Mieterhöhung trotz Indexmiete

Moderator: FDR-Team

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GLu
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Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von GLu »

Hallo

Nehmen wir an, jemand vermietet eine Wohnung mit Indexanpassung.
Über die Jahre hat sich der Marktpreis deutlich erhöht. Durch diesen
Index liegt die Miete derzeit bei 7,53 € / m² ... aktuell liegen aber die
Marktpreise bei 9,05 € / m².

Zugrunde gelegt werden dabei verschiedene Mietspiegel, Mietpreis-
vergleiche und auch der Durchschnit der derzeit verlangten Mieten
der aktuellen Angebote der einschlägigen Portale.

Kommt ein Vermieter aus dieser "Index-Falle" heraus ? Gibt es Gründe,
außer Renovierungen und dergleichen, die Miete der Marktsituation
anzupassen ?

lottchen
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Re: Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von lottchen »

Der Vermieter hat sich als Mittel seiner Wahl der regelmäßigen Mieterhöhung (im Normalfall steigt der Index ja regelmäßig) für die Indexmiete entschieden. Das ist vertraglich vereinbart. Hätte er durch "normale" Mieterhöhungen mehr bekommen können hat er schlicht und einfach Pech gehabt. Er kann nicht doppelt erhöhen und er kann sich auch nicht die beste Variante für sich (und die schlechteste für den Mieter) aussuchen wann es ihm passt.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Evariste
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Re: Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von Evariste »

GLu hat geschrieben:
05.09.20, 11:00
Gibt es Gründe, außer Renovierungen und dergleichen, die Miete der Marktsituation
anzupassen ?
Vermutlich meinen Sie Modernisierungen, nicht Renovierungen. Da gibt es eine schlechte Nachricht:
Wegen erfolgter Modernisierungen kann die Indexmiete nur erhöht werden, wenn der Vermieter bauliche Maßnahmen aufgrund von Umständen durchgeführt hat, die er nicht zu vertreten hat (z. B. Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Umstellung von Stadt- auf Erdgas, Herstellung eines Hausanschlusses bis zur öffentlichen Kanalisation, Erneuerungen von Elektro- und Gasleitungen u.a.).
(Quelle: eine bekannte Bausparkasse)

Ceterum censeo... die Angebote in den diversen Portalen sind keine "Marktpreise", da nicht nachvollziehbar ist, ob diese am Ende wirklich bezahlt werden. Aber auch die tatsächlichen vereinbarten Mietpreise bei Neuvermietungen, die etwa dem Mietspiegel zugrunde liegen, geben die Marktsituation nur näherungsweise wieder. Korrekterweise müssten nämlich dafür auch die Bestandsmieten berücksichtigt werden, die in der Regel niedriger sind. Auch diese sind "Marktpreise", da der Mieter ja jederzeit frei ist, zu kündigen, wenn ihm eine Wohnung zu teuer wird.

Dazu ein kleines Gedankenexperiment:
Man stelle sich vor, alle Vermieter in München dürften zum 1.1.2021 die Miete für Bestandsverträge erhöhen, wie sie wollen, müssten dies aber rechtzeitig mitteilen, so dass diejenigen Mieter, denen die neue Miete zu hoch ist, sich rechtzeitig etwas anderes suchen können. Wenn nun die Vermieter alle Mieten auf die heutigen "Marktpreise" erhöhen würden, würde es viele Mieter geben, die sich ihre derzeitige Wohnung nicht mehr leisten können. SIe werden sich etwas Kleineres suchen oder aufs Land ziehen (oder ganz wegziehen). Im Ergebnis würden die Vermieter feststellen, dass sie für ihre Wohnungen zu den sogenannten "Marktpreisen" keine neuen Mieter finden :D , es bliebe ihnen also nichts anderes übrig, als mit den Mieten wieder herunterzugehen, vielleicht nicht auf das alte Niveau, aber doch erheblich.

ExDevil67
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Re: Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von ExDevil67 »

Wie ist das eigentlich bei Indexmieten, greift da auch die Grenze von 20% Erhöhung in 3 Jahren? Oder hat der Vermieter die durch die Kopplung der Miete an einen Index "umgangen"?

Zafilutsche
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Re: Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von Zafilutsche »

Ich hatte vor Jahren auch so einen Mietvertrag dessen Miethöhe an den Index orientiert hat. Das ist bei mir allerdings "Schnee von gestern".
Ich habe aber mal den aktuellen und historischen Mietpreisspiegel die unsere Stadt regelmäßig im Netz veröffentlich herausgesucht.
In den vergangenen 10 Jahren ist der Mietspiegel für eine 90qm große Wohnung mit Balkon regelrecht stagniert.
Berücksichtigt man als Vermieter den Baupreisindex und die Marktentwicklung von solchen Wohnungsgrößen,
dann wäre der "Vermieter" m.E. tatsächlich gekniffen und die Frage:
GLu hat geschrieben:
05.09.20, 11:00
"Kommt ein Vermieter aus dieser "Index-Falle" heraus ?"
wäre eigentlich nur damit zu beantworten: "Hütte schnellstmöglich verkaufen" :mrgreen:
Bei manchen Staaten gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. [Freiheit f. Assange]

Evariste
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Re: Mieterhöhung trotz Indexmiete

Beitrag von Evariste »

ExDevil67 hat geschrieben:
07.09.20, 07:14
Wie ist das eigentlich bei Indexmieten, greift da auch die Grenze von 20% Erhöhung in 3 Jahren? Oder hat der Vermieter die durch die Kopplung der Miete an einen Index "umgangen"?
Da hilft ein Blick in das Gesetz. Die Kappungsgrenze bezieht sich auf Mieterhöhungen nach § 558 BGB und ist auch dort geregelt. Die Indexmiete ist in § 557b BGB geregelt und dort sind Erhöhungen nach § 558 BGB ausdrücklich ausgeschlossen.

Im Falle einer Hyperinflation kann so eine Indexmiete also von großem Vorteil für den Vermieter sein. :D

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