Je Suis Sanaa

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windalf
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 29.03.15, 18:47

Menschen sind keine Handelsware. Da jeder Mensch einmalig und in seiner Persönlichkeit unersetzlich ist, ist schon allein dies von unermesslicher Wert.
Wenn der Wert unermesslich sein sollte ist es müßig überhaupt von Wert zu sprechen...
Aber wenn du unbedingt willst und ja gern deine kleine Perspektive als die entscheidende erachtest, dann kannst du doch bestimmt deine eigenen Wert auf Euro und Cent ausrechnen.
Habe ich noch nicht versucht zu berechnen aber ich wäre weit von der Arroganz entfernt behaupten zu wollen er würde unermesslich sein bzw. bei unendlich liegen.
Schon wenn du mal ganz kurz die Perspektive derjeigen in Betracht ziehst, die dem ersteren verbunden sind, wirst du sehen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Du kannst es nicht berechnen, jeder Versuch dahingehend ist mangelhaft.
Es gibt vieles was sich nicht direkt berechnen lässt. Trotzdem nimmt man abschätzungen vor. Nicht selten kann man zumindest die Abschätzung treffen, dass das eine besser/mehr wert ist als ein anderes unabhängig von seinem Gesamtwert
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

all-in
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 29.03.15, 19:43

Es gibt vieles was sich nicht direkt berechnen lässt.
Die Vokabel bepreisen hast du eingebracht, also was nun?
Nicht selten kann man zumindest die Abschätzung treffen, dass das eine besser/mehr wert ist als ein anderes unabhängig von seinem Gesamtwert
Und, kannst du das von dir gegenüber anderen behaupten, ohne dabei in Arroganz zu verfallen?
Im übrigen sprachen wir hier doch von Personen und nicht irgendwelchen Sachen ("das").

windalf
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 30.03.15, 17:52

Und, kannst du das von dir gegenüber anderen behaupten, ohne dabei in Arroganz zu verfallen?
Es mag Fälle geben wo das schwer fällt. Es mag viele Fälle geben bei denen ich weiß, dass ein anderer einen höheren Wert hat. Aber es wird auch viele Fälle geben wo ich das tatsächlich behaupten kann einen höheren Wert zu haben ohne dabei in Arroganz zu verfallen...
Im übrigen sprachen wir hier doch von Personen und nicht irgendwelchen Sachen ("das").
Ja versachlichen ist immer eine gute Sache :mrgreen:
Die Vokabel bepreisen hast du eingebracht, also was nun?
Die (Rück)Frage verstehe ich nicht? Was ist an der Vokabel bepreisen unklar?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

all-in
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 02.04.15, 00:01

Aber es wird auch viele Fälle geben wo ich das tatsächlich behaupten kann einen höheren Wert zu haben ohne dabei in Arroganz zu verfallen...
Nenne doch mal einen einzigen.
Ja versachlichen ist immer eine gute Sache
Wie kommst du in diesem Zusammenhang, wir sprechen hier über Personen, auf solchen Unsinn? Subjekte und Objekte zu verwechseln ist ein Kardinalfehler und die daraus gezogenen Schlüsse können nur fehlerhaft sein.
Die (Rück)Frage verstehe ich nicht? Was ist an der Vokabel bepreisen unklar?
Ich würde gern wissen wie du deinen Wert bemisst, nachdem du gefordert hast ebendies sollte doch getan werden. Und schrumpft der eigentlich mit jeder Sekunde nach der Geburt?
Was ich dir in dieser Hinsicht sagen kann ist, wenn du in Afghanistan leben würdest, du unserer Regierung etwa 6.700 Euro wert wärst. Wenn dich ein niederländischer Soldat tötet sind es 2.400 Euro, kämest du durch einen Italiener um wären es 13.500 Euro. Warum dein Wert davon abhängen soll von wem du getötest wirst, kann ich dir auch nicht erklären, aber so ist es wenn man Menschen auf ihren "Nutzwert" reduziert. KFZ sind da schon besser gestellt.

istdasso?
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von istdasso? » 02.04.15, 06:17

Ich störe die Diskussion ja nur ungern - aber ich hoffe es ist bekannt, das sie vollig überflüssig ist?

