Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird eng

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maerz20002000
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Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird eng

Beitrag von maerz20002000 »

Hallo zusammen,

Ich habe zum 31. Juli meinen Auszugstermin fristgerecht vor 9 Monaten nach 14 Jahre Mietwohnung wegen Eigenbedarfs-Anmeldung des neuen Eigentümers der Wohnung bekommen.
Seitdem bin ich auf Wohnungssuche, bisher erfolglos.
ich kann meine notwendige mindestens 3,5 Zimmer Raumgröße sehr gut begründen, kleiner kommt nicht infrage. Ich schaue täglich in die Inserate von mindestens 4 Internetseiten und die wöchentlich erscheinenden Anzeigen. Ich habe viele Wohnungen schon angeschaut, alle waren zu klein oder einfach auch zu weit weg. Weil ich allein erziehend bin, muss der Schulweg meines zwölfjährigen Sohnes einigermaßen gut garantiert sein, zusätzlich kommen natürlich finanzielle Aspekte hinzu: ich kann keine Euro 900 Miete bezahlen.
Mittlerweile suchen 4 Makler für mich eine Wohnung, ich selbst inseriere.
Der Termin rückt näher und näher, pro interessante Wohnungen melden sich über 100 Interessenten. So langsam glaube ich, dass ich den gesetzten Termin nicht einhalten kann, trotz aller meiner Aktivitäten. Kann der neue Vermieter mich eigentlich rausschmeißen ? Brauche ich dann einen Anwalt ? Ich werde ihn im April (rechtzeitig) eine Mitteilung geben aufgrund mangelnden Wohnraumes.
Was kann ich sonst tun, wer hat Erfahrungen ? Schonmal vorab vielen Dank , MH

webelch
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von webelch »

möglicherweise könnte dies hier http://www.mietrechtslexikon.de/a1lexik ... efall2.htm etwas helfen.

wobei einerseits 9 monate eine sehr lange zeit für die suche sind bzw waren und man andererseits auch von vermieterseite unterstellen könnte, dass das bestehen auf einer bestimmten wohnung (grösse, zimmeranzahl) zu einem definierten (offenbar nicht marktkonformen) preis selbstgemachte härten darstellen.

Strider
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von Strider »

Der übliche Weg ist das der VM dann auf Räumung klagen muss. In dem Prozess wird dann geschaut ob die Kündigung rechtmäßig ist und ob die Härtegründe des Mieters schwerer wiegen als die des VMs. Wenn dies alles zu Gunsten des VMs ausgeht bekommt er ein Räumungsurteil. Mit diesem Urteil kann er beim Gerichtsvollzieher die Räumung beantragen. Dieser führt dann die Räumung durch. Der Mieter wird dann aber nicht auf die Straße gesetzt sondern bekommt immer ein Dach über den Kopf im Zweifel wird dies aber nur eine Obdachlosenunterkunft sein. Die Kosten (vermutlich über 10.000,- Euro) für den Spass darf in den Fall auch der Mieter tragen. Gewinnt der Mieter den Prozess darf er wohnen bleiben und der VM muss die Kosten tragen.

FOseloff
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von FOseloff »

Strider hat geschrieben:Der übliche Weg ist das der VM dann auf Räumung klagen muss. In dem Prozess wird dann geschaut ob die Kündigung rechtmäßig ist und ob die Härtegründe des Mieters schwerer wiegen als die des VMs.
Aber nur, wenn der Mieter fristgerecht Widerspruch gegen die Kündigung erhoben hat und der Vermieter rechtzeitig auf die Widerspruchsmöglichkeit hingewiesen hat. Ansonsten wird da gar nichts geschaut.
Die Kosten (vermutlich über 10.000,- Euro) für den Spass darf in den Fall auch der Mieter tragen.
Hinsichtlich der "Berliner Räumung" frage ich mich gerade, wie du ständig auf solch horrende Summen kommst.
 
Ich kann nicht alles wissen, doch ich kann alles lernen.
 

maerz20002000
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von maerz20002000 »

erst einmal vielen herzlichen Dank für Eure Beiträge, aber das lässt mich total entmutigen.
Aber wenn es keine entsprechenden adäquaten Wohnungen gibt, dann kann ich auch keine her zaubern. Dann kann es aber auch keine Räumungsklage geben. Und ich brauche auch nichts wählen, was zumindest nicht annähernd meinem jetzigen Standard entspricht. Ich glaube schon, dass ich das so richtig sehe.
Mein Sohn braucht ein Zimmer,
ich brauche ein Schlafzimmer und ein Büro
und ich weiß nicht, ob man nicht auf jeden Fall noch ein Wohnraum/Wohnzimmer zugestanden bekommt
Notfalls muss ich eben auf das Wohnzimmer verzichten, aber ob dann diese Wohnung überhaupt noch kindgerecht ist… um es einfach einmal auf einen ganz billigen Nenner zu bringen: es ist einfach zum kotzen.

