11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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fragende mutter
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11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Beitrag von fragende mutter » 03.10.14, 11:09

Liebes Team,
im Sommer d. J. buchten wir über einen deutschen Reiseveranstalter eine Pauschalreise für 10 Tage nach Barcelona.

In der Reisebestätigung bekamen wir folgendes bestätigt: DZ Mann (47) Frau (44) Kind (11) mit Flug und Frühstück.
Beim Eincheken wies man uns darauf hin, dass das Zustellbett nun noch extra bezahlt werden müsse.
Daraufhin nahmen wir tel. Kontakt mit dem Reiseveranstalter auf, der sich damit herausredete, dass das Dz
nur ein unverbindliches Angebot gewesen sei und wir nun noch vor Ort die Kosten für das Zustellbett übernehmen müssten.
Auf eine schriftl. Beschwerde per mail am gleichen Tag, bekamen wir die Nachricht, dass wir nach Rückkehr die Forderung an das Unternehmen
senden sollen und dann geprüft wird.
Bei der Prüfung kam nun heraus, dass die Betten der Eltern (standen zusammen, waren normal groß) eigentlich dafür vorgesehen war,
dass unser 11 jähriger Sohn dort mit schläft....???
Ist dies zulässig? Unser Sohn hat schon immer auf Reisen ein extra Bett gehabt.
Warum kam man an der Rezeption sofort auf uns zu, dass ein Zustellbett noch bezahlt werden muss,
wenn man davon ausgehen würde, dass das Kind mit im Bett der Eltern Platz hat.
Ein befreundete Familie war im gleichen Hotel, hatte ein King Size Bett und selbstverständlich für jedes Kind (11+15) ein extra Bett...
dies war allerdings ein Familienzimmer.
Wie ist die Rechtslage?
Das Hotel war ein 4 Sterne Hotel!!!

DANKE

SusanneBerlin
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Re: 11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Beitrag von SusanneBerlin » 03.10.14, 11:21

Hallo,

was für ein Zimmer mit wieviel Betten haben Sie denn gebucht?
Ein Doppelzimmer ist ein Zimmer mit 2 Betten. Haben Sie ein zusätzliches Bett gebucht?
Haben Sie mit dem Reiseveranstalter vereinbart, dass ein Zustellbett kostenlos ist?

Wenn nein, würde ich es nicht dem Veranstalter anlasten, wenn das zur Verfügung gestellt wird, was gebucht wurde, nämlich 2 Betten.
Bei der Prüfung kam nun heraus, dass die Betten der Eltern (standen zusammen, waren normal groß) eigentlich dafür vorgesehen war, dass unser 11 jähriger Sohn dort mit schläft....???
Wenn Sie kein 3. Bett gebucht haben, dann ging der Veranstalter anscheinend davon aus, dass das genau das war, was Sie wollten.
Ein befreundete Familie war im gleichen Hotel, hatte ein King Size Bett und selbstverständlich für jedes Kind (11+15) ein extra Bett...dies war allerdings ein Familienzimmer.
Ein Familienzimmer hat also mindestens 4 Schlafgelegenheiten. Und daraus folgt für die Mindestausstattung eines Doppelzimmers genau was?
Grüße, Susanne

Newbie2007
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Re: 11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Beitrag von Newbie2007 » 03.10.14, 12:22

SusanneBerlin hat geschrieben: Ein Doppelzimmer ist ein Zimmer mit 2 Betten.
Ein Doppelzimmer kann auch nur 1 Bett haben:
Ein Doppelzimmer ist ein Zimmer mit Schlafgelegenheiten für zwei Personen in einem Doppelbett oder zwei längsseits aneinander gefügten Einzelbetten.
(http://www.hotellerie.de/de/zimmertypen)

Allerdings bezieht sich das jeweils auf die Anzahl der Schlafgelegenheiten, über die das Zimmer "standardmäßig" verfügt. Viele Doppelzimmer sind groß genug, um weitere Betten (Zustellbetten) aufzunehmen, sie hören dadurch aber nicht auf, Doppelzimmer zu sein. Von daher bedeutet die Buchung eines Doppelzimmers nicht zwangsläufig, dass dort nur 2 Betten stehen, sondern bezeichnet in der Praxis eher eine bestimmte Größe und Ausstattung des Zimmers. (Man gehe einfach mal zu einem beliebigen Reiseportal und buche dort ein Doppelzimmer für 2 Erwachsene und 1 Kind...)
SusanneBerlin hat geschrieben:
Bei der Prüfung kam nun heraus, dass die Betten der Eltern (standen zusammen, waren normal groß) eigentlich dafür vorgesehen war, dass unser 11 jähriger Sohn dort mit schläft....???
Wenn Sie kein 3. Bett gebucht haben, dann ging der Veranstalter anscheinend davon aus, dass das genau das war, was Sie wollten.
Der Inhalt eines Vertrags bestimmt sich nicht nur nach dem, was explizit vereinbart wurde, sondern immer auch danach, was nach den Umständen als gegeben angenommen werden kann. Es ist, jedenfalls bei uns, üblich, dass 11-jährige nicht mehr in einem Bett mit den Eltern schlafen. In diesem speziellen Fall ist es wohl auch praktisch nicht umsetzbar. Soll der Sohn 10 Tage lang, zwischen Mama und Papa eingeklemmt, auf der Ritze schlafen?

