Rechtslage "Strenge Mutter"

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Talendril
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Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Talendril » 09.10.13, 15:25

Mich interessiert die Rechtslage zu folgendem Fall.
Zwar habe ich bereits einige Nachforschungen gemacht, doch werde ich aus den Gesetzten nicht schlau genug und hoffe das es jemand genauer erklären kann :)

Ein Mädchen (14) lebt alleine bei ihrer Mutter (getrennt) und diese Mutter ist sehr streng.
So muss sie zum Beispiel um 17:00 zuhause sein und zwar punkt. Selbst wenn sie nur eine Minute zu spät ist, bekommt sie bereits einen riesigen, ich hoffe ich darf das Wort "Anschiss" benutzten. Ich weiß bereits, dass die Eltern die Zeit bestimmen dürfen, aber... ist so eine Behandlung bei wirklich banalsten Verspätungen vertretbar?
Weiter, wenn das Mädchen nicht "korrekt" Antwortet, sondern mal von der Norm abweicht, wie statt "ja" "jaha" oder "jaja" wird sie verbal beleidigt und bekommt dann Ohrfeigen, Schläge mit der flachen Hand auf Rücken o.ä. (ist in so einem Fall, nur die Gewalt ausschlaggebend oder ist auch diese Beledigung der seelischen Natur rechtswiedrig?)
Nächste Frage, das Mädchen (14) hat nackt Fotos von sich selbst gemacht mit Handy. Wichtig, wurden nicht verschickt o.ä. es geht also nicht um Jugendpornografie in dem Sinne, die Frage könnte ich rechtlich selbst beantworten, sondern die Mutter erwischt sie dabei und verbietet ihr ab sofort das Haus zu verlassen (außer Schule und um für Mutter einkaufen zu gehen) kein Übernachten bei Freunden, kein Weggehen mit Freunden. Gleichzeitig, erzählt die Mutter ihren Verwandten und ihren Freunden(die der Mutter) das die Tochter Nacktbilder von sich gemacht hat. (Ist das rechtlich erlaubt? Die Verbreitung wird nämlich nicht direkt mündlich verboten, so wie ich das sehe, aber das ist doch Verunglimpfung und geht über das "elterliche Sorgerecht" weit hinaus, oder wie ist da die Rechtsgrundlage?)
Weiter, das Mädchen darf nichts mehr unternehmen und wird jetzt auch noch von seiner Mutter gezwungen, in den Ferien an einem Projekt mitzumachen, bereits alles arrangiert, Tochter wurde darüber informiert, "dass es für ihr Wohlergehen sei und das nötig wäre, da sie ja nie weggeht" (wichtig! an der stelle, das ausgehverbot wurde nicht aufgehoben, die tochter darf nichts unternehmen obwohl sie gerne würde und auch um erlaubnis gefragt hatte, sich mit Freundin zu treffen, Zeitraum der Strafe, liegt bei knapp 3-4 wochen ca.)
Ist das so rechtlich Vertretbar? Zwar darf der Elternteil durchaus bestimmen, aber gänzlich die Meinung des Jugendlichen übergehen und "diktatorisch" befehlen?

Nebenbemerkung, mit der Mutter kann die Tochter natürlich nicht verhandeln, da jedes angefangene Gespräch in Beleidigung und Beschimpfung der Mutter über die Tochter endet und die Mutter der Tochter nicht zuhört. Eine "normale Aussprache" ist also nicht möglich.
Zudem verhält sich die Mutter nur der Tochter gegenüber so, weshalb "Einschalten Dritter" um das zu beurteilen nicht, bis kaum möglich ist.

Wie sieht bei dem ganzen jetzt die Rechtsgrundlage aus? Was ist erlaubt? Was ist verboten? Was eingeschränkt vertretbar?

Freue mich auf gute Ideen und tolle Erklärungen :)

Froggel
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Froggel » 15.10.13, 18:53

Welche Erziehungsmethoden ein Elternteil nutzt, bleibt diesem selbst überlassen, sofern das Kind dadurch keinen Schaden (seelisch und/oder körperlich) nimmt. Schläge sind ebenso wenig in Ordnung wie Verunglimpfungen oder Demütigungen -> § 1631 BGB.
Auch wenn sich ein Elternteil aus Sicht des Kindes daneben benimmt, sich aber anderen gegenüber unauffällig verhält, so dürfte zumindest der ständige Hausarrest durch Freunde des Kindes zu belegen sein, wenn sie die Freundin abholen wollen, die Mutter diese aber wieder wegschickt. Hausarrest zu Erziehungszwecken ist m.E. zwar nicht strafbar, sofern es nicht den Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt (dafür müsste es schon sehr extrem zugehen), die Zeugenaussagen wären aber eventuell wichtig, um den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Kindes stützen zu können (meine Einschätzung). Über die Schläge und Erniedrigungen sollte das Kind Tagebuch führen und diese mit Wortlaut und Datum festhalten. Helfen könnte dann eventuell das Jugendamt, wenn sich das Kind dorthin wendet. Außerdem gibt es auch in verschiedenen Städten eine Kinderseelsorge, die telefonisch erreichbar ist und die vielleicht auch gute Ratschläge geben kann.

