(Flug-)Preisfehler - wann wird's verbindlich?

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*N*I*N*A*
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(Flug-)Preisfehler - wann wird's verbindlich?

Beitrag von *N*I*N*A* » 13.12.14, 04:46

Hallo,
ich bitte um eine Einschätzung der Rechtslage zu folgendem Fall:

A bucht über die Website der Fluggesellschaft B einen Flug (Roundtrip).

Im Verlauf der Buchung / beim Selektieren der Flüge fallen A die niedrigen Preise auf, woraufhin A die Seite mehrfach aktualisiert und neu öffnet, aber immer wieder den gleichen (ca. 35% niedrigeren) Preis bekommt. A bucht letztlich die Flüge, zahlt diese direkt mit Kreditkarte und bekommt ordnungsgemäß von B die Bestätigung samt Filekey und Ticketnummern.

Einen Tag später prüft A erneut die Flüge auf der Website von B und findet diese noch immer mit "vermutlichem Preisfehler" vor, dennoch erfolgte seitens B keinerlei Anfechtung oder Information.

Einen weiteren Tag später checkt A nochmals die Website von B und findet dann ziemlich versteckt und nicht direkt ersichtlich eine Notiz unter dem Menüpunkt "Travel Agent Login", dass es am besagten Buchungsdatum von A einen Systemfehler gegeben hat und Kunden + Vermittler dazu angehalten werden, sich umgehend mit B in Verbindung zu setzen, um ggfls. die Preise zu korrigieren.
A bekam bis dato aber weiterhin nichts schriftlich/per Email von B, sondern fand diese Notiz nur aus Eigeninitiative auf der Website von B.

A meldet sich nun mit dem mitgeteilten Filekey auf der Seite von B an und stellt fest, dass die Flüge immernoch weiterhin bestätigt sind, allerdings nun neben dem (ebenfalls weiterhin bestätigten) "vermutlichen Preisfehler" seitens B vermerkt wurde: "including passenger discount breakdown".

1) Ist die Buchung von A nun verbindlich, oder darf B einfach (unangekündigt) stornieren, bzw. anfechten?
2) Gibt es Anfechtungsfristen, die eingehalten werden müssen, oder könnte A schlimmstenfalls am Check-In die Beförderung seitens B verweigert werden?
3) Sollte A sich aufgrund der Notiz auf der Website von B (die nicht klar und deutlich ersichtlich ist) bei B melden und den Preis rückbestätigen lassen?

Vielen Dank im Voraus :)

LG

klausschlesinger
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Re: (Flug-)Preisfehler - wann wird's verbindlich?

Beitrag von klausschlesinger » 14.12.14, 09:06

*N*I*N*A* hat geschrieben: 1) Ist die Buchung von A nun verbindlich, oder darf B einfach (unangekündigt) stornieren, bzw. anfechten?
Damit ist die Buchung verbindlich, da es zwei übereinstimmende Willenserklärungen gibt:
*N*I*N*A* hat geschrieben: A bucht über die Website der Fluggesellschaft B einen Flug (Roundtrip).
A bucht letztlich die Flüge, zahlt diese direkt mit Kreditkarte und bekommt ordnungsgemäß von B die Bestätigung samt Filekey und Ticketnummern.
*N*I*N*A* hat geschrieben:Gibt es Anfechtungsfristen, die eingehalten werden müssen, oder könnte A schlimmstenfalls am Check-In die Beförderung seitens B verweigert werden?
§ 121 Abs. 1 Satz 1 BGB - Anfechtungsfrist
Die Anfechtung muss in den Fällen der §§ 119, 120 ohne schuldhaftes Zögern (unverzüglich) erfolgen, nachdem der Anfechtungsberechtigte von dem Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt hat.
*N*I*N*A* hat geschrieben: 3) Sollte A sich aufgrund der Notiz auf der Website von B (die nicht klar und deutlich ersichtlich ist) bei B melden und den Preis rückbestätigen lassen?
Nein. Noch ist der (Beförderungs-)Vertrag von der Airline nicht wegen eines möglichen Irrtums angefochten. Damit hat der zwischen A und B geschlossene Beförderungsvertrag erstmal weiterhin bestand. Es ist nicht Sache/Aufgabe des Vertragsparnters bei seinem Gegenüber nachzufragen, ob er sich geiirt hat oder nicht und worauf ggf. der Irrtum beruht.

Dafür, daß die Airline noch keinen Irrtum ausgesprochen hat, spricht auch folgende Aussage:
*N*I*N*A* hat geschrieben:A meldet sich nun mit dem mitgeteilten Filekey auf der Seite von B an und stellt fest, dass die Flüge immernoch weiterhin bestätigt sind, allerdings nun neben dem (ebenfalls weiterhin bestätigten) "vermutlichen Preisfehler" seitens B vermerkt wurde: "including passenger discount breakdown".
Hierbei heißt 'including passenger discount breakdown' übersetzt nichts anderes als 'einschließlich Fahrgastermäßigung Aufteilung'.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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