Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

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ronnst
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Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von ronnst » 30.01.18, 14:48

Eine Person A hat Insolvenz am laufen.
Diese Person hat zwei Unterhaltspflichtige Personen in der Familie. Freigrenze darum um die 1800€.
Der Insolvenzverwalter versucht aber immer beim Arbeitgeber zu Pfänden (Lohnpfändung). Da ist ja aktuell die Grenze bei 1133€.
Nun verdient A bei den einen Arbeitgeber ca. 820€ und bei dem zweiten Arbeitgeber 450€.

Wie wird nun gerechnet?
Von meinen Gedanken aus wird der Insolvenzverwalter an jeden der zwei Arbeitgeber herantreten und versuchen zu Pfänden.
Dieses geht ja aber nicht, da A bei keinen von beiden über die Freigrenze kommt.

Oder habe ich hier einen Denkfehler?



Gruß
Ronny

SusanneBerlin
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von SusanneBerlin » 30.01.18, 15:15

ronnst hat geschrieben:Freigrenze darum um die 1800€.
Der Insolvenzverwalter versucht aber immer beim Arbeitgeber zu Pfänden (Lohnpfändung). Da ist ja aktuell die Grenze bei 1133€.
Der Grundfreibetrag eines Schuldners mit 2 Unterhaltsberechtigten liegt nicht "aktuell bei 1133€" (das wäre der Freibetrag ohne unterhaltsberechtigte Personen) sondern im Jahr 2018 bei "um die 1800" genauer gesagt 1799,99€.

Wenn das Einkommen aus einem Arbeitsverhältnis resultiert, darf der Schuldner einen Teil des den Grundfreibetrag übersteugenden Nettolohns behalten und einen Teil führt der Insolvenzverwalter der Masse zu.

Bei einem Nettolohn bis 1799,99€ bekäme der Insolvenzverwalter nichts für die Masse.
Nun verdient A bei den einen Arbeitgeber ca. 820€ und bei dem zweiten Arbeitgeber 450€.
A verdient netto nicht nur bei jedem der Arbeitgeber unter dem Freibetrag, sondern sogar wenn man die beiden Löhne addiert, ist A unterhalb des Pfändungsfreibetrags für einen Schuldner mit 2 Unterhaltsberechtigten.
Dieses geht ja aber nicht, da A bei keinen von beiden über die Freigrenze kommt.
Der Insolvenzverwalter muss ihm die beiden Löhne also belassen, weil A sogar in der Summe der Löhne unter dem Freibetrag eines Schuldner mit 2 Unterhaltsberechtigten ist.
ronnst hat geschrieben:Dieses geht ja aber nicht, da A bei keinen von beiden über die Freigrenze kommt.
In diesem Fall ja, weil A sogar noch unter der Freigrenze ist, wenn man beide Löhne addiert. Normal reicht es aber nicht, mit jedem Einzellohn unter dem Freuvetrag zu sein.

Als Beispiel: Anton und Bert sind beide in der Privatinsolcenz, haben beide je 2 unterhaltsberechtigte Personen, sind beide angestellt bei Arbeitgeber C und verdienen beide 2600€ netto. Bei beiden führt Arbeitgeber C nach einem Blick in die Insolvenztabelle 320,70€ an den Insolvenzverwalter ab.

Nun sucht sich der schlaue Anton einen zweiten Arbeitgeber und arbeitet vormittags weiterhin bei C, am Nachmittag aber bei Arbeitgeber D. In beiden Arbeitsverhältnissen verdient Anton jeweils 1300€ netto. Super, denkt Anton, da bekomnt der Insolvenzverwalter nichts mehr, ich bin ja bei jedem Arbeitgeber unter 1799,99€.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 30.01.18, 15:29, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

ronnst
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von ronnst » 30.01.18, 15:24

Da liegt der Hase im Pfeffer.
A war gerade bei der AWO. Die meinte, das das Netto beider Arbeitgeber auf die Freigrenze von 1133€ angerechnet wird.
Also nicht 1133€ bei Arbeitgeber 1 und noch mal 1133€ bei Arbeitgeber 2.
Die Aussage verstehe ich nicht.

Also für den Verwalter existieren nur die 1133€. Nicht die Freigrenze der Bank die viel höher liegt. So die Aussage der AWO.


Gruß
Ronny
Zuletzt geändert von ronnst am 30.01.18, 15:40, insgesamt 1-mal geändert.

SusanneBerlin
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von SusanneBerlin » 30.01.18, 15:38

ronnst hat geschrieben:Da liegt der Hase im Pfeffer.
A war gerade bei der AWO. Die meinte, das das Netto beider Arbeitgeber auf die Freigrenze von 1133€ angerechnet wird.
Also nicht 1133€ bei Arbeitgeber 1 und noch mal 1133€ bei Arbeitgeber 2.
Die Aussage verstehe ich nicht.
Dann hat A bei der AWO nicht gesagt, dass er zwei Personen zum Unterhalt verpflichtet ist.
Also nicht 1133€ bei Arbeitgeber 1 und noch mal 1133€ bei Arbeitgeber 2.
Die Aussage verstehe ich nicht
Ganz einfach. Der Freibetrag wird nicht verdoppelt wenn man zwei Arbeitgeber hat.

Der Freibetrag bleibt bei 1.133€ ohne Unterhaltsberechtigte
und bei 1.798,99€ mit 2 Unterhaltsberechtigten.

A muss seine beiden Löhne addieren. Wenn die Summe der Monatslöhne unter dem Freibetrag ist, dann darf er alles behalten.

Wenn die Summe der Löhne oberhalb des Freibetrags ist, dann wird der Insolvenzverwalter einen Teil zur Masse ziehen.
Grüße, Susanne

ronnst
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von ronnst » 30.01.18, 15:46

Die AWO hat ja A den Unterhalt für die Bank bescheinigt.
Trotzdem sagen die AWO, das der Verwalter nicht an die Bank heran tritt, sondern an den Arbeitgeber. Denn da gibt es nur die Freigrenze von 1133€.
Und diese wendet er auf beide Arbeitgeber an.
Also bei AG C bekommt A z.B 830€ und bei AG D 450€.
Bei C liegt A unter 1133€. Mit D zusammen aber darüber. Also der Verwalter geht bei D nicht von den 1133€, sondern von nur noch 303€ als Freigrenze aus.



Gruß
Ronny

Der Internationale
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von Der Internationale » 30.01.18, 15:58

Mensch Ronny, wenn den die AWO für dich der Weisheit letzter Schluss ist.... 8) ...dann frag doch hier nicht.

Wenn jedesmal, wenn die AWO bei der SChuldnerberatung Stuss erzählt einer bellen würde, dann könnte man denken, ganz Deutschland wäre ein Hundezwinger. :lachen: :lachen: :lachen:
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

ronnst
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von ronnst » 30.01.18, 16:19

Also ist mein Denkansatz der richtige.
Danke Euch :wink:

Der Internationale
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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von Der Internationale » 30.01.18, 16:22

ronnst hat geschrieben:Also ist mein Denkansatz der richtige.
Danke Euch :wink:
:roll: also ich komm da nicht mehr mit. Hauptsache du bist glücklich.
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

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Re: Berechnung Freigrenze bei zwei Arbeitgebern

Beitrag von RGSilberer » 01.02.18, 10:08

ronnst hat geschrieben:Also ist mein Denkansatz der richtige.
Danke Euch :wink:
Die Erklärung von SusanneBerlin ist richtig. Lies einfach was sie geschrieben hat.

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