Umbuchung/Stornierung eines Rückfluges - Hinweis bei Buchung

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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lupuscorridor
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Umbuchung/Stornierung eines Rückfluges - Hinweis bei Buchung

Beitrag von lupuscorridor » 29.01.15, 00:03

Hallo,

volgender Fall:
Über eine Online-Seite wurde ein Hin- und Rückflug gebucht. Der Hinflug wurde angetreten. Der Rückflug soll nun entweder umgebucht oder Storniert werden.
Nachdem was ich so über Stornierungen gelesen haben bezieht sich alles immer nur darauf, wenn der komplette Hin- und Rückflug storniert oder nicht angetreten wurde. Wie ist dies aber wenn quasi die Hälfte (nämlich der Rückflug) nicht angetreten wird?
Theoretisch müssten doch dann auch die nicht angefallenen Gebühren/Steuern rückerstattet werden. Ansprechpartner wäre die Airline wei das Reisebüro bzw. deren Großhändler nur Vermittler waren. Oder?

Weiterer Punkt:
Die Airline sagt bei Ihr kostet eine Umbuchung normalerweise 100EUR plus Tarifaufschlag, da das Ticket aber von einem Reisebüro verkauft wurde kann die Airline nicht umbuchen und man soll sich ans Reisebüro wenden.
Das Reisebüro sagt nun, es handele sich um einen Spezial-Tarif welche das Reisebüro über einen Großhändler bezogen habe. Dieser verlange 200 EUR Umbuchungsgebühr plus Tarifaufschlag und das Reisebüro verlangt zusätzlich 80 EUR für die Umbuchung.
Nun steht jedoch auf der Website lediglich etwas von den 80EUR Umbuchungsgebühr des Reisebüros. Es steht weder was von 200EUR des Großhändlers noch davon, dass man auf Gedeih und Verderb über das Reisebüro umbuchen muss.
Bei Abschluss der Buchung gab es folgenden Haken zu setzen:
Ich habe die Allgemeinen Vermittlergeschäftsbedingungen des Reisebüros und des Leistungsträgers und die Bedingungen des Leistungsträger gelesen und akzeptiert. Alle angegebenen Preise sind Endpreise, bei uns gibt es keine versteckten Gebühren. Mit Klicken auf den Button "Flug online buchen" schließen Sie Ihre Buchung verbindlich ab.
Lustig ist: "Vermittlergeschäftsbedingungen" ist zu den AGBs verlinkt. