Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Moderator: FDR-Team

Antworten
Hirnfreund
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 27
Registriert: 11.03.12, 22:29

Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Hirnfreund »

Hallo!

Folgende fiktive Situation:

Person A (freiberuflicher Grafiker, nicht prominent oder Person des öffentlichen Lebens) wird von der lokalen Zeitung zu Thema XY am Telefon interviewt. Interviewer sagt Person A, das Interview würde in der Zeitung gedruckt. Person A will das Interview vor einer Veröffentlichung aber gegenlesen und absegnen, sodass das Interview nur veröffentlicht werden darf, wenn Person A einverstanden ist. Zeitungsredaktion will Gegenlesen aber nicht zulassen, bzw. schickt das Interview zwar, ändert aber die Wünsche von Person A nicht ab. Das Interview erscheint.

Muss Person A sich damit abfinden (Stichwort: Pressefreiheit, Persönlichkeitsrechte, Recht am gesprochenen Wort, etc.). Wurde das Interview widerrechtlich veröffentlicht, da es (wie vereinbart) nicht von Person A gegengelesen und abgesegnet wurde? Wie gesagt, Person A ist ein mittelständischer Grafikdesigner und kein Promi.

Freue mich über fundierte Hilfe in diesem fiktiven Fall, wenn möglich, gerne mit entsprechenden Gesetzestexten.

Vielen Dank! :D

Niemand2000
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1815
Registriert: 02.07.08, 18:42

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Niemand2000 »

vielleicht gibt es einen Anhaltspunkt bei https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 25406.html ansonsten fand ich nur noch https://www.persoenlich.com/medien/die- ... ges-252370 das scheint aber nur die Schweiz zu betreffen

Hirnfreund
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 27
Registriert: 11.03.12, 22:29

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Hirnfreund »

Ok, vielen Dank. Aber womöglich ist das doch ein Unterschied zwischen einem berühmten und öffentlichen Politiker und einem kleinen Freiberufler? Das wäre rechtlich interessant zu wissen. In dem verlinkten Text steht, dass "sobald Mitschnitte gemacht wurden, es wörtlich publiziert werden darf". Nun ist es ja so in unserem fiktiven Fall, dass der Freiberufler keinem Mitschnitt zugestimmt hat und auch nicht wussten, dass mitgeschnitten wird.

Niemand2000
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1815
Registriert: 02.07.08, 18:42

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Niemand2000 »

Hirnfreund hat geschrieben:
16.04.20, 11:49
Ok, vielen Dank. Aber womöglich ist das doch ein Unterschied zwischen einem berühmten und öffentlichen Politiker und einem kleinen Freiberufler? Das wäre rechtlich interessant zu wissen. In dem verlinkten Text steht, dass "sobald Mitschnitte gemacht wurden, es wörtlich publiziert werden darf". Nun ist es ja so in unserem fiktiven Fall, dass der Freiberufler keinem Mitschnitt zugestimmt hat und auch nicht wussten, dass mitgeschnitten wird.
Ich weiß nicht, in wie weit die beiden Links die aktuelle Rechts- bzw. Gesetzeslage wiedergeben

Gaia
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 396
Registriert: 27.04.19, 18:45

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Gaia »

Hirnfreund hat geschrieben:
16.04.20, 11:49
Aber womöglich ist das doch ein Unterschied zwischen einem berühmten und öffentlichen Politiker und einem kleinen Freiberufler?
Ja klar. Bei dem Politiker wird sich das Medienunternehmen eher nicht trauen.