Das erkennt auch der extrem Lesefaule - steht nämlich ganz am Anfang - sozusagen an der Wurzel des deutschen Rechts:
GG. Art.1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Wer es sich ganz leicht macht schaut dann noch bei Wikipedia vorbei...
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde

und findet: Menschenwürde:
Im modernen Sinne versteht man darunter, dass alle Menschen unabhängig von allen ihren Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, und dass dieser Wert über dem aller anderen Lebewesen und Dinge steht.
...wer mehr Zeit hat sucht sich das beim BGH zusammen...

Das BVerG ist da wohl immer standesgemäß verschwurbelter - läuft aber auf's gleiche hinaus.

Die "Objektivierung" die hier in dieser Diskussion zur Bewertung vorgenommen werden soll verbietet sich ohnehin aus dieser Norm.
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

§nix
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von §nix » 02.04.15, 10:49

Da in Speakers Corner, bin ich "wider den tierischen Ernst" schon der Meinung dass es viele Menschen gibt, die ihr Geld nicht wert sind. :ostern:
Vielen Dank im Voraus für freundliche, hilfreiche Antworten.

§nix
Ein Mensch wollt' immer recht behalten: So kam's vom Haar- zum Schädelspalten. Eugen Roth

windalf
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 02.04.15, 11:55

Nenne doch mal einen einzigen.
Ich will das mal mit einer Gegenfrage beantworten. Du musst eine Entscheidung treffen bei der einer von zwei Menschen stirbt. Entscheidest du gar nicht sterben beide. Wie entscheidest du. Was tust du um zu einer Entscheidung zu kommen? Nehmen wir weiter an du kannst dir über diese beiden Menschen sätmliche Informationen beschaffen (Was die so im Leben gemacht haben, aktuell tun, noch machen werden usw.) Um diese Entscheidung zu treffen würdest du zwangsweise anfangen zu werten.

Wenn du nun ehrlich zu dir selbst bist, würdest du bestimmt nicht in jedem Falle eine Münze werfen wollen. Oder du sagst halt ein Menschenleben ist unendlich wert. Dann ist es im Ergebnis sogar egal, ob du nichts entscheidest weil "Zwei mal unendlich" nicht größer ist als "1 mal unendlich"...

Blöd ist zugegener Weise, dass wenn du einer von den beiden bist es so gar nicht objektiv wäre, wenn du die Entscheidung selbst treffen würdest. Das müsste eine unbeteiligter Dritter tun. Daher halte ich es auch nicht für sinnvoll sich selbst einordnen zu wollen. Spätestens beim Thema Tod verliert diese Einordnung meist komplett ihre Objektivität.
Wie kommst du in diesem Zusammenhang, wir sprechen hier über Personen, auf solchen Unsinn? Subjekte und Objekte zu verwechseln ist ein Kardinalfehler und die daraus gezogenen Schlüsse können nur fehlerhaft sein.
Alleine schon deswegen weil das Leben aktuell noch endlich ist muss es so sein. Jemand der in einer Schaltsekunde tot sein wird, kann nicht den gleichen Wert haben wie jemand der gerade geboren wurde. Instiktiv automatisch von einem Fehler zu sprechen nur weil man sonst Schlüsse ziehen könnte die einem nicht gefallen halte ich für einen Fehler
Und schrumpft der eigentlich mit jeder Sekunde nach der Geburt?
Naja ob das tatsächlich immer nur monoton fallend ist müsste man sich ggf. überlegen aber grds. ja.
Was ich dir in dieser Hinsicht sagen kann ist, wenn du in Afghanistan leben würdest, du unserer Regierung etwa 6.700 Euro wert wärst. Wenn dich ein niederländischer Soldat tötet sind es 2.400 Euro, kämest du durch einen Italiener um wären es 13.500 Euro. Warum dein Wert davon abhängen soll von wem du getötest wirst, kann ich dir auch nicht erklären, aber so ist es wenn man Menschen auf ihren "Nutzwert" reduziert. KFZ sind da schon besser gestellt.
Der Wert dürfte deutlich höher sein. Der Soldat der dann weg ist, muss ja ersetzt werden und die Ausbildungskosten alleine dürften die kleinen Beträge die du nennst bei weitem übersteigen...
Ich störe die Diskussion ja nur ungern - aber ich hoffe es ist bekannt, das sie vollig überflüssig ist?
Aha deiner Meinung nach ist eine Diskussion allein deshalb überflüssig, weil irgendwo was geschrieben steht das man nicht in Frage stellen noch diskutieren kann. Es muss per Definition der Weisheit letztes Schluss sein.
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 02.04.15, 13:28

