GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

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Anne_K
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GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von Anne_K » 21.02.17, 20:01

Das Einkommen einer Rentnerin liegt unter der Bedarfsgrenze (ein paar Euro weniger).
Sie verzichtet freiwillig auf Grundsicherungsleistungen.

Besteht bei der Rentnerin ein Anspruch auf eine Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht ?

nordlicht02
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Re: GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von nordlicht02 » 21.02.17, 20:20

Anne_K hat geschrieben: Besteht bei der Rentnerin ein Anspruch auf eine Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht ?
M. W. nein.
Wenn sie Grundsicherung bezöge, könnte sie sich diese bescheinigen lassen und sich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen. Ohne diese Bescheinigung dürfte eine Befreiung nicht möglich sein.
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rabenthaus
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Re: GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von rabenthaus » 22.02.17, 07:27

Hallo

grundsätzlich ja, da die Bescheinigung des jobcenters nur eine Prüfungserleichterung für den Beitragsservice ist, aber kein Freifahrtschein. Der Beitragservice prüft eigentlich selber und stellt dann die Befreiung aus. Allerdings wird diese Befreiung normalerweise ohne den entsprechenden Zettel vom jobcenter nicht erteilt.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

Anne_K
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Re: GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von Anne_K » 22.02.17, 12:06

Der Sachbearbeiter in Sozialamt hat auch bezweifelt, welche Bescheinigung für GEZ er ausstellen soll, da die Rentnerin trotz des Bedarfes auf die Leistungen verzichtet. Dann hat er den ablehnenden Leistungsbescheid ausgestellt, aus dem hervorgeht, dass die Bedarfsgrenze 17,50 Euro nicht überschritten wurde.
Aus der mitgegebenen Einkommens- und Bedarfsberechnung ist ersichtlich, dass das Einkommen weniger als die Bedarfgrenze ist.

Diese zwei Bescheinigungen legt die Rentnerin bei der GEZ vor.
Ist dies Grund für eine Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht?

Ronny1958
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Re: GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von Ronny1958 » 01.03.17, 18:47

rabenthaus hat geschrieben:Hallo

grundsätzlich ja, da die Bescheinigung des jobcenters nur eine Prüfungserleichterung für den Beitragsservice ist, aber kein Freifahrtschein. Der Beitragservice prüft eigentlich selber und stellt dann die Befreiung aus. Allerdings wird diese Befreiung normalerweise ohne den entsprechenden Zettel vom jobcenter nicht erteilt.
Eine Rentnerin ist keine Kundin des Jobcenters, da dieses nur die Grundsicherung für Arbeitssuchende (SGB II) zahlen wird.

Zuständige Stelle ist das kommunale Sozialamt für die Leistung Grundsicherung im Alter nach SGB XII.

Die Bescheinigung hat nicht nur deklaratorischen Charakter, denn der Empfang von Leistungen nach SGB II/ XII ist Befreiungsvoraussetzung, nicht die Bedürftigkeit. Siehe dazu § 4 des jeweiligen Landesrundfunkbeitragsstatsvertrages.

Hier das Beispiel NRW:
§ 4
Befreiungen von der Beitragspflicht, Ermäßigung

(1) Von der Beitragspflicht nach § 2 Abs. 1 werden auf Antrag folgende natürliche Personen befreit:

1. Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuches (Sozialhilfe) oder nach den §§ 27a oder 27d des Bundesversorgungsgesetzes,

2. Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Viertes Kapitel des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuches),

3. Empfänger von Sozialgeld oder Arbeitslosengeld II einschließlich von Leistungen nach § 22 des Zweiten Buches des Sozialgesetzbuches,

4. Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz,

5. nicht bei den Eltern wohnende Empfänger von

a) Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz,

b) Berufsausbildungsbeihilfe nach den §§ 114, 115 Nr. 2 des Dritten Buches des Sozialgesetzbuches oder nach dem Dritten Kapitel, Dritter Abschnitt, Dritter Unterabschnitt des Dritten Buches des Sozialgesetzbuches oder

c) Ausbildungsgeld nach den §§ 122 ff. des Dritten Buches des Sozialgesetzbuches,

6. Sonderfürsorgeberechtigte im Sinne des § 27e des Bundesversorgungsgesetzes,

7. Empfänger von Hilfe zur Pflege nach dem Siebten Kapitel des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuches oder von Hilfe zur Pflege als Leistung der Kriegsopferfürsorge nach dem Bundesversorgungsgesetz oder von Pflegegeld nach landesgesetzlichen Vorschriften,

8. Empfänger von Pflegezulagen nach § 267 Abs. 1 des Lastenausgleichsgesetzes oder Personen, denen wegen Pflegebedürftigkeit nach § 267 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Buchstabe c des Lastenausgleichsgesetzes ein Freibetrag zuerkannt wird,

9. Volljährige, die im Rahmen einer Leistungsgewährung nach dem Achten Buch des Sozialgesetzbuches in einer stationären Einrichtung nach § 45 des Achten Buches des Sozialgesetzbuches leben, und

10. taubblinde Menschen und Empfänger von Blindenhilfe nach § 72 des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuches oder nach § 27d des Bundesversorgungsgesetzes.

