Eigentlich berichten wir darüber nicht aber diesmal doch...

Moderator: FDR-Team

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lottchen
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Eigentlich berichten wir darüber nicht aber diesmal doch...

Beitrag von lottchen »

Ich hätte meine Frage unter Presserecht verortet, das Forum gibt es hier aber nicht, daher versuche ich es mal hier:

Immer wieder lese ich in allen möglichen Printmedien Artikel über Selbstmorde / versuchte Selbstmorde usw. Seit einigen Jahren steht unter fast jedem dieser Artikel sinngemäß:

Anmerkung der Redaktion: Normalerweise berichten wir nicht über Selbstverletzungen / Suizide um keinen Anreiz für Nachahmungen zu schaffen. In diesem speziellen Fall gibt es aber besondere Umstände / öffentliches Interesse.... Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend .... Unter ........erhalten Sie Hilfe.

Wozu ist das eigentlich da? Ist die Presse aus irgendeinem Grund verpflichtet das unter ihre Artikel zu schreiben?
Wenn sich Oma Erna mit Schlaftabletten in ihrer 1-Zimmer-Wohnung vom Leben zu Tod befördert berichtet niemand drüber weil es niemanden interessiert und weil es ohnehin kaum jemand mitbekommt. Wenn sich Oma Erna vom nächsten Hochhaus stürzt dann kommt die Presse angerannt und berichtet darüber. Und schreibt diese Sätze drunter. Macht der das irgendwie besser? Oder ist der Artikelverfasser dann rechtlich auf der sicheren Seite (wovor wäre er/sie/es dann geschützt)?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Tastenspitz
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Re: Eigentlich berichten wir darüber nicht aber diesmal doch...

Beitrag von Tastenspitz »

Könnte was sein, was aus/über den Presserat läuft.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
ExDevil67
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Re: Eigentlich berichten wir darüber nicht aber diesmal doch...

Beitrag von ExDevil67 »

Das gibt afair Studien die einen Zusammenhang zwischen Presseberichten über Suizide und "Nachahmungstaten" nachweisen. Daher das wir berichten nicht bzw wenn doch dieser Hinweis.
Nordland
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Re: Eigentlich berichten wir darüber nicht aber diesmal doch...

Beitrag von Nordland »

lottchen hat geschrieben: 12.05.22, 13:31 IIst die Presse aus irgendeinem Grund verpflichtet das unter ihre Artikel zu schreiben?
Einerseits wird darauf im Pressekodex Bezug genommen:
https://www.presserat.de/pressekodex.html#ziffer08 hat geschrieben:Richtlinie 8.7 – Selbsttötung
Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.
Andererseits ist der Pressekodex eine freiwillige Selbstverpflichtung.

Im Ergebnis bleibt es bei der freien Berichterstattung und kaum jemand bekommt einen auf den Deckel:
https://www.presserat.de/entscheidungen-presserat-detail/selsbtmord-versuch-auf-dem-bahnsteig.html hat geschrieben:Die Beschwerde ist unbegründet. Schwerpunkt der Berichterstattung sind die verkehrstechnischen Auswirkungen des Suizid-Versuchs für die Pendler am Berliner Hauptbahnhof. Zugausfälle an einem Drehkreuz sind von öffentlichem Interesse. Die sachliche Erwähnung, es handele sich vermutlich um einen Suizid unter Berufung auf die Quelle Bundespolizei hält der Ausschuss für akzeptabel. Die Zeitung hat damit keinen Raum für andere Spekulationen geboten. Im Hinweis auf Hilfsangebote sieht das Gremium keinen Kodex-Verstoß. Derartige Hinweise haben präventiven Charakter. (Aktenzeichen: 1008/18/1)
Grundrechte sind nicht verhandelbar.
Für Demokratie, Freiheit, Grundgesetz!
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