Ich will das mal mit einer Gegenfrage beantworten.
Warum beantwortest du die Frage nicht, sondern verwickelst dich in neue Fragen? Vielleicht, weil die Antwort eben unmöglch ist.
Also wer von sich behauptet wertvoll als andere zu sein, aber nichts konkretes sagen kann, unterliegt vielleich teinem gewaltigen Irrtum.
Was tust du um zu einer Entscheidung zu kommen? Nehmen wir weiter an du kannst dir über diese beiden Menschen sätmliche Informationen beschaffen
Letzteres ist nicht möglich, und Informationen sind auch nicht alles. Dadurch kann ich nicht nachempfinden wie sehr der eine oder andere Mensch geliebt wird, und auch nicht welches Potential in ihm schlummert.
Also mache ich erst gar nicht diesen untauglichen Versuch den Wert abzuschätzen, sondern handele nach Gutdünken, und zwar ohne zu behaupten, dass es richtig wäre.
Jemand der in einer Schaltsekunde tot sein wird, kann nicht den gleichen Wert haben wie jemand der gerade geboren wurde.
Frag mal diejenigen welche am Todenbett stehen, ob die Geburt eines Kindes irgendwo auf der Welt oder der Sterbende ihnen mehr am Herzen liegt.
Instiktiv automatisch von einem Fehler zu sprechen nur weil man sonst Schlüsse ziehen könnte die einem nicht gefallen halte ich für einen Fehler
Nein, ich gehe nicht vom Ergebnis aus, sondern von den Voraussetzungen. Menschen sind keine Sachen.
Der Wert dürfte deutlich höher sein. Der Soldat der dann weg ist, muss ja ersetzt werden und die Ausbildungskosten alleine dürften die kleinen Beträge die du nennst bei weitem übersteigen...
Es geht dort um zivile Opfer, nicht um Soldaten, die nunmal freiwillig diesen Beruf gewählt haben und in anderer Herren Länder Unschuldige töten. EIn wenig Aufmerksamkeit wäre schon wünschenswert.
Ich störe die Diskussion ja nur ungern - aber ich hoffe es ist bekannt, das sie vollig überflüssig ist?

Das erkennt auch der extrem Lesefaule - steht nämlich ganz am Anfang - sozusagen an der Wurzel des deutschen Rechts:
Es ist sicher keine vertane Mühe mal dahinterzuschauen, nämlich zu fragen wieso diese Auffassung vom unschätzbaren Wert des Menschen unsere Verfassung prägt. Die Wurzel dessen ist keinesfalls bloß das Recht selbst, nur wenige Jahre vor Inkrafttreten des deutschen GG herrschte eine ganz andere Rechtsauffassung, welche Menschen als ungleich ansah und von lebensunwertem Leben sprach etc. pp.

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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 02.04.15, 15:18