(2) Der Rundfunkbeitrag nach § 2 Abs. 1 wird auf Antrag für folgende natürliche Personen auf ein Drittel ermäßigt:

1. blinde oder nicht nur vorübergehend wesentlich sehbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 60 allein wegen der Sehbehinderung,

2. hörgeschädigte Menschen, die gehörlos sind oder denen eine ausreichende Verständigung über das Gehör auch mit Hörhilfen nicht möglich ist, und

3. behinderte Menschen, deren Grad der Behinderung nicht nur vorübergehend wenigstens 80 beträgt und die wegen ihres Leidens an öffentlichen Veranstaltungen ständig nicht teilnehmen können.

Absatz 1 bleibt unberührt.

(3) Die dem Antragsteller gewährte Befreiung oder Ermäßigung erstreckt sich innerhalb der Wohnung

1. auf dessen Ehegatten,

2. auf den eingetragenen Lebenspartner,

3. auf Kinder des Antragstellers und der unter den Nummern 1 und 2 genannten Personen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres und

4. auf die Wohnungsinhaber, deren Einkommen und Vermögen bei der Gewährung einer Sozialleistung nach Absatz 1 berücksichtigt worden sind.

(4) Die Dauer der Befreiung oder Ermäßigung richtet sich nach dem Gültigkeitszeitraum des Nachweises nach Absatz 7 Satz 2. Sie beginnt mit dem Ersten des Monats, in dem der Gültigkeitszeitraum beginnt, frühestens jedoch drei Jahre vor dem Ersten des Monats, in dem die Befreiung oder Ermäßigung beantragt wird. War der Antragsteller aus demselben Befreiungsgrund nach Absatz 1 über einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens zwei Jahren von der Beitragspflicht befreit, so wird bei einem unmittelbar anschließenden, auf denselben Befreiungsgrund gestützten Folgeantrag vermutet, dass die Befreiungsvoraussetzungen über die Gültigkeitsdauer des diesem Antrag zugrunde liegenden Nachweises nach Absatz 7 Satz 2 hinaus für ein weiteres Jahr vorliegen. Ist der Nachweis nach Absatz 7 Satz 2 unbefristet, so kann die Befreiung auf drei Jahre befristet werden, wenn eine Änderung der Umstände möglich ist, die dem Tatbestand zugrunde liegen.

(5) Wird der Bescheid nach Absatz 7 Satz 2 unwirksam, zurückgenommen oder widerrufen, so endet die Befreiung oder Ermäßigung zum selben Zeitpunkt. Die Befreiung endet auch dann, wenn die nach Absatz 4 Satz 3 vermuteten Befreiungsvoraussetzungen nicht oder nicht mehr vorliegen oder wenn die Voraussetzungen für die Befreiung nach Absatz 6 Satz 2 entfallen. Derartige Umstände sind vom Beitragsschuldner unverzüglich der zuständigen Landesrundfunkanstalt mitzuteilen.

(6) Unbeschadet der Beitragsbefreiung nach Absatz 1 hat die Landesrundfunkanstalt in besonderen Härtefällen auf gesonderten Antrag von der Beitragspflicht zu befreien. Ein Härtefall liegt insbesondere vor, wenn eine Sozialleistung nach Absatz 1 Nr. 1 bis 10 in einem durch die zuständige Behörde erlassenen Bescheid mit der Begründung versagt wurde, dass die Einkünfte die jeweilige Bedarfsgrenze um weniger als die Höhe des Rundfunkbeitrags überschreiten. In den Fällen von Satz 1 gilt Absatz 4 entsprechend. In den Fällen von Satz 2 beginnt die Befreiung mit dem Ersten des Monats, in dem der ablehnende Bescheid ergangen ist, frühestens jedoch drei Jahre vor dem Ersten des Monats, in dem die Befreiung beantragt wird; die Befreiung wird für die Dauer eines Jahres gewährt.

(7) Der Antrag auf Befreiung oder Ermäßigung ist vom Beitragsschuldner schriftlich bei der zuständigen Landesrundfunkanstalt zu stellen. Die Voraussetzungen für die Befreiung oder Ermäßigung sind durch die entsprechende Bestätigung der Behörde oder des Leistungsträgers in Kopie oder durch den entsprechenden Bescheid in Kopie nachzuweisen; auf Verlangen ist die Bestätigung der Behörde oder des Leistungsträgers im Original oder der Bescheid im Original oder in beglaubigter Kopie vorzulegen. Im Falle des Absatzes 1 Nr. 10 1. Alternative genügt eine ärztliche Bescheinigung. Dabei sind auch die Namen der weiteren volljährigen Bewohner der Wohnung mitzuteilen.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: GEZ Gebühren bei Einkommen unter der Bedarfsgrenze

Beitrag von Struppinger » 19.06.17, 09:12

Naja, nach dem Wortlaut der Nr. 6 der von Ronny zitierten Norm dürfte die Befreiung als "Härte" denn doch möglich sein, da ja "die Einkünfte die jeweilige Bedarfsgrenze um weniger als die Höhe des Rundfunkbeitrags überschreiten" (nämlich um "Null") und sogar ein entsprechender Bescheid vorliegt... :wink:

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