Irreführende Bilder / Ablöse

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Jousen
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Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von Jousen » 18.10.19, 22:19

Zu folgendem fiktiven Fall habe ich eine Frage:

Mieter A sucht einen Nachmieter für seine Mietwohnung. Seinem Inserat fügt er u.a. Bilder der Küche bei. Darauf abgebildet auch eine Mikrowelle. Für die Küche möchte A eine Ablöse von sagen wir 1000 Euro bekommen.
Interessent B teilt schon vor Besichtigung mit, dass er gerne auch - sagen wir 400 Euro mehr bezahlen würde, da ihm die Küche gut gefällt und gepflegt wirkt auf den Bildern. Offenbar erhofft sich B dadurch auch eine bessere Chance, als Nachmieter gewählt zu werden. Gehen wir davon aus, bei der Besichtigung sieht B, dass die Schubladen innen eher schmutzig sind und bemängelt nun, dass die Mikrowelle zwar auf den Bildern groß abfotografiert wurde, aber nicht im Ablösepreis enthalten sein soll.
Ist es richtig, dass bei Bildern dieser Art jeweils darauf hingewiesen muss, was tatsächlich in der Ablösesumme enthalten ist bzw. was nicht? Ist es nicht selbstverständlich, dass ein ebenfalls abgebildeter Wasserkocher, ein Schneidebrett oder eben eine Mikrowelle nicht dazugehören?
"Darf" B überhaupt ein solches Angebot ("ich zahle 400 Euro mehr") unterbreiten oder ist das (laienhaft formuliert) eine Art von Bestechung?
Wie verhält es sich, wenn mittlerweile ein MV unterzeichnet wurde, A noch in der Wohnung wohnt und auf 400 Euro mehr beharrt und zugleich keine Mikrowelle herausgeben möchte?

Danke für jede hilfreiche Antwort.

SusanneBerlin
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von SusanneBerlin » 18.10.19, 23:26

Ist es richtig, dass bei Bildern dieser Art jeweils darauf hingewiesen muss, was tatsächlich in der Ablösesumme enthalten ist bzw. was nicht?
Die Annonce mit Bild ist nur die Aufforderung an potentielle Käufer, ein Angebot abzugeben. Auf welche auf dem Bild zu sehenden Gegenstände sich das Kaufgeschäft bezieht und zu welchem Preis wird zwischen Käufer und Verkäufer im persönlichen Gespräch oder per schriftlichem Vertrag vereinbart.
Ist es nicht selbstverständlich, dass ein ebenfalls abgebildeter Wasserkocher, ein Schneidebrett oder eben eine Mikrowelle nicht dazugehören?
Es ist weder selbstverständlich ausgeschlossen, noch automatisch inbegriffen, dass abgebildete Gegenstände mit verkauft werden, wenn eine Küche angeboten wird. Kommunikation hilft ungemein, um darüber Klarheit zu bekommen.
"Darf" B überhaupt ein solches Angebot ("ich zahle 400 Euro mehr") unterbreiten oder ist das (laienhaft formuliert) eine Art von Bestechung?
Es ist nicht verboten, bei Geschäften zwischen Privatleuten, dass der interessierte Käufer mehr anbietet als der Käufer verlangt hat, um die Chance zu erhöhen dass er den Zuschlag bekommt.
Offenbar erhofft sich B dadurch auch eine bessere Chance, als Nachmieter gewählt zu werden.
Den Nachmieter wählt trotzdem der Vermieter aus.
Wie verhält es sich, wenn mittlerweile ein MV unterzeichnet wurde, A noch in der Wohnung wohnt und auf 400 Euro mehr beharrt und zugleich keine Mikrowelle herausgeben möchte?
Wer ist "es"?
"Es" wird sich gar nichts verhalten, weil "es" nicht in der Geschichte vorkommt. Das kommt darauf an, was A und B machen. Wenn B einen vom Vermieter unterschriebenen Mietvertrag hat, könnte B auch zu A sagen "Ich will die Küche nicht mehr, bau sie aus und nimm sie mit."

