Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

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Sascha_1975
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Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Sascha_1975 »

Hallo, wenn im Jahr 2018 bei einem Unwetter das Dach eines vermieteten Hauses beschädigt wurde und nur die losen, zerstörten Dachpfannen ausgetauscht wurden, und im Jahr 2019 nun erneut ein Unwetter an identischer Stelle die Ziegel abdeckt,welche Pflichten kommen dann auf den Mieter zu?

Muss er die offene Stelle im Dach von innen mit. z.B. Folien abdichten, bis mal ein Handwerker rauskommt? Der Vermieter wurde über den neuerlichen Schaden informiert. Jetzt regnet es in den Dachstuhl :( Die betreffende Person fragt sich, wie Sie ein Dach von innen abdichten soll...

Ich hatte etwas gelesen,was besagt, dass der Eigentümer seinerseits dafür sorgen muss, dass offensichtlich kritische Stellen mit Nägeln, Schellen oder ähnlichem befestigt werden müssen.

ktown
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von ktown »

Der Eigentümer ist immer verpflichtet die Mietsache mängelfrei zu halten. Ich denke, es ist im Eigeninteresse, wenn der Mieter sein Eigentum schützt.
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Sascha_1975
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Sascha_1975 »

ktown hat geschrieben:Der Eigentümer ist immer verpflichtet die Mietsache mängelfrei zu halten. Ich denke, es ist im Eigeninteresse, wenn der Mieter sein Eigentum schützt.
Hallo, da gebe ich Ihnen natürlich generell Recht.

Mir stellt sich die Frage ob der Mieter etwas unternehmen muss, wenn der Vermieter sagt "dichtet das ab" ,oder ob dann nicht eher der Vermieter selbst das offene Dach provisorisch abdichten müsste bis ein Dachdecker Zeit findet, um ggf. Folgeschäden durch eindringenden Regen so gering wie möglich zu halten.

Im letzten Jahr hatte der Mieter schon einmal mit Gewebefolie und Tacker hantiert, was nur bedingt abgedichtet und gehalten hat. Die Materialkosten für Anschaffung eines Klammertackers, Gewebefolie und Klammern sah der Vermieter im Nachhinein im Passus "Kleinreparaturen" mit abgegolten.
Mieter sah das nicht so und es gab auch nichts schriftliches, auf eine Eskalation hat der Mieter verzichtet. Die Motivation des Mieters etwas an dem offenen Dach selbst zu machen ist auch aufgrund anderer Ereignisse nicht sehr ausgeprägt.

Also muss der Mieter (nach Aufforderung) provisorisch abdichten oder nicht?

ktown
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von ktown »

Ein Vermieter kann nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass sein Mieter handwerklich versiert ist. Wenn also er sagt:
Sascha_1975 hat geschrieben: "dichtet das ab"
, dann würde ich dies als Freigabe dafür sehen dies durch jemand versiertes zu sichern und das er dann die Kosten trägt.
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Tastenspitz
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Tastenspitz »

Das Zauberwort ist "Schadenminderungspflicht". Der erste Schritt ist damit getan, den Vermieter - wie hier geschehen - zu informieren. Dabei kann man mitteilen, dass man selber nicht in der Lage ist hier Erstmassnahmen einzuleiten. Wurde das gemacht? Sonst wird der Vermieter davon ausgehen, dass der Mieter das wie gehabt macht.
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zimtrecht
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von zimtrecht »

ktown hat geschrieben: Ich denke, es ist im Eigeninteresse, wenn der Mieter sein Eigentum schützt....
...indem er es in nicht betroffene Bereiche der Wohnung verbringt oder auslagert. Gerade mit der Erfahrung vom Vorjahr ist nicht einzusehen, warum der Mieter Kosten und Arbeitsausführung einer provisorischen Reparatur tragen sollte. Mitteilung an den VM wurde erteilt, Zugang zur Schadensstelle gewährt, Hausrat so gut wie möglich aus dem Weg und der Gefahrenzone räumen und der Rest ist Sache des Vermieters, nicht des Mieters. Hier geht es nicht darum z.B. bei einer undichten Verrohrung den Haupthahn abzustellen oder ein ähnlich banaler Eingriff.

Erstmaßnahme und Schadensminderungspflicht würde ich darin sehen, dass der Mieter seinen Hausrat in Sicherheit bringt und Zugang bereitstellt.

