Wann handelt es sich um eine Pauschalreise?

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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Dena32
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Wann handelt es sich um eine Pauschalreise?

Beitrag von Dena32 » 27.01.15, 09:44

Es geht darum, wann man einen Reisesischerungsschein braucht. Den braucht man ja nur bei einer Pauschalreise. Handelt es sich um eine Pauschalreise nur, wenn man einen bestimmten Betrag für bestimmte Leistungen im Voraus zahlt? Zahlt man erst vor Ort, ist es keine Pauschalreise mehr?
Wenn das Hotel vom Veranstalter, auf den Namen des Reisenden gebucht wird und der bezahlt es erst bei Ankunft, handelt es sich um eine Pauschalreise?
Danke für jede Antwort.

Tastenspitz
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Re: Wann handelt es sich um eine Pauschalreise?

Beitrag von Tastenspitz » 27.01.15, 09:58

Eine Pauschalreise ist eine Koppelung aus mnindestens zwei unabhängigen Leistungen. Normalerweise Reise und Unterkunft.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

klausschlesinger
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Re: Wann handelt es sich um eine Pauschalreise?

Beitrag von klausschlesinger » 29.01.15, 15:25

Tastenspilz hat grundsätzlich mit seiner Antwort hinsichtlich der Definiton einer Pauschalreise recht:
Tastenspitz hat geschrieben:Eine Pauschalreise ist eine Koppelung aus mnindestens zwei unabhängigen Leistungen. Normalerweise Reise und Unterkunft.
Eine juristische Definition für den Anwendungsbereich im Sinne einer Mindestharmonisierung enthält Art. 2 Richtlinie 90/314/EWG vom 13. Juli 1990:
„Die im Voraus festgelegte Verbindung von mindestens zwei der folgenden Dienstleistungen, die zu einem Gesamtpreis verkauft oder zum Verkauf angeboten wird, wenn diese Leistung länger als 24 Stunden dauert oder eine Übernachtung einschließt:

-Beförderung,

-Unterbringung

-andere touristische Dienstleistungen, die nicht Nebenleistungen von Beförderung oder Unterbringung sind und einen beträchtlichen Teil der Gesamtleistung ausmachen.“

In Deutschland ist das Reiserecht in §§ 651a ff. BGB geregelt. Dort ist der Begriff der 'Pauschalreise' nicht näher definiert.

Das deutsche Reisrecht kann auch schon bei der Vermittling von nur einer Reiseleistung zur Anwendung kommen:

Ich zitiere mal aus Palandt von 2009, 68. Auflage Einführung vor § 651a Rn. 5:
'Die §§ 651a BGB sind analog anwendbar, wenn "ein Reisbüro oder Veranstalter (nicht der Leistungsträger (Bspw.: Hotel) selbst) eine Einzelleistung aus der Sicht des Reisenden als Veranstalter, das heißt mit Verantwortung für einen Gesamterfolg anbietet (BGH NJW 95, 2629, Tonner JZ 00, 895) zum Beispiel zu Urlaubszwecken ein Ferienhaus, eine Ferienwohnung (BGH NJW 92, 3158) ein Mobilheim (Düss NJW-RR 98,50) je nach den Umständen Charter einer Yacht (BGH 95, 2629) oder Buchung eines Hotelzimmers mit Voll- oder Halbpension (weitere Nachweise) [...] bucht. Nicht anwendbar sind die §§ 651a ff. auf Angebote des Leistungsträgers selbst (Ffm NJW-RR 97, 1209), zum Beispiel Vermietung einer Ferienwohnung durch den Eigentümer (AG Trier NJW-RR 01,48) [...]'

Fazit:

Findet also die Buchung des Hotelzimmers nicht beim Hotelier selbst und auch nicht bei einem Hotelvemittlungsportal (z. B.: tripadvisor, bookimg.com, hotel,de usw.) sondern bei einem Reiseveranstalter (z. B. 'Kleckermann, alltours, 'Müllers' Weltreisen usw.) statt, dann ist Reiserecht anwendbar und dann muß auch gem § 651k vom Reiseveranstalter auch ein Sicherungsschein an den Kunden/Reisen übergeben werden.

Allerdings kommt § 651k, welcher den Reissicherungsschein betrifft, nicht zur Anwendung, wenn es nichts abzusichern gibt, also wenn z. B. keine Vorauszahlung an den Reiseveranstalter bei einer Nur- Hotelbuchung stattfand und die Bezahlung erst vor Ort stattfinden soll.


Mein Kommentar hierzu: Der in Deutschland bei einem Reiseveranstalter Buchende nur einer touristischen Leistung genießt einen höheren Schutz als derjenige, der in anderen Ländern bucht.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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