Warum beantwortest du die Frage nicht, sondern verwickelst dich in neue Fragen? Vielleicht, weil die Antwort eben unmöglch ist.
Also wer von sich behauptet wertvoll als andere zu sein, aber nichts konkretes sagen kann, unterliegt vielleich teinem gewaltigen Irrtum.
Ich habe das genau deshalb mit der Gegenfrage geantwortet weil die zeigen sollte warum es nicht schlau ist diese Frage für sich selbst zu beantworten...
Letzteres ist nicht möglich, und Informationen sind auch nicht alles. Dadurch kann ich nicht nachempfinden wie sehr der eine oder andere Mensch geliebt wird, und auch nicht welches Potential in ihm schlummert.
Also mache ich erst gar nicht diesen untauglichen Versuch den Wert abzuschätzen, sondern handele nach Gutdünken, und zwar ohne zu behaupten, dass es richtig wäre.
Du willst mir also ernsthaft sagen du machst eher den Münzwurf als für eine Mutter mit Kindern zu entscheiden vs. einen alten Herren der die 90 überschritten hat. Soll ich das wirklich glauben?
Frag mal diejenigen welche am Todenbett stehen, ob die Geburt eines Kindes irgendwo auf der Welt oder der Sterbende ihnen mehr am Herzen liegt.
Siehe oben. Daher ist es nicht gut, wenn jemand nahestehender oder man über sich selbst urteilt...
Nein, ich gehe nicht vom Ergebnis aus, sondern von den Voraussetzungen. Menschen sind keine Sachen.
Sind Tiere Sachen? Ab wann ist denn eine Sache eine Sache? Wenn es nicht lebt?
Es ist sicher keine vertane Mühe mal dahinterzuschauen, nämlich zu fragen wieso diese Auffassung vom unschätzbaren Wert des Menschen unsere Verfassung prägt.
Wenn das da nicht nur drin stehen würde hätte ich den höchstens Respekt davor. Dank der gelebten Doppelmoral habe ich den halt nicht...
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 02.04.15, 16:33

Ich habe das genau deshalb mit der Gegenfrage geantwortet weil die zeigen sollte warum es nicht schlau ist diese Frage für sich selbst zu beantworten...
Nein, du weichst einfach nur aus. Aber dann beantworte die Frage halt mal in Bezug auf mich.
Du willst mir also ernsthaft sagen du machst eher den Münzwurf als für eine Mutter mit Kindern zu entscheiden vs. einen alten Herren der die 90 überschritten hat. Soll ich das wirklich glauben?
Dünken kommt von Denken und nicht Lotterie.
Daher ist es nicht gut, wenn jemand nahestehender oder man über sich selbst urteilt.
Es trifft nun aber auf alle Menschen zu, von extremen Ausnahmen abgesehen, dass ihnen andere nahestehen. Wobei das auch wiederum nicht das Kriterium ist, weil es in Richtung Zweck und Nützlichkeit geht. Auch ein Anachoret ist als menschliches Wesen nicht weniger wertvoll als der König von Deutschland.
Sind Tiere Sachen? Ab wann ist denn eine Sache eine Sache? Wenn es nicht lebt?
Man kann auch noch fragen, ab wann etwas lebendig ist? Solch eione Verwässerung der Fragestellung lenkt aber nur von der Tatsache ab, dass Menschen eben keine Sachen sind, die wir nach ihrem Nutzen bewerten.
Wenn das da nicht nur drin stehen würde hätte ich den höchstens Respekt davor. Dank der gelebten Doppelmoral habe ich den halt nicht...
Die Unantastbarkeit der Menschenwürde steht nicht bloß auf dem Papier, sondern dieses Prinzip wird gelebt und findet seinen Niederschlag in der Gesetzgebung und der Rechtssprechung. Prominente Beispiele wären das Luftsicherheitsgesetz oder der Daschner-Prozess.
Das bedeutet aber nicht, dass wir stets hinreichend darauf achten und es nicht besser machen könnten.

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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 02.04.15, 17:07

Nein, du weichst einfach nur aus. Aber dann beantworte die Frage halt mal in Bezug auf mich.
Das dürfte mir mangels detaillierter Kenntnisse meinerseits über Sie unmöglich sein. Alleine die Tatsache das Sie zumindest den Inhalt der Diskussion verstehen deutet ja schonmal an, dass Sie nicht gerade wenig in der Birne haben.
Dünken kommt von Denken und nicht Lotterie.
Und wie sieht in dem Fall nur der Weg/Algorithmus Ihrer Entscheidungsfindung aus? Völlig unabhängig von den Personen oder eben doch abhängig von den Personen (und damit eben auch wertzumessend). Ich gebe freimütig zu ich würde mich vrsl. für die Mutter entscheiden. Vermutlich auch dann noch wenn der 90-jährige mein Vater wäre. Ich würde diese Entscheidung nicht dem Zufall überlassen sondern subjektiv wertzumessend abwägen.