Sascha_1975
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Sascha_1975 »

ktown hat geschrieben:Ein Vermieter kann nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass sein Mieter handwerklich versiert ist. Wenn also er sagt:
Sascha_1975 hat geschrieben: "dichtet das ab"
, dann würde ich dies als Freigabe dafür sehen dies durch jemand versiertes zu sichern und das er dann die Kosten trägt.
Nun ja, wenn man am Dachgebälk von innen anfangen muss Gewebefolie dran zu tackern, die der Wind dann wieder runter weht, dann ist das nicht mit handwerklichem Geschick abgetan.
Die Folie kann nur von innen an die Balken getackert werden, was bedeutet, dass das Regenwasser an der Folie lang läuft und von innen / hinten in den Boden sickert. Würde die Folie von außen auf die Balken angebracht werden, dann könnte das Regenwasser natürlich außen abfließen. Das übersteigt dann aber das "handwerkliche Geschick" , weil der Mieter dann auf dem Dach rumturnen müsste.

Der VM hat zudem bereits einen Handwerker beauftragt, kümmert sich aber nicht weiter darum ob der Handwerker auch wirklich raus kommt. Soll der Mieter dann stetig nachfragen, was denn nun mit dem Handwerker ist? Oder wäre es nicht Aufgabe des VM den Status des Handwerkers ein zu fordern?

ktown
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von ktown »

Es ist nicht Aufgabe des Mieters dem Handwerker hinterher zu telefonieren.
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SusanneBerlin
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,
Sascha_1975 hat geschrieben:und im Jahr 2019 nun erneut ein Unwetter an identischer Stelle die Ziegel abdeckt,welche Pflichten kommen dann auf den Mieter zu?
Der Mieter hat die Pflicht, den Schaden seinem Vermieter zu melden.
Sascha_1975 hat geschrieben:Muss er die offene Stelle im Dach von innen mit. z.B. Folien abdichten, bis mal ein Handwerker rauskommt?
Es ist nicht möglich, ein Dach von innen durch Antackern von Folie abzudichten. Das Wasser findet immer seinen Weg. Es würde nicht mehr reinregnen, dafür fließt das Wasser gesammelt bis zum Rand der Folie und fällt dann runter, d.h. das Dach ist nicht abgedichtet sondern das Wasser kommt nur woanders runter.
Sascha_1975 hat geschrieben:Mir stellt sich die Frage ob der Mieter etwas unternehmen muss, wenn der Vermieter sagt "dichtet das ab"
Nein der Mieter muss nichts unternehmen, aber er sollte vom Vermieter die Mängelbeseitigung fordern.
Sascha_1975 hat geschrieben: Also muss der Mieter (nach Aufforderung) provisorisch abdichten oder nicht?
Nein, der Mieter muss nix provisorisch abdichten was sowieso nicht dicht hält, aber er sollte dem Vermieter mitteilen, dass er nichts abdichten wird, damit der Vermieter sich nicht in falscher Sicherheit wiegt.
Sascha_1975 hat geschrieben: Das übersteigt dann aber das "handwerkliche Geschick" , weil der Mieter dann auf dem Dach rumturnen müsste.
Der Mieter muss nicht auf dem Dach rumturnen.
Sascha_1975 hat geschrieben:Soll der Mieter dann stetig nachfragen, was denn nun mit dem Handwerker ist?
Der Mieter kann beim Vermieter nachfragen, muss er aber nicht.
Sascha_1975 hat geschrieben: Oder wäre es nicht Aufgabe des VM den Status des Handwerkers ein zu fordern?
Die Beauftragung und die Kommunikation mit dem Handwerker ist die Aufgabe des Vermieters.
Grüße, Susanne

Mueck
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Mueck »

Sascha_1975 hat geschrieben:Gewebefolie und Klammern sah der Vermieter im Nachhinein im Passus "Kleinreparaturen" mit abgegolten.
So, so, das Dach unterliegt also dem häufigen Zugriff des Mieters ...
Warum haste uns nicht gleich was von den täglichen Dachpartys des Mieters erzählt?! :ostern:
ktown hat geschrieben:Wenn also er sagt:
Sascha_1975 hat geschrieben: "dichtet das ab"
, dann würde ich dies als Freigabe dafür sehen dies durch jemand versiertes zu sichern und das er dann die Kosten trägt.
Hmmm ... Wenn man das schriftlich hat, könnte man das mal drauf ankommen lassen ... :devil:

Tastenspitz
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Re: Schadensabwehr durch Mieter bei Sturm?

Beitrag von Tastenspitz »

SusanneBerlin hat geschrieben:Es ist nicht möglich, ein Dach von innen durch Antackern von Folie abzudichten.
Ähhmm... doch. :D Oben und seitlich die Folie unter die Platten und unten auf die Platten. Das geht schon mit entsprechendem Material und Knoffhoff.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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