Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

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TecMaWi
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Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

Beitrag von TecMaWi » 03.01.16, 10:16

Ich stehe da vor einem Dilemma.
Ein Kunde hat mir in meine Social-Network-Portal [Name geändert] geschrieben "Bester Schlüsseldienst in ganz Hamburg"
Nun erstelle ich gerade eine neue Homepage mit Shopanbindung und würde diese Aussage gern als Werbeslogen wie folgt verwenden.

Google-Titel im Suchergebnis (Seitentitel Startseite):
"Bester Schlüsseldienst in ganz Hamburg"

Google Description (Anzeige unter dem Titel im Suchergebnis):
Schreibt man über uns bei Social-Network-Portal [Name geändert]. Nun, wir sind stehts bemüht unsere Kunden vollends zurfrieden zu stellen. Ihr Tec... Schlüsseldienst Hamburg.

Gemäß UWG ist vergleichende Werbung ja nicht gern gesehen, doch stammt dieses Aussage ja aber nicht von mir...
HMM ???

Was meint Ihr, kann man das so stehen lassen oder könnte es eine durchsetzbare Abmahnung zur Folge haben?

Gruß Frank

FM
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Re: Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

Beitrag von FM » 03.01.16, 11:19

Da fehlt schon ein einigermaßen erkennbarer Wettbewerber, der gemeint sein könnte. Bei der Aussage ist deutlich, dass nicht das Gesagte gemeint ist, denn kein Kunde kennt alle Firmen dieser Art in einer Großstadt und könnte wirklich die Aussage meinen, dass alle anderen schlechter wären. Das könnte höchstens das Ergebnis eines flächdendeckenden Vergleiches durch eine Studie sein.

Die Aussage ist deshalb vergleichbar mit "die beste Currywurst gibt es bei XY", was auch niemand wörtlich nehmen würde.

Deshalb ist auch zweifelhaft, ob der Werbewert besonders hoch ist, zumal ohnehin die meisten vermuten werden, das ist frei erfunden. Man weiß nur: der Unternehmer behauptet, einer seiner Kunden würde ihn für besonders gut halten.

Bei einem Schlüsseldienst wäre mir als Kunde, der ja nur im Bedarfsfall konkret danach sucht, viel wichtiger, dass konkrete Preise oder zumindest Höchstpreise genannt sind.

TecMaWi
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Re: Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

Beitrag von TecMaWi » 03.01.16, 11:45

Danke schon mal für die Einschätzung.

Tatsächlich ist es so, dass ich nahezu ausschließlich mit Festpreisen arbeite und dies auch auf meiner bestehenden Homepage (in den Seitentiteln) explizit bewerbe.
Da ich mich hier, insbesondere in Hamburg, aber in einem Haifischbecken befinde, in welchem Wettbewerbsverzerrung durch Massen-Homepages und irreführende Auspreisung mittlerweile schon zum guten Ton gehört, vergl. Suchbegriff "Dienstleistung+Ort", suche ich nach einer Möglichkeit, mich ein wenig davon abzugrenzen.

Ferner liege ich mit meiner dauerhaften Preisgestaltung bei einem Niveau, welches es mir "beinahe" erlaubt mit "günstigster" zu werben.
Gerade dieses Preisniveau, so denke ich, führt wohl des öfteren dazu, dass der mündige Verbraucher den Eindruck bekommt, dass es sich hier um ein vermeintliches "Lockangebot" handelt und folglich den Mitbewerber aufsucht. Daher suche ich nach einer Werbestrategie, welche den Verbraucher auche ohne Auspreisung in der primären Bewerbung zunächst veranlasst meine Homepage zu besuchen, woraufhin er dann unvermeidlich fest stellt, dass er die angebotenen Dienstleistungen tatsächlich zu diesem Preis erhalten kann.

Daher würde es mich besonders interessiern, was rechtskundige Personen mit Bezug auf eine mutmaßliche Rechtslage davon halten. Ich möchte keine Rechtsauskunft, hätte aber gern eine objektive und unverbindliche Einschätzungen dazu.

Eine Genehmigung von dem Bewertungserstelle für die gewerbliche Verwertung würde ich mir natürlich im Vorwege einholen.

