Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

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-Horst-
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von -Horst- » 02.07.15, 00:13

Abgefahren ! So viel (teilweise sogar guter) Text zu DIESEM Thema.

Ein Arbeitgeber kann sich seine Arbeitnehmer aussuchen. Er muß, bei der Begründung seiner Wahl UNTER UMSTÄNDEN einige Punkte beachten, mehr nicht.

"Ich stelle sie nicht ein weil sie homosexuell sind" geht nicht.

"Ich habe die Bewerbung gar nicht gelesen weil kein Foto dabei war" geht.

Und jetzt wird es richtig gemein : Der AG DENKT "der/die ist homosexuell, sowas will ich in meinem Betrieb nicht". Aber in die Absage SCHREIBT er "Andere Bewerber/innen hielt ich für besser geeignet. Viel erfolg noch".

Dann kann man das durch alle Instanzen durchklagen um den Job dann doch zu bekommen. Unglücklicherweise wird man dann während der Probezeit "ohne Angabe von Gründen" (ja, das geht) entlassen.

Gäbe es bei einem derartigen Szenario einen Gewinner !?

Übrigens : Im öffendlichen Dienst (z.B. Niedersachsen) steht bei einigen Stellenanzeigen extra bei : "bitte ohne Foto".


........just my 297 cent

Newbie2007
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Newbie2007 » 02.07.15, 22:34

Ich habe nun alles gelesen und möchte gerne Kant zitieren:

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Sicherlich wird die überwiegende Anzahl der Diskussionsteilnehmer nicht ernsthaft behaupten wollen, das Foto beim Lebenslauf wäre zu irgendetwas gut. Es ist ungerecht gegenüber einzelnen Bewerbern, die auf einem Foto nicht so gut rüberkommen, es begünstigt die Diskriminierung anhand ethnischer Merkmale und last but not least, es verzerrt das Auswahlverfahren und schadet dadurch objektiv auch dem Arbeitgeber. (Dieser Verzerrungseffekt, bekannt als "Halo-Effekt" tritt übrigens auch bei Personalern auf, die fair sein wollen, eine Mensch kann sich dem nicht gar entziehen, außer eben, er schaut sich das Foto gar nicht erst an.) Ein Foto lässt auch keine echte Prognose darüber zu, wie der Bewerber "live" wirkt (was relevant und ein legitimes Kriterium ist, man möchte schließlich einen Mitarbeiter bzw. Kollegen, mit dem man "kann").

Ergo wäre es doch wünschenswert, man würde in D endlich diese Unsitte, die es in vielen Ländern nicht mehr gibt, aufgeben.

Der TE folgt also im Grunde dem kategorischen Imperativ, wenn er sich dem unwürdigen Spiel verweigert. Wenn es jeder so machen würde, wäre die Welt ein Stück besser. 8)

Marie-Luise
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Marie-Luise » 03.07.15, 08:07

Guten Morgen,

ja, ich habe auch sehr interessiert in diesem thread mitgelesen.

Die letzten beiden Beiträge von -Horst- und Newbie2007 zeigen, dass es in Deutschland wohl offensichtlich immer mehr Menschen gibt, die ohne Unterstellungen (warum weigert der sich denn so, ein Foto den Bewerbungsunterlagen beizufügen - der will wohl weiter auf Staatskosten leben, wobei die Staatskosten offenbar und hauptsächlich von den Unterstellern getragen werden;o)).

>Es gibt, soweit mir erinnerlich, kein Gesetz, dass die Beifügung oder das Weglassen von Bewerbungsfotos regelt.>>

Das ist insofern eine konkrete Aussage, nämlich die: ich (webelch) weiß es nicht, und insofern rate ich dem Themeneinsteller die Frage im Sozialforum zur Diskussion zu stellen, um eine rechtsgültige Antwort dahin gehend zu erhalten, ob ein Transferleistungsbezieher per Gesetz durch einen Sachbearbeiter aufgefordert werden kann, seinen Unterlagen ein Bewerberfoto anzufügen.

Things can be so simple, aber das Unken und Munkeln scheint Einzelne doch mehr umzutreiben, als die Weitergabe von *Wissen* um einen Sachverhalt ... oder eben sogleich zuzugeben, dass man innerhalb der Materie nicht bewandert ist und daher keine Auskunft geben kann.