Hier gibt es die Leitlinien des DJV, hier eine rechtliche Einschätzung.

lottchen
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2767
Registriert: 04.07.12, 14:01

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von lottchen »

So wie beschrieben wurde doch ERST das Interview gemacht und DANACH hat der Interviewte angeführt, dass er ein Einspruchsrecht haben möchte. Da ist die Preisfrage, ob das nicht zu spät ist. Ich weiß es nicht.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Gaia
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 396
Registriert: 27.04.19, 18:45

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Gaia »

lottchen hat geschrieben:
16.04.20, 12:46
So wie beschrieben wurde doch ERST das Interview gemacht und DANACH hat der Interviewte angeführt, dass er ein Einspruchsrecht haben möchte.
Das kann ich aus dem Eingangsbeitrag nicht so erkennen.

winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7432
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von winterspaziergang »

Hirnfreund hat geschrieben:
16.04.20, 11:24
Person A (freiberuflicher Grafiker, nicht prominent oder Person des öffentlichen Lebens) wird von der lokalen Zeitung zu Thema XY am Telefon interviewt.
wie kam das Interview zustande?
Interviewer sagt Person A, das Interview würde in der Zeitung gedruckt. Person A will das Interview vor einer Veröffentlichung aber gegenlesen und absegnen, sodass das Interview nur veröffentlicht werden darf, wenn Person A einverstanden ist. Zeitungsredaktion will Gegenlesen aber nicht zulassen, bzw. schickt das Interview zwar, ändert aber die Wünsche von Person A nicht ab. Das Interview erscheint.
wie ist dieses Gespräch vor dem Interview gelaufen? welche Vereinbarung wurde getroffen? Natürlich kann A vorab vereinbaren, das I nur zu geben, wenn er gegenlesen kann, ehe es veröffentlich wird und mitbestimmen kann- wenn der Interviewer aber dieser Vereinbarung nicht zustimmt, kommt das I nicht zustande
Muss Person A sich damit abfinden (Stichwort: Pressefreiheit, Persönlichkeitsrechte, Recht am gesprochenen Wort, etc.).
wenn man die Erlaubnis für ein Interview gibt, kann man sich danach nicht auf Persönlichkeitsrechte und am gesprochenen Wort berufen
Wurde das Interview widerrechtlich veröffentlicht, da es (wie vereinbart) nicht von Person A gegengelesen und abgesegnet wurde? Wie gesagt, Person A ist ein mittelständischer Grafikdesigner und kein Promi.
wurde das vereinbart? hat der Interviewer nachweislich zugesichert, dass A gegenlesen und die Veröffentlichung mit gestalten kann?
Zudem wäre die Frage, ob Persönlichkeitsrechte durch den Inhalt des Interviews verletzt wurden oder objektiv nicht

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2506
Registriert: 22.06.05, 23:24

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Celestro »

winterspaziergang hat geschrieben:
16.04.20, 13:56
wenn man die Erlaubnis für ein Interview gibt, kann man sich danach nicht auf Persönlichkeitsrechte und am gesprochenen Wort berufen
Das stützen Sie ... worauf?

winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7432
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von winterspaziergang »

Celestro hat geschrieben:
17.04.20, 06:39
winterspaziergang hat geschrieben:
16.04.20, 13:56
wenn man die Erlaubnis für ein Interview gibt, kann man sich danach nicht auf Persönlichkeitsrechte und am gesprochenen Wort berufen
Das stützen Sie ... worauf?
:?: Gegeben sei: Man gibt sein Einverständnis zu einem Interview, das veröffentlicht wird. Und möchte sich dann mit Hinweis auf Persönlichkeitsrechte und das gesprochene Wort darauf berufen, dass das Interview nicht hätte veröffentlicht werden dürfen.

und Sie fragen, worauf man sich stützt, wenn man darauf hinweist, dass mit der Erlaubnis das gesprochene Wort zu veröffentlichen, eine nachträgliche Ahndung der Veröffentlichung mit Hinweis hierauf nicht machbar ist?
echt :?:

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2506
Registriert: 22.06.05, 23:24

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Celestro »

lassen Sie "Person A will das Interview vor einer Veröffentlichung aber gegenlesen und absegnen, sodass das Interview nur veröffentlicht werden darf, wenn Person A einverstanden ist." absichtlich weg, weil es nicht in Ihre Argumentation passt?

