Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Moderator: FDR-Team

achest
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Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von achest »

Hallo All!

Vielen dank für die fleißige Antworten auf meine vorherige Thema. Mir dadurch habe ich neue Idee bekommen.

Person X, lebt allein, mit seinem Hund , wird positiv getestet und muss für 14 Tage in die Quarantäne verbringen.

Er ruft z.b. bei örtlichen Nachbarschaftshilfe an. Nachbarschaftshilfe nimmt 5 Eur für Gassi gehen...
Für die Versorgung mit Lebensmittel nimmt Nachbarschaftshilfe auch Geld nur in Bar an.
d.h. wenn man was essen will, muss man auch genügend Bar Geld haben.
Keine Kohle- keine Leistung.

Alleine für Gassi gehen - 140 EUR. Für 14 Tage ergibt sich ein erheblich Betrag, welche Herr X nicht ständig mit sich trägt. Zuhause wird auch kein Bargeld gebunkert....


EC karte eine dritte Person zu geben und pin verraten -> nicht erlaubt. Kreditkarte besitzt X auch nicht.

Welche gesetzliche Möglichkeiten hat X um nicht zu verhungern?

Vielen Dank.
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FM
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von FM »

Das ist sein Problem. Der Gesetzgeber muss da keine Lösung für jede persönliche Situation regeln.
achest
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von achest »

FM hat geschrieben: 14.01.21, 15:43 Das ist sein Problem. Der Gesetzgeber muss da keine Lösung für jede persönliche Situation regeln.
Naja:

Lässt der Eigentümer eines Hundes diesen beispielsweise qualvoll verhungern, so hat er sich wegen einer Tiertötung durch Unterlassen gemäß § 17 TierSchG in Verbindung mit § 13 StGB strafbar gemacht. Bei einem Verstoß gegen § 17 droht dem Täter eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe

In diesem Fall geht nicht nur über Hunde, sondern über Personen. Ich nehme an, dass eine schwere Körperverletzung durch unterlassen und Nötigung in jeden Fall in Frage kommt.


Ab wann trifft Nötigungsnotstand nach § 34; § 35 SGB?
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lottchen
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von lottchen »

Person X könnte sich auf dem Weg in Quarantäne noch Geld am Automaten ziehen. Falls X da bereits positiv sein sollte kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass jemand dieses "verseuchte" Geld in die Hand gedrückt bekommen will. Bzw. Hund und Geld müsste man ja vor die Tür stellen/legen, wenn jemand mit dem Tier Gassi gehen soll. ..Vermutlich hat X keine Freunde, keine Familie, keine hilfreichen Nachbarn, kann zu Hause keine Überweisungen tätigen, besitzt vermutlich auch kein Telefon oder Internet (Tierschutz kontaktieren) und ist völlig hilflos. Und konnte in dem Moment wo die Quarantäne verhängt wurde (wie auch immer er davon erfahren hat) auch nichts mehr regeln. Da hilft nur sich ans Fenster stellen und schreien. Mir fällt jedenfalls sonst keine Lösung ein.

Wie begibt sich eigentlich ein Obdachloser in Quarantäne? Und wie überlebt dieser? Oder dessen Hund? Fragen über Fragen...
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
Celestro
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Celestro »

X könnte seine Rechnungen per Onlineüberweisung bezahlen. Sollte X keinen Rechner haben, geht sowas natürlich auf per "handschriftlich ausgefülltem Formular", das der Helfer bei der Bank holen und auch wieder einwerfen kann.

P.S. Egal wie absurd Ihre Ideen noch werden .... Sie werden nichts finden, das X doch raus darf. Glauben Sie es doch bitte endlich.

P.P.S. Lieferdienste für Essen (egal ob Fast Food oder Supermarktlieferdienste) lassen sich normalerweise problemlos "unbar" erledigen.

lottchen hat geschrieben: 14.01.21, 16:16 Wie begibt sich eigentlich ein Obdachloser in Quarantäne? Und wie überlebt dieser? Oder dessen Hund? Fragen über Fragen...
https://www.donaukurier.de/nachrichten/ ... 71,4530425
Heiko66
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Heiko66 »

Üblicher Weise bieten (zumindest einige Banken) Bargeldlieferung gegen Entgelt an.

Grundätzlich ist das aber so, dass wenn man selbst keine entsprechende Hilfe findet das Gesundheitsamt bzw. die Quaratäne anordnende Behörde dafür zuständig ist eine entsprechende Hilfe zu organisieren/bereitzustellen.
Chavah
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Chavah »

Ja, wir könnten uns auch überlegen, wie wir mit der Krise fertig werden, wenn einem im flachen Frankfurt ein Felsstein aus den Alpen auf den Kopf fällt.