Freundliche Grüße
Marie-Luise

PurpleRain
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von PurpleRain » 03.07.15, 08:31

Newbie2007 hat geschrieben:Sicherlich wird die überwiegende Anzahl der Diskussionsteilnehmer nicht ernsthaft behaupten wollen, das Foto beim Lebenslauf wäre zu irgendetwas gut.
Diese Behauptung wird nicht allein dadurch wahr, dass Sie sie einfach postulieren :wink: Bitte kommen Sie aus Ihrem ideologischen Nirwana zurück in die Realität.
Newbie2007 hat geschrieben:(Dieser Verzerrungseffekt, bekannt als "Halo-Effekt" tritt übrigens auch bei Personalern auf, die fair sein wollen, eine Mensch kann sich dem nicht gar entziehen, außer eben, er schaut sich das Foto gar nicht erst an.)
Hier sprechen unreflektiert sozialpsychologischen Unsinn nach. Denken Sie einfach daran, dass es ein kognitiver Verzerrungseffekt ist und dass die Kognition nicht nur die Wahrnehmung, sondern beispielsweise auch die Erinnerung, das Lernen, das Problemlösen, die Kreativität oder das Planen ist. Insoweit ist jede Bewerbung, die kein weißes Blatt ist, eine Verzerrung nach dem Halo-Effekt. Ein Personaler wird bewusst alle gesetzlich verbotenen Faktoren nicht beachten und die übrigen entsprechend bewerten.
Newbie2007 hat geschrieben:Ein Foto lässt auch keine echte Prognose darüber zu, wie der Bewerber "live" wirkt (was relevant und ein legitimes Kriterium ist, man möchte schließlich einen Mitarbeiter bzw. Kollegen, mit dem man "kann").
Geben die restlichen Teile der Bewerbung "echtere" Prognosen darüber zu?
Newbie2007 hat geschrieben:Ergo wäre es doch wünschenswert, man würde in D endlich diese Unsitte, die es in vielen Ländern nicht mehr gibt, aufgeben.
In deutschsprachigen Ländern hat sich tatsächlich eine "dicke-Mappen"-Bewerbungskultur entwickelt, die beispielsweise im englischsprachigen Ländern eher unbekannt ist. Dort genügt meist eine gut formulierte Seite und ein CV. Zusätzlich ruft der Personaler aber die vorherigen Arbeitgeber an und unterhält sich über den Bewerber - meinen Sie, dass wäre ein bei uns praktikables Verfahren?
Newbie2007 hat geschrieben:Der TE folgt also im Grunde dem kategorischen Imperativ, wenn er sich dem unwürdigen Spiel verweigert.
Dem TE und Ihnen ist noch nicht aufgefallen, dass es sich nicht um ein Spiel, sondern um das reale Leben handelt. Sich dem realen Leben zu verweigern, kann auf Dauer problematisch werden.
Newbie2007 hat geschrieben:Wenn es jeder so machen würde, wäre die Welt ein Stück besser.
Wir sollten nicht vergessen, dass wir den ganzen Eiertanz hier nur veranstalten, weil der TE noch zwei, von Bewerbungsgesprächen ungestörte, Monate Urlaub auf Kosten des Sozialstaats haben will. Wenn Deutschland mir den Ehrensold für Bundespräsidenten auch einfach so genehmigen würde, wäre die Welt zweifellos auch ein Stück besser.
Marie-Luise hat geschrieben:Things can be so simple, aber das Unken und Munkeln scheint Einzelne doch mehr umzutreiben, als die Weitergabe von *Wissen* um einen Sachverhalt ... oder eben sogleich zuzugeben, dass man innerhalb der Materie nicht bewandert ist und daher keine Auskunft geben kann.
Wenn Sie ihre eigenen Grundsätze befolgen würden, hätte Sie an dieser Stelle keinen Beitrag schreiben dürfen :mrgreen:
Marie-Luise hat geschrieben:>Es gibt, soweit mir erinnerlich, kein Gesetz, dass die Beifügung oder das Weglassen von Bewerbungsfotos regelt.>> Das ist insofern eine konkrete Aussage, nämlich die:
Sie verstehen die Aussage nicht. Es gibt kein Gesetz, dass die Nutzung von Holzprügeln regelt und dennoch ist es ungesetzlich, wenn ich Sie mit einem Holzprügel erschlage.
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

webelch
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von webelch » 03.07.15, 10:27

Hier mag ich mich PurpleRain uneingeschränkt anschliessen. Der TE kann tun und lassen was er will, er muss dann aber auch die Folgen seines Handelns tragen. Nicht mehr, nicht weniger.

