Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurück

Moderator: FDR-Team

Antworten
Sokradi
Topicstarter
noch neu hier
Beiträge: 1
Registriert: 03.04.16, 15:58

Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurück

Beitrag von Sokradi » 09.06.16, 11:03

Hallo, ich bewohne eine Mietwohnung und habe Ärger mit dem Vermieter

- es gibt Mängel, zunächst Wassereinbruch in Keller (Haus liegt am Hang und es kommt zu Wassereintritt) und feuchte Ecken an Zimmerdecken (Dach undicht) u.a.

- ich habe dem Vermieter die Mängel schriftlich mitgeteilt

- Keine Rückmeldung des Vermieters.

- Dann habe ich eine Mietkürzung angekündigt.

- Immer noch keine Reaktion.

- Habe die Miete gekürzt.

- Handwerker kamen vorbei und haben zwei Mängel beseitigt.

- Im Folgemonat habe ich die Miete wieder um den Anteil der behobenen Mängel erhöht.

- Vermieter behautptet, die Mietkürzungen seien unberechtigt. Er droht mit gerichtlichem Verfahren, falls ich die
gesamten Mietkürzungen nicht zurückzahle. In der Rückforderung setzt er eine Frist, es fehlt allerdings der Betrag,
den er zürückhaben möchte.

- Habe meine vorgenommenen Mietkürzungen erneut schriftlich begründet. Zeige mich über die Höhe
verhandlungsbereit. Für die warmen bzw. trockenen Monate verringere ich die Mietkürzung für die
Feuchtigkeit an der Zimmerdecke.

- Vermieter hat nun Klage erhoben und fordert die gesamte einbehaltene Miete zzgl. Zinsen zurück.



> Wie ist die Rechtslage?
>
1.) kann er die volle Rückzahlung verlangen?

2.) Ich hatte ihm den Mangel lediglich mitgeteilt und eine Kürzung angedroht. Bin davon ausgegangen, dass dies automatisch die Aufforderung zur Beseitigung ist. Kann mir die Unterlassung der deutlichen Aufforderung zur Mangelbeseitigung vor Gericht nachteilig ausgelegt werden?

3.) Hat er sich korrekt verhalten, indem er mir gleich mit Androhung eines gerichtlichen Verfahrens droht und gleichzeitig die gesamte Mietkürzung zurückfordert, obwohl einige Mängel behoben wurden und einige noch bestehen?

4.) Muß ich einen Gutachter einholen, der das Vorliegen der noch bestehenden Mängel bestätigt? oder was kann ich noch tun? Was würde mich ein Gutachten ungefähr kosten?

5.) Habe jetzt gehört, dass er eine Zwangsräumung veranlassen könnte. Stimmt das?
Zuletzt geändert von Sokradi am 09.06.16, 12:37, insgesamt 2-mal geändert.

Spezi
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3954
Registriert: 13.09.04, 20:01

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von Spezi » 09.06.16, 11:46

2.) Ich hatte ihm den Mangel lediglich mitgeteilt und eine Kürzung angedroht. Bin davon ausgegangen, dass dies automatisch die Aufforderung zur Beseitigung ist. Kann mir die Unterlassung der deutlichen Aufforderung zur Mangelbeseitigung vor Gericht nachteilig ausgelegt werden?
Kann man nur bewerten, wenn der genaue Wortlaut bekannt ist.
3.) Hat er sich korrekt verhalten, indem er mir gleich mit Androhung eines gerichtlichen Verfahrens droht und gleichzeitig die gesamte Mietkürzung zurückfordert, aber nicht angibt, wieviel er haben möchte?
Wieso ist "die gesamte Mietkürzung zurückfordert" keine Angabe wieviel er haben möchte ??
4.) Muß ich einen Gutachter einholen, der das Vorliegen der Mängel bestätigt? oder was kann ich noch tun? Was würde mich ein Gutachten ungefähr kosten?
wäre jetzt, nachdem Mängel beseitigt wurden, zu spät.
5.) Habe jetzt gehört, dass er eine Zwangsräumung veranlassen könnte. Stimmt das?
Dazu wäre ein Kündigung und ein Räumungsprozess erforderlich. Außerdem müsste die Mietminderung die Höhe von 2 Wohnungsmieten erreichen.








































Beitrag
Gruß Spezi

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21889
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von ktown » 09.06.16, 12:20

Eine Mietkürzung sollte nie ohne rechtlichen Beistand erfolgen. Hierbei kann man sich eine ziemlich blutige Nase holen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4893
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von ExDevil67 » 09.06.16, 12:21

Sokradi hat geschrieben: - Vermieter hat nun Klage erhoben und fordert die gesamte einbehaltene Miete zzgl. Zinsen zurück.

