Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

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Grantaire
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Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Grantaire »

Hallo zusammen,

welche Fristen müssen Vermieter bei der Belgeinsicht zur Nebenkostenabrechnung einhalten?
Mal angenommen, ein Anwalt fordert für einen ehemaligen Mieter die Belegeinsicht per Kopie mit Frist? Muss der Vermieter die dann zusenden oder kann er auch erstmal einen Vor-Ort-Termin anbieten, sofern die räumliche Nähe das zulässt? Muss der Termin dann in der gesetzten Frist liegen oder kann er auch z. B. zwei Monate später sein, wenn der Vermieter nur unregelmäßig vor Ort ist? Kann der Vermieter auch den Versand der Kopien entsprechend verschieben, wenn die nächste Gelegenheit, die Unterlagen einzusehen, erst in zwei Monaten ist (weil er z. B. eine lange Anreise zum Mietshaus hat und die Unterlagen dort lagern?

Besten Dank!
Elektrikör
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

der VM denkt, daß er dem M mit Anwalt im Rücken alleine gewachsen ist?


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet
Spezi
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Spezi »

Wenn ein MIeter um Belegeinsicht und um die Angabe eines Termins dazu bittet, verlängert sich die Zahlungsfrist denn der Mieter kann die Zahlung von der
Möglichkeit der Belegeinsicht abhängig machen.
Es sollte daher im Interesse des Vermieters liegen, den Termin nicht unnötig zu verzögern.
Gruß Spezi
Elektrikör
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Elektrikör »

Wenn da schon ein Anwalt im Rennen ist, ist da doch mehr im Busch


MfG
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Grantaire
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Grantaire »

OK, schaut so aus, als müss ich den Fall etwas unterfüttern. Ist halt ein ganz unrealistisches Gedankenspiel.

In diesem Konstrukt sei es einfach mal so, dass hier ein Mieter ohne Kündigung spontan ausgezogen ist und die Mietzahlungen eingestellt hat. Und als ob das nicht dreist genug wäre, wird dann auch noch per Anwalt die Kaution in voller Höhe zurückverlangt, obwohl die nur zur Hälfte bezahlt wurde. Beweisen, dass die Kaution überhaupt gezahlt wurde, kann der Mieter aber nicht.

Der Vermieter hatte mit der ganzen Sache schon mehr Stress als es wert ist und will einfach nur seine Ruhe. Er hat die halbe Kaution einbehalten, um eine ausgefallene Miete zu decken, auf den Rest war er bereit zu verzichten. Dann kam die Nebenkostenabrechnung, die er natürlich ordnungsgemäß dem gegnerischen Anwalt schicken musste und aus der sich weitere Forderungen ergaben, auch das will der Vermieter nicht haben sondern einfach nur seine Ruhe und hat deshalb angeboten, das gegenseitig auf Ansprüche verzichtet wird.

Die Gegenseite will aber nun erstmal die Nebenkostenabrechnung prüfen. Warum ist fraglich, weil selbst wenn die komplett gestrichen wird, hat der Vermieter höhere Ansprüche aufgrund der ausgefallenen Mieten als der Mieter aus der Kaution.
Natürlich hat die Gegenseite das Recht, diese Prüfung zu machen, aber der Vermieter wohnt in diesem Szenario weit weg und ist nur alle paar Wochen vor Ort und müsste es seiner kranken Mutter aufbürden, die Sachen rauszusuchen, was nur schiefgehen kann. Eine Rechtschutz, die Mietrecht abdeckt, konnte er sich nicht leisten und der Streitwert ist so absurd gering, dass ein Anwalt gewaltige Mehrkosten erzeugen würde. Beim ehemaligen Mieter ist eh nichts zu holen, daher besteht keinerlei Interesse daran, dass es zum Prozess kommt. Gehen wir mal davon aus, dass sich der gegnerische Anwalt hier nur die Taschen vollmachen will und der Vermieter einfach möglichst unaufwändig da raus will.

Und da würde mich nun interessieren, ob in so einem verrückten Szenario der Vermieter alles für zwei Monate rauszögern kann, bis er planmäßig wieder vor Ort ist, um die Unterlagen selbst zusammenstellen zu können. Ob mit Vor-Ort-Termin oder per Post ist dann auch egal. Also nochmal, ist es für einen Vermieter möglich, die Belegeinsicht erst zwei Monate später anzusetzen, obwohl der gegenerische Anwalt schon eine (absurd und unhaltbar kurze) Frist gesetzt hat. Ist diese Frist überhaupt etwas wert oder hat der die einfach willkürlich gesetzt? Sprich, kann es irgendwelche rechlichen Probleme für den Vermieter geben, wenn er sich mit der Belegeinsicht Zeit lässt. Dass er dann sein Geld später bekommt ist völlig egal, weil zu holen ist in der dargestellten Situation eh nichts.
Froggel
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Froggel »

