Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

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fetzer91
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Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von fetzer91 » 12.02.18, 15:24

Hallo und schonmal vielen Dank für´s Lesen

Folgendes Szenario könnte sich so zutragen:

Mann und Frau sind verheiratet und beide werktätig. Der Mann ist in einem Insolvenzverfahren, und zwar seit 4 Jahren. Das eigentliche Verfahren ist eingestellt und der Mann müsste sich damit in der Wohlverhaltensphase befinden?! Stimmt das so?
Nun könnten beide das schon jahrelang gepachtete Gartenland kaufen bzw. müssen es auch um es evtl. nicht zu verlieren. Die Frau würde das Land kaufen und alle Verbindlichkeiten die der Kauf mit sich bringt auf ihren Namen nehmen.
Begeht man auf diese Weise Regelbruch in der Insolvenzsache?

Vielen Dank und Gruß
fetzer

SusanneBerlin
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 12.02.18, 18:21

würde das Land kaufen und alle Verbindlichkeiten die der Kauf mit sich bringt auf ihren Namen nehmen.
Begeht man auf diese Weise Regelbruch in der Insolvenzsache?
Nein. Die Ehefrau hat mit dem Insolvenzverfahren des Ehemanns nichts zu tun und kann ihr Geld ausgeben oder auch ein Darlegen aufnehmen wie sie möchte, also auch ein (Garten-)Grundstück kaufen.
Grüße, Susanne

Der Internationale
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von Der Internationale » 14.02.18, 15:24

Stop, stop.

Das was Susanne in Berlin so von sich gibt, das ist grundsätzlich nicht verkehrt, dennoch aber für die Praxis zu kurz gedacht.

1. Müßte man 100 %ig wissen, ob das Verfahren beendet ist oder nicht (einfach nachsehen in insolvenzbekanntmachungen.de)
2. Was steht im Grundbuch? a) grundschulden und Grundschuldgläubiger betreffend b) Insolvenzverfahren betreffend)
3. Hat ein/haben die Grundschuldgläubiger Forderungen im Verfahren angemeldet? Mit Anspruch auf abgesonderte Befriedigung?
4. Gab/gibt es eine Zwangsverwaltung? Zwangsversteigerung?
5. ....
6. ....

Also nicht einfach Probleme von morgen neu produzieren, sondern erst mal wissen, was Sache ist.
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

SusanneBerlin
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 14.02.18, 16:13

Der Internationale hat geschrieben:Stop, stop.

Das was Susanne in Berlin so von sich gibt, das ist grundsätzlich nicht verkehrt, dennoch aber für die Praxis zu kurz gedacht.

1. Müßte man 100 %ig wissen, ob das Verfahren beendet ist oder nicht (einfach nachsehen in insolvenzbekanntmachungen.de)
2. Was steht im Grundbuch? a) grundschulden und Grundschuldgläubiger betreffend b) Insolvenzverfahren betreffend)
3. Hat ein/haben die Grundschuldgläubiger Forderungen im Verfahren angemeldet? Mit Anspruch auf abgesonderte Befriedigung?
4. Gab/gibt es eine Zwangsverwaltung? Zwangsversteigerung?
5. ....
6. ....
Danke für die Blumen, aber ich glaube Sie haben den Sachverhalt nicht genau gelesen:
Es geht nicht um ein Grundstück im gemeinsamen Eigentum von Ehemann und Ehefrau, es geht auch nicht darum, dass der Insolvente ein Grundstück verkauft oder von einem (ehemals) Insolventen gekauft werden soll. Sondern es geht um ein Pachtgrundstück. Nun möchte die Ehefrau das Grundstück kaufen.

Relevante Fakten also:
Der Ehemann ist in der Insolvenz.
Die Ehefrau kauft von einem Dritten ein Grundstück, nimmt dazu allein ein Darlehen auf.
Grüße, Susanne

fetzer91
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von fetzer91 » 14.02.18, 16:23

Hallo und danke für eure Antworten :)

Geht es bitte etwas verständlicher ? :oops:
zu 1. in den Bekanntmachungen gibt es nur noch zwei Einträge a: Festsetzung der Treuhändervergütung b: Anordnung zur Prüfung nachträglicher Forderungen. Beides stammt aus 2016.
zu 2. wenn es um das Gartenland geht...im Grundbuch steht der jetzige Eigentümer ohne Schulden
zu 3. der Eigentümer hat mit der Insolvenz des Mannes nichts zu tun.
zu 4. nein, der Eigentümer hat das Land vor einigen Jahren geerbt und will es nicht behalten und verkauft deshalb.
.
.
.
.
Ich fragte genau weil keine neuen Probleme geschaffen werden sollen.....die Eheleute aber das Land nicht an dritte verlieren wollen und somit eine saubere Lösung gesucht wird..

