Zwei-Klassen-Justiz

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ktown
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von ktown » 27.04.17, 17:15

gmmg hat geschrieben:Was man hier auf 47 Tausend Seiten zusammengetragen haben will umfasst wohl mehr als die Menschheitsgeschichte.
also meines Erachtens ist der Blickwinkel aus der Sicht der Christen aber nicht ausreichend. Wenn schon, dann bedarf es aller Bücher jeder Religion und da kommen sicherlich auf mehr als ihrer besagten 1000 Seiten. :lachen:
Würde man die 47000 Seiten auf 1000 Seiten kürzen gäbe es genauso viele Bedenkenträger, die dem Verfasser eine einseitige Zusammentragung von Fakten vorwerfen würden.

Sie sehen. Wie man es macht, macht man es falsch. :lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

cmd.dea
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von cmd.dea » 27.04.17, 17:40

gmmg hat geschrieben:Hatte iIhr Zug schon mal Verspätung? ...Daher können Sie auch nicht einfach so behaupten, dass eine Verspätung vorlag, Ihnen mangelt es an grundlegenden Kenntnissen um dies überhaupt einordnen zu können :lachen:
Dass in Zugfahrplänen im Gegensatz zu Ermittlungsverfahren Zeiten angegeben sind, zu denen die Züge ankommen sollen, ist Ihnen aber schon bekannt, oder?

gmmg
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von gmmg » 27.04.17, 17:55

cmd.dea hat geschrieben:Dass in Zugfahrplänen im Gegensatz zu Ermittlungsverfahren Zeiten angegeben sind, zu denen die Züge ankommen sollen, ist Ihnen aber schon bekannt, oder?
Sicher existieren Fahrpläne, aber wissen Sie denn überhaupt was diese aussagen? Zu klären wäre im Vorverfahren erst einmal, welcher Toleranz die angegebenen Zeiten unterliegen, ab welcher Überschreitung eine Verspätung vorliegt etc. pp.

Und stellen Sie sich einmal vor Sie rufen telefonisch ein Taxi um gleich in die Oper zu fahren, und dieses kommt nach 7 Tagen um sie abzuholen...

cmd.dea
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von cmd.dea » 27.04.17, 18:13

gmmg hat geschrieben:Sicher existieren Fahrpläne, aber wissen Sie denn überhaupt was diese aussagen?
Sie wollen mich jetzt fragen, was ein Zugfahrplan aussagt?
Zu klären wäre im Vorverfahren erst einmal, welcher Toleranz die angegebenen Zeiten unterliegen, ab welcher Überschreitung eine Verspätung vorliegt etc. pp.
Warum sollte das zu klären sein?
Und stellen Sie sich einmal vor Sie rufen telefonisch ein Taxi um gleich in die Oper zu fahren, und dieses kommt nach 7 Tagen um sie abzuholen...
Tja, das ist wie mit den Brötchen im Vergleich zu einem Ermittlungsverfahren.

Glauben Sir mir, Ihre Argumentation wird nicht überzeugender. Aber das müssen Sie schon selbst wissen.

Name4711
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von Name4711 » 27.04.17, 18:16

gmmg hat geschrieben: Und stellen Sie sich einmal vor Sie rufen telefonisch ein Taxi um gleich in die Oper zu fahren, und dieses kommt nach 7 Tagen um sie abzuholen...
Naja, aus Sicht eines Juristen ist da aber schon der bedauerliche Irrtum, dass es zwischen der Taxifahrt und der Oper einen Zusammenhang geben könnte.
Der Taxifahrer bemüht sich in der Dienstleistung von A nach B zu kommen - das war's dann. Ist der Dienstleister Jurist macht er das in einer angemessenen Zeit - angemessen sind da Zeiten von 7 Tagen bis 70 Jahren :lachen: das muss man im Einzellfall prüfen - undda fehlt dem Laien halt die Kompetenz :roll:

gmmg
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von gmmg » 27.04.17, 20:24

cmd.dea hat geschrieben:Sie wollen mich jetzt fragen, was ein Zugfahrplan aussagt?

(...)

Warum sollte das zu klären sein?
Mit solchen Fragen unterstreicht man seine Ahnungslosigkeit. Für sich allein sagt ein Fahrplan gar nichts brauchbares und ist nur im Kontext zu betrachten. Wenn bspw. zur angegebenen Zeit ein ICE in H0 einfahren würde, ist dann der Zug nun pünktlich oder nicht? Der Verstand des Laien mag sich gar nicht erträumen was da alles für Fragen zu klären sind, bevor Sie Ihren Allerwertesten auf einem für Sie reservierten Sitz platzieren können.
Tja, das ist wie mit den Brötchen im Vergleich zu einem Ermittlungsverfahren.
Unterschätzen Sie mal nicht die Komplexität eines Brötchens. Zu einer Tüte Semmelmehl zermahlen ist es das schwierigste Puzzle der Welt.
cmd.dea hat geschrieben:Glauben Sir mir, Ihre Argumentation wird nicht überzeugender. Aber das müssen Sie schon selbst wissen.
Dito. Und einen Mitstreiter habe ich doch schon gefunden. :liegestuhl:

cmd.dea
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von cmd.dea » 27.04.17, 20:39

gmmg hat geschrieben:Für sich allein sagt ein Fahrplan gar nichts brauchbares und ist nur im Kontext zu betrachten. Wenn bspw. zur angegebenen Zeit ein ICE in H0 einfahren würde, ist dann der Zug nun pünktlich oder nicht? Der Verstand des Laien mag sich gar nicht erträumen was da alles für Fragen zu klären sind, bevor Sie Ihren Allerwertesten auf einem für Sie reservierten Sitz platzieren können.
Machen wirs doch kurz:

Ihr Argumentationsversuch - "Ich kann die Ermittlungstätigkeit der StA im Loveparadeverfahren beurteilen, obwohl ich keine Fachkenntnis und keine Informationen haben, weil man sonst rein garnichts beurteilen könnte, nicht mal einen Zugfahrplan oder eine Taxisanfahrt" - ist amüsant aber sonst keiner ernsthaften Antwort wert.

Es bleibt dabei, dass Sie über Dinge reden, von denen Sie keine Ahnung haben, so dass Sie mich nicht überzeugen.

Vielleicht klappts ja woanders.

Tastenspitz
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von Tastenspitz » 27.04.17, 21:10

Nehmen wir zum Vergleich doch die Akten von 21 Prozessen wegen Tötungsdelikten und 600 Verfahren wegen Körperverletzung. Weil darum handelt es sich bei dieser Katastrophe.
Wenn man hier also so vehement die detaillierte Aufarbeitung kritisiert, dann nimmt man nmE. den Opfern das Recht auf bestmögliche Aufklärung und damit letztlich auch dem ganzen Prozess einen Großteil seiner Bedeutung und Aussenwirkung.
Im übrigen erschließt es sich mir nicht, was daran warum Erst- bzw. Zweitklassig sein soll.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

gmmg
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von gmmg » 27.04.17, 21:37

Tastenspitz hat geschrieben:Nehmen wir zum Vergleich doch die Akten von 21 Prozessen wegen Tötungsdelikten und 600 Verfahren wegen Körperverletzung. Weil darum handelt es sich bei dieser Katastrophe.
Ein Massenunglück wie dieses ist nun dadurch gekennzeichnet, dass ein und der selbe Vorfall zu bewerten ist, unabhängig von der Zahl der Betroffenen.
Tastenspitz hat geschrieben:Wenn man hier also so vehement die detaillierte Aufarbeitung kritisiert, dann nimmt man nmE. den Opfern das Recht auf bestmögliche Aufklärung und damit letztlich auch dem ganzen Prozess einen Großteil seiner Bedeutung und Aussenwirkung.
Wer tut denn selbiges? Ich kritisiere die Dauer des Verfahrens, in deren Folge die Aufklärung immer weiter in den Hintergrund tritt. Die Aufklärung wird immer nutzloser, der Anspruch Verantwortliche zu bestrafen erodiert immer mehr.


Aber noch mal zurück zum eigentlichen Thema, nämlich dass hier eventuell das Ansehen der Personen, gegen die ermittelt werden soll, eine Rolle spielt. Wikipedia schreibt: 'Am Montag, den 26. Juli 2010 übertrug das nordrhein-westfälische Innenministerium „aus Gründen der Neutralität“ die weiteren polizeilichen Ermittlungen an das Polizeipräsidium Köln.' Dies bestätigt die Besorgnis, dass nicht neutral ermittelt wird, und es ist anzunehmen dass hier vor allem eien Rolle spielt, wie einflussreich und nah Kontakte zwischen Tatverdächtigen und Ermittlern bzw. deren Stellen sind. Durch eine räumliche Verlegung von Zuständigkeiten kann dieses Moment aber auch nicht vollständig beseitigt werden.

Mount'N'Update

Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von Mount'N'Update » 27.04.17, 22:47

gmmg hat geschrieben:
cmd.dea hat geschrieben:Mit solchen Fragen unterstreicht man seine Ahnungslosigkeit. Für sich allein sagt ein Fahrplan gar nichts brauchbares und ist nur im Kontext zu betrachten. Wenn bspw. zur angegebenen Zeit ein ICE in H0 einfahren würde, ist dann der Zug nun pünktlich oder nicht? Der Verstand des Laien mag sich gar nicht erträumen was da alles für Fragen zu klären sind, bevor Sie Ihren Allerwertesten auf einem für Sie reservierten Sitz platzieren können.
Ich wäre da mit solchen Ansichten eher vorsichtig. Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Oder hat die Staatsanwaltschaft gesagt, die Klage werde am 24. April 2017 um 13:41 erhoben? Meines Wissens nicht.

