Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik möglich?

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Sascha_1975
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Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik möglich?

Beitrag von Sascha_1975 »

Guten Morgen,

habe gestern folgendes mitbekommen:
Der Mieter zeigt als Mietmangel auf, dass die Steckdosen im Haus angeblich nicht sicher sind und er keine Ahnung hat welche er benutzen kann und welche nicht.

Nicht sicher bedeutet hier, dass die Steckdosen keine Schutzfunktion bieten, da weder ein Schutzleiter angeschlossen ist, noch Steckdosen nach alter Art 'genullt' sind.
Wird also nun ein Verbraucher der Schutzklasse 1 angeschlossen, so kann bei Defekt des Gerätes der Bediener einen elektrischen, möglicherweise tödlichen Schlag erleiden.

Der Vermieter argumentiert damit, dass dies kein gravierender Grund sei und kein Mietminderungsapruch bestehe, da die Steckdosen grundsätzlich 'funktionieren'. Man steckt einen Verbraucher rein und er tut was er soll. Der Mieter sieht das aufgrund seiner Kinder(4J/ 7J) natürlich komplett anders.
Das Risiko eines elektrischen Schlages ist für den Vermieter unerheblich, so dass auch eine Überprüfung durch eine Fachkraft und Beseitigung seit Wochen ausbleibt.

Aufgefallen ist dies beim Tapezieren, als der Mieter eine Steckdose von einem Elektriker hat auswechseln lassen und dann 2,3 weitere Steckdosen überprüft wurden.

Das ganze resultiert wohl aus Modernisierungsmaßnahmen des Haus-Vorbesitzers der einfach Mal gemacht hat - funktioniert ja.

Der Elektriker weist darauf hin, dass diese Steckdosen streng genommen gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen, so dass der Mieter eine Prüfung der Steckdosen aufgrund des vorliegenden Falls anforderte.


Frage: ist hier eine Mietminderung möglich? Wie sollte der Mieter vorgehen, wenn der Vermieter meint, dass die Steckdosen doch funktionieren. Wie hoch sollte eine Mietminderung üblicherweise sein.


Danke vielmals für eine anregende und informative Diskussion

SusanneBerlin
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von SusanneBerlin »

Komischer Elektriker, der die todesgefährliche Anlage nicht sofort außer Betrieb nimmt.
Komischer Mieter, der für eine Mietminderung den Tod seiner Kinder riskiert.
Grüße, Susanne

Tastenspitz
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von Tastenspitz »

Irgendwo gibts Urteile, die eine defekte Steckdose mit 0,5% ansetzen mein ich mich zu erinnern. Multiplizieren müssen sie selber aber bitte mit einem Anwalt für Mietrecht an der Seite.
Und was die Kinder anbelangt ist eine Kindersicherung sowieso schon vorhanden, stimmt´s?
Ansonsten würde ich die Sicherung rausnehmen, wenn es denn Gefahr für Leib und Leben darstellt. Das hätte der Elektriker eigentlich bereits machen sollen.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

hambre
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von hambre »

Und was die Kinder anbelangt ist eine Kindersicherung sowieso schon vorhanden, stimmt´s?
Ansonsten würde ich die Sicherung rausnehmen, wenn es denn Gefahr für Leib und Leben darstellt. Das hätte der Elektriker eigentlich bereits machen sollen.
Nicht benutzte Steckdosen ohne Nullung stellen für sich alleine genommen keine besondere Gefahr dar. Geräte der Schutzklasse II, d.h. solche mit Eurostecker ohne Nullung können auch gefahrlos angeschlossen werden.

Nicht angeschlossen werden sollten dagegen Geräte der Schutzklasse I, da bei denen im Falle eines Defektes die volle 230V-Spannung auf dem Gehäuse liegen kann.

Die fehlende Nullung ist ein Grund, die komplette Elektroinstallation sofort stillzulegen. Das hätte der Elektriker eigentlich auch machen müssen. Eine Wohnung ohne Elektroinstallation berechtigt zu einer Mietminderung in Höhe von 100%. Sollte das Problem nur einen Teil der Elektroinstallation betreffen, so kann es allerdings völlig anders aussehen.

Neben des Rechtes auf Mietminderung stehen dem Mieter auch noch das Zurückbehaltungsrecht und das Recht auf Selbstvornahme zu.

