Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

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redfreakz
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Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von redfreakz » 18.04.16, 10:03

xy-online ist ein Onlinespiel mit einer sehr aktiven und großen Community. Es spielt in einer von Geld und Macht getriebenen Welt in einer düsteren Zukunft (Kriege, Sklaverei,..) daher haben viele Spieler und Gemeinschaften zur Spielgeschichte passende Aktivitäten aufgebaut (Transportunternehmen, Banken, Auftragsmörder usw.).

Wäre es nach dt. Recht illegal, wenn ein Spieler ein Glücksspielsystem aufbauen würde, selbst wenn mit dem Glücksspielsystem kein echtes Geld verdient werden kann, sondern nur Spielgeld?

Dazu sollte man allerdings erwähnen, dass man für echtes Geld (indirekt) Spielgeld kaufen kann. Der Spielhersteller verkauft über seine Webseite Spielitems gegen Euro, die man im Ingame Markt für Spielgeld verkaufen kann. Man kann allerdings nicht auf offiziellem Wege Spielgeld zu echtem Geld transferieren, außer über Internetauktionshaus [Name geändert] und unseriöse Webseiten (was aber gegen die AGB des Spieleherstellers verstößt).

Daher stellt sich mir die grundsätzliche Frage, ob solche Glücksspielsysteme nach der dt. Rechtslage grundsätzlich problematisch sind, da man indirekt echtes Geld für die Teilnahme investieren und prinzipiell echtes Geld (inoffiziell) gewinnen kann. Viele echte Glücksspielsysteme arbeiten ja inzwischen auch nicht mehr mit echtem Geld, sondern mit Coins, Marken usw. um damit den Spielenden Kontrolle über die tatsächlichen Ausgaben zu entziehen und damit die Einnahmen zu erhöhen. Hier gibt es ja kaum Unterschiede, oder? Abgesehen von der Gewinnerzielungsabsicht.

Spielt es denn eine Rolle, dass der Echtgeldhandel mit Spielwährung gegen die NDA verstößt und ist damit der Betrieb eines solchen Glücksspiels eher unkritisch zu sehen?
Vielen Dank.
Zuletzt geändert von ktown am 18.04.16, 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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redfreakz
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Re: Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von redfreakz » 19.04.16, 13:02

Ok, mir ist klar, dass das eine sehr spezifische Frage ist, die verschieden Rechtsbereiche betrifft und daher sicherlich schwer zu beantworten ist.

Aber hat jemand vielleicht einfach nur ein paar Gedanken dazu? Das würde mir schon sehr weiterhelfen.

SusanneBerlin
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Re: Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von SusanneBerlin » 19.04.16, 16:34

Wieso macht man sich ausgerechnet über das Glücksspiel innerhalb der virtuellen Realität Sorgen, wo doch innerhalb der VR noch ganz andere, nach deutschem Recht illegale Einkunftsmöglichkeiten existieren, deren Erlös man dann ebenfalls in "echtes Geld" tauschen könnte? Den "Auftragsmörder" erwähnten Sie ja bereits. Muss ein in der VR sich als Auftragsmörder betätigender Spieler, der daraus "echtes Geld" erwirtschaftet, im realen Leben ein Gewerbe als "Auftragsmörder" anmelden?
Grüße, Susanne

redfreakz
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Re: Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von redfreakz » 19.04.16, 22:38

Vielen Dank für die Antwort. Der Vergleich hinkt aber etwas, da der VR Auftragsmörder keinen echten Menschen umbringt, sondern Pixel zum Startgebiet zurückführt :-)

Das Glücksspiel verhält sich etwas anders, da die Glücksspiele nicht innerhalb des Spieles, sondern außerhalb stattfinden, z.B. auf Webseiten. D.h. Spieler senden innerhalb des Computerspiels Ingame Geld an den Glücksspielbetreiber, er aktiviert Coins auf der Webseite und dann können die Spieler bei den Glücksspielen auf der Webseite teilnehmen. Gewinnen sie, dann bekommen sie innerhalb des Computerspiels vom Glücksspielbetreiber Ingamegeld geschickt.

Und da der Teilnehmer theoretisch inoffiziell bzw. indirekt echtes Geld für Spielgeld ausgeben kann und der Glücksspielbetreiber theoretisch inoffiziell und indirekt echtes Geld einnehmen kann, frage ich mich, ob der Betreib einer solchen virtuellen Glücksspielhalle grundsätzlich gesetzlich problematisch sein könnte. Oder ob es erst problematisch wird, wenn vom Glücksspielbetreiber tatsächlich echtes Geld verdient wird (spätestens dann interessiert sich ja eh das Finanzamt dafür).

Ronny1958
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Re: Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von Ronny1958 » 20.04.16, 06:42

Beim Glücksspiel droht eher vom Staatsanwalt als vom Finanzamt die größere Gefahr.

Und dass dieses Geschäftsmodell zum Staatsanwalt gelangen wird, daran ahbe ich keine Zweifel.
Darauf achtet schon die missgünstige Konkurrenz.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

redfreakz
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Re: Communitygesteuertes Glücksspiel in einem Onlinespiel

Beitrag von redfreakz » 20.04.16, 12:34

Ronny1958 hat geschrieben:Beim Glücksspiel droht eher vom Staatsanwalt als vom Finanzamt die größere Gefahr.

Und dass dieses Geschäftsmodell zum Staatsanwalt gelangen wird, daran ahbe ich keine Zweifel.
Darauf achtet schon die missgünstige Konkurrenz.
Danke für die Antwort.
Und solange es für die Betreiber kein Geschäfts- sondern ein Spielmodell ist? D.h. wenn die Betreiber damit kein echtes Geld verdienen wollen (und werden), sondern es allein um das Spiel geht?

Das ist ja meine eigentliche Frage: Ist alleine der Betrieb eines solchen Glücksspiels rechtlich problematisch weil man damit über Umwege indirekt Geld verdienen könnte oder wird es erst zum Problem wenn die Betreiber tatsächlich versuchen daraus echtes Geld zu verdienen?

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