Bitte erkläre es noch einmal unter o.g. Fakten und für Laien :oops: :roll:

Danke und Gruß
fetzer

SusanneBerlin
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von SusanneBerlin » 14.02.18, 16:35

fetzer91 hat geschrieben:Hallo und danke für eure Antworten :)

Geht es bitte etwas verständlicher ? :oops:
Was war an meiner ersten Antwort nicht verständlich?

Die Ehefrau haftet nicht für die Verbindlichkeiten des Mannes. Die Ehefrau hat mit dem Insolvenzverfahren des Mannes nichts zu tun.

Wenn die Ehefrau auf ihren Namen ein Grundstück kauft und auf ihren Namen einen Kredit aufnimmt, kommen weder die Gläubiger des Mannes noch der Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder über das Insolvenzverfahren des Ehemannes an das Grundstück der Ehefrau ran.

Insolvenz Ehemann und Grundstückskauf Ehefrau sind zwei völlig voneinander getrennte Vorgänge. Jetzt verständlicher?
Grüße, Susanne

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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von Dirty Uschi » 14.02.18, 16:48

fetzer91 hat geschrieben:Geht es bitte etwas verständlicher ? :oops:
zu 1. in den Bekanntmachungen gibt es nur noch zwei Einträge a: Festsetzung der wollen und somit eine saubere Lösung gesucht wird..
Das ist nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft bzw. ein Fundament, auf das man bauen kann.

Als unmittelbar Betroffener sollte man schon wissen, ob das Insolvenzverfahren über das eigene Vermögen seinen Abschluss gefunden hat oder nicht. Dafür gibt es Beschlüsse, die man mit der Post oder einem Equivalent zugesendet bekommt. Der Blick in die insolvenzbekanntmachungen.de ist zwar verführerisch, allerdings kann man dort nur feststellen, dass da etwas steht. Wenn da nichts steht, bedeutet dies nicht, dass nicht bereits ein Beschluss ergangen ist. Die hängt mit den gesetzlichen Löschungsfristen zusammen.

Wenn man dann die Beendigung des Insolvenzverfahrens in Erfahrung gebracht hat, ganz wichtig, weil man, vorbehaltlich Sonderkonstruktionen wie Nachtragsverteilung mal unberücksichtigt, erst dann wieder über sein pfändbares Vermögen (zudem auch der Neuerwerb gehört: Erbschaft, Lottogewinn) verfügen kann, dann kann man über den Erwerb von Land/Haus/Pferd/Boot nachdenken.

Ist dies alles positiv geklärt, dann kann man den Ausführungen von SusanneBerlin folgen.
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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von fetzer91 » 14.02.18, 17:24

SusanneBerlin hat geschrieben:
Was war an meiner ersten Antwort nicht verständlich?
Hallo Susanne,

dich meinte ich nicht. Das bezog sich auf den Post vom "Internationalen". Sorry für das Missverständnis :wink:

@ Uschi,

den Beschluss gibt es, habe ich aber nicht vorliegen.....außerdem hab ich mehr aus Neugier nachgesehen, da ich garnicht wusste dass man das so einsehen kann.

Gruß fetzer,
der nicht in Ungnade fallen wollte..

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Re: Grundstückskauf und Insolvenz, verzwickte Lage

Beitrag von Der Internationale » 14.02.18, 19:21

SusanneBerlin hat geschrieben: Danke für die Blumen, aber ich glaube Sie haben den Sachverhalt nicht genau gelesen:
:oops: Dem kann ich nur zustimmen. SORRY!!!

-------

@ fetzer91

Wie SusanneBerlin richtig sagt: Die Ehefrau hat mit der Insolvenz des Schuldners absolut nichts zu tun. Sie kann erwerben, was immer sie will. Allerdings schreiben Sie "Nun könnten beide das schon jahrelang gepachtete Gartenland kaufen" und anschließend "Die Frau würde das Land kaufen und alle Verbindlichkeiten die der Kauf mit sich bringt auf ihren Namen nehmen."

insofern beide nur dann, wenn man genau weiss, wie der Stand in/nach der Insolvenz ist.

Wie Dirty Uschi richtig sagt, man sollte schon wissen, was der Stand im eigenen Verfahren ist. So glauben fast alle Schuldner, dass eine Insolvenz 6 jahre dauert. Dass die grundlegenden Rahmenbedingungen in Insolvenz und WVP vollkommen unterschiedlich sind, ist dem meisten unbekannt.
Das Böse bringen in der Regel nicht böse Menschen in die Welt, sondern dumme.

Haben Schuldner nur die Pflicht zur Redlichkeit?
Oder auch das Recht auf redliche Insolvenzverwalter und redliche Rechtspfleger und redliche Richter?

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