Würde ich daran glauben (was ich ja nicht tue), dass beide gleich viel "wert sind" würde ich eine Münze werfen und mich an das Ergebnis halten ohne es in Frage zustellen. Paradoxer Weise würde ich mich (so ich daran glauben würde von einem unendlichen Wert auszugehen) für den Tod beider eintscheiden, weil 1 mal unendlich nicht weniger ist als 2 mal unendlich. Es wäre dann im Ergebnis egal ob einer stirbt oder 7 Mrd. Wäre gleich schlimm. (Aber ich müsste dann die Entscheidung nicht treffen, weil es im ERgebnis "gleich schlimm wäre", was imho offensichtlich nicht so ist)
Es trifft nun aber auf alle Menschen zu, von extremen Ausnahmen abgesehen, dass ihnen andere nahestehen. Wobei das auch wiederum nicht das Kriterium ist, weil es in Richtung Zweck und Nützlichkeit geht. Auch ein Anachoret ist als menschliches Wesen nicht weniger wertvoll als der König von Deutschland.
Die Frage ist "nicht weniger wertvoll" für wen?
Man kann auch noch fragen, ab wann etwas lebendig ist? Solch eione Verwässerung der Fragestellung lenkt aber nur von der Tatsache ab, dass Menschen eben keine Sachen sind, die wir nach ihrem Nutzen bewerten.
Der eine oder andere tut das. Ich wäre da mit der wir Form vorsichtig. Und ich behaupte auch Sie tun das. Der eine oder andere halt in mehr oder weniger ausgeprägter Form. Aber zu behaupten man würde da nicht tun bedeutet imho sich selbst zu belügen...
Die Unantastbarkeit der Menschenwürde steht nicht bloß auf dem Papier, sondern dieses Prinzip wird gelebt und findet seinen Niederschlag in der Gesetzgebung und der Rechtssprechung.
Wenn nun alle gleich viel Wert wären (und wir wollten auch tatsächlich das dem so ist) warum lässt sich dann soviel Ungleichheit beobachten?
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 04.04.15, 01:02

Und wie sieht in dem Fall nur der Weg/Algorithmus Ihrer Entscheidungsfindung aus?
Bei solch lebensfernen, kontruierten Situationen kann ich nur sagen: ich würde halt irgendwie handeln. Vielleicht würde ich auch erstarrt dastehen. Das ist völlig unabhängig vom Wert dieser Personen an sich, eher spielt meine subjektive Wertschätzung eine Rolle. Die ist aber keinesfalls das Maß der Dinge.
Die Frage ist "nicht weniger wertvoll" für wen?
Darum geht es mir hier nicht, das versuche ich seit Tagen zu erklären, vielleicht kann es jemand besser... Der Wert eines Menschen beschränkt sich nicht darauf, das jemand diesen Wert wahrnimmt. Er besteht einfach so, niemand hat das Recht darüber zu urteilen. Und zwar, weil man damit auf die Schiefe Bahn gerät, weil es einen Dammbruch darstellt. Dann sind Dinge wie Euthanasie oder sozialverträgliches Frühableben nicht fern.
Ich hatte mit Behinderten Menschen zu tun, und einige waren wie Babys, konnten fast nichts, aber eines: sich freuen und Freude verbreiten. Die Mutter eines Kindes, das ganz schwer geschädigt war, hat es trotzdem oder vielleicht gerade deswegen über alles geliebt. Und das ist genug wie ich finde. Eines Tages haben wir vielleicht die medizinischen Möglichkeiten, solche Launen der Natur auszugleichen, und das Recht sollte dann auch jedem zustehen.
Der eine oder andere tut das.
Das tut sicher ein jederr, andere nach Sympathie und Nützlichkeit für sich beurteilen. Freilich sind mir manche Menschen ganz wichtig, andere ziemlich egal, und manche können von mir aus zur Hölle fahren. Aber daraus würde ich keine Bewegung machen wollen und dafür nicht auf die Straße gehen, sondern wenn ich Solidarität proklamiere, dann doch bitte für alle.
Wenn nun alle gleich viel Wert wären (und wir wollten auch tatsächlich das dem so ist) warum lässt sich dann soviel Ungleichheit beobachten?
Ganz knapp gesagt: Weil ein Wert nicht immer (oder vielleicht nie) die richtige Wertschätzung findet. Wert und Wertschätzung sind nicht dasselbe, sondern wie Leben und Kinoleinwand.
Aber welche Ungleichheit meinst du überhaupt? Im Sinne von Unterscheidbarkeit und Individualität ist es ja genau das, woraus sich u.a. der unschätzbare Wert eines jeden ergibt. Aber du meinst wahrscheinlich fehlende Chancengleichheit. Erstens kommt es darauf an, was jeder daraus macht, und zweitens ist die Frage etwa wie diejenige danach, ob der Papst katholisch ist. Die Antwort fällt recht simpel aus: wir leben nunmal nicht in einer idealen Welt. Aber es steht uns frei, sie besser zu gestelten.

