Entschädigung UND Schadensersatz?

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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schiri
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Entschädigung UND Schadensersatz?

Beitrag von schiri » 21.08.14, 11:10

Hallo!

Ich hätte mal eine Verständnisfrage!

Drei Personen wollen von A nach B fliegen, beides in Europa, Entfernung ca. 1000km.
In B wartet dann ein Schiff für eine Kreuzfahrt. Es ist keine Pauschalreise, der Flug wurde privat gebucht.
Der Flieger war nicht vor Ort, erst am nächsten Tag gab es die Möglichkeit, einen anderen Flieger zu nehmen. Das Schiff war jedoch schon weg. Die Fluggesellschaft war kooperativ und ermöglichte einen Transport zu dem nächsten Hafen, den das Kreuzfahrtschiff anlaufen sollte. Vor Ort (also der 2. Hafen in Stadt C) musste für eine Nacht ein Zimmer genommen werden und am nächsten Tag gings aufs Schiff.

Der entstandene Schaden: ca.200 Euro Übernachtungskosten und ca.1500 Euro für insgesamt 2 Tage für 3Personen Kreuzfahrt verpasst.

Meine Überlegung war:
Flug sieht nach Annulierung aus, also FluggastrechteVO, p.P. 250,-, insgesamt also 750 Euro Entschädigung.
Montrealer Übereinkommen ist hier nicht, weil Annulierung nicht inbegriffen.

Aber was ist mit SE?? Kann ich neben den 750,- noch die ca.1700,- Euro Schaden geltend machen? WIeder gegen die Fluggesellschaft?? Wenn ja,wäre das das 280ff BGB??? Oder ist mit der Entschädigung alles bereits ausgeschöpft?

Danke für eure Antworten!

Lg,
shiri

klausschlesinger
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Re: Entschädigung UND Schadensersatz?

Beitrag von klausschlesinger » 23.08.14, 01:27

1. 'Weitergehender Schaden
Eine Ausgleichsleistung, die dem Passagier entfernungsabhänging (hier: EUR 250,-, da Flugstrecke bis 1500 km) im Falle einer Nichtbeförderung, Annulierung oder 'Großen' Verspätung zusteht, ist ein pauschaler Schadenersatz. Dies bedeutet, die Ausgleichszahlung steht jedem Passagier zu, ohne daß er seinen ihm entstandenen Schaden konkret beziffern oder darlegen muß.

Hat man jedoch infolge der Verspätung einen weitergehenden Schaden (z. B.: Verdienstausfall, bezahltes/n aber nicht nutzbares/n Hotelzimmer/Mietwagen o. ä.), so muß man diesen Schaden gegenüber der Airline darlegen und konkret beziffern. Hierzu lautet Art. 12 Abs. 1 der VO (EG) 261/2004: Diese Verordnung gilt unbeschadet eines weitergehenden Schadenersatzanspruchs des Fluggastes. Die nach dieser Verordnung gewährte Auslgeichsleistung kann auf einen solchen Schadensersatzanspruch angerechnet werden.' Quelle: http://www.fluggastrecht.blogspot.de/20 ... echte.html

2. Anspruchsgegner
-Ist die Nur-Flugbeförderung getrennt von der Kreuzfahrt gebucht, ist der Anspruchsgegner das Luftfahrtunternehmen.
-Handelt es sich um eine Pauschalreise, gilt: Der Anspruch nach der 'EU-Fluggastrechte-Verordnung' ist direkt an das Luftfahrtunternehmen zu richten. Hierzu auch: BGH v. 11.03.2008, Az.: X ZR 49/07, veröffentlicht in RRa 2008, 175, besagt: VO (EG) Nr. 261/2004 gewährt Ansprüche ausschließlich gegen das ausführende Luftfahrtunternehmen, nicht gegen den Reiseveranstalter
-Handelt es sich um eine Pauschalreise, könnte der Reisende zusätzlich Preis-Minderungsansprüche gegen den Reiseveranstalter gem. § 651d BGB (2 Tage jeweils 100 % mindern) geltend machen und darüber hinaus Schadenersatz wegen des immateriellen Schadens 'vertane Urlaubszeit' gem. § 651f Abs. 2 BGB.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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