Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

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feller
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Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von feller » 26.08.16, 19:11

Immer wieder hört und liest man, dass es zwischem dem vom Gericht bestimmten Insolvenzverwalter/Treuhänder und dem Insolvenzschuldner nach Eröffnung des Verfahrens
zu einem persönlichen Gespräch käme und dort alles besprochen werde.

Frage:

Liege ich mit meiner Annahme richtig, dass das Gesetz eine solche Regelung gar nicht hergibt, ein persönliches Gespräch zwischen InsoVerw./ Treuhänder und InsoSchuldner somit überhaupt nicht gefordert ist und daraus folgend - alles REIN Schriftlich bis zum Ende der Abtretungsfrist abgehandelt werden könnte, ohne dass sich die Beiden jemals gesehen oder besprochen haben? Meine Frage soll sich auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren beziehen.

Gruss
Frank

Dirty Uschi
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Dirty Uschi » 29.08.16, 07:26

Da bist Du in einer Grauzone. Im Gesetz findet sich da erst einmal nichts.

Andererseits hat der Insolvenzverwalter die Verwalterungs- und Verfügungsbefugnis (§ 80 InsO), der Schuldner die Auskunfts- und Mitwirkungspflicht (§ 97 InsO) und der Verwalter die Verpflichtung der Übernahme der Insolvenzmasse (§ 148 InsO), usw.

Da wäre es schon ganz nett, wenn der Schuldner einem selbst die Türe der Wohnung öffnet und der Verwalter die nicht aufbrechen muss. Auch könnte man auf den Gedanken kommen, dass die eine auschließlich schriftliche Beantwortung durch den Schuldner eine schleppende Auskunftserteilung bishin zur Auskunftsverzögerung zur Auskunftsverweigerung darstellen könnte.

Der Schuldner wird im Zweifel den Kürzeren ziehen, wenn der Verwalter ihn sehen will und der sich verweigert.
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feller
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von feller » 30.08.16, 13:23

Bitte nicht falsch verstehen.
Der Inso-Schuldner wundert sich, dass nie ein persönliches Gespräch weder beim InsoVerwalter noch beim InsoSchuldner gefordert oder gewünscht war.

Der Schuldner hat alle Anforderungen erfüllt und alle schriftlich eingehenden Fragen unverzüglich beantwortet.
Wie dargestellt - es kam aber nie zu einem Gespräch. Der Verwalter wollte den Inso-Schuldner auch nie sehen. Es gab ferner keine Beschwerde - von niemanden. Es gibt keinen Streit.

Wenn also der Schuldner alles richtig gemacht hat und alles unverzüglich und richtig beantwortet hat, kann er ja keinen Fehler gemacht haben.

Wenn Du aber von einer "Grauzone" sprichst - wirst Du Dir ja was dabei gedacht haben, wenn ein Gespräch zwischen InsoVerwalter/Treuhänder und InsoSchulder offensichtlich im Gesetz nicht gefordert wird.

Könntest diese "Grauzone" näher ausführen?

Gruß
Frank

Dirty Uschi
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Dirty Uschi » 01.09.16, 08:05

Einerseits will das Gesetz, dass beispielsweise die Masse in Besitz zu nehmen ist und der Verwalter alles ermittelt, was zu einer Massemehrung führt. Ob der Picasso über dem Sofa hängt, kann der Verwalter nicht schriftlich prüfen. Manche Insolvenzgerichte sind der Auffassung, dass noch nicht einmal der Sachbearbeiter, sondern der Verwalter mehr oder weniger häufig beim Schuldner aufschlagen sollen. Manche Insolvenzrichter fragen da sogar beim Schuldner nach, ob man den Herrn/Frau X bereits persönlich kennengelernt hat.

Anderseits: In einem IK-Verfahren, welches auf Stundungsbasis abgerechnet wird, ist das Zeitmanagement entscheidend, dass man hierbei nicht drauflegt. Allein mit An- und Abfahrt sowie einer Stunde Gespräch kann man von den 800,- EUR schon einen guten Teil aufgebraucht haben.
Und so richtig Lust auf den ständigen Besuch des IV hat ja ein Schuldner auch nicht.

Und das ist die Grauzone: Ermittlung der vollständigen Masse zur besten Befriedigung der Gläubiger und betriebswirtschaftliche Überlegungen...
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Der Internationale
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Der Internationale » 05.09.16, 17:36

:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Ja, so ist das mit Grauzonen: die kann man so sehen oder eben auch so....
Alles hängt ein wenig vom Blickwinkel ab: und der Blickwinkel von unserem "Schmutzigen Bärchen" ist halt so, dass Sie stets an das Gute im Insolvenzverwalter glaubt. :shock: Wer darin weniger glaubt, so wie ich, der wird die gestellte Frage natürlich vollkommen anders beantworten.