FM
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Re: Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

Beitrag von FM » 03.01.16, 12:22

TecMaWi hat geschrieben: Ferner liege ich mit meiner dauerhaften Preisgestaltung bei einem Niveau, welches es mir "beinahe" erlaubt mit "günstigster" zu werben.
Gerade dieses Preisniveau, so denke ich, führt wohl des öfteren dazu, dass der mündige Verbraucher den Eindruck bekommt, dass es sich hier um ein vermeintliches "Lockangebot" handelt und folglich den Mitbewerber aufsucht. Daher suche ich nach einer Werbestrategie, welche den Verbraucher auche ohne Auspreisung in der primären Bewerbung zunächst veranlasst meine Homepage zu besuchen, woraufhin er dann unvermeidlich fest stellt, dass er die angebotenen Dienstleistungen tatsächlich zu diesem Preis erhalten kann.
Gerade im Wettbewerbsrecht ist die Bandbreite der Rechtsprechung ziemlich groß, man wird da von niemanden eine sichere Aussage bekommen können. Der entscheidende Punkt dürfte hier die Erkennbarkeit der Mitbewerber sein. Aus der Formulierung folgt zwar zunächst, dass dies alle Schlüsseldienste in HH und damit ein genau bestimmbarer Kreis wäre. Dann hätte man tatsächlich das Problem, dass "der beste" kein überprüfbares Kriterium ist. Aber, wie oben gesagt: wenn das als Kundenaussage deutlich gemacht wird (und nicht etwa als Testergebnis), muss jedem klar sein: Vergleichsgruppe sind bestenfalls ganz wenige Wettbewerber, die nicht erkennbar sind (anders sähe es aus, wenn die Aussage auf einen Stadtteil bezogen wird, in dem es nur zwei solche Firmen gibt). Aber: kann schon sein, dass das zuständige Gericht anders argumentiert. Gerade das Landgericht Hamburg ist da für eine gewisse rigorose Auslegung bekannt.

Ich würde den Spruch eher weglassen, weil er nichts bringt. Wer sucht denn schon nach "bester Schlüsseldienst Hamburg", wenn er sich ausgesperrt hat? Da schon eher Begriffe wie "Festpreise", "Preisliste". Ich vermute mal, bei dieser Dienstleistung weiß inzwischen fast jeder, dass Wucherpreise das große Problem sind und will in erster Linie dazu etwas wissen. Wenn man auf Kundenbewertungen schauen will, wird man nicht auf der Werbeseite des Unternehmens selbst suchen, sondern auf davon unabhängigen Portalen. Dass die Konkurrenten auch alles tun was sie können um in der Suchmaschine auf vorderen Plätzen zu landen, ist klar. Aber gerade die obskuren Anbieter werden Begriffe wie "Festpreis" vermeiden.

Mit dem Begriff "günstiger" wäre ich vorsichtig - wenn sich dann ein einziger Kollege findet, der in einem bestimmten Fall noch günstiger ist, war es irreführende Werbung.

TecMaWi
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Re: Kundenrezension als Werbeaussage nutzen

Beitrag von TecMaWi » 03.01.16, 12:52

Vielen Dank.

Also würde ich mich da in einer Grauzone befinden und in HH wohl eher eine Ohrfeige bekommen.

Aus Erfahrung kann ich berichten, dass der gemeine Verbraucher nicht so mündig ist, wie ihm nachgesagt wird und ich allzuoft angerufen werde um Hilfestellung zu leisten.
Nur ist das Kind dann halt schon in den Brunnen gefallen und wer da nicht Rechtschutzversichert ist, wird ziemliche finanzielle Anstergungen in Vorleistung über sich ergehen lassen müssen um im nachhinein den wuchergrenzüberschreitenden Betrag, welcher nach div. Urteilen bei 120% über dem ortsüblichen Preis liegt, zurück zu erhalten.

Ich ermuntere den Geschädigtigten im aussichtreichen Fall immer wieder aufs neue, gegen die schwarzen Schafe zu klagen.

Was die Werbewirkung angeht, denke ich, dass es gut funktionieren würde. Gerade aus der Notlage heraus, werden oft irrationale Entscheidungen getroffen und auch "besser", "günstiger" etc. sprechen das Belohnungszentrum in etwa gleicher Weise an wie "Sale", "-20%" u.d.g.

Also werde ich mir etwas überlegen müssen, was in das limbische System schießt und nicht abgemahnt werden kann.
Andererseits: wenn ich mein Umfeld betrachte, könnte ich auf eine Abmahnung hin, selbst mehrere ausprechen.

Hmm ??? Das bedarf reichlicher Überlegung, aber da habe ich ja dann auch noch Zeit für.

Danke nochmal!

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