Edit:
Verlangt der Interview-Partner, das abschließend bearbeitete Interview vor der Veröffentlichung einzusehen und es freizugeben, so muss die Redaktion ihm dies ermöglichen. Eine Veröffentlichung ohne diese Zustimmung wäre in jedem Falle eine Persönlichkeitsrechtsverletzung, denn der Gesprächspartner wäre in seinem Selbstbestimmungsrecht verletzt.

Wichtig: Das gilt selbst dann, wenn das Gespräch völlig korrekt oder sogar exakt nach einer Tonaufzeichnung wiedergegeben wird. Dies ist eine Konsequenz aus dem Recht am gesprochenen Wort: Wer sich äußert, darf über das von ihm gesprochene Wort selbst bestimmen.

https://initiative-tageszeitung.de/lexikon/interview/

winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 7432
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von winterspaziergang »

Celestro hat geschrieben:
17.04.20, 07:04
lassen Sie "Person A will das Interview vor einer Veröffentlichung aber gegenlesen und absegnen, sodass das Interview nur veröffentlicht werden darf, wenn Person A einverstanden ist." absichtlich weg, weil es nicht in Ihre Argumentation passt?
wie wärs, wenn Sie ausnahmsweise mal den ganzen Beitrag lesen, statt nur Zitate zu zerpflücken, damit Sie kritisieren können?
Etwa die Fragen, die im gleichen Beitrag stehen
wie ist dieses Gespräch vor dem Interview gelaufen? welche Vereinbarung wurde getroffen? Natürlich kann A vorab vereinbaren, das I nur zu geben, wenn er gegenlesen kann, ehe es veröffentlich wird und mitbestimmen kann- wenn der Interviewer aber dieser Vereinbarung nicht zustimmt, kommt das I nicht zustande
Auch bietet sich an, sich mit der Bedeutung von "wenn...dann" auseinanderzusetzen.

Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2506
Registriert: 22.06.05, 23:24

Re: Anrecht auf Gegenlesen bei Interview?

Beitrag von Celestro »

winterspaziergang hat geschrieben:
17.04.20, 07:19
Celestro hat geschrieben:
17.04.20, 07:04
lassen Sie "Person A will das Interview vor einer Veröffentlichung aber gegenlesen und absegnen, sodass das Interview nur veröffentlicht werden darf, wenn Person A einverstanden ist." absichtlich weg, weil es nicht in Ihre Argumentation passt?
wie wärs, wenn Sie ausnahmsweise mal den ganzen Beitrag lesen, statt nur Zitate zu zerpflücken, damit Sie kritisieren können?
Etwa die Fragen, die im gleichen Beitrag stehen
wie ist dieses Gespräch vor dem Interview gelaufen? welche Vereinbarung wurde getroffen? Natürlich kann A vorab vereinbaren, das I nur zu geben, wenn er gegenlesen kann, ehe es veröffentlich wird und mitbestimmen kann- wenn der Interviewer aber dieser Vereinbarung nicht zustimmt, kommt das I nicht zustande
Auch bietet sich an, sich mit der Bedeutung von "wenn...dann" auseinanderzusetzen.
Ich lese IMMER den ganzen Beitrag. Außerdem sollten Sie sich Ihre Argumentation mal anschauen: SIE nehmen einen kleinen Teil des Startpostes und lassen vom Schreiber getätigte Aussagen völlig weg und werfen MIR dasselbe anschließend vor. :lachen: Wie sagt man so schön ... "wenn 2 das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe". Und Nein, Ihre vorangestellten Fragen ändern am Sachverhalt nichts. Wenn Sie die als so relevant ansehen, wieso unterlassen Sie Ihre Aussage dann nicht solange, bis Sie die Antworten haben? Aber das wäre vermutlich zu einfach ....

Antworten