die restlichen Eigentümer einen davon "formal" zum Verwalter machen, um das Begehren des einen Eigentümers auszuhebeln.

Soweit so gut. Das Problem in der Konstellation wird in der Praxis sein, an einen professionellen Verwalter zu kommen. Kleine Einheiten sind per se schon einmal sehr unbeliebt bei Verwaltern, da der Aufwand in Hinsicht zum Ertrag höher ist als bei großen Einheiten. Möchte dann auch noch der Großteil der Eigentümer gar keinen Verwalter und benimmt sich bei der Vorstellrunde im Rahmen einer ETV entsprechend, wird sich ein gefundener Verwalter 2x überlegen, ob er sich so etwas überhaupt antut. Sprich: der Eigentümer kann prinzipiell einen Verwalter "durchdrücken", in der Praxis wird das aber sehr problematisch werden.

Wie kann er das konkret angehen? Wenn es keine regulären ETVen gibt (was ich vermute), müsste er sich im ersten Schritt von einem AG ermächtigen lassen, eine ETV einzuberufen. Hat er diese Ermächtigung in der Tasche, beruft er die ETV formal korrekt ein mit dem TOP Wahl Verwalter XYZ, den er hoffentlich in der Zwischenzeit finden konnte (das Gericht wird ihm keinen suchen). Wird XYZ mehrheitlich gewählt ist alles in Butter, ansonsten müsste er dann wiederum gegen diesen Negativbeschluss klagen. Das Ganze wird sich über Monate und ggfs. Jahre hinziehen.

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 11.04.19, 08:58
von webmaster76
Es gibt da aber auch die Holzhammermethode, mit der sich der Eigentümer aber nicht sehr beliebt machen wird.

Nehmen wir mal an, dass noch nie ein Wirtschaftsplan im Rahmen einer (außer)ordentlichen ETV beschlossen wurde. Dann könnte jeder Eigentümer sofort die Hausgeldvorauszahlungen einstellen. Spätestens den Monat darauf wird das den Eigentümern in Eigenverwaltung auffallen. Wenn es im Rahmen von Abrechnungen zu Nachzahlungen kommt kann jeder Eigentümer diese verweigern, wenn die Abrechnung nicht ordentlich beschlossen wurde.

Usw usf. Da gibt das WEG bestimmt noch zig Dinge her, die man machen (oder nicht machen) könnte, um den restlichen Eigentümern aufzuzeigen, dass eine professionelle Verwaltung für alle zielführender wäre.

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 11.04.19, 10:56
von ISpeech
webmaster76 hat geschrieben:Seit dem 01.08.2018 wurden die Voraussetzungen an die Verwaltertätigkeit verschärft, siehe:

https://www.fibucom.com/wohnungseigentu ... ancen.html
Dies betrifft ausschließlich gewerblich tätige Verwalter. Wird ein Eigentümer mehrheitlich zum Verwalter bestellt ist der Pflicht genüge getan. Es gibt keine Pflicht eine gewerblichen Verwalter zu bestellen.

Re: Recht auf Verwalter?

Verfasst: 11.04.19, 12:09
von webmaster76
Richtig. Ich bin hier davon ausgegangen, dass kein Eigentümer die ganze Arbeit für lau macht. Zumal er sich angreifbar macht, wenn er der ordnungsgemäßen Verwaltung nicht nachkommt.