Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

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nervus-opticus
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Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

Beitrag von nervus-opticus » 04.11.18, 23:55

Der Mieter M erhält eine Mitteilung, dass Handwerker im Auftrag der Hausverwaltung in seiner Mietwohnung (und wahrscheinlich in 99 anderen Wohnungen im Gebäude) die Heizkostenmessgeräte auswechseln wollen. Dies soll in der Zeit von 17-20 Uhr am Tag x stattfinden. M ist die ganze Zeit zuhause, ohne dass jemand klingelt. Um 20 Uhr schreibt er eine E-Mail an Hausverwaltung und Handwerker und beschwert sich, dass er sich mal wieder umsonst bereit gehalten hat.

Die Handwerker mailen ihm nach mehreren Wochen Überlegung, dass sie am Tag x um 18 Uhr bei ihm geklingelt haben würden. Nebenbei sei dies bereits der zweite Termin gewesen. M ist sicher, dass niemand geklingelt hat und dass er keine Benachrichtigung über einen zweiten Termin erhalten hatte.

Im Jahr darauf sollen die Heizkörpermessgeräte abgelesen werden. Diese sind zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Bei einem der 6 Messgeräte in der Wohnung des M ist die Batterie ausgefallen, so dass es nichts anzeigt. Die anderen 5 Messgeräte zeigen Werte an und der Verbrauch entspricht dem Verbrauch, wie ihn M auch in den letzten 15 Jahren hatte.

8 Monate nach dem Ablesetermin erhält M die Betriebskostenabrechnung für das Vorjahr. Demnach wurden die Heizkosten für seine Wohnung geschätzt. Die Schätzung wurde unterteilt in die Zeit bis Mitte Mai und die Zeit danach bis Jahresende. Warum die Unterteilung erfolgt, ist nicht angegeben.

Im ersten Teil des jahres wurde anhand des Verbrauchs im Vorjahr geschätzt. Dies kann M nachvollziehen.

Für den zweiten Teil des Jahres wurde eine andere Schätzmethode gewählt. Demnach wurde anhand der Wohnungsgröße des M geschätzt. Dies ergibt einen ca. 15-fach so hohen Verbrauch wie im ersten Halbjahr und wie im Vorjahr. Über das ganze Jahr gerechnet, soll M die ca. 10-fache Menge an Heizleistung und Heizungskosten verursacht haben. Ein kalter Winter lag nicht vor. Auch ist sich M sicher, dass sich sein Heizverhalten nicht geändert hat. Er nutzt allein eine große Wohnung und heizt viele Räume nicht, da sie auch ohne Heizung ausreichend warm (22 Grad) sind.

§ 9a Abs. 2 HeizkostenV erlaubt die Schätzung anhand der Wohnfläche/Nutzfläche, sofern mind. 25% der Wohnfläche oder Nutzfläche geschätzt werden muss. Ob dies bei 100 Mietparteien mit unterschiedlich großen Wohnungen zutrifft, kann M nicht abschätzen.

Sofern tatsächlich bei mind. 25% der Wohnfläche eine Schätzung erfolgte, so dass allein nach Wohnfläche geschätzt werden darf - sind dann auch solche Fantasiewerte wie die zehnfachen Heizkosten zulässig, weil dies den Buchstaben des Gesetzes entspricht, und obwohl klar ist, dass diese Schätzung nicht der Realität entsprechen kann? Ist jemandem ein Urteil zu solchen Fantasieschätzungen nach § 9a Abs. 2 HeizkostenV bekannt?

lottchen
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Re: Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

Beitrag von lottchen » 05.11.18, 09:58

Anhand der Wohnungsgröße wird geschätzt, wenn mehr als 25% der Verbrauchsgeräte nicht abgelesen werden konnten. Dann wird das gesamte Haus geschätzt und wenn M immer sehr wenig verbraucht und alle anderen Mieter immer sehr viel verbrauchen und M noch dazu eine sehr große Wohnung hat und jetzt die Kosten auf die m² umgelegt werden, dann zahlt M drauf. Ja.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

SusanneBerlin
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Re: Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

Beitrag von SusanneBerlin » 05.11.18, 10:17

Wenn die Abrechnung nicht auf den aktuellen (fur das Jahr der Abrechnung geltenden) Verbrauchswerten beruht sondern geschätzt wurde, dann darf der Mieter den Rechnungsbetrag um 15% mindern (§ 12 HeizkostenV).
Grüße, Susanne

nervus-opticus
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Re: Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

Beitrag von nervus-opticus » 05.11.18, 13:28

lottchen hat geschrieben:Anhand der Wohnungsgröße wird geschätzt, wenn mehr als 25% der Verbrauchsgeräte nicht abgelesen werden konnten. Dann wird das gesamte Haus geschätzt und wenn M immer sehr wenig verbraucht und alle anderen Mieter immer sehr viel verbrauchen und M noch dazu eine sehr große Wohnung hat und jetzt die Kosten auf die m² umgelegt werden, dann zahlt M drauf. Ja.

Danke.Woraus ergibt sich, dass die Schätzung dann für das gesamte Haus erfolgt und nicht nur für solche Wohnungen, wozu keine Messwerte vorliegen? dies kann ich aus §9a Abs. 2 HeizkostenV nicht zwingend herauslesen.

nervus-opticus
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Re: Schätzung der Heizkosten ergibt 10-fache Kosten

Beitrag von nervus-opticus » 05.11.18, 13:30

SusanneBerlin hat geschrieben:Wenn die Abrechnung nicht auf den aktuellen (fur das Jahr der Abrechnung geltenden) Verbrauchswerten beruht sondern geschätzt wurde, dann darf der Mieter den Rechnungsbetrag um 15% mindern (§ 12 HeizkostenV).
Also zahlt M statt reellen 100% nicht 1000% sondern nur 850%. Ist für den Mieter auch nicht akzeptabel.

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