Einfacher durch die Privatinsolvenz?? Fertig in 6-18 Monaten

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opfer_99
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Einfacher durch die Privatinsolvenz?? Fertig in 6-18 Monaten

Beitrag von opfer_99 »

Moin,

mit sehr großem Erschrecken ist mir ein Pamphlet einer co.uk Seite in die Hände gefallen. Dort wird mit glamurösen Worten beschrieben, wie einfach es sein kann, sich dem englischen Insolvenzrecht zu unterwefen (BGH-Beschluss18.09.01 - IX ZB 51/00) und dadurch bereits nach maximal 18 Monaten eine RSB zu erhalten.

Ich kann nicht glauben dass dies stimmt und wirklich in der Praxis umgesetzt werden kann.

Wer kennt sich damit aus? Kann der Gläubiger bei diesem Verfahren, so wie in DE auch, der RSB widersprechen?

Unfassbar....

Frank Wiedenhaupt
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Beitrag von Frank Wiedenhaupt »

Hallo,
der Gläubiger kann gegen das komplette Verfahren und gegen einzelne Beschlüsse Widerspruch einlegen.
Z. B.: Der Schuldner hat gar nicht seinen Lebensmittelpunkt in England oder Wales; Der Schuldner hat Vermögen beiseite geschoben: Die Forderungen sind deliktischer Natur.

datenrettung
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Re: Einfacher durch die Privatinsolvenz?? Fertig in 6-18 Mon

Beitrag von datenrettung »

opfer_99 hat geschrieben:Moin,
Ich kann nicht glauben dass dies stimmt und wirklich in der Praxis umgesetzt werden kann.
Unfassbar....
Glaub' es ruhig. Vorsichtige Schaetzungen sagen, dass ca. 1000 Deutsche pro Jahr ihr Heil in einer englischen Verbraucherinsolvenz suchen und meist auch finden. Per Gesetz in England ist der Schuldner spaetestens nach 12 Monaten schuldenfrei aka restschuldbefreit. Dieses wird von deutschen Gerichten vorbehaltlos anerkannt. Zu beachten ist jedoch, das der Schuldner seinen Lebensmittelpunkt in England oder Wales, und dort mindestens 6 Monate verbracht hat. Per englischem Gesetz darf der Schuldner nach mindestens 3 Monaten Aufenthalt in England seine Verbraucherinsolvenz beantragen. Deutschland aber erkennt diese Verbraucherinsolvenz nach englischem Recht erst an, sofern der Schuldner mindestens 6 Monate in England gelebt hat.
Zuletzt geändert von datenrettung am 07.09.09, 14:39, insgesamt 1-mal geändert.

Dirty Uschi
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Re: Einfacher durch die Privatinsolvenz?? Fertig in 6-18 Mon

Beitrag von Dirty Uschi »

datenrettung hat geschrieben: Deutschland aber erkennt diese Verbraucherinsolvenz nach englischem Recht erst an, sofern der Schuldner mindestens 6 Monate in England gelebt hat.
kann ich dazu von Dir eine Quelle haben ? Die müsste auch aktuell sein, da sowohl dr BGH als auch der EuGH in den Jahren 2006 und 2008 richtungsweiende Entscheidungen getroffen haben.
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datenrettung
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Beitrag von datenrettung »

gelesen hier:

http://www.accountancyage.com/accountan ... exploit-uk

mich wuerden aber die anderen beschluesse sehr interessieren. falls quellen vorhanden bitte hier reinschreiben.

thx

Dirty Uschi
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Beitrag von Dirty Uschi »

was mich bei dem Artikel etwas verwirrt, ist, das es schon seit drei Jahren im Sprachgebrauch das COI (Centre if interest) nicht mehr gibt, sondern nur noch auf das COMI (centre of main interest) abgestellt wird.

ausgelöst worden ist die durch den Vorlagebeschluss des BGH, IX ZB 418/02 im Jahr 2003 an den EuGH, der dann unter Rs. C-1/04 in der Sache Staubitz - Schreiber entschieden hat. Der BGH hat die Sache dann noch einmal aufgegriffen.

Die Entscheidungen sind sowohl auf der Seite des BGH als auch des EuGH kostenlos abrufbar. Die Entscheidung des EuGH verwendet Klarnamen, die Entscheidung selbst wird auch unter Klarnamen in der Literatur wiedergegeben, so dass ich davon ausgehe, dass die namentliche Nennung begründbar ist.

Zur Sache selbst: wenn die Frage, welches Gericht zuständig ist, so klar beantwortet wird, die gegenseitige Anerkennung sich nach EuInsVV richtet, kann ich mir nicht vorstellen, woher die 6 - Monatsregel kommen soll.
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datenrettung
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Beitrag von datenrettung »

ja, da gebe ich recht. das hat mich auch sehr irritiert mit den 6 monaten in deutschland (mir fehlen hierfuer auch beweise!, dass dies stimmt). fuer mich ist entscheidend, was grundsaetzlich im BGH, Beschluß vom 18.9.2001 - IX ZB 51 / 00 nachzulesen ist. aber man weiss ja nie. bisher ging ich von der englischen regelung (nach 3 monaten in england kann "ich" als deutscher mit schulden ausschliesslich in deutschland, ein verbraucherinsolvenzverfahren nach englischem recht starten, welches in deutschland anerkannt wird, ohne wenn und aber) aus und von der vorbehaltlosen anerkennung in deutschland

vielleicht hat jemand eine rechtsverbindliche antwort zum thema 6 monate?

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