Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Verpflichteter »

khmlev hat geschrieben:
21.10.19, 11:26
Es gilt bei Gebrauchtimmobilien der Grundsatz: gekauft wie gesehen.
Im Übrigen wird bei Gebrauchimmobilien die Haftung des Verkäufers für das Flächenmaß regelmäßig ausgeschlossen.
Hallo,

finde ich, sind interessante Einlassungen.

Gekauft wie gesehen, soll ja auch beim gebrauchten Auto sein.

Bietet einer an, Sportwagen mit Chiptuning 415 Ps, Geschwindigkeitsperre deaktiviert, Höchstgeschwindigkeit 315 km/h

Kaufe ich, weil es so in der Anzeige steht.
Erste Ausfahrt, Mühle bringt nur 280 km/h.

Sagt der Verkäufer, ja 315 bergab mit Rückenwind und die 415 PS sind geschätzt.

Klage ich, weil die zugesagten Eigenschaften nicht erbracht wurden. Zugesagt und ganz deutlich gesehen in der Anzeige.

Schätze kein Gericht wird sagen, hättest erst auf die Autobahn selber fahren müssen und auf einen Leistungsprüfstand fahren sollen.


Warum soll nun ein Wohnungskäufer erst selber messen müssen. Der kauft die Wohnung als Kapitalanleger ohne Besichtigung und zahlt dafür auch noch ggf. den Makler.

Einen Haftungsauschluss für Flächenangaben finde ich in keinem meiner Kaufverträge.


MfG
uwe
Zuletzt geändert von ktown am 22.10.19, 12:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Maverick75
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Maverick75 »

ktown hat geschrieben:
22.10.19, 06:31
Ist keine Heizung oder keine sichtbaren Heizkörper vorhanden?
Es war keine Heizung vorhanden. Selbst die Leitungen waren nicht bis oben verlegt. Da wir aber das Bad renoviert haben, konnten wir relativ preisgünstig die Heizung dort hochlegen lassen.

RM
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von RM »

Verpflichteter hat geschrieben:
22.10.19, 10:08
… Gekauft wie gesehen, soll ja auch beim gebrauchten Auto sein.

Bietet einer an, Sportwagen...

… Schätze kein Gericht wird sagen, hättest erst auf die Autobahn selber fahren müssen und auf einen Leistungsprüfstand fahren sollen.
Schätze kein Gericht wird sagen, es gibt Schadenersatz für die Nichteinhaltung von nicht vereinbarten Eigenschaften.
Verpflichteter hat geschrieben:
22.10.19, 10:08
Warum soll nun ein Wohnungskäufer erst selber messen müssen....
Ausmessen muss der Wohnungskäufer keineswegs. Nur die verlangten Eigenschaften vereinbaren sollte er schon... zumindest wenn er sich darauf berufen will.


Btw nicht alles was hinkt ist auch ein Vergleich. :(

Zafilutsche
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Zafilutsche »

Also das mit der Haftungsfreistellung sehe ich, dass das nur sehr bedingt möglich ist.
Klar, feste Zusicherungen bleiben feste Zusicherungen. Wenn die einem sehr wichtig sind, dann achtet man auch darauf das diese im Vertrag auch fixiert sind. Aber unabhängig davon gibt es ja auch informationspflichten die wenn nicht nachgekommen wird (Pflichtsverletzung ) es zu Schadenersatzforderungen führen könnte. Und daneben gibt es noch die "Arglist".
Also mit "gekauft wie gesehen", wird eine Haftung m.E. nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.
Eine Frage des Risikos zw. den Parteien "Käufer" "Makler" und "Verkäufer" und ggf. "Verwalter"
Und die Latte für Makler, Verwalter (Zulassungspflichtig, Weiterbildungspflicht ect. pp) ist seit wenigen Jahren deutlich angehoben worden.

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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Verpflichteter »

RM hat geschrieben:
22.10.19, 12:58
Schätze kein Gericht wird sagen, es gibt Schadenersatz für die Nichteinhaltung von nicht vereinbarten Eigenschaften.
Ja, kann man so sehen.

Kaufe ich ein Auto als fahrtüchtig muss es sich bewegen.
Kaufe ich ein Auto als verkehrstüchig muss es im Moment der Übergabe eine HU bestehen können.

Fahrtüchtig oder verkehrstüchtig sind vereinbarte Zusagen und Grundlage des Kaufes.
Wenn es im Kaufvertrag steht um so besser wenn man streitet und beweisen muss.

Kaufe ich einen Wohnung mit der Zusage von 80m² Wohnfläche ist das einen vereinbarte Eigenschaft, so sehe ich es.
Wenn es im Kaufvertrag steht um so besser wenn man streitet und beweisen muss.

Ein Gericht wird sich dann schon Gedanken machen was der Unbefangene unter Wohnfläche zu verstehen hat.

MfG
uwe

ktown
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von ktown »

Verpflichteter hat geschrieben:
22.10.19, 14:32
Kaufe ich einen Wohnung mit der Zusage von 80m² Wohnfläche ist das einen vereinbarte Eigenschaft, so sehe ich es.
Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Nur wurde so die Immobilie nicht angepriesen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Zafilutsche »

Hier mal eine Tendenz wie der BGH das Exposé sieht.

ktown
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von ktown »

Im von Ihnen verlinkten Text steht:
Eine Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes durch den Verkäufer führt in der Regel nur dann zu einer Beschaffenheitsvereinbarung, wenn sie im notariellen Kaufvertrag Niederschlag gefunden hat (hierzu BGH: Was nicht im Vertrag steht, ist nicht vereinbart).
Siehe hierzu BGH vom 06.11.2015 V ZR 78/14
Eine Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes vor Vertragsschluss durch den Verkäufer, die in der notariellen Urkunde keinen Niederschlag findet, führt in aller Regel nicht zu einer Beschaffenheitsvereinbarung nach § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Zafilutsche
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von Zafilutsche »

ktown hat geschrieben:
22.10.19, 15:49
Im von Ihnen verlinkten Text steht:
Eine Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes durch den Verkäufer führt in der Regel nur dann zu einer Beschaffenheitsvereinbarung, wenn sie im notariellen Kaufvertrag Niederschlag gefunden hat (hierzu BGH: Was nicht im Vertrag steht, ist nicht vereinbart).
Siehe hierzu BGH vom 06.11.2015 V ZR 78/14
Eine Beschreibung von Eigenschaften eines Grundstücks oder Gebäudes vor Vertragsschluss durch den Verkäufer, die in der notariellen Urkunde keinen Niederschlag findet, führt in aller Regel nicht zu einer Beschaffenheitsvereinbarung nach § 434 Abs. 1 Satz 1 BGB.
Richtig! Der Verkäufer bzw sein beauftragter Makler waren sich scheinbar sicher, mit dem Gewährleistungsausschluss im Notariellen Kaufvertrag und ohne die explizite Zusicherung das der Keller trocken sei, wäre der abgeschlossene Kaufvertrag wirksam, was durch die Rückabwicklung aber widerlegt wurde.
Daher kann man die Wohnflächenangabe m.E. als "Zusicherung" werten. Aber wer eventuell kein Bock auf Nachprüfen/Nachmessen und Nachrechnen hat, geht m.E. ein gewisses (Rest) Risiko ein. Das kann gut gehen, kann aber auch in die Hose gehen.

ktown
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Re: Makler gibt im Exposé falsche Wohnfläche an

Beitrag von ktown »

Ausnahmen bestätigen die Regel und der feuchte Keller war die klassische Ausnahme.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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