Insolvenz und 'gesplitteter' Unterhalt (Bar und Natural)

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Sascha_1975
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Insolvenz und 'gesplitteter' Unterhalt (Bar und Natural)

Beitrag von Sascha_1975 » 16.01.17, 11:55

Hallo,

mir ist bekannt, dass es gem. der so genannten Düsseldorfer Tabelle Richtlinien für Unterhaltszahlungen / -berechnungen gibt.
Gehen wir mal davon aus, dass ein Paar ein gemeinsames Kind hat und dieses Paar sich nun trennt.

Wenn der Kindsvater, der in der Wohlverhaltensphase ist, nun Unterhalt für sein Kind zahlt, muss das zwangsläufig nach der DD-Tabelle geschehen?
In dem fiktiven Fall geht es darum, dass der Vater zu einem Teil Barunterhalt an die Kindesmutter zahlt und gleichzeitig sich auch an Anschaffungen der Kindesmutter für das Kind beteiligt. So möchte der Vater z.B. auch mit seinem Wonneproppen Wäsche, Schuhe kaufen (auch bei gemeinsamen Einkäufen der getrennten Eltern mit dem Kind), sich an Freizeitbeschäftigungen der Mutter mit dem Kind beteiligen, Kosten für Ausflüge, Hobbys des Kindes übernehmen usw. ect.

Die Kindesmutter ist sehr zufrieden mit dem Arrangement, da sie zum einen einen Geldbetrag erhält und durch die darüber hinaus gehenden Anschaffungen die Bindung Vater-Kind weiterhin 'stark' sind. In wie weit nun durch diese freiwilligen Leistungen des Vaters der eigentliche Satz der DD Tabelle sogar überschritten wird sei mal dahingestellt, dem Vater geht es bei den Ausgaben um das Kindeswohl.

Jetzt fragt allerdings der Insolvenzverwalter nach dem Barunterhalt für das Kind und fordert Beläge ein, die der Schuldner gar nicht einreichen kann. Daher möchte er von der Mutter den tatsächlich monatlich entrichteten Betrag bestätigen lassen, der aber eben weniger ist, als die Tabelle vorsieht.

Kann der Insolvenzverwalter nun hergehen und entscheiden, dass der Gläubiger "zu wenig Unterhalt zahlt"? Es ist doch in meinen Augen die Absprache zwischen Mutter und Vater wie der Unterhalt gezahlt wird. Wenn das so geschieht, dass z.B. 230 EUR bar gezahlt werden und dafür Kosten der Mutter übernommen werden, dann ist das doch aus meiner Sicht als unbeteiligter Dritter sinnvoll und schön für Mutter und Kind.
Besser so, als Vater zu sein und nur das abzugeben, was Tabellen sagen und sich weder an Schuhkauf, Wäsche und und und zu beteiligen. Wie gesagt sind solche Einkäufe ja auch ein Erlebnis für das Kind, wenn Mama und Papa trotzdem zusammen mit dem Kind einkaufen.

Welche Auswirkungen hat ein formelles Unterschreiten der Höhe der Zahlung auf die Insolvenz? Kann der Verwalter überhaupt irgendetwas fordern?


Liebe Grüße und Danke für Anregungen und Meinungen.

winterspaziergang
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Re: Insolvenz und 'gesplitteter' Unterhalt (Bar und Natural)

Beitrag von winterspaziergang » 17.01.17, 07:25

Sascha_1975 hat geschrieben:... Es ist doch in meinen Augen die Absprache zwischen Mutter und Vater wie der Unterhalt gezahlt wird. Wenn das so geschieht, dass z.B. 230 EUR bar gezahlt werden und dafür Kosten der Mutter übernommen werden, dann ist das doch aus meiner Sicht als unbeteiligter Dritter sinnvoll und schön für Mutter und Kind.
Zur eigentlichen Frage kann ich leider nichts beitragen, aber in dem hier geschilderten Fall kann der Vater ja die Kaufbelege aufbewahren und vorweisen.
Besser so, als Vater zu sein und nur das abzugeben, was Tabellen sagen und sich weder an Schuhkauf, Wäsche und und und zu beteiligen. Wie gesagt sind solche Einkäufe ja auch ein Erlebnis für das Kind, wenn Mama und Papa trotzdem zusammen mit dem Kind einkaufen.
Man kann zusammen einkaufen und die Mutter zahlt mit dem Geld, das sie vollständig vom Vater erhalten hat. Das gemeinsame Erleben hängt ja nicht daran, dass der Vater sein Portemonnaie öffnet und wenn doch besteht die Lösung wie oben genannt.

Sascha_1975
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Re: Insolvenz und 'gesplitteter' Unterhalt (Bar und Natural)

Beitrag von Sascha_1975 » 18.01.17, 16:24

Danke für die Antwort. Sicherlich ginge das so, ist aber umständlich.

Es geht primär rein um die Frage, ob der Inso-Verwalter der Meinung sein darf, dass man "nicht genügend Unterhalt" zahlt.
Insolvenzrechtlich denke ich, dass es dem Insolvenzverwalter relativ egal sein kann, was der Schuldner an die Kindesmutter zahlt.

Rein für die Insolvenz sollte doch gelten: Der Schuldner hat ein unterhaltspflichtiges Kind was beim pfändbaren Betrag zu berücksichtigen ist.

Der Internationale
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Re: Insolvenz und 'gesplitteter' Unterhalt (Bar und Natural)

Beitrag von Der Internationale » 20.01.17, 13:13

Zunächst einmal ist festzustellen, dass es in der WVP einen Insolvenzverwalter gar nicht mehr gibt.

Den pfändungsfreien Betrag gem. Pfändungstabelle erhält ein Schuldner, der seinen Unterhaltsberechtigten Unterhalt gewährt. Selbiger muss nicht zwangsläufig bar geschehen (dies ist nur dann der Fall, wenn zwischen Unterhaltsberechtigten und Unterhaltspflichtigem keine Kontakte bestehen, außer der monatlichen Geld-Überweisung).

Einem Treuhänder steht die Frage gar nicht zu, wie viel an den Unterhaltsberechtigten gezahlt wird. Ihm steht nur zu, ggf. zu klären, ob derjenige Schuldner, der gem. Pfändungstabelle Freibeträge für Unterhaltsberechtigte in Anspruch nimmt, selbigen auch leistet.

Die Mutter kann jederzeit bestätigen, dass der Vater in der Zeit von bis seinen Unterhaltsverpflichtungen ohne Beanstandung nachgekommen ist.

:!:
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

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