Das Ganze klingt für mich so, als ob bei der Weitergabe der Zimmerbuchung an das Hotel irgendetwas schiefgegangen ist (ob das Hotel schuld ist oder der Veranstalter, sei dahingestellt), und jetzt versucht sich der Veranstalter mit fragwürdigen Ausreden darum herumzudrücken, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

fragende mutter
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Re: 11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Beitrag von fragende mutter » 03.10.14, 12:56

Danke für die schnellen Reaktionen.

Ich gehe nicht davon aus, dass ein 11 jähriger mit im Bett der Eltern schläft!!!
Er hatte schon immer in eigenes Bett, sei es ein Babybett im Urlaub, ein 3. Bett oder ein Zustellbett.
Immer wurde 2 Erw. + 1 Kind gebucht.
Wir haben ja auch selbstverständlich einen 3. Sitz im Flugzeug bekommen und auch das 3. Frühstück hat geklappt.
Bei einer Reisebuchung mit 3 Personen muss der Veranstalter doch auch davon ausgehen, dass jeder eine eigene Schlafmöglichkeit haben muss.

LG

klausschlesinger
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Re: 11 jähriger mit im Bett der Eltern ???

Beitrag von klausschlesinger » 17.10.14, 02:29

Newbie2007 hat geschrieben: Der Inhalt eines Vertrags bestimmt sich nicht nur nach dem, was explizit vereinbart wurde, sondern immer auch danach, was nach den Umständen als gegeben angenommen werden kann. Es ist, jedenfalls bei uns, üblich, dass 11-jährige nicht mehr in einem Bett mit den Eltern schlafen. In diesem speziellen Fall ist es wohl auch praktisch nicht umsetzbar. Soll der Sohn 10 Tage lang, zwischen Mama und Papa eingeklemmt, auf der Ritze schlafen?

Das Ganze klingt für mich so, als ob bei der Weitergabe der Zimmerbuchung an das Hotel irgendetwas schiefgegangen ist (ob das Hotel schuld ist oder der Veranstalter, sei dahingestellt), und jetzt versucht sich der Veranstalter mit fragwürdigen Ausreden darum herumzudrücken, dafür die Verantwortung zu übernehmen.
Gut.! Dem simme ich zu. - Insofern gibt es hier noch Gerichtsurteile zu ergänzen, auf welche man im Zuge des vorgerichtlichen ode gerichtlichen Rechtsstreits hinweisen kann:
1.
'Das Zustellbett ist wesentlicher Bestandteil der Buchung, da die Nachtruhe von Kind und Eltern zur Erholung im Urlaub unbedingt notwendig ist. Wenn das Bett nun fehlt, liegt ein bedeutender Reisemangel vor, der zu einer Reisepreisminderung von 50% der auf das Kind anfallenden Kosten berechtigt.' Amtsgericht Kleve Az: 35 C 209/00
2.
'Um die Mitnahme von Speisen und Getränken auf das Zimmer zu unterbinden, durchsuchte das Personal eines Hotels täglich die Taschen seiner Gästen. Das Gericht sah darin einen eindeutigen Reisemangel und sprach dem Kläger eine Reisepreisminderung zu. Die Richter berücksichtigten ferner das mehrfache Auftreten von Ameisen im Zimmer und das Fehlen des Zustellbettes. Wegen der genannten Beeinträchtigung sei der Reisepreis um insgesamt 25% zu mindern.' Amtsgericht Kleve, AZ: 3 C 346/00
3.
'Die übrigen Reiseleistungen wie Rundreise und Verpflegung seien schließlich nicht beanstandet worden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".
Die vom Amtsgericht angesetzte Quote von 30 Prozent für die Minderung des Reisepreises sei deshalb angemessen. Der Kläger war mit seiner Frau und seinem Sohn durch Mexiko gereist. In den jeweiligen Hotelzimmern hatte es manchmal nur zwei Betten und eine Couch oder Matratze gegeben.

Das Gericht wies die Forderung des Klägers zurück, den Reisepreis auch für die beiden anderen Reiseteilnehmer für diese Tage zu mindern. Eine ausreichende Rechtfertigung dafür sei nicht zu erkennen. Für die drei Nächte, in denen es ausschließlich zwei Betten gab und sich zwei Personen ein Bett teilen mussten, sei eine Minderung um 25 Prozent ausreichend. Landgericht Frankfurt, Aktenzeichen 2-24 S 176/10' Quelle: spiegel.de
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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