Anders ausgedrückt: wenn ich alleine lebe, dann muss ich unabhängig von Corona Vorsorge treffen. Ich kann mir ja auch ein Bein brechen und deshalb unbeweglich werden. Ich muss also Sorge dafür tragen, dass jemand den Hund Gassi führt. Ich muss auch dafür Sorge tragen, dass ich gegebenenfalls eben genug Bargeld im Haus habe oder aber jemanden habe, der mir hilft. Das muss man unabhängig von Corona organisiert haben. Wie auch immer. Und dann darf auch der Felsstein aus den Alpen auf meinen Kopf in Frankfurt fallen.

Chavah
Czauderna
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Czauderna »

Hallo,
was den Hund betrifft - es gibt Tierheime, die quasi als "Hundehotel" tätig sind, d.h. - anrufen, den Hund abholen lassen und nach dem Ende der Quarantäne wieder abholen. Das kostet wahrscheinlich auch etwas, aber damit wäre Hund und Herrchen geholfen. Bleibt eben nur noch die Versorgung mit Lebensmitteln - auch da gibt es Möglichkeiten des Bezuges auf Rechnung, wie gesagt, es dauert ja keine Ewigkeit.
Gruss
Czauderna
winterspaziergang
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von winterspaziergang »

achest hat geschrieben: 14.01.21, 15:36 Welche gesetzliche Möglichkeiten hat X um nicht zu verhungern?
Wir gehen davon aus, dass der alleinstehende X ohne irgendwelche soziale Kontakte und keinerlei Lebensmittelvorräte im 10. Monat nach Beginn der Pandemie, dennoch über ein Telefon verfügt?
oder ganz fortschrittlich :ironie: Internet?
:arrow: Dann hat er die gesetzliche Möglichkeit sich bei einem der vielen Discounter Lebensmittel liefern zu lassen. Man bezahlt den Fahrer nicht bar an der Tür.

:arrow: Er darf mit der Nachbarschaftshilfe vereinbaren, dass nicht bei jedem Gassigehen 5 Euro gezahlt werden, sondern am Ende die Gesamtrechnung.

Er darf der Nachbarschaftshilfe das Geld überweisen.

Wenn die Nachbarschaftshilfe das nicht macht ist sie keine und man kann über den Vorschlag im Vorpost nachdenken.

:arrow: X kann also das tun, was er täte, wenn er- wie schon genannt- aus anderen Gründen zu Hause oder im Krankenhaus wegeunfähig wäre.
Heiko66
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Heiko66 »

Die interessantere Frage dürfte demnächst ggf. sein, wie kommt man an FFP2-Masken, wenn es keine mehr zu kaufen gibt es aber eine Pflicht gibt beim Einkaufen und ähnlichem eine zu tragen.

Das ist dann mal ein echtes Verfügbarkeitsproblem. Die Dinger sind ja auch nicht waschbar/wiederverwendbar. Man braucht also nicht nur eine Maske sondern jeder Woche ggf. mehrere.
FM
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von FM »

Heiko66 hat geschrieben: 14.01.21, 17:20 Grundätzlich ist das aber so, dass wenn man selbst keine entsprechende Hilfe findet das Gesundheitsamt bzw. die Quaratäne anordnende Behörde dafür zuständig ist eine entsprechende Hilfe zu organisieren/bereitzustellen.
Rechtsgrundlage?

Mal zum Vergleich aus Alltagszeiten: wenn jemand in U-Haft genommen wird, muss sich die Polizei sicherlich um das sonst allein bleibende Kleinkind kümmern, indem sie das Jugendamt verständigt. Aber sie muss sich nicht um alles kümmern was sonst noch zu erledigen wäre, wie etwa Nachricht an den Arbeitgeber, Blumen gießen, schauen ob der Kühlschrank abgetaut ist, Schneeräumdienst usw.

Es gibt natürlich viele Wege wie der Betroffene seine Bargeldversorgung sichern oder sonstwie bezahlen kann, aber bei keinem davon ist irgendein Dritter (Gesundheitsamt, Nachbar, Verwandte, Polizei, Ministerpräsident, Gesundheitsminister) dazu verpflichtet mitzuwirken. Wenn er aus diesem Grund bedauerlicher Weise verhungert ist, dürfte aber die Kommune als Ordnungsbehörde verpflichtet sein, die Leiche zu entfernen. Vorher kann er noch die Rettungsleitstelle anrufen. Hmm, er hat kein Telefon, weil niemand eines haben muss? Ja mei, des is dann scho blöd.
Evariste
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Evariste »