Ronny1958
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Ronny1958 » 03.07.15, 10:34

Wenn Deutschland mir den Ehrensold für Bundespräsidenten auch einfach so genehmigen würde, wäre die Welt zweifellos auch ein Stück besser.
Keineswegs ;)

Weil Du den dann entweder mit mir teilst oder wir uns darum streiten müßten :devil:

Im Übrigen schließe ich mich dem webelch an:
Hier mag ich mich PurpleRain uneingeschränkt anschliessen.
Es ist einem Transferleistungsempfänger im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zuzumuten, der Bewerbung ein Foto beizufügen.

Erklärte Hartz - Gegner (sic!) verlangen sogar ein professionelles Foto. Quelle: gegen-hartz.de
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

nordlicht02
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von nordlicht02 » 03.07.15, 11:37

Ronny1958 hat geschrieben: Erklärte Hartz - Gegner (sic!) verlangen sogar ein professionelles Foto. Quelle: gegen-hartz.de
Wobei die aber offenbar den Unterschied zwischen Pass- und Bewerbungsfoto nicht kennen.
Ich würde der Bewerbung doch eher ein Bewerbungsfoto beifügen als ein biometrisches Passbild, auf dem man nicht mal lächeln darf. :mrgreen:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Ronny1958 » 04.07.15, 12:15

Ein professioneller Fotograph, siehe Tip der Hartz-Gegner wird schon wissen, was er mit dem Begriff "Bewerbungsfoto" anfangen soll.
"Mein" F. fragt vorher "Pass oder Bewerbung" was ich als ausgesprochen professionelles Vorgehen empfinde. ;)
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

-Horst-
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von -Horst- » 09.07.15, 12:35

Marie-Luise hat geschrieben:
Die letzten beiden Beiträge von -Horst- und Newbie2007 zeigen, dass es in Deutschland wohl offensichtlich immer mehr Menschen gibt, die ohne Unterstellungen

? Nicht ohne Unterstellungen leben können ?

Ich habe verzweifelt gesucht und keinerlei Unterstellungen in meinem Beitrag gefunden.

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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Name4711 » 09.07.15, 16:35

-Horst- hat geschrieben:
Marie-Luise hat geschrieben:
Die letzten beiden Beiträge von -Horst- und Newbie2007 zeigen, dass es in Deutschland wohl offensichtlich immer mehr Menschen gibt, die ohne Unterstellungen

? Nicht ohne Unterstellungen leben können ?

Ich habe verzweifelt gesucht und keinerlei Unterstellungen in meinem Beitrag gefunden.
öffendlichen Dienst?

Ein "nicht" steht da nirgens. Also nochmal ganz langsam lesen. der Satz ist zwar insgesamt vermurkst - soll aber vermutlich das Gegenteil vom vermuteten Aussagen...

Chavah
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Chavah » 27.07.15, 18:22

Gewisse Lücken in der Bewerbungsmappe muss man sich leisten können. Ob das ein ALG II Empfänger kann, das wage ich zu bezweifeln. Und ich habe in meiner Zeit als Personalerin immer wieder mit Erstaunen festgestellt, wie sehr auch routinierte Chefs auch auf die Fotos schauen. Man kann ja so ein Foto auch als Gestaltungselement für eine professionelle Mappe einsetzen.

Denn bei xy Bewerbungen auf interessante Stellen ist ein Hingucker durchaus anzraten. Dazu gehören dann auch hochwertiges Papier, Unterschrift mit Füller und vieles andere mehr. Wenn das Ganze nicht elektronisch geschieht. Aber auch da sind diese Überlegungen (Gestaltung) angebracht.

Chavah

questionable content
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von questionable content » 27.07.15, 20:13

Chavah hat geschrieben:Gewisse Lücken in der Bewerbungsmappe muss man sich leisten können. Ob das ein ALG II Empfänger kann, das wage ich zu bezweifeln. Und ich habe in meiner Zeit als Personalerin immer wieder mit Erstaunen festgestellt, wie sehr auch routinierte Chefs auch auf die Fotos schauen. Man kann ja so ein Foto auch als Gestaltungselement für eine professionelle Mappe einsetzen.
Welches Unternehmen verzichtet denn in Deutschland bei Bewerbungen wirklich vom sich aus auf Fotos, außer evtl. Groß- und Spezialistenunternehmen, bei denen ein derart hohes Niveau an Qualifizierung des üblichen Bewerbers erwartet wird, dass das Foto keine Rolle mehr spielt u.ä.?

Jemand, der für solche Stellen in Frage kommt, der ist üblicherweise nicht lange genug im ALG II -Bezug, um sich mit dem Arbeitsvermittler über irgend etwas zu streiten.