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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von windalf » 05.04.15, 12:49

Aber es steht uns frei, sie besser zu gestelten.
Und wer sagt nun, dass die "nicht bewiesene These"...
Der Wert eines Menschen beschränkt sich nicht darauf, das jemand diesen Wert wahrnimmt. Er besteht einfach so, niemand hat das Recht darüber zu urteilen.
zu einer besseneren Welt führt. Was ist überhaupt besser.?Vielelicht ist ja genau das Gegenteil der Fall und eine Bewertung würde zu einer besseren Welt führen.


Angenomen du hast 100 Menschen und führst nun irgendwelche Spielregeln ein die dazu führen, dass nur 99 überleben aber dafür doppelt so lange wie mit anderen Spielreglen bei denen dann 100 halt nur "halb so lange dafür aber alle gleich lang leben". Was ist die "bessere Welt"? Sollte man es dem einen zugestehen genauso lang leben zu können auf Kosten der Lebenszeit der 99 anderen?
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Re: Je Suis Sanaa

Beitrag von all-in » 05.04.15, 15:13

Und wer sagt nun, dass die "nicht bewiesene These"...

Zitat:
Der Wert eines Menschen beschränkt sich nicht darauf, das jemand diesen Wert wahrnimmt. Er besteht einfach so, niemand hat das Recht darüber zu urteilen.

zu einer besseneren Welt führt.
Erstens spricht der Ansatz für sich, denn es gibt keinen vernünftigen Grund, Menschen als ungleich anzusehen. Zweitens zeigt es sich empirisch, dass ein solcher Ansatz der bessere ist. Oben habe ich Beispiele angebracht, wohin es führen kann das Leben an sich zu bewerten. Auch haben wir die Sklaverei überwunden und sind bei uns die Geschlechter weitgehend gleichgestellt. Das sind Errungenschaften, die anerkennen, dass Menschen eben gleich sind.
Angenomen du hast 100 Menschen und führst nun irgendwelche Spielregeln ein die dazu führen, dass nur 99 überleben aber dafür doppelt so lange wie mit anderen Spielreglen bei denen dann 100 halt nur "halb so lange dafür aber alle gleich lang leben". Was ist die "bessere Welt"?
Solch lebensferne Gedankenspielchen bringen einen nicht weiter, aber soviel: Ungerechtigkeit ist abzulehnen, denn es gibt keinen legitimen Grund, warum ein Individuum für die anderen aufgeopfert werden sollte.
Anders sieht es aus, wenn keiner absolute Opfer erbringen muss, nur relative. In Hinblick auf Verteilungsgerechtigkeit gibt es den Ansatz, dass Ungleichheit so lange zulässig ist, wie durch ihre Existenz keiner schlechtergestellt wird. Ein Beispiel wäre kapatalistische Eigentumsverhältnisse, die dazu führen, dass wenige viel besetzen, aber selbst die Schlechtgestelltesten davon mit profitieren, bspw. durch höhere Produktivität bei Einzelbesitz.

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