Nochmals vielen Dank,
herzliche Grüße MH

webelch
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von webelch »

da möchte ich mal auf die massstäbe verweisen, die von amts wegen zB bei ALG2 angewandt werden:
Die Regelwerte für eine angemessene Wohnungsgröße stammen noch aus dem alten Sozialrecht. Demnach gelten 45 m2; für eine Person und 60m2 für zwei Personen als angemessen.
ich kann durchaus verstehen, dass man sich bei einem zwangsweisen umzug nach 14 jahren nicht verschlechtern mag. ich vermute aber, dass sich der örtliche wohnungsmarkt für neuvermietungen preistechnisch in dieser zeit weit von dem mietpreis entfernt hat, der für die alte wohnung mit dem alten mietvertrag aufgerufen wird.

und natürlich kann es eine räumungsklage und gar eine räumung geben. die personen kommen dann in einer städtischen unterkunft unter, die möbel werden eingelagert. das geschieht hier in berlin täglich mehrfach.

maerz20002000
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von maerz20002000 »

[quote="webelch"]möglicherweise könnte dies hier http://www.mietrechtslexikon.de/a1lexik ... efall2.htm etwas helfen.

danke, webelch das hat mir doch echt geholfen !

webelch
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von webelch »

bitte :-)

ich kann die situation wirklich verstehen und auch die befindlichkeiten des mieters nachvollziehen. rechtlich wird es aber, wie schon beschrieben, schwierig. es bleibt entweder der, vielleicht nicht so aussichtsreiche, weg über einen anwalt. oder man sucht das ruhige gespräch mit dem vermieter. letzteres wäre mein ansatz. wenn schon makler eingeschaltet sind und man vielleicht doch kleine abstriche in kauf nimmt, dürfte eine wohnung ja zeitnah zu bekommen sein.

weil ich neugierig bin. über welche stadt sprechen wir hier? und wie gross und teuer ist die alte wohnung?

maerz20002000
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von maerz20002000 »

die Gegend ist am nördlichen Bodenseeufer etwa 10-20 km entfernt. Hier gibt es recht viele Industrie und auch Studenten. Ich selbst habe seit 20 Jahren eine Physiotherapiepraxis, die ganz ordentlich läuft, jedoch sind meine Mittel trotzdem beschränkt.
Ich habe mich gerade eben zu Wohnungsbesichtigungen bei 3 weiteren Wohnungen angemeldet, die um einiges teurer sind und von meinem Lebensmittelpunkt doch deutlich weiter weg sind. Aber wie schon selbst bemerkt: irgend einen Tod muss man ja sterben. Schlimm ist das für meinen Sohn, der damit seine Freunde und Kumpels verlieren wird, die er seit seiner kleinsten Kindheit kennt.
Unsere Wohnung ist auf 2 Etagen verteilt und umfasst etwa knapp 90 m2 , hat einen großen Keller (den ich für die Praxis-Unterstellungen benötige), eine Tiefgarage und einen Stellplatz. Außerdem einen Balkon. Von hier aus blicke ich direkt auf die Berge, auf Wiesen, Felder und 2 kleine Teiche. Eine solche Aussicht werde ich natürlich nicht mehr finden.
Noch habe ich ein klein wenig Zeit und ich hoffe, dass sich auf die Schnelle doch noch irgendetwas gescheites finden lässt. Für Deine Anteilnahme auf jeden Fall ganz herzlichen Dank. Falls es etwas Neues gibt, lasse ich es hier wissen. Mit besten Grüßen MH

pOtH
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von pOtH »

Natürlich ist etwas zeit, man sollte jedoch bedenken das der Vermieter ggf. selbst Verträge hat die er fristgemäß gekündigt hat - Daher würde ich den Vermieter früh genug auf den Umstand hinweisen... Vielleicht findet sich irgend eine Lösung (Man kann noch ein bissel in der Wohnung bleiben, der Vermieter kennt jemanden der eine passende Wohnung hat...)!