In dem gedachten Szenario kann der Vermieter dem Anwalt schriftlich mitteilen, dass er erst bis zu dem und dem Termin die geforderten Unterlagen einreichen kann (damit von vornherein klar ist, dass der Vermieter die Einsicht nicht generell verweigert), alternativ sollte er aber auch einen Vor-Ort-Termin zur Belegeinsicht innerhalb der Frist anbieten. Gleichzeitig stellt man als Vermieter eine Forderung über alle Kosten auf in Verrechnung mit der leider nur hälftig gezahlten Kaution. Dann kann sich der Anwalt überlegen, ob er dem Mieter rät, die fehlenden Kosten zu bezahlen, oder ob er den Erhalt der Belege abwartet bzw. sie persönlich einsieht oder ob er vor Gericht geht. In allen Fällen ist meiner Ansicht nach der Vermieter in der bessere Position, denn entweder erhält er weiteres Geld oder er gewinnt Zeit oder einen Gerichtsprozess, sofern er seine Behauptungen belegen kann.
Letztendlich ist der Mieter in der Beweispflicht, die Kaution (in voller Höhe) bezahlt zu haben. Kann er das nicht, hat er Pech gehabt. Allerdings sollte man sich als Vermieter nicht deswegen auf ein Vabanquespiel einlassen und behaupten, gar nichts erhalten zu haben. Denn kann der Mieter wenigstens den gezahlten Bruchteil nachweisen, hat man schlechte Karten.

Normalerweise hat der Vermieter dem Mieter auf Verlangen innerhalb einer zwei-Wochen-Frist Einsicht in die (geordneten) Unterlagen zu geben. Darum ist es eigentlich auch unwahrscheinlich, dass sich der Anwalt auf einen späteren Termin einlässt. Auf den Vorschlag auf einen gegenseitigen Verzicht wird der Anwalt sicherlich nicht eingehen, ohne die gesamten Umstände zu prüfen. Was vom VM gut gemeint ist, wird jedenfalls nicht dazu führen, dass der Mieter bzw. sein Anwalt auf Forderungen verzichtet. Einen Nachweis für die Kosten muss man dafür schon bringen – ebenso wie der Mieter den Nachweis bringen muss, wenn er behauptet, die gesamte Kaution bezahlt zu haben.

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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von fodeure »

Froggel hat geschrieben: 10.09.22, 02:14Normalerweise hat der Vermieter dem Mieter auf Verlangen innerhalb einer zwei-Wochen-Frist Einsicht in die (geordneten) Unterlagen zu geben.
Das ergibt sich woraus? In dem von dir verlinkten Artikel ist die Rede davon, daß der Vermieter innerhalb von zwei Wochen reagieren sollte, da es ihm sonst als Verweigerung der Einsichtnahme ausgelegt werden kann. Er reagiert damit, daß er einen Termin vorschlägt, an dem er sich vor Ort befindet. Wenn er die Reaktionszeit von 2 Wochen ausreizt, kann er dann einen Termin ca. 6 Wochen später vorschlagen, um auf die gewünschten 2 Monate zu kommen.
Froggel hat geschrieben: 10.09.22, 02:14Darum ist es eigentlich auch unwahrscheinlich, dass sich der Anwalt auf einen späteren Termin einlässt.
Ihm wird aber kaum etwas anderes übrig bleiben. Da für den Mieter keine Fristen ablaufen, besteht auch kein Eilbedürfnis, welches ermöglichen könnte einen früheren Termin gerichtlich durchzusetzen. Zumal der Vermieter im vorliegenden Fall gute Gründe für einen späteren Termin hat.
bavarian tax collector
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von bavarian tax collector »

Den Anwalt selber bringt man als Vermieter ziemlich schnell aus der physischen Anwesenheit bei der Belegeinsicht raus!

1. Eine Anspruch auf Übersendung von Kopie -auch gegen Entgelt!- besteht nur in wenigen Fällen!

2. Insbesondere wenn der Vermieter berufstätig ist besteht kein Anspruch auf einen Termin zur Belegeinsicht vor 18 Uhr! Da will kein Anwalt mehr tätig sein!

3. Der Vermieter stellt einfach drei kurzfristige Termine zur Auswahl, bei denen man ziemlich sicher sein kann, dass der Anwalt nicht kann. Schon hat der Vermieter seiner gesetzlichen Pflicht genüge getan und der Mieter hat die A…-Karte gezogen.

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Grantaire
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Re: Nebenkosten: Fristen bei der Belegeinsicht

Beitrag von Grantaire »

Hallo zusammen,

vielen Dank! Da sind ein paar gute Sachen dabei, mit denen man die Zeit vermutlich ausreichend strecken kann. Allerdings habe ich selbst auch noch weiter nachgelesen und da sieht es mir so aus, als könnte ein Vermieter eher Probleme bekommen, wenn er die Termine vorschlägt und dann zu kleine Zeitfenster anbietet. Der Vorschlag sollte wohl besser vom Mieter kommen und einmal kann der Vermieter es ablehnen. Aber die Sache mit nach 18 Uhr schaue ich mir auch nochmal genauer an.
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