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Schätzung Heizkosten bei vielen fehlenden Ablesewerten

Verfasst: 03.06.15, 08:20
von Stephan1
Hallo,

in einem Dreiparteienhaus mit einer großen Wohnung (50 % der Wfl.) und zwei kleinen Wohnungen (je 25 % der Wfl.) werden 70 % der Heizkosten nach Verbrauch umgelegt. In den vergangenen Jahren war es so, dass in der großen Wohnung 60-70 % des Verbrauchs angefallen sind, dort wurde also überproportional viel verbraucht.

Nun konnte in diesem Jahr in der großen Wohnung bisher nicht abgelesen werden, da der Mieter bei zwei Versuchen nicht anwesend war und es steht nun im Raum, den Verbrauch zu schätzen. Wenn ich die Heizkostenverordnung richtig verstehe, darf in diesem Fall nicht anhand der Vorjahresverbräuche geschätzt werden, da mehr als 25 % der Wohnfläche nicht abgelesen werden konnte, sondern es müssen dann eben 100 % statt bisher 30 % der Heizkosten nach Wohnfläche umgelegt werden (die in den beiden kleinen Wohnungen abgelesenen Werte werden dann verworfen). Ist das so korrekt?

Unterstellt man allerdings, dass die Verbrauchsanteile in den einzelnen Wohnungen ungefähr denen der Vorjahre entsprechen, würde der Mieter der großen Wohnung mit einer Schätzung deutlich besser wegkommen und es stellt sich dann die Frage, ob die übrigen Mieter und Vermieter das hinnehmen müssen oder ob sie eine Möglichkeit haben, dagegen vorzugehen, insbesondere wenn der Mieter zukünftig auf die Idee kommen sollte, halt immer nicht da zu sein, wenn abgelesen wird? Alternativ wird seitens des Ablesedienstes ein kostenpflichter Zusatztermin angeboten, diese Zusatzkosten möchte der Mieter natürlich nicht tragen, da er seiner Meinung nach nichts dafür kann (er war vier Wochen im Urlaub und die anderen Mieter haben den Ableser schon vor dem ersten Termin darauf hingewiesen, der Ableser war aber der Meinung trotzdem 2x kommen zu müssen, obwohl er wusste, dass er niemanden antreffen wird).

Re: Schätzung Heizkosten bei vielen fehlenden Ablesewerten

Verfasst: 03.06.15, 18:09
von Baden1957
Stephan1 hat geschrieben:Hallo,

in einem Dreiparteienhaus mit einer großen Wohnung (50 % der Wfl.) und zwei kleinen Wohnungen (je 25 % der Wfl.) werden 70 % der Heizkosten nach Verbrauch umgelegt. In den vergangenen Jahren war es so, dass in der großen Wohnung 60-70 % des Verbrauchs angefallen sind, dort wurde also überproportional viel verbraucht.

Nun konnte in diesem Jahr in der großen Wohnung bisher nicht abgelesen werden, da der Mieter bei zwei Versuchen nicht anwesend war und es steht nun im Raum, den Verbrauch zu schätzen. Wenn ich die Heizkostenverordnung richtig verstehe, darf in diesem Fall nicht anhand der Vorjahresverbräuche geschätzt werden, da mehr als 25 % der Wohnfläche nicht abgelesen werden konnte, sondern es müssen dann eben 100 % statt bisher 30 % der Heizkosten nach Wohnfläche umgelegt werden (die in den beiden kleinen Wohnungen abgelesenen Werte werden dann verworfen). Ist das so korrekt?

Unterstellt man allerdings, dass die Verbrauchsanteile in den einzelnen Wohnungen ungefähr denen der Vorjahre entsprechen, würde der Mieter der großen Wohnung mit einer Schätzung deutlich besser wegkommen und es stellt sich dann die Frage, ob die übrigen Mieter und Vermieter das hinnehmen müssen oder ob sie eine Möglichkeit haben, dagegen vorzugehen, insbesondere wenn der Mieter zukünftig auf die Idee kommen sollte, halt immer nicht da zu sein, wenn abgelesen wird? Alternativ wird seitens des Ablesedienstes ein kostenpflichter Zusatztermin angeboten, diese Zusatzkosten möchte der Mieter natürlich nicht tragen, da er seiner Meinung nach nichts dafür kann (er war vier Wochen im Urlaub und die anderen Mieter haben den Ableser schon vor dem ersten Termin darauf hingewiesen, der Ableser war aber der Meinung trotzdem 2x kommen zu müssen, obwohl er wusste, dass er niemanden antreffen wird).

Hallo,

für solche Fälle stellt § 9 a HeizKV ein Ersatzverfahren zur Ermittlung der Heizkosten zur Verfügung. Wenn der anteilige Verbrauch von Wärme für einen konkreten Abrechnungszeitraum aus anderen zwingenden Gründen nicht ordnungsgemäß erfasst werden kann, ist der anteilige Verbrauch durch eine Vergleichsberechnung mit einem früheren Abrechnungszeitraum oder aber mit vergleichbaren anderen Räumen des Gebäudes im jeweiligen Abrechnungszeitraum zu ermitteln und bei der Kostenverteilung anstelle des erfassten Verbrauchs zugrunde zu legen.

Rechtsurteile:
Können bei einem Mieter wegen dessen urlaubsbedingter Abwesenheit die Heizkostenverteiler nicht abgelesen werden, so ist bei zwei vergeblichen Ableseversuchen eine Schätzung des konkreten Verbrauchs zulässig (LG Berlin, Urteil v. 19.05.88).

Oder: Danach kann der Verbrauch eines Mieters geschätzt werden, wenn an drei aufeinander folgenden Terminen die Ablesung der Heizkostenverteiler durch ihn verweigert wird (AG Brandenburg, 04.10.04, 32 C 110/04).

lG

Re: Schätzung Heizkosten bei vielen fehlenden Ablesewerten

Verfasst: 03.06.15, 22:11
von freemont
Stephan1 hat geschrieben: ...
Unterstellt man allerdings, dass die Verbrauchsanteile in den einzelnen Wohnungen ungefähr denen der Vorjahre entsprechen, würde der Mieter der großen Wohnung mit einer Schätzung deutlich besser wegkommen und es stellt sich dann die Frage, ob die übrigen Mieter und Vermieter das hinnehmen müssen oder ob sie eine Möglichkeit haben, dagegen vorzugehen, ...

Hallo,

nein, keine Sorge, siehe § 12 HeizKV:
(1)
Soweit die Kosten der Versorgung mit Wärme oder Warmwasser entgegen den Vorschriften dieser Verordnung nicht verbrauchsabhängig abgerechnet werden, hat der Nutzer das Recht, bei der nicht verbrauchsabhängigen Abrechnung der Kosten den auf ihn entfallenden Anteil um 15 vom Hundert zu kürzen. ...
Zahlen wird das am Ende der Mieter, der die Ablesung nicht zugelassen hat. Im kommenden Jahr sollte es dann klappen.

Re: Schätzung Heizkosten bei vielen fehlenden Ablesewerten

Verfasst: 05.06.15, 08:20
von Strider
In der Tat, nächstes Jahr sollte abgelesen werden, das dann als Startwert für das übernächste Jahr dient. Nächstes Jahr wird zwangsläufig wieder geschätzt werden müssen.