Gut, auch Großunternehmen haben Wasserträger. Aber gerade die werden dann umso mehr vorselektiert nach Faktoren wie gepflegten Auftreten (O-Ton-Zitat: "tageslichtfähiges Erscheinungsbild, lückenlose Zahnreihen...") und grundlegenden sozialen Fertigkeiten...worüber das Foto sehr viel mehr sagt, als ein in irgend einer Maßnahme von einem Helfer zusammengeklöppelter nach Schema F aufgehübschter Lebenslauf.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

Oktavia
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Oktavia » 27.07.15, 22:31

questionable content hat geschrieben: Faktoren wie gepflegten Auftreten (O-Ton-Zitat: "tageslichtfähiges Erscheinungsbild, lückenlose Zahnreihen...") und grundlegenden sozialen Fertigkeiten...worüber das Foto sehr viel mehr sagt, als ein in irgend einer Maßnahme von einem Helfer zusammengeklöppelter nach Schema F aufgehübschter Lebenslauf.
Schon mal in großem Umfang Bewerbungen gesichtet? Mit keinem geschönten Lebenslauf kann man so lügen wie mit Photos. Manche Leute müsste man im Bewerbungsgespräch gleich wieder rausschicken weil die ihren Bild nicht im Entferntesten ähnlich sehen. Wer sich in der Vorauswahl auf fälschbare Äußerlichkeiten verlässt hat echt selbst schuld...
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

#WIRSINDMEHR

questionable content
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von questionable content » 27.07.15, 22:55

Oktavia hat geschrieben:
questionable content hat geschrieben: Faktoren wie gepflegten Auftreten (O-Ton-Zitat: "tageslichtfähiges Erscheinungsbild, lückenlose Zahnreihen...") und grundlegenden sozialen Fertigkeiten...worüber das Foto sehr viel mehr sagt, als ein in irgend einer Maßnahme von einem Helfer zusammengeklöppelter nach Schema F aufgehübschter Lebenslauf.
Schon mal in großem Umfang Bewerbungen gesichtet? Mit keinem geschönten Lebenslauf kann man so lügen wie mit Photos. Manche Leute müsste man im Bewerbungsgespräch gleich wieder rausschicken weil die ihren Bild nicht im Entferntesten ähnlich sehen. Wer sich in der Vorauswahl auf fälschbare Äußerlichkeiten verlässt hat echt selbst schuld...
Denken Sie es mal zu Ende.

1. Genau mit der Logik kann das Bild nie schaden, sondern nur Nutzen.

Wenn der Arbeitgeber rein auf die Leistung achtet, würde das Bild halt ignoriert und das wars auch. Wenn nicht, dann hilft es.

Der früheste Zeitpunkt, in dem ein "geschöntes Bild" widerlegt werden kann, ist das persönliche Gespräch. Wenn einem dazu das Bild verhilft, hat es sich aber kräftig gelohnt.

2. In der Praxis von Massenbewerbungen läuft es aber oft genug so:
a) Vorselektion von hunderten runter auf eine Handvoll über formelle Kriterien. Das sind dann Leistungsdaten, die man nicht groß kaschieren kann.

Wenn man hier rausfliegt, hatte man halt von Anfang an keine Chance, aber wenn man hier manipuliert, ist es oft genug auch gleich Betrug.

b) Dann bleibt "der engere Kreis". Oft genug sind da mehrere Kandidaten effektiv "gleich gut". Das ist dann der Punkt, wo subjektive Kriterien mitspielen können.

Noch extremer ist es aber bei Jobs. wo Auftreten oder eine gepflegte/attraktive/sympathische (whatever) Erscheinung als solches den Wert der Tätigkeit steigern kann.

Das ist dann gerade bei vielen der Hartz IV - Jobs und auch der Bewerbergruppe der Fall. Da sagt ein Foto teils mehr als tausend Worte. Für ungelernte Tätigkeiten spielen ein paar Zeugnisse und ein Pseudo-Lebenslauf keine zu große Rolle.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

Chavah
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Re: Arbeitsvermittler fordert Bewerbungsfotos

Beitrag von Chavah » 28.07.15, 08:50

@ Oktavia: man kann doch Bewerber gleich wieder rausschicken, wenn Foto und Erscheinungsbild klaffen. Man kann auch ohne Bewerbungsfoto jemanden gleich wieder rausschicken, wenn das Erscheinungsbild nicht passt.

Die Frage ist doch eine ganz andere, nämlich die, ob man es sich leisten kann, Bewerbungsregeln/Anforderungen zu ignorieren. Wenn der Vater Millionär ist, man nur eine Beschäftigung sucht, ganz sicherlich. Wenn man auf eine Stelle angewiesen ist, ganz sicherlich nicht. Und das sind in der Regel ALG II Empfänger.

Chavah

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