FM hat geschrieben: 14.01.21, 21:54
Heiko66 hat geschrieben: 14.01.21, 17:20 Grundätzlich ist das aber so, dass wenn man selbst keine entsprechende Hilfe findet das Gesundheitsamt bzw. die Quaratäne anordnende Behörde dafür zuständig ist eine entsprechende Hilfe zu organisieren/bereitzustellen.
Rechtsgrundlage?
Ein einklagbares Recht des Betroffenen auf eine derartige Hilfe gibt es natürlich nicht. Allerdings gehört es zu den Aufgaben des Gesundheitsamts dafür zu sorgen, dass die Quarantäne auch eingehalten wird. Dieser Aufgabe wird das Gesundheitsamt nicht gerecht, wenn es Hilferufe eines Betroffenen einfach ignoriert und seelenruhig abwartet, bis der Betroffene aus einer wirklichen oder vermeintlichen Notlage gegen die Quarantänebestimmungen verstößt. Also wird es sich wohl oder übel kümmern müssen, und sei es auch nur dadurch, dass es dem Betroffenen ein Kontakt bei einer Hilfsorganisation nennt. Oder alternativ die Polizei vorbeischickt. Die darf aber auch nicht einfach die Tür zunageln.
Celestro
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Celestro »

Heiko66 hat geschrieben: 14.01.21, 20:44 Die Dinger sind ja auch nicht waschbar/wiederverwendbar.
Vielleicht sollten Sie sich mal aus Ihrer Filterblase hinaus bewegen und einfach mal ein bißchen Nachrichten hören / schauen. Die Dinger kann man bei 80°C in den Ofen stecken und dann wieder verwenden.
ktown
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von ktown »

Also bei uns hier hat das Gesundheitsamt mit dem örtlichen Ordnungsamt sowie der Feuerwehr hier was organisiert was durch Spenden von Privatleuten Firmen und Supermärkten finanziert wird. So werden sozialschwache mit Lebensmitteln und sonstigen Dingen versorgt und das Gassi gehen wird auch von Studenten kostenlos übernommen. Ich vermute aber auch, dass dies deswegen hier so gut klappt, weil es nicht ausgenutzt wird.

Man sollte die Situation bei einem der üblichen Kontrollen des Gesundheitsamtes besprechen. Da findet sich sicherlich eine Lösung.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
Heiko66
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Re: Quarantäne und versorgung mit Bargeld

Beitrag von Heiko66 »

Celestro hat geschrieben: 14.01.21, 23:36
Heiko66 hat geschrieben: 14.01.21, 20:44 Die Dinger sind ja auch nicht waschbar/wiederverwendbar.
Vielleicht sollten Sie sich mal aus Ihrer Filterblase hinaus bewegen und einfach mal ein bißchen Nachrichten hören / schauen. Die Dinger kann man bei 80°C in den Ofen stecken und dann wieder verwenden.
Ja Sie haben recht. Das war mir tatsächlich nicht bekannt, dass einige FFP2-Masken bei 80 Grad sterilisiert werden könne/dürfen. Wobei die 80 Grad in meinem Falle ein Problem wären. Mein Ofen kann nur 40 Grad und dann geht es direkt bei Einstellung 120 Grad in 10er-Schriten weiter (Welche Temperatur da im IST dann bei 120 Grad Soll auch immer erzeugt wird). Eine zu hohe Temperatur soll wohl auch schlecht für die Wirksamkeit der Masken sein. Wobei vermutlich nicht in einer Verordnung geregelt werden wird, das Masken die bei 120 Grad sterilisiert wurden dann nicht mehr getragen werden dürfen. Ich könnte das Problem dann quasi dem Text der Verordnung nach aber nicht im Sinne der Verordnung lösen. :roll:
Man sollte die Situation bei einem der üblichen Kontrollen des Gesundheitsamtes besprechen. Da findet sich sicherlich eine Lösung.
Naja die sind ja so überlastet, dass die Wahrscheinlichkeit einer solchen Kontrolle eher gegen Null geht. Wenn man da nicht proaktiv anruft und um Unterstützung bittet, kann sich das ggf. mehr als einige Tage hinziehen. Bei meinem Arbeitskollegen der eine Quarantäneanordnung bekommen hat, gab es nicht einen Kontakt zum Gesundheitsamt außer dem Schrieb mit der Quarantäneanordnung, der nach ca. 7 Tagen Beginn der Quarantäne im Briefkasten eintrudelte. Diese vermeintlich täglichen Anrufe die es da geben soll, die gibt es in vielen Fällen gar nicht. Von Vor Ort Kontrollen ganz zu schweigen. Aber grundsätzlich glaube ich auch im Zweifel halt das Gesundheitsamt selbst kontaktieren und um Hilfe bitten. Da findet sich dann eine Lösung wenn man wirklich will.
Zuletzt geändert von Heiko66 am 15.01.21, 08:03, insgesamt 1-mal geändert.
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