Recht und Kosten - Zeitgemäß?

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Newbie2007
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von Newbie2007 » 21.12.14, 23:55

Hier ein aktueller, und, wie ich finde, ziemlich perverser Fall:

http://www.jurablogs.com/go/Anbieter X-rec ... ischen-art

Eine Frau bekommt zwei Mahnbescheide der Te.. om über insgesamt 43 Millionen. Sie ist aber gar nicht Kundin! Sie legt Widerspruch ein und beantragt zulässigerweise einen Termin beim Landgericht Magdeburg zu Klärung. Diese Termine werden wieder abgesagt - die Te..om erklärt an Eides Statt, sie habe die Mahnbescheide gar nicht beantragt.

Soweit, so gut. Aber was ist nun mit den Anwaltskosten der Dame? Diese betragen anscheinend ca. 119.000 Euro...

elwoody
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von elwoody » 22.12.14, 08:16

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass der Anwalt ihr die Kosten in der Höhe in Rechnung stellt, hat sie niemand gewzungen einen Rechtsanwalt zu nehmen.

Newbie2007
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von Newbie2007 » 22.12.14, 09:43

elwoody hat geschrieben:... hat sie niemand gewzungen einen Rechtsanwalt zu nehmen.
Ist klar. Ich bekomme vom Gericht (! Das Mahnverfahren ist ein Gerichtsverfahren!) ein Schreiben, dass ich einer großen Firma 43 Millionen schulde. Aber das ist nichts, was das Einschalten eines Anwalts erfordern würde...

istdasso?
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von istdasso? » 22.12.14, 10:10

elwoody hat geschrieben:Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass der Anwalt ihr die Kosten in der Höhe in Rechnung stellt, ...
Nee, der wid wohl 141.610,-€ in Rechnung stellen, weil die Märchensteuer ja noch drauf kommt.
Aber macht nichts - die Frau kann ja noch dagegen klagen. Dann wird die Summe wenigstens rund es komm sich auf gut 150.000,- raus, was das nicht Telefonieren.gekostet hat :lachen:
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

elwoody
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von elwoody » 22.12.14, 10:11

Newbie2007 hat geschrieben:
elwoody hat geschrieben:... hat sie niemand gewzungen einen Rechtsanwalt zu nehmen.
Ist klar. Ich bekomme vom Gericht (! Das Mahnverfahren ist ein Gerichtsverfahren!) ein Schreiben, dass ich einer großen Firma 43 Millionen schulde. Aber das ist nichts, was das Einschalten eines Anwalts erfordern würde...

Nein, weil es offensichtlich Blödsinn ist. Da lege ich Widerspruch ein und wenn die Anbieter X dann meint mich tatsächlich vor Gericht zu ziehen, nehme ich mir nen Anwalt.

istdasso?
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von istdasso? » 22.12.14, 10:26

offensichtlich Blödsinn
ist ein Umstand auf den ich mich in rechtlichen Dingen nicht mehr verlasse - offensichtlich <> beweisbar

Man könnte das wieder Umdrehen und sagen: Die Frau wollte auch noch betrügen: Ihr musste doch klar sein , dass sie keine 43Mio hatte!
Das die Firma das hätte auch bezweifeln können - hindert nach hM die Strafbarkeit ja nicht :lachen: :lachen:
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

Newbie2007
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von Newbie2007 » 22.12.14, 16:40

elwoody hat geschrieben: Nein, weil es offensichtlich Blödsinn ist. Da lege ich Widerspruch ein und wenn die Anbieter X dann meint mich tatsächlich vor Gericht zu ziehen, nehme ich mir nen Anwalt.
Ja, das weiß man, wenn man ein bisschen Ahnung von diesen Dingen hat... aber was macht Otto Normalverbraucher, der sich damit nicht auskennt?

Außerdem, so einfach ist es nicht. Telekommunikationsfirmen melden säumige Zahler üblicherweise an die diversen Auskunfteien ("Mahnbescheid bei unbestrittener Forderung"). Das kann im Einzelfall existenzbedrohend sein, und in dem Fall kann man es sich nicht leisten, erst mal abzuwarten.

Mike Gimmerthal
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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von Mike Gimmerthal » 13.01.15, 20:42

Newbie2007 hat geschrieben:
elwoody hat geschrieben:Nein, weil es offensichtlich Blödsinn ist. Da lege ich Widerspruch ein und wenn die Anbieter X dann meint mich tatsächlich vor Gericht zu ziehen, nehme ich mir nen Anwalt.
Ja, das weiß man, wenn man ein bisschen Ahnung von diesen Dingen hat... aber was macht Otto Normalverbraucher, der sich damit nicht auskennt?

Außerdem, so einfach ist es nicht. Telekommunikationsfirmen melden säumige Zahler üblicherweise an die diversen Auskunfteien ("Mahnbescheid bei unbestrittener Forderung"). Das kann im Einzelfall existenzbedrohend sein, und in dem Fall kann man es sich nicht leisten, erst mal abzuwarten.
Altes Thema, aber ein echtes Thema!
Und eine Vermischung zweier für Chantall [geb. Max] Mustermann existenzielle Probleme.
Die digitale Diskriminierung gepaart mit der wirtschaftlichen Unmöglichkeit dagegen gleichberechtigt den Rechtsweg zu beschreiten. Das Los des "kleinen Mannes" ... definitiv diskussionswürdig.
Newbie2007 hat geschrieben:
Jim Panse hat geschrieben:Kurz gesagt: der Wunsch eines Mandaten auf Vereinbarung eines Erfolgshonorars dürfte umgekehrt proportional zu den Erfolgsaussichten des zugrundeliegenden Verfahrens ausgestaltet sein.
... oder auch umgekehrt proportional zur finanziellen Situation des Mandanten, der zwar einen Anspruch hat, aber nicht das Geld, diesen Anspruch auch durchzusetzen...
Beides grundsätzlich richtig. Aber dafür gibt es in Deutschland im Prinzip die PKH.
Ein Problem sehe ich allerdings darin, dass gute Anwälte und Kanzleien für Sätze nach der Gebührenordnung/PKH nicht arbeiten (wollen).
Das System benachteiligt fraglos den durchschnittlichen Bürger. Es gewinnt, wer sich die besten (also teureren) Anwälte leisten kann.
Ich verabscheue Ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!(E.B. Hall)
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist. (C.-L. de Montesquieu)

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Re: Recht und Kosten - Zeitgemäß?

Beitrag von emad » 20.01.15, 22:20

Es gewinnt, wer sich die besten (also teureren) Anwälte leisten kann.
Leider ist es so. Ohne Geld geht nichts.
Jeder junge Mensch macht früher oder später die verblüffende Entdeckung, dass auch Eltern gelegentlich Recht haben können.

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