Sascha_1975
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von Sascha_1975 »

SusanneBerlin hat geschrieben:Komischer Elektriker, der die todesgefährliche Anlage nicht sofort außer Betrieb nimmt.
Komischer Mieter, der für eine Mietminderung den Tod seiner Kinder riskuert.

komischer Beitrag. Ein Beitrag um des Beitrags Willen?

Es geht um Steckdosen an denen der Betrieb SK-II Geräte durchaus möglich ist. Mir sind eigentlich keine SK-I Geräte im Haushalt bekannt die dann auch wirklich eine Gefahr darstellen könnten.
Die Gefährdungsbeurteilung überlassen wir dann lieber mal dem Fachmann, oder?

Celestro
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von Celestro »

Sascha_1975 hat geschrieben:Mir sind eigentlich keine SK-I Geräte im Haushalt bekannt die dann auch wirklich eine Gefahr darstellen könnten.
Mit welcher Begründung soll dann die Miete gemindert werden ? Ich will zwar keine Geräte anschließen, die dann eine Gefahr darstellen könnten, aber trotzdem weniger bezahlen ?

hambre
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von hambre »

Mir sind eigentlich keine SK-I Geräte im Haushalt bekannt die dann auch wirklich eine Gefahr darstellen könnten.
Das ist aber optimistisch. Sämtliche Geräte mit Metallgehäuse stellen eine Gefahr dar. Bei Geräten ohne Metallgehäuse kommt es auf den Einzelfall an.
Mir fallen da also gleich diverse Haushaltsgeräte ein, die in die Schutzklasse I fallen. Bei mir im Haushalt gehören dazu u.a. Stereoanlage, Schreibtischlampe, Wasserkocher und Toaster. Letztlich kann man davon ausgehen, dass sämtliche Geräte, die eine Nullung am Stecker haben auch in die Schutzklasse I fallen.

Und ob typischerweise permament angeschlossene Geräte wie Herd, Backofen, Kühlschrank, Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Trockner usw. ordnungsgemäß angeschlossen sind, sollte dringend geprüft werden. Diese Geräte fallen nämlich regelmäßig in die Schutzklasse I.

Das Blöde dabei ist, dass man im Falle eines Defektes in solchen Geräten bereits bei normaler Handhabung einen tödlichen Stromschlag bekommen kann, wenn sie nicht genullt sind. Das passiert sehr selten und ich selbst kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon mal einen solchen Defekt hatte. Riskieren möchte ich es dennoch nicht.
Die Gefährdungsbeurteilung überlassen wir dann lieber mal dem Fachmann, oder?
Dem Fachmann wird gar nichts anderes übrig bleiben als dem betroffenen Teil der elektrischen Anlage still zu legen, wenn man ihn um eine offizielle Stellungnahme bittet.

Gibt es denn wenigstens einen FI-Schutzschalter in der Elektroverteilung?

flokon
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von flokon »

Geht es eigentlich immer och um das einst so perfekte Einfamilienhaus?
Vll sollte man allein um der Sicherheit der Kinder, sich Gedanken um einen Umzug machen.

Hr. Freitag
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Re: Mietminderungsapruch bei Defiziten in der Elektrik mögli

Beitrag von Hr. Freitag »

hambre hat geschrieben: Letztlich kann man davon ausgehen, dass sämtliche Geräte, die eine Nullung am Stecker haben auch in die Schutzklasse I fallen.
Jeder Stecker hat eine Null und eine Phase (in alter Sprechweise). Diese lassen sich äußerlich gar nicht voneinander unterscheiden. Was Sie meinen, ist - ebenfalls in alter Sprechweise - die Erde, heute Schutzleiter. Diese(n) erkennt man an Schutzkontaktsteckern, die seitlich am Steckergehäuse Blechbahnen haben, welche mit den metallenen Federspangen in der Steckdose kontaktieren. Die beiden Stifte am Stecker sind Phase und Null, passend zu den beiden Löchern in der Steckdose. Geräte, die keine Erde benötigen, erkennt man an schmalen Eurosteckern, die nur die beiden Stifte haben, und an Konturensteckern, die zwar die Gestalt von Schukosteckern, aber keine seitlichen Blechbahnen für den Schutzleiterkontakt haben, sondern nur Ausnehmungen.
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