Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

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schpunk
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Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

Hallo liebe Gemeinde,
vor einigen Jahren habe ich ein kleines Wiesenlandgrundstück erworben, welches an ein bebautes Grundstück direkt angrenzt. Nach beiden Seiten sind ebenfalls Gehölz- und Wiesengrundstücke, die vierte Grundstücksgrenze liegt offen an einer öffentlichen Zuwegung. Das Grundstück war sehr preiswert (öffentliche Ausschreibung). Meine Nachbarn hätten es auch gern gekauft, aber von der Ausschreibung nichts gewusst, weil sie den Newsletter der BVVG nicht verfolgt hatten. Ich habe mich nach dem Kauf bei ihnen vorgestellt, man merkte, dass sie mich nicht unbedingt mögen. Das verstehe ich ein wenig, wenngleich ich nun wirklich nichts dafür kann. Aber das nur am Rande.
Einen Teil meines Grundstückes nutzen und pflegen sie schon über viele Jahre unentgeldlich als Holzlagerplatz und zum Gemüseanbau. Ein anderer Teil ist Rasenfläche, Spielplatz für ihr Kind. Im hinteren Teil ist viel Wildwuchs und sie haben dort einen sehr großen Komposthaufen installiert. Diesen beräumen sie nun nach meiner dritten Bitte. Den Holzlager- und Gemüseanbauplatz haben sie eingezäunt, mit einem offenen Tor versehen. Darüber haben sie mich nicht in Kenntnis gesetzt, sich aber nun dafür entschuldigt. Dieser habe ich entsprochen, obwohl sie meinen Kontakt hatten und hätte fragen müssen.
In der Nachbarschaft wird neu gebaut und ein großer Teil des Grundstückes, welches dem meinem entspricht, zugehörig zum Bauvorhaben für sehr viel Geld verkauft. Auf der Bauskizze habe ich entdeckt, dass der Teil, der auf meinem Grundstück eingezäunt ist, mit einer Grenze versehen ist. Das behagte mir nicht und ich möchte nun einen Pachtvertrag abschließen. Wie gesagt - sie nutzen meine Grundstück schon 11 Jahre ohne einen Cent zu bezahlen. Ihr Grundstück und das zugehörige Haus + Fuhrpark lässt darauf schließen, dass sie finanziell gut da stehen.
Meine Frage: ich möchte einen unbefristeten Pachtvertrag abschließen. Jene Leute aber am liebsten einen über 20 Jahre. Noch lieber würden sie mir das Grundstück abkaufen, haben auch etwas geboten, was ein leichtes Vielfaches von dem ist, was ich dafür bezahlt habe, aber bei Weitem nicht dem entsprich, was in der Nachbarschaft mit dem gleichwertigen Grundstück als reines angrenzendes Gartenland aufgerufen wird. Mache ich was falsch, wenn ich einen unbefristeten Pachtvertrag mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten (gesetzlich sind es ja wohl 6 Monate) abschließe? Haben sie dann ein Vorkaufsrecht? Mir geht es darum, dass ich mir nichts verbaue. Also entweder sie selbst dort bauen und verkaufen möchten oder es ein anderer Nachbar tut. Auch kann ich es sicher gut als Gartenland verpachten (berliner Stadtgrenze) oder selbst nutzen, falls ich mit meiner Tierhaltung an anderer Stelle aufgeben muss. Was haltet Ihr davon?
Und noch etwas am Rande: muss ich heutzutage ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich das Grundstück zu dem Wert veräußern würde, den es nun durch das Baugeschehen nun hat? Meine Grundstücksnachbarn wissen, was ich damals bezahlt habe. Aber das ist nur einen völlig unrechtliche Frage :-)

Vielen Dank, sorry für meine Langatmigkeit :-)
schpunk
Tastenspitz
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Tastenspitz »

BGB §594 und $594a sowie folgende sind zu beachten.
Da ein Verkauf wohl nicht ganz ausgeschlossen ist, sollte man sich tunlichst überlegen, wie man die Fristen zur Beendigung setzt. Der 594a sieht hier eine sehr lange Frist vor.
Ein Pachtverhältnis über 20 Jahre festzumachen ist hier sicher nicht von Vorteil.
schpunk hat geschrieben: 25.01.21, 17:05 muss ich heutzutage ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich das Grundstück zu dem Wert veräußern würde, den es nun durch das Baugeschehen nun hat?
Nein.
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schpunk
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

Danke für die Antwort. Das heißt also, dass ich an diese Fristen des BGB gebunden bin? Oder kann ich diese auch ausdrücklich in dem Pachtvertrag ausschließen?
schpunk
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

Und wenn ich mir die Paragraphen diesbezüglich im BGB durchlese, komme ich zu dem Schluss, dass ich eigentlich gar keinen eigenen Pachtvertrag entwerfen kann? Es scheint ja alles geregelt zu sein. :shock:
ktown
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von ktown »

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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Froggel »