Was haben A und B letztendlich vereinbart, und was kann A beweisen?
Grüße, Susanne

Jousen
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von Jousen » 18.10.19, 23:47

Danke SusanneBerlin zunächst für Ihre Antwort.
"Es" meinte hier die Rechtslage, aber ich verstehe schon, dass es ausschließlich darauf ankommt, was A und B untereinander vereinbaren. Letztendlich bzw. bisher vereinbart wurde: A nannte im Inserat eine Summe, zu der die Küche abgelöst werden "sollte". B schrieb vor Besichtigung, er zahle mehr. Dann wurde (alles fiktiv!) der MV von VM und B unterzeichnet. Am Tag des Auszuges von A ist die Küche nach wie vor in der Wohnung und B sagt, er zahle z.B. nur die Hälfte von dem Betrag, der im Inserat angegeben war, da Küche schmutzig / unvollständig o.ä. Zum Ausbau bleibt A keine Zeit mehr, da ab dem Folgetag die Wohnung von B bewohnt wird. Auch wenn Zeit bliebe, kann A mit der Küche nichts anfangen und will sie nicht ausbauen lassen. Zwischen dem Vorab-Angebot von B VOR Besichtigung und dem Tag des Auszuges von A wurde kein Wort mehr über die Ablösesumme gesprochen. A ging davon aus, das gemachte Angebot sei verbindlich.

ktown
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von ktown » 19.10.19, 08:28

Meines Erachtens ist grundsätzlich ein Vertrag zustande gekommen. Der Preis ist, soweit beweisbar, auch fest vereinbart. Strittig wäre max. der Leistungsumfang.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Jousen
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von Jousen » 19.10.19, 22:23

Wenn hier bereits ein Vertrag zustand gekommen ist, würde das bedeuten, dass der Mietinteressent die Küche auch bezahlen hätte müssen, wenn die Vermieter sich für einen anderen Mieter entschieden hätten, oder?

Zum Leistungsumfang: Spielt hier auch der Zustand der Küche eine Rolle? Der Interessent schrieb dem jetzigen Mieter vor Besichtigung, er würde auch mehr für die Küche bezahlen, da sie sehr gepflegt aussieht - auf den Bildern! Als er die Küche vor Ort sah, fiel ihm erst auf, wie unsauber diese ist. Und, dass nicht alles zum Umfang gehört, was auf den Bildern zu sehen ist (Mikrowelle, Gefriertruhe etc).
Zuletzt geändert von Jousen am 19.10.19, 22:37, insgesamt 1-mal geändert.

FM
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von FM » 19.10.19, 22:32

Es dürfte wohl klar sein, dass vor dem endgültigen Vertragsabschluss noch eine Besichtigung geplant war, die Einigung also erst danach.

Sollte der Altmieter den potentiellen Neumieter allerdings durch irreführende Bilder getäuscht haben und deshalb kein Vertrag zustande kommen, wäre Schadensersatz denkbar, z.B. für Anreisekosten. Also z.B. wenn man etwas durch irreführende Fotos so darstellt als wäre es 1.000 Euro wert und das auch behauptet, es bei näherer Betrachtung aber nur noch Schrottwert hat.

SusanneBerlin
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von SusanneBerlin » 19.10.19, 22:36

Jousen hat geschrieben:
19.10.19, 22:23
Wenn hier bereits ein Vertrag zustand gekommen ist, würde das bedeuten, dass der Mietinteressent die Küche auch bezahlen hätte müssen, wenn die Vermieter sich für einen anderen Mieter entschieden hätten, oder?
Unter einem "Küchenablösevertrag" versteht man üblicherweise, dass der Wohnungsunteressent die Küche unter der Bedingung kauft, dass er auch die Wohnung bekommt.
Zum Leistungsumfang: Spielt hier auch der Zustand der Küche eine Rolle? Der Interessent schrieb dem jetzigen Mieter vor Besichtigung, er würde auch mehr für die Küche bezahlen, da sie sehr gepflegt aussieht - auf den Bildern! Als er die Küche vor Ort sah, fiel ihm erst auf, wie unsauber diese ist. Und, dass nicht alles zum Umfang gehört, was auf den Bildern zu sehen ist (Mikrowelle Gefriertruhe etc).
Über den Umfang müssen sich Käufer und Verkäufer wie gesagt verständigen.

Wenn der Interessent während des mailverkehrs den Grund nennt, warum er mehr bezahlen will, nämlich dass die Küche sehr gepflegt aussieht, bei der Besichtigung stellt sich jedoch heraus, dass die Küche schmutzig und ungepflegt ist (das Foto könnte zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt gemacht worden sein), dann ist das ein Grund von der Kaufzusage zurückzutreten.
Grüße, Susanne

webmaster76
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von webmaster76 » 21.10.19, 07:41

Auch wenn der A den Nachmieter sucht bleibt die Entscheidung, wer die Wohnung bekommt einzig beim Vermieter.

Es handelt sich hier um zwei von einander getrennte Verträge:
1. Mietvertrag Wohnung zwischen B und VM
2. Kaufvertrag Küche zwischen A und B

Eine Bestechung kommt daher nicht in Betracht.

Die Frage ist, ob nun ein Kaufvertrag zustande gekommen ist oder nicht. Hier kommt es aus meiner Sicht auf den genauen Wortlaut an, was der B dem A vor der Besichtigung geschrieben hat (bei/nach der Besichtigung scheint es ja keinerlei Zusagen/Absprachen mehr gegeben zu haben). Hat der B geschrieben, dass er auch 400€ mehr bezahlen würde, da die Küche so gepflegt aussieht oder hat er die 1.400€ fest angeboten?

Sollte hier kein Kaufvertrag zustande gekommen sein, hätte A nun ein echtes Problem. Denn: der Mietvertrag ist beendet und er hätte die Wohnung im nicht vertragsgemäßen Zustand übergeben. Ob der B überhaupt noch die Hälfte bezahlen würde (in Kenntnis der "Notlage" des A) ist fraglich...

Tastenspitz
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von Tastenspitz » 21.10.19, 10:03

webmaster76 hat geschrieben:
21.10.19, 07:41
Ob der B überhaupt noch die Hälfte bezahlen würde (in Kenntnis der "Notlage" des A) ist fraglich...
Angesichts des versifften Zustands und den plötzlich fehlenden Geräten sollte A sich mal lieber drum bemühen, die Küche da überhaupt noch raus zu kriegen. Sonst macht B das mglw. und die Kosten für Ausbau und Einlagerung hat dann der A zu tragen. Als B könnte man auch den Vermieter hier involvieren, den fehlenden Ausbau monieren und ggf. deswegen sogar die Miete kürzen, weil man seine eigene Küche nicht einbauen kann.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

webmaster76
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Re: Irreführende Bilder / Ablöse

Beitrag von webmaster76 » 22.10.19, 06:43

Wir kennen hier ja nicht den tatsächlichen Zustand der Küche. Mag sein, dass die auf den Fotos pikobello aussah, in Natura aber total versifft ist. Es könnte aber auch sein, dass der B auf einmal überzogen pingelig geworden ist, um den A preislich unter Druck zu bringen im Wissen, dass der A die Küche anderweitig nur mit großen Abschlägen oder sogar gar nicht mehr los wird.

So oder so stellt sich einzig die Frage, ob denn nun ein Kaufvertrag zustande gekommen ist oder nicht. Und aus meiner Sicht kommt es da auf den genauen Wortlaut im Schriftverkehr zwischen dem A und dem B an. Ist der Kaufvertrag zustande gekommen, kann der A den B auffordern, den vereinbarten Preis zu zahlen, wenn nicht sollte er in der Tat schauen, wie er die Küche entweder schnellstmöglich da raus oder an den A bekommt. Wobei sich ersteres nun schwierig gestalten wird, da der B ja offenbar die Wohnung bereits bezogen hat...

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