Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

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bedsitter
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Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

Beitrag von bedsitter » 21.04.19, 07:04

Hallo!

Die räumlich miteinander verbundenen Balkone von Mietern eines Miethauses wurden durch den Vermieter zwecks Taubenabwehr vernetzt.
Durch die geminderter Nutzung der Balkone einiger Mietparteien kam es zu einer Vermehrten Anhäufung von Tauben (ca. 6-8 Tiere) und deren Nutzung als Nistplätze.
Manche Mietparteien störte die Geräuchskulisse und die Verschmutzung durch den Taubenkot.
3/4 der Mieträume sind unter 40 qm groß und haben nur ein Zimmer; dieses gliedert direkt an den Balkon an.

Kann eine solche Vernetzung in dieser räumlich beengten Situation auch als negative Beeinträchtigung der Wohnsituation angesehen werden; durch die Netze entsteht vermehrt der Eindruck einer optischen Beengung, was psychologisch zu Angst- und Unruheempfindungen führen kann.
Ausserdem ist der Blick aus dem Fenster auch unästhetisch geworden u. wirkt so auf die Stimmungslage.
Gibt es rechtlich eine Möglichkeit die Netze wieder entfernen lassen zu können?
Kann man Mietminderung geltend machen?

Danke im Voraus für Antworten!

MfG

Etienne777
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Re: Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

Beitrag von Etienne777 » 21.04.19, 10:23

Als Mieter hat man rechtlich zwar Anspruch darauf, daß die Mietsache gegenüber dem Zustand bei Anmietung nicht beeinträchtigt wird, das dürfte auch den freien Blick (ohne Netz) einschließen, wäre aber letzten Endes die Entscheidung des Tatrichters, der sich ggf. die Sache vor Ort voraussichtlich ansehen wird. Jedoch wird man mit in den Blick zu nehmen haben, daß Verschmutzungen durch Taubenkot nicht nur unhygienisch sind, sondern auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Sie können die normale Nutzung der Balkone einschränken oder sogar unmöglich machen, was dann wiederum per se ein Mangel wäre. Die Frage der Abwägung wäre daher, ob der Vermieter nicht sogar gehalten ist Maßnahmen zu ergreifen, die Tauben von den Balkonen fernzuhalten und falls man das bejaht, ob das von ihm gewählte Mittel den Mietern zumutbar ist bzw. ob es denn überhaupt andere Mittel gibt, diesen Erfolg herbeizuführen. Wo man da am Ende rauskommt, das möchte ich nicht prognostizieren. Für eine Minderung der Miete dürfte diese allenfalls geringfügige Beeinträchtigung nicht von ausreichender Wesentlichkeit sein. Mal Hand aufs Herz, welcher Mieter sitzt denn wesentliche Teile seiner Aufenthaltszeit in der Wohnung auf einem Stuhl und blickt gezielt aus dem Fenster, um sich in einer Einraumwohnung nicht beengt zu fühlen?
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

winterspaziergang
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Re: Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

Beitrag von winterspaziergang » 22.04.19, 08:40

bedsitter hat geschrieben: Kann eine solche Vernetzung in dieser räumlich beengten Situation auch als negative Beeinträchtigung der Wohnsituation angesehen werden; durch die Netze entsteht vermehrt der Eindruck einer optischen Beengung, was psychologisch zu Angst- und Unruheempfindungen führen kann.
"kann" ist meist ein rechtlich schwieriger Begriff, wenn man Ansprüche durchsetzen will.
Hauptproblem dieser Argumentation ist die Grobmaschigkeit dieser Netze, die objektiv optisch nichts beengen. Dass der begehbare Raum spätestens am Balkon endet, dürfte der Bewohner auch ohne Blick auf ein grobmaschiges Netz wissen.
bedsitter hat geschrieben:Ausserdem ist der Blick aus dem Fenster auch unästhetisch geworden u. wirkt so auf die Stimmungslage.
Ob die Alternativen zur Taubenabwehr z.B. "Taubenspikes" eine Verbesserung bringen?
bedsitter hat geschrieben:Gibt es rechtlich eine Möglichkeit die Netze wieder entfernen lassen zu können?
damit dann wieder ein erheblicher Taubenbefall riskiert wird? wohl kaum
bedsitter hat geschrieben:Kann man Mietminderung geltend machen?
Schwierig- der Vermieter muss nach der Rechtsprechung alles tun, um die Belästigung durch Tauben auf dem Balkon zu verhindern. Das wäre fragwürdig, wenn man rechtlich genau diese Maßnahmen als Mietminderung geltend machen könnte.

Celestro
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Re: Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

Beitrag von Celestro » 23.04.19, 10:14

bedsitter hat geschrieben:durch die Netze entsteht vermehrt der Eindruck einer optischen Beengung,
dann sollte sich die beengt fühlende Person mal selbst deutlich machen, das es keine wirkliche Beengung gibt.
bedsitter hat geschrieben:was psychologisch zu Angst- und Unruheempfindungen führen kann.
Hobbypsychologie oder hat das ein Experte gesagt?

Tastenspitz
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Re: Taubenabwehr u. neg. Beeinträchtigung der Wohnsituation

Beitrag von Tastenspitz » 23.04.19, 11:13

Amtsgericht Berlin-Schöneberg: Die Montage eines Netzes zur Taubenabwehr stelle keinen Mangel einer Mietwohnung dar (Az. 16b C 180/07).
Hier wurde wohl der ganze Innenhof mit einem Netz überspannt.
Selbst wenn man hier eine Minderung durchsetzen würde, wäre das 1. nur eine marginal Summe und 2. nicht von langer Dauer, weil der Vermieter dann einfach ein Loch im Bereich des strittigen Balkons schneiden würde.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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