Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Recht der Gefahrenabwehr

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jan.seither@gmx.de
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Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von jan.seither@gmx.de » 18.07.17, 14:37

Hallo Forum,

folgender Fall:

Ein Mann wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden.
Er lag dort ca. 14 Tage, bis einer Nachbarin der Geruch auffiel.
Die Polizei brach die Tür auf und fand ihn.

Die Angehörigen wissen bis heute nicht die Todesursache!
(Wenn die Todesursache klar gewesen wäre, hätten sie diese doch erhalten müssen.)

Es gab auch keine Obduktion.

Welche Möglichkeiten haben die Angehörigen, um Klarheit über die Todesursache zu erfahren?
Wen können die Angehörigen ansprechen?

Danke für Infos!

lottchen
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von lottchen » 18.07.17, 15:18

Was steht denn im Totenschein für eine Todesursache? Haben die Angehörigen denn keine Obduktion beantragt wenn es ihnen so wichtig ist die Todesursache zu erfahren?
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

Gammaflyer
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Gammaflyer » 18.07.17, 15:20

jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:(Wenn die Todesursache klar gewesen wäre, hätten sie diese doch erhalten müssen.)
Nein, nicht zwingend.
jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:Es gab auch keine Obduktion.
Wurde die Leiche denn beschlagnahmt? Gab es ein Todesermittlungsverfahren?
jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:Welche Möglichkeiten haben die Angehörigen, um Klarheit über die Todesursache zu erfahren?
Sie können auf eigene Kosten eine Obudktion duruchführen lassen, sofern die Leiche staatsanwaltschaftlich (sofern die denn eingebunden war) freigegeben wurde.
jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:Wen können die Angehörigen ansprechen?
Denjenigen, der die Leiche aktuell verwahrt.
lottchen hat geschrieben:Haben die Angehörigen denn keine Obduktion beantragt wenn es ihnen so wichtig ist die Todesursache zu erfahren?
In welchem Rahmen sollen die Angehörigen da etwas beantragen können?

jan.seither@gmx.de
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von jan.seither@gmx.de » 19.07.17, 07:19

lottchen hat geschrieben:Was steht denn im Totenschein für eine Todesursache? Haben die Angehörigen denn keine Obduktion beantragt wenn es ihnen so wichtig ist die Todesursache zu erfahren?
Die Angehörigen haben keine Ahnung, was sie für Möglichkeiten haben. Die sind total durch den Wind.

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von jan.seither@gmx.de » 19.07.17, 07:22

Gammaflyer hat geschrieben:
jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:(Wenn die Todesursache klar gewesen wäre, hätten sie diese doch erhalten müssen.)
Nein, nicht zwingend.
Das finde ich seltsam - wieso erhalten die Angehörigen keine klare Todesursache? ("Nicht zwingend" - wieso?)

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Tastenspitz » 19.07.17, 07:34

jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:wieso erhalten die Angehörigen keine klare Todesursache? ("Nicht zwingend" - wieso?)
Können sie doch bekommen, wenn sie denn wollen:
Gammaflyer hat geschrieben:Sie können auf eigene Kosten eine Obudktion duruchführen lassen, sofern die Leiche staatsanwaltschaftlich (sofern die denn eingebunden war) freigegeben wurde.
Wenn klar ist, dass keine Fremdeinwirkung bestanden hat, wir für gewöhnlich eben nicht bis ins Detail ausermittelt, woran die Person verstorben ist.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Townspector » 19.07.17, 07:41

Fraglich ist erstmal:

Wann ist denn der Verstorbene gefunden worden? Vor zwei Wochen, vor zwei Jahren, vor zwei Tagen?
Handelt es sich um die Angehörigen, die die Bestattung vornehmen müssen oder "andere" Angehörige?

Falls noch nicht lange zurückliegend gibt es mE drei Möglichkeiten:

1. die Leichenschau hat einen natürlichen Tod ergeben und die Leiche ist einem Bestatter übergeben worden (Todesursache ist im Totenschein vermerkt - natürlicher Tod),
2. die Leichenschau hat keinen natürlichen Tod ergeben, die Leiche wurde beschlagnahmt und der Gerichtsmedizin zugeführt, um obduziert zu werden und ist noch dort - noch kein Ergebnis,
3. wie 2, jedoch wurde die Leiche bereits wieder freigegeben, da die Ermittlungen der Todesursache abgeschlossen sind (Todesursache bei der Staatsanwaltschaft bekannt).

Die unmittelbaren (d.h. bestattungspflichtigen) Angehörigen oder Erben können sich also entweder an die Polizei wenden, um den Verfahrensstand zu erfahren bzw. an die Staatsanwaltschaft, sofern die Leiche beschlagnahmt wurde (entspr. Aktenzeichen sollte die Polizei in diesem Falle kennen).
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

ExDevil67
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von ExDevil67 » 19.07.17, 07:43

jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:Das finde ich seltsam - wieso erhalten die Angehörigen keine klare Todesursache? ("Nicht zwingend" - wieso?)
Gibt es denn eine klare Todesursache? Wie Tastenspitz schon schrieb, erst wenn es Hinweise gibt das da jemand (direkt/indirekt) nachgeholfen haben könnte, tritt der Staatsanwalt auf den Plan und ordnet eine Obduktion an.
Fragen dazu kann ggf auch der Arzt beantworten der den Totenschein ausgefüllt hat. Aber auch der dreht den Patienten dazu nicht auf links. Der sucht auch nur Hinweise auf Fremdverschulden, ggf wird der Hausarzt befragt zu Vorerkrankungen und dann fällt die Entscheidung. Natürlich ja oder nein, und fertig.

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Gammaflyer » 19.07.17, 20:35

jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:
Gammaflyer hat geschrieben:
jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:(Wenn die Todesursache klar gewesen wäre, hätten sie diese doch erhalten müssen.)
Nein, nicht zwingend.
Das finde ich seltsam - wieso erhalten die Angehörigen keine klare Todesursache? ("Nicht zwingend" - wieso?)
Weil die ärztliche Schweigepflicht prinzipiell auch über den Tod hinaus gelten kann. Die Angehörigen erfahren nur etwas, wenn mutmaßlich davon auszugehen ist, dass die Weitergabe der Befunde/Angaben im Sinne des Verstorbenen ist.
Per se haben sie keinen Anspruch darauf, nur weil sie Angehörige sind.

Ansonst haben die Vorredner bereits darauf hingewiesen, dass noch viele Informationen fehlen, um den Sachverhalt abschließend zu beurteilen.

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Biggi0001 » 20.07.17, 03:20

Meine Mutter ist vor zwei Jahren die Treppe runter gedonnert und hat sich den Hals gebrochen. Wir haben eine Art Totenschein von der Polizei bekommen, wo diverse Dinge angekreuzt waren. So z.b., ob es sich um einen natürlichen Tod handelt, oder Fremdverschulden angenommen wird und so weiter. Ebenfalls darin vermerkt war die erste Diagnose des Notarztes, der dazu kam. Vielleicht hilft euch das schonmal.

Fragt doch bei der Polizei mal nach. Automatisch wird den Angehörigen sowas aber nicht zugeschickt.

Die Obduktion wurde in diesem Fall entweder vom Staatsanwalt oder von der Versicherung angeleiert, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau. Diese Unterlagen habe ich allerdings weder bekommen noch angefordert. So genau wollte ich es dann doch nicht wissen.
Verba docent, exempla trahunt et quae nocent, docent.

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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von jan.seither@gmx.de » 20.07.17, 06:00

Vielen Dank für die zahlreichen und informativen Antworten!
Ich werde die Angehörigen entsprechend unterrichten.

Der Mann war 50 Jahre alt und hatte diverse Erkrankungen (z.B. Alkoholismus, Depressionen, Rückenprobleme etc.)
Aber keine dieser Erkrankungen war lebensbedrohlich, er befand sich seit Jahren unter ärztlicher Kontrolle (Betriebsarzt, Psychiater, Orthopäde).
Für eine Obduktion ist es zu spät, er wurde bereits eingeäschert. :-(

Kann mir jemand sagen, was es kostet, wenn Angehörige eine Obduktion wollen?

Gammaflyer
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von Gammaflyer » 20.07.17, 06:52

Das kommt auf das Institut und den notwendigen/gewünschten Umfang der Untersuchungen an.
Sowie ggf. Zusatzdiadnostik wie Mikroskopie, Toxikologie, Radiologie etc.

Ich werfe mal als Grundbetrag ca 800-1000€ in den Raum, mit quasi beliebig nach oben offener Grenze.

ktown
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von ktown » 20.07.17, 06:56

jan.seither@(Wortsperre: Firma).de hat geschrieben:Für eine Obduktion ist es zu spät, er wurde bereits eingeäschert.
Dann muss es aber doch einen Totenschein geben!

Diese Einäscherung muss doch jemand veranlasst haben?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von SusanneBerlin » 20.07.17, 07:04

Der Mann war 50 Jahre alt und hatte diverse Erkrankungen (z.B. Alkoholismus, Depressionen, Rückenprobleme etc.)
Aber keine dieser Erkrankungen war lebensbedrohlich, er befand sich seit Jahren unter ärztlicher Kontrolle
Die Grunderkrankungen mögen ja an sich nicht lebensgefährlich sein, dann kommt ein akuter Schlaganfall dazu, der Mann ist gerade alleine zuhause und aus die Maus.

Wenn es keine äußeren Verletzungen gibt, dann bleiben als mögliche Todesursachen bloß noch: natürlicher Tod, Ersticken oder Vergiftung.
Grüße, Susanne

hawethie
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Re: Ungeklärter Todesfall - Angehörige

Beitrag von hawethie » 20.07.17, 08:04

Wenn der Tote eingeäschert wurde, haben mindestens zwei Ärzte (der erste Arzt nach Fund der Leiche und der Amtsarzt bei der zweiten Leichenschau vor der Einäscherung) festgestellt, dass keine Fremdeinwirkung vorliegt - also "natürlicher Tod".
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

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