Der Fahrplan ist schon eine exakte und nachvollziehbare Angabe. Und da kommen keine H0-Teile, sondern echte Züge, mit allem Zipp und Zapp. Dass die Angaben auf dem Fahrplan eine hohe Genauigkeit beinhalten, erkennt man auch sehr leicht daran, dass sich die Bahn zu entschuldigen pflegt, wenn der Zug nicht pünktlich eintrifft.

Dass sich die Staatsanwaltschaft entschuldigen wird, ist nicht zu erwarten. Wie ich weiter oben schon schrieb, es geht um Genauigkeit und um Richtigkeit, nicht darum, wer der schnellste Richter oder der schnellste Staatsanwalt ist.

Chavah
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von Chavah » 28.04.17, 08:29

Für mich wäre es unerträglich, wenn ein Verfahren unter dem Gesichtspunkt "speedy trial" nicht ausermittelt würde, und gerade deshalb Schuldige freigesprochen werden.

Chavah

gmmg
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von gmmg » 28.04.17, 10:39

Chavah hat geschrieben:Für mich wäre es unerträglich, wenn ein Verfahren unter dem Gesichtspunkt "speedy trial" nicht ausermittelt würde (...)
Das ist ja schön ung gut, aber wir sprechen hier von beinahe 7 Jahren, bevor überhaupt erst mal Anklage erhoben wird. Das Wort Schnelligkeit akn man in diesem Zusammenhang wirklich nicht einsetzen.
Chavah hat geschrieben: (...) und gerade deshalb Schuldige freigesprochen werden.
Noch verheerender ist, wenn der Tatablauf nicht mehr richtig rekontruiert werden kann und die Falschen beschuldigt oder verurteilt werden. Nach solch einer langen Zeit sind Zeugenaussagen mehr Dichtung als Wahrheit.
Und nach so langer Zeit ist das mit der Schuld eh so eine Frage. Man könnte es auch als höchst unethisch ansehen da noch jemanden bestrafen zu wollen. Deshalb existieren auch Verjährungsfristen. Es ist also bereits gang und gäbe, dass Taten wegen zu langer Prozessdauer nicht mehr verfolgt werden.

KaiHH
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von KaiHH » 28.04.17, 11:14

gmmg hat geschrieben:
Tastenspitz hat geschrieben:Nehmen wir zum Vergleich doch die Akten von 21 Prozessen wegen Tötungsdelikten und 600 Verfahren wegen Körperverletzung. Weil darum handelt es sich bei dieser Katastrophe.
Ein Massenunglück wie dieses ist nun dadurch gekennzeichnet, dass ein und der selbe Vorfall zu bewerten ist, unabhängig von der Zahl der Betroffenen.

Meinen Sie das wirklich?

Jeder Fall für sich muss aufgeschlüsselt, ermittelt und juristisch abgearbeitet werden.

Am Ende kommt wohl nichts anderes dabei raus, wenn wirklich einer für 21 Tode verurteilt wird, obwohl "nur" 20 im Zusammenhang mit dem Unglück und der 21. wegen eines Hirnschlages umgekommen sind, aber dennoch wäre hier wohl ein Fehler.
Ich wette, dass Anwälte genau solche Situationen suchen - und auch finden - um für ihren Mandanten das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.

Gruß
Kai

gmmg
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von gmmg » 28.04.17, 19:45

KaiHH hat geschrieben:Meinen Sie das wirklich?
Kla rmeine ich das wenn ich es sage.
KaiHH hat geschrieben:Jeder Fall für sich muss aufgeschlüsselt, ermittelt und juristisch abgearbeitet werden.
Sicher muss für jedes Opfer und für jeden einetretenen Schaden die Kausalität geprüft werden. Die Untersuchung wie es zu der Katastrophe kam bleibt davon aber weitgehend unberührt.

freemont
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Re: Zwei-Klassen-Justiz

Beitrag von freemont » 29.04.17, 07:53

gmmg hat geschrieben:...
Und nach so langer Zeit ist das mit der Schuld eh so eine Frage. Man könnte es auch als höchst unethisch ansehen da noch jemanden bestrafen zu wollen. Deshalb existieren auch Verjährungsfristen. Es ist also bereits gang und gäbe, dass Taten wegen zu langer Prozessdauer nicht mehr verfolgt werden.

Man kann das einfach abwarten. Das Gericht wird sich mit der Frage beschäftigen müssen, ob eine rechtsstaatswidrige überlange Verfahrensdauer i.S. Art. 6 EMRK zulasten der Angeklagten vorliegt. Schade, dass das Leid der Opfer und der Angehörigen keine Rolle spielt.

Ggf. müssten die Strafen nach der Rspr. des BVerfG und des BGH mindestens gemildert werden. Die Uhr tickt ab Einleitung des Strafverfahrens, nicht erst ab Beginn des Gerichtsverfahrens.

Das BVerfG hat hier entschieden,

https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 3-066.html

dass "für sich betrachtet" eine Verfahrensdauer von 7,5 Jahren unangemessen lang sei. Ob das durch den "Umfang oder besondere Schwierigkeit der Sache" zu rechtfertigen ist, ist hier die Frage. Ich denke nein, man wird sehen.

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