Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

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Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von Bewohner » 02.04.19, 19:30

Hallo,

nehmen wir an, ein Mieter M beschwert sich bei seinem Vermieter A über Lärm des Nachbarn. Die Nachbarwohnung gehört aber einem anderen Vermieter, zum Beispiel B.

Was kann Vermieter A tun?

LG
Heinz

winterspaziergang
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von winterspaziergang » 02.04.19, 19:32

Bewohner hat geschrieben:Hallo,

nehmen wir an, ein Mieter M beschwert sich bei seinem Vermieter A über Lärm des Nachbarn. Die Nachbarwohnung gehört aber einem anderen Vermieter, zum Beispiel B.

Was kann Vermieter A tun?
Mit Vermieter B reden und ihm die Beschwerde weiterleiten.

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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von Bewohner » 02.04.19, 19:40

Nehmen wir an, Vermieter B stellt sich tot...

Jutta
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von Jutta » 03.04.19, 06:27

Wenn es sich um eine WEG handelt, würde ich den Verwalter informieren und um Abhilfe bitten. Wenn das Problem länger besteht, auch als TOP in die nächste Eigentümerversammlung nehmen lassen.
Meiner Meinung nach hat der Vermieter A gegen den lärmenden Nachbarn und dessen Vermieter keine weitere Handhabe.

Dennoch besteht das Recht des Mieters M auf Mietminderung, wenn die Lärmbelästigung stark ist. Diese Mietminderung müsste der Vermieter eigentlich beim Verursacher (oder dessen Vermieter?) als Schadensersatz geltend machen können.

Der Vermieter sollte dies gegenüber dem anderen Vermieter androhen, vielleicht bemüht der sich dann.

Aber grundsätzlich ist das ein ganz schwieriges Thema für Vermieter, denn wie soll man einen Mieter zur Ruhe bringen, der auf Abmahnungen etc. sein Verhalten nicht ändert? Tatsächlich zu kündigen bis zur Räumungsklage birgt ein sehr hohes Kostenrisiko ...
Gruß
Jutta

ktown
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von ktown » 03.04.19, 06:47

Für Vermieter B ist es ein kalkulierbares abwägen zwischen dem Zoff mit seinem eignen Mieter und dem Stress mit Vermieter A. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

webmaster76
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von webmaster76 » 03.04.19, 06:51

Das Thema Lärm gestaltet sich äußerst schwierig, da es oft sehr subjektiv behaftet ist.

Der A sollte sich (bzw. dem M) zunächst folgende Fragen stellen:
- welche Art von Lärm besteht (Musik, Party, Kinder, Instrument, ...)
- zu welcher Uhrzeit wird der Lärm erzeugt
- gibt es weitere Bewohner, die sich beeinträchtigt fühlen
- gibt es ein Lärmprotokoll

Es kann ja sein, dass der B bereits mit seinem Mieter gesprochen hat und dieser hat einfach alles abgestritten. Und der B hat bestimmt kein Interesse, sich mit seinem Mieter quer zu legen vor allem, wenn es keinen (objektiv) begründeten Anlass gibt.

Was kann A tun?
1. er bittet den M für 3-4 Wochen ein detailliertes Lärmprotokoll zu erstellen (wo eingetragen wird welche Schallquellen vorliegen, wann und wie lange gelärmt wird und wer das bestätigen kann)
2. er bittet den M bei nächtlichem Lärm um Hinzuziehung von Polizei und/oder Ordnungsamt (inkl. Eintrag ins Lärmprotokoll)

Mit dem Lärmprotokoll geht er noch einmal auf den B zu und fordert ihn auf, dass sein Mieter die Ruhestörungen unterlässt mit dem Hinweis, dass dies ansonsten an die Verwaltung herangetragen wird. Kommt dabei nichts herum, kann er im nächsten Schritt auf die Verwaltung zugehen. Und wie schon erwähnt das Thema als TOP für die nächste ETV setzen lassen.

Wenn alles nicht fruchtet, wird der A am Ende wohl nur gegen den B klagen können. Hier würde aus meiner Sicht § 14 II Abs. 1 WEG zum Tragen kommen.

Etienne777
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von Etienne777 » 03.04.19, 11:32

Vermieter A ist Eigentümer, Vermieter B ist ebenfalls Eigentümer. Darauf, ob diese ihr Eigentum persönlich nutzen, kommt es nicht an. Vermieter A dürfte sich über § 1004 BGB gegen eine Beeinträchtigung seines Eigentums wehren, auch durch Lärm. § 1004 BGB schützt wie § 985 BGB das Eigentum, § 985 BGB gegen den Entzug, § 1004 BGB gegen sonstige Beeinträchtigungen, auch gegen Lärm. Soweit weitere Beeinträchtigungen des Eigentums des A zu besorgen sind, kann er auf Unterlassung gegen Vermieter B klagen, dieser wiederum müßte dafür sorgen, daß die Störungen unterbleiben. Dabei kann sich Vermieter A als Zeugen der Störungen seines Mieters M bedienen.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

webmaster76
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Re: Lärmbelastung, was tun als Vermieter?

Beitrag von webmaster76 » 04.04.19, 07:45

Etienne777 hat geschrieben:Vermieter A dürfte sich über § 1004 BGB gegen eine Beeinträchtigung seines Eigentums wehren, auch durch Lärm
Richtig, A könnte (einzeln) direkt gegen den B wie beschrieben vorgehen.

Der A könnte aber auch die gesamte ETG ins Boot holen. Dies bietet sich an, wenn auch andere Eigentümer betroffen sind. Auf einer ETV beschließt man zunächst, die Fehlverhalten des B (durch dessen Mieter verursacht) abzumahnen und fasst notfalls einen Entziehungsbeschluss. Vorteil: das Anwalts- und Prozessrisiko teilt sich auf mehrere Köpfe auf. Zudem entsteht beim Störer oft ein größerer Handlungsdruck, wenn er einer breiteren Front entgegensteht (und befürchten muss, dass er seine Wohnung los ist).

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