RM
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von RM »

maerz20002000 hat geschrieben:... was zumindest nicht annähernd meinem jetzigen Standard entspricht.
Diese Vorstellung wird regelmäßig vorgetragen, hat aber nichts mit der Rechtslage zu tun. Die Kriterien für einen Haertefall sind nach § 574 Abs. 2 BGB "angemessener Ersatzwohnraum zu zumutbaren Bedingungen". Das ist etwas anderes als eine Statusgarantie.
Wer den Wohnraum, den er für angemessen hält, zur ortsüblichen Vergleichsmiete nicht bezahlen kann, wird wohl über seine Ansprüche nachdenken müssen.

michelbub
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von michelbub »

maerz20002000 hat geschrieben: Aber wenn es keine entsprechenden adäquaten Wohnungen gibt, dann kann ich auch keine her zaubern. Dann kann es aber auch keine Räumungsklage geben. Und ich brauche auch nichts wählen, was zumindest nicht annähernd meinem jetzigen Standard entspricht. Ich glaube schon, dass ich das so richtig sehe.
Mein Sohn braucht ein Zimmer,
ich brauche ein Schlafzimmer und ein Büro
und ich weiß nicht, ob man nicht auf jeden Fall noch ein Wohnraum/Wohnzimmer zugestanden bekommt
Notfalls muss ich eben auf das Wohnzimmer verzichten, aber ob dann diese Wohnung überhaupt noch kindgerecht ist… um es einfach einmal auf einen ganz billigen Nenner zu bringen: es ist einfach zum kotzen.
Für eine alleinerziehende Mutter maximal eine 2 Zimmer Wohnung....das Kind hat ein Kinderzimmer, die Mutter schläft im Wohnzimmer. Notfalls muss die Mieterin Übergangsweise in eine solche Wohnung ziehen.

maerz20002000
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von maerz20002000 »

Vielen Dank für Eure Gedanken und Einwände.
Ich werde schauen, wie ich aus dieser Situation am besten herauskomme. Natürlich habe ich die Umkreissuche nun entsprechend ausgeweitet, die zu erwartende Miete bis 900 € kalkuliert.
Ich werde Euch mitteilen, sobald sich etwas Positives getan hat.

Mir bleibt nur ein Kopfschütteln über die Unfähigkeit der Politik, die solche Zustände erlaubt.
Und über Vermieter, die solche Preistreibereien betreiben, möchte ich am besten keine weiteren Worte verlieren….
Herzliche Grüße MH

hambre
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von hambre »

Wenn es tatsächlich so schwierig ist, eine angemessene Wohnung zu finden, dann sollte spätestens 2 Monate vor dem Ende des Mietverhältnisses (d.h. bis zum 31.05.) ein Widerspruch gegen die Kündigung gegenüber dem Vermieter erklärt werden. Du solltest darüber nachdenken, für das Verfassen dieses Widerspruchs einen Anwalt einzuschalten.

Auf der anderes Seite ist es ohnehin schwierig, schon jetzt eine Wohnung mit Mietbeginn 01.09., also mehr als 5 Monate vorher zu finden. Schließlich können Mieter mit einer Frist von 3 Monaten kündigen und für den Vermieter würde dann ein Leerstand von 2 Monaten entstehen.

winterspaziergang
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Re: Kündigungstermin und fehlender Wohnraum - die Zeit wird

Beitrag von winterspaziergang »

maerz20002000 hat geschrieben:Vielen Dank für Eure Gedanken und Einwände.
Ich werde schauen, wie ich aus dieser Situation am besten herauskomme. Natürlich habe ich die Umkreissuche nun entsprechend ausgeweitet, die zu erwartende Miete bis 900 € kalkuliert.
Ich werde Euch mitteilen, sobald sich etwas Positives getan hat.

Mir bleibt nur ein Kopfschütteln über die Unfähigkeit der Politik, die solche Zustände erlaubt.
Und über Vermieter, die solche Preistreibereien betreiben, möchte ich am besten keine weiteren Worte verlieren….
Herzliche Grüße MH
So wie die Wohnung beschrieben würde, ist es mehr als verständlich, dass die Mieterin ungern wegziehen möchte. Da ist es zu empfehlen, Eigentum zu erwerben, dann gibt es nicht das Risiko, dass ein Eigentümer es mal selbst nutzen will und kündigt.
Kann man es nicht, sollte man sich überlegen, weshalb ein Eigentümer, der in der Regel kein Politiker ist und diese nicht geringen Kosten (Erwerb und Instandhaltung) "vorstreckt" einem zum Selbstkostenpreis sein Eigentum überlassen soll.

Es ist recht befremdlich, vermeintlich fehlende Rechte zu fordern- hier das Recht auf die Wunschimmobilie zum genehmen Preis- aber kein Problem damit zu haben, dass diese nur durch die Beschneidung der Rechte anderer gleichrangiger Bürger zu erhalten sind.

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