2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

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armdon
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2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von armdon » 06.06.19, 17:17

Hallo zusammen,

stellen wir uns mal folgenden Fall vor, der durchaus interessant werden könnte!

Eine Familie besichtigt eine Immobilie als Kaufobjekt über Makler A ende August eines Jahres.
Diese Familie unterschreiben die übliche Maklerkausalität, dass Sie das Objekt besichtigt haben und das übliche mit der Provision.

Die Familie lässt sich das Haus reservieren und geht zur Bank und erhält keine Finanzierungsbestätigung.
Am folge Tag sagt die Familie telefonisch Makler A ab und vertagt das ganze mit der Immobilie und stellt sich in der Zwischenzeit auch bei anderen Banken vor und findet eine die Ja sagt (generell, nicht auf diese Immobilie bezogen!).

Es vergehen mehrere Monate (ca. 4 Monate - Ende Januar des Folgejahres) und die Familie schaut wieder nach Immobilien und sieht, dass die Traumimmobilie immer noch Verfügbar ist - jedoch mit einem anderen Makler - Makler B - da der Maklervertrag von dem Verkäufer und Makler A nicht verlängert wurde und es deshalb an einen anderen Makler ging.

Mit der Zusage von der Bank in der Tasche wird ein Besichtigungstermin mit Makler B abgemacht (Ein paar Tage später - immer noch Ende Januar des Jahres) und die Immobilie gekauft (Anfang Februar des Jahres - Unterschrift beim Notar).
Die Familie stellt dem Makler B bei dem Besichtigungstermin die Frage, ob es irgendwelche Verpflichtungen seitens Makler A gebe, da Sie diese Immobilie bereits mit Makler A besichtigt hatten - dies wurde von dem Makler B unter zeugen verneint.

Der Rest läuft wunderbar ab und alle sind glücklich - die Provision wird ordnungsgemäß an Makler B gezahlt und die Familie fängt an zu Renovieren und zieht in der Zwischenzeit auch in die Immobilie ein.

Etwa weitere 5 Monate später (Anfang Juni des folge Jahres nach dem Termin mit Makler A) erhält die Familie einen Anruf von entsprechenden Makler A

In dem Telefonat mit Makler A wurde folgendes Besprochen:
Makler A sagte, er fahre öfter an alten Immobilien vorbei, die er mal Verkaufen sollte und sah, das die Familie die Immobilie doch gekauft hatte.
Durch diesen kauf hätten sich ihm gegenüber Provisionsansprüche gestellt und er hätte noch keinen Zahlungseingang hierzu feststellen können (klar, gibt ja auch keine Rechnung von Makler A).

Im Anschluss gab es auch ein Telefonat mit Makler B und der Familie in der Makler B
bekräftigte, dass Makler A keine Ansprüche an eine Provision der Käuferfamilie hat da der Maklervertrag abgelaufen ist.

Es gibt mit Makler A nichts schriftliches, außer die übliche Besichtigungsbestätigung.
Dieses Schriftstück hat die Familie jedoch entsorgt - da Sie dachte das wird nichts - und kann nicht lesen, was dort drin steht.

Nun zu der Hauptfrage in diesem Fall:

Hat Makler A überhaupt Ansprüche auf Provision durch den einen Besichtigungstermin der ca 10 Monate zurückliegt?
Oder versucht er nur die Familie einzuschüchtern um noch Geld zu verdienen?

Weitere Fragen:
Wenn sich Ansprüche an Makler A ergeben, war Makler B überhaupt Provisionsberechtigt?
Er wusste von dem anderen Makler und hätte darauf hinweisen müssen?

Wie sollte diese Familie in diesem Fall nun weiter vorgehen?
Makler A ignorieren bis etwas schriftlich kommt?

Wie ist hier die Rechtslage?

Froggel
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von Froggel » 06.06.19, 20:32

Da hier von beiden Maklern eine Leistung gefordert wurde (=zwei Besichtigungen), sind auch beide Makler zu bezahlen. Es spielt keine Rolle, dass der Verkäufer mittlerweile den Makler gewechselt hat. Es wäre m.E. sinnvoll gewesen, dem zweiten Makler von der ersten Besichtigung zu erzählen, um eine doppelte Zahlung zu vermeiden.
Urteile hierzu: LG Coburg, Urteil vom 22.3.2011, Az. 23 O 590/10, bestätigt vom OLG Bamberg, Urteil vom 19.8.2011, Az. 6 U 9/11 und auch das OLG Hamm sieht in seinem Urteil (vom 27.2.2014 – 18 U 111/13) die Maklerleistung als rechtmäßig zu bezahlen an
Ich bin kein Jurist.
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armdon
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von armdon » 06.06.19, 20:52

Vielen Dank für diese Ausführliche Schilderung und Ausführung.