> Wie ist die Rechtslage?
>
1.) kann er die volle Rückzahlung verlangen?
Ist das nur von Ihnen unglücklich formuliert oder fordert der Vermieter tatsächlich die komplette aufgelaufene Differenz zwischen vereinbarter Miete und tatsächlich gezahlter Miete?
Weil damit dürfte er ziemlich sicher auf die Nase fallen. Was er höchstens einklagen kann ist meiner Meinung nach die Feststellung das ab dem Tag X (dem Besuch der Handwerker zwecks Mängelbeseitigung) kein Grund mehr für eine Minderung bestand und damit die volle Miete wieder fällig ist.
Für den Zeitraum zwischen Mängelmeldung und Tag X könnte man sich maximal über die Höhe des Minderungsanspruches streiten. Aber solange der Mangel objektiv nachweisbar bestand und auch die Kürzungshöhe passt, dürfte der Vermieter für den Teil ganz schlechte Karten haben.

Baden-57
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 1602
Registriert: 13.08.15, 16:49

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von Baden-57 » 11.06.16, 13:42

Der BGH hat entschieden, dass der Mieter berechtigt ist, die Miete zu kürzen, wenn der überlassene Wohnraum in der Nutzung eingeschränkt ist.
Voraussetzung hierbei ist, dass der Eigentümer/Vermieter über den Mangel nachweisbar informiert wurde.

Aufgrund der BGH-Entscheidung ist dem Vermieter/Eigentümer keine Nachfrist mehr wie früher zu setzen, um den Mangel zu beseitigen, um erst dann die Miete kürzen zu können.

Ob die Mietkürzung aufgrund der Mängel angemessen war, kann hier nicht entschieden werden, jedoch gibt es hierzu dutzende Internetseiten mit Gerichtsurteilen hinsichtlich von prozentualen Kürzungen bei den unterschiedlichsten Mängel.

Eine gekürzte Miete aufgrund eingetretener Mangel kann vom Vermieter nicht zurückgefordert werden, weil die Mietkürzung die Entschädigung für den Mangel ist, es sei denn, dem Vermieter wurde mitgeteilt, dass ein Teil der Miete bis zur Beseitigung des Mangels einbehalten würde; in diesem Falle kann der Vermieter nach Beseitigung die einbehaltene Mietzahlung fordern.

Für das Gericht ist entscheident, ob ein Mangel vorlag, der Eigentümer/Vermieter über den Mangel informiert war und ob die Mietminderung im Rahmen des Mangels liegt.

Anmerkung: wenn jeder Mieter wg. eines Mietmangels unverzüglich anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen würde, würden die Rechtsanwälte bald besser verdienen als Röntgenärzte; nur weil ein Forenteilnehmer sich evtl. einmal eine blutige Nase zugezogen hat, muß das nicht generell für jeden Mieter gelten, so fern er die Mietkürzung aufgrund des Mangels nicht überzieht. :roll:

Karsten
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 13341
Registriert: 12.11.04, 19:58
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von Karsten » 12.06.16, 04:17

Aufgrund der BGH-Entscheidung ist dem Vermieter/Eigentümer keine Nachfrist mehr wie früher zu setzen, um den Mangel zu beseitigen, um erst dann die Miete kürzen zu können.
Diese 'Nachfrist' hat es nie gegeben; schon deshalb nicht, weil nicht der Mieter kürzt, sondern das Gesetz, und das ganz ohne Zutun des Mieters. Von welchem BGH-Urteil ist denn hier die Rede?

Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2591
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Vermieter bestreitet Mängel und fordert Mietkürzung zurü

Beitrag von Evariste » 12.06.16, 10:26

Baden-57 hat geschrieben: Anmerkung: wenn jeder Mieter wg. eines Mietmangels unverzüglich anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen würde, würden die Rechtsanwälte bald besser verdienen als Röntgenärzte; nur weil ein Forenteilnehmer sich evtl. einmal eine blutige Nase zugezogen hat, muß das nicht generell für jeden Mieter gelten, so fern er die Mietkürzung aufgrund des Mangels nicht überzieht. :roll:
Naja, das Problem ist, wenn der Mieter aus Unwissenheit die Mieter zu stark kürzt, ist der Vermieter zu einer fristlosen Kündigung berechtigt, sobald der unberechtigte Anteil der Mietkürzung in der Summe 2 Monatsmieten überschreitet. Das ist doch ein gravierendes Risiko.

Antworten