Wie Dirty Uschi schon richtig sagt, regelt das Gesetz bzgl. eines persönlichen Zusammentreffens nichts. Andererseits gibt es schon Aufgaben, die man sich sehr schwer :ironie: (also eigentlich ÜBERHAUPT NICHT) vorstellen kann, ohne dass der Insolvenzverwalter persönlich aufschlägt. Aber...

Na, ich sage zunächst mal, dass sich 99,99 % durch zwei berufsnotwendige Tugenden auszeichnen: die eine ist die Faulheit und die andere ist die Gier.
Logisch, dass solche Charakterzüge erhebliche Einflüsse auf den gesamten Ablauf eines Verfahrens haben. Auch haben IVs in der Regel eine Nase wie ein Trüffelschwein, die auch sehr gut versteckte Vermögen hervorragend erschnüffeln können.

Tatsache ist nun einmal, dass nahezu alle Verbraucherinsolvenzen masselos sind. Insofern werden weder Nase noch Gier des IV anschlagen und Tugend Nr. 2 souffliert, sich mit dem betreffenden Schuldner allerhöchstens 12 Minuten zu beschäftigen (Voller Verständnis hatte unser Bärchen bereits die betriebswirtschaftliche Not der Verwalter erwähnt :ironie: )

Langer Rede - kurzer Sinn: wenn sich ein Insolvenzschuldner wundert in 6 Jahren niemals persönlichen Kontakt mit seinem Insolvenzverwalter gehabt zu haben, so muss er dies nicht. Mit ihm wundern sich nämlich viele viele viele andere Insolvenzschuldner, denen es genauso geht.

8)
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

Sylliska
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Sylliska » 06.09.16, 08:11

Der Internationale hat geschrieben:Mit ihm wundern sich nämlich viele viele viele andere Insolvenzschuldner, denen es genauso geht.
Nicht nur Schuldner, sondern auch die Gläubiger. :evil:

Der Internationale
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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Der Internationale » 06.09.16, 16:04

Sylliska hat geschrieben:
Der Internationale hat geschrieben:Mit ihm wundern sich nämlich viele viele viele andere Insolvenzschuldner, denen es genauso geht.
Nicht nur Schuldner, sondern auch die Gläubiger. :evil:
:mrgreen: ne, ne, Sylliska,

diese Verwunderung lasse ich nicht gelten. Denn jeder Insolvenzverwalter wird schließlich von den Gläubigern ins Spiel geschickt. Nur weil diese nichts tun, können die vom Insolvenzgericht nur vorläufig eingesetzten ihr böses Spiel spielen. Andererseits ist hier auch des Pudels Kern begraben: ein wirtschaftlich denkender Gläubiger schmeisst schlechtem geld kein gutes hinterher. Insofern muss festgestellt werden, dass allein die professionellen Aasgeier (Verwalter, Verwerter, Inkassohaie und deren Anwälte) festgestellt haben, dass es lukrativ sein kann, den Komposthaufen immer wieder umzurühren und zu wenden).

So haben einige der Inkassohaie nun den 08/15-RSB-Versagungsantrag entdeckt, damit man sein sinnloses Widerkäuen endlos fortsetzen kann. Deren Tagwerk kann man weiss Gott nicht wirklich als "Werk" bezeichnen.

Grüße Inti

P.S.: Inkassohaie als Aasgeier; das ist doch mal ne richtig dolle Kreuzung :christmas
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Sylliska » 07.09.16, 08:10

Der Internationale hat geschrieben:Denn jeder Insolvenzverwalter wird schließlich von den Gläubigern ins Spiel geschickt.
:?: Meiner Erfahrung nach werden die meisten Insolvenzverfahren auf Antrag der Schuldner eröffnet. :wink:

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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Der Internationale » 07.09.16, 13:43

Sylliska hat geschrieben:
Der Internationale hat geschrieben:Denn jeder Insolvenzverwalter wird schließlich von den Gläubigern ins Spiel geschickt.
:?: Meiner Erfahrung nach werden die meisten Insolvenzverfahren auf Antrag der Schuldner eröffnet. :wink:
na, die knapp 100.000 vollkommen unsinnigen Insolvenzverfahren völlig Mittelloser sollten wir mal außer acht lassen. Was die eigentlich wirklich sollen, weiss ohnehin niemand. Die in Berlin am allerwenigsten.

Aber darum ging es bei meinem Hinweis nicht. Es ging darum auf § 57 InsO hinzuweisen, wonach der Insolvenzverwalter von den Gläubigern gewählt wird. Dies wird aber so gut wie nie in Anspruch genommen. Deshalb soll auch anschließend nicht gemeckert werden, wenn die Seilschaften nun mal so funktionieren, wie Seilschaften nun mal funktionieren. :mrgreen:
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

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Re: Gespräch mit dem Insoverw./Treuhänder notwendig?

Beitrag von Sylliska » 07.09.16, 14:41

Na, dann... :ostern:

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