Die Familie hat Makler B von dem ersten Makler erzählt und er wusste auch von Verkäufer Seite über den Maklerwechsel Bescheid und dieser sagte, die Familie hat keine Verpflichtung dem ersten Makler gegenüber.

Hat die Familie eine Chance, das Geld von Makler B zurückzufordern?

armdon
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von armdon » 09.06.19, 11:02

Nur mal angenommen, die Familie wäre Zahlungswillig.

Sollte die Familie auf Makler A zugehen und um eine Rechnungsstellung beten?

Nach welchem Kaufpreis kann Makler A seine Rechnung stellen?
Der Kaufpreis unter Makler B war um 10.000€ geringer als die Immobilie unter Makler A angeboten wurde.

Generell heißt es ja, Käufer und Verkäufer teilen sich die Maklerprovision.
Gilt das auch in diesen Fall, dass Makler A nur Anspruch auf diese Käuferhälfte hat?

SusanneBerlin
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von SusanneBerlin » 09.06.19, 11:16

Nach welchem Kaufpreis kann Makler A seine Rechnung stellen?
Wenn der Maklerlohn als prozentualer Anteil vom Kaufpreis vereinbart ist, dann gilt der tatsächlich zustandegekommene Kaufpreis (der im notariellen Kaufvertrag steht).
Generell heißt es ja, Käufer und Verkäufer teilen sich die Maklerprovision.
Das kann man so vereinbaren, ist aber nicht generell (=gesetzlich) geregelt.

Die gesetzlichen Regelungen zum Maklerlohn finden sich in §§ 652 bis 654 BGB.
Grüße, Susanne

armdon
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von armdon » 09.06.19, 11:29

Generell heißt es ja, Käufer und Verkäufer teilen sich die Maklerprovision.
Das kann man so vereinbaren, ist aber nicht generell (=gesetzlich) geregelt.

Die gesetzlichen Regelungen zum Maklerlohn finden sich in §§ 652 bis 654 BGB.
Die Familie lebt in einem Bundesland, in dem es gang und gebe ist, sich die Provision zu teilen (7,14 / 2).

Wenn ich das richtig verstehe, ist das nun dem Verhandlungsgeschick der Familie überlassen, wie die höhe ausfällt.

Also sollte die Familie auf Makler A zugehen?

SusanneBerlin
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von SusanneBerlin » 09.06.19, 19:14

Wenn ich das richtig verstehe, ist das nun dem Verhandlungsgeschick der Familie überlassen, wie die höhe ausfällt.
Sie haben doch schon was unterschrieben. Das gilt auch 4 Monate später noch.
Grüße, Susanne

Froggel
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von Froggel » 09.06.19, 20:22

armdon hat geschrieben:
06.06.19, 20:52
Die Familie hat Makler B von dem ersten Makler erzählt und er wusste auch von Verkäufer Seite über den Maklerwechsel Bescheid und dieser sagte, die Familie hat keine Verpflichtung dem ersten Makler gegenüber.
Das hatte ich im Eingangsposting überlesen. Möglicherweise hat die Familie einen Schadensersatzanspruch gegenüber Makler B aufgrund seiner unwahren Aussage. Dieses wird ein Anwalt allerdings eher wissen.
Ich bin kein Jurist.
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webmaster76
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von webmaster76 » 11.06.19, 14:30

Schaut man sich das Urteil LG Coburg, Urteil vom 22.3.2011, Az. 23 O 590/10 genauer an, sticht folgender Satz hervor
Das Gericht bemerkte hierzu allerdings, der zweite Makler hätte wegen der Vorkenntnis des Käufers von vornherein keine eigene provisionspflichtige Nachweistätigkeit entfalten können.
Was in die Richtung gehen könnte (zumal Makler B von Makler A und der Besichtigung wusste), dass der A aber nicht der B bezahlt werden müsste. Da der B aber blöderweise bereits bezahlt ist, müsste der Käufer von dem B aktiv das Geld zurückholen.

Da wir hier bei einem Einfamilienhaus und 7% Courtage nicht über Kleingeld reden, sollte der Käufer sich dringend in einer Erstberatung vom Fachanwalt eine Einschätzung einholen.

armdon
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Re: 2 Makler - 1 Immobilie - 1 Käufer - Wie oft Provision?

Beitrag von armdon » 17.06.19, 17:22

Die Familie hat mittlerweile eine Rechnung von Makler A vorliegen.
Einen Fachanwalt hat die Familie mittlerweile auch kontaktiert und in der ersten Beratung (vor der Rechnung) sagte der Fachanwalt in etwa das gleiche wie webmaster76.

Alles weitere überlässt die Familie nun dem Fachmann.

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