Alleine wird das Kind jedenfalls schlechte Chancen haben, etwas gegen willkürliche Handlungen zu unternehmen. Das Einschalten einer dritten Person ist in so einem Fall absolut angeraten.
Ich bin kein Jurist.
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barbara müller
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von barbara müller » 09.11.13, 19:12

Hi, wie sieht´s denn mit dem Vater aus?
Das Mädchen ist alt genug, dass sie auf ihren Wunsch von der Mutter weg zum Vater ziehen kann.
MfG b.m.

Oktavia
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Oktavia » 09.11.13, 20:18

Seelische und körperliche Gewalt sind als Erziehungsmittel nicht zulässig. Hausarrest halte ich zwar für einen falschen Weg aber er ist zulässig so lange das Kind nicht z.B. im Keller eingesperrt wird.
Das Kind könnte mit einer Lehrkraft seines Vertrauens das Problem ansprechen oder SchulsozialarbeiterInnen wenn vorhanden.
Es ist auch möglich sich ans Jugendamt zu wenden und um Hilfe zu bitten. Bei einer normal entwickelten 14 Jährigen ist es mE nicht angemessen keinerlei Freiräume zu lassen. Nacktfotos von sich zu machen lässt aber die elterlichen Alarmglocken zu recht schrillen.
Halt die Mutter alleiniges Sorgerecht? Gibt es Geschwister?
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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d-harry
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von d-harry » 16.11.13, 08:27

Oktavia hat geschrieben: Nacktfotos von sich zu machen lässt aber die elterlichen Alarmglocken zu recht schrillen.
Ist aber völlig altersgemäß. Die Frage ist wohl eher der korrekte Umgang damit. Genau den sollten Eltern aber vermitteln.

Die verbale Verbreitung wiederspricht dem allerdings völlig.

Wichtig, das Mädchen muss selbst aktiv werden. Ein Gespräch mit einem unabhängigen dritten (Beratungsstelle, Jugendamt) kann das Mädchen durchaus erzwingen. Die Situation wird aber sicherlich nicht einfacher.

Wo ist der Vater?

Ivanhoe190
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Ivanhoe190 » 01.09.14, 16:31

Echt, Sie finden es "altergemäß" mit 14 Jahren Nacktbilder von sich selbst zu machen?

Townspector
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Townspector » 01.09.14, 20:34

In diesem Alter beginnen die meisten Jugendlichen, sich "ernsthaft" mit ihrem Körper auseinanderzusetzen und dies umfasst -der Technik sei "Dank" nunmehr auch "Selfies".

Zur Aufklärung gehört mittlerweile also auch, wie man mit Medien richtig umgeht, dass man keine Nacktbilder weitergibt und dass das Internet nichts vergisst.
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

Froggel
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von Froggel » 01.09.14, 20:36

Ivanhoe190 hat geschrieben:Echt, Sie finden es "altergemäß" mit 14 Jahren Nacktbilder von sich selbst zu machen?
Na ja, kommt ja auch immer auf den jeweiligen Entwicklungsstand an. Mit 14 Jahren sind Jugendliche vielfach experimentierfreudig. Das diese Experimente dann oft auch in die Hose gehen, steht dem "altersgemäß" nicht entgegen - auch wenn es uns Erwachsenen nicht gefallen mag :wink:
Ich bin kein Jurist.
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d-harry
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Re: Rechtslage "Strenge Mutter"

Beitrag von d-harry » 02.09.14, 01:00

Ivanhoe190 hat geschrieben:Echt, Sie finden es "altergemäß" mit 14 Jahren Nacktbilder von sich selbst zu machen?
Ja, definitiv. Früher waren das halt Polaroids, heute Digitalfotos. Das erste Mal habe ich ein Foto von 4 Mädels mit hochgezogenem T Shirt als 15 Jähriger gesehen. Das ist nun 30 Jahre her! Später halt immer mal wieder als Jugendleiter. Schlecht ist nicht die Existenz dieser Fotos, sondern die (ungewollte) Verbreitung. Früher konnte man das Foto einfach verbrennen, heute ist das viel schwerer oder sogar unmöglich.

Wichtig ist auch unser Umgang damit. Früher konnte man es vielfach dabei belassen, das Foto zu ignorieren. Heute muss zwangsläufig ein Hinweis erfolgen, der für beide Seiten peinlich ist.

Schrierig wird es natürlich, wenn Das Bild dann auf Papas Datensicherungsfestplatte landet. Ich schaue in die Ordner meiner Tochter aus Prinzip nicht rein, rein Rechtlich kann es allerdings schwierig werden.

Irgendwo habe ich sogar noch meinen eigenen 14 Jährigen Hintern liegen :lachen:

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