Wenn man Null Ahnung hat und nicht auf die Nase fallen möchte, sollte man allein schon aus eigenem Interesse einen Anwalt konsultieren und nicht ein Forum. Der Anwalt wird genau sagen können, was geht und was nicht, und kann für seine Arbeit zur Verantwortung gezogen werden, stellt sich diese als fehlerhaft heraus. Das mag zwar zunächst mit Kosten verbunden sein, könnte aber erheblich teurer werden, wenn man diese Fachberatung unterlässt und die andere Partei so schlau ist und das Geld zu eigenen Gunsten in einen Anwalt investiert. Ein Forum kann dieses jedenfalls nicht leisten.
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Tastenspitz »

NmE. haben sie einen Pachtvertrag nach BGB. Nur eben mündlich und ohne Entgelt.
Bzgl. der Kündigungsfrist ist es also bei Landpacht schon geregelt, dass eine Kündigung heute erst zum 31.12.2023 die Sache beendet.
Vllt. ginge es wegen der Unentgeltlichkeit auch als Leihe durch aber das ist dünnes Eis.
So man denn als Verpächter eine kürzere Kündigungsfrist möchte, kommt man um einen Vertrag nicht drum rum.
Und dann sollte man
Froggel hat geschrieben: 26.01.21, 21:51 schon aus eigenem Interesse einen Anwalt konsultieren
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Froggel »

Tastenspitz hat geschrieben: 27.01.21, 06:21 NmE. haben sie einen Pachtvertrag nach BGB. Nur eben mündlich und ohne Entgelt.
Also von eigentlich verbotener Eigenmacht, die die Nutzer des Grundstücks praktizieren, auf einen mündlichen Pachtvertrag zu schließen, finde ich nun wieder sehr gewagt. Bloß durch die Nutzung eines Grundstücks, das einem nicht gehört, entsteht noch kein Vertrag, auch dann nicht, wenn es bisher geduldet wurde. Der Beweis, dass ein mündlicher Pachtvertrag mit dem Vorbesitzer zustande gekommen wäre, müsste der angebliche Pächter führen. Dieser Beweis dürfte ihm aber nicht gelingen, wenn nicht einmal Geld geflossen ist.
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

Vielen lieben Dank an Euch alle. Wahrscheinlich werde ich nun meinen Anwalt bemühen. Ich dachte allerdings, dass das Forum genau dazu dient, eine unverbindliche Auskunft zu erhalten. Diese habe ich jetzt auch, hätte mich bei Abschluss des individuellen Pachtvertrages niemals auf dieses Forum berufen.
Gebt auf Euch Acht :-)
schpunk
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

ktown hat geschrieben: 26.01.21, 17:22 Liebes FDR-Mitglied,

wie Sie sicher in unserer Juriquette (=Forenregeln) gelesen haben, darf hier keine individuelle Rechtsberatung in einem konkreten Fall erfolgen. Sie helfen dem Forum und erleichtern dem Moderatoren-Team die Arbeit, wenn Sie eine Fragestellung zur allgemeinen Rechtslage herausarbeiten, die für Sie von Relevanz ist.

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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von schpunk »

Froggel hat geschrieben: 27.01.21, 15:55
Tastenspitz hat geschrieben: 27.01.21, 06:21 NmE. haben sie einen Pachtvertrag nach BGB. Nur eben mündlich und ohne Entgelt.
Also von eigentlich verbotener Eigenmacht, die die Nutzer des Grundstücks praktizieren, auf einen mündlichen Pachtvertrag zu schließen, finde ich nun wieder sehr gewagt. Bloß durch die Nutzung eines Grundstücks, das einem nicht gehört, entsteht noch kein Vertrag, auch dann nicht, wenn es bisher geduldet wurde. Der Beweis, dass ein mündlicher Pachtvertrag mit dem Vorbesitzer zustande gekommen wäre, müsste der angebliche Pächter führen. Dieser Beweis dürfte ihm aber nicht gelingen, wenn nicht einmal Geld geflossen ist.
Zumal die Nutzer sich nicht mit mir anlegen werden wollen, weil sie ja das Grundstück am Liebsten von mir erwerben möchten.
Spezi
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Spezi »

Steht denn im Kaufvertrag etwas von "verpachtetem Grundstück" oder frei von Pächtern ? Gab es eine Übergabe ?
Gruß Spezi
Tastenspitz
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Tastenspitz »

Froggel hat geschrieben: 27.01.21, 15:55 Also von eigentlich verbotener Eigenmacht, die die Nutzer des Grundstücks praktizieren, auf einen mündlichen Pachtvertrag zu schließen, finde ich nun wieder sehr gewagt.
Nun Eigenmacht bei regelmäßigem Kontakt seit Jahren und Wissen um die Nutzung des Geländes kann ich wiederum nun nicht erkennen.
Bleibt die Leihe.
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Spezi
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Spezi »

Leider keine Antwort auf meine Frage.
Es wäre schon ungewöhnlich, wenn ein verpachtetes Grundstück verkauft wird, ohne dass bei den Kaufverhandlungen/Angebot oder im Kaufvertrag irgendwas von dem Pachtvertrag erwähnt wird.
Gruß Spezi
Tastenspitz
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Re: Eigener Pachtvertrag über Wiesenlandgrundstück

Beitrag von Tastenspitz »

Tut mir leid. Das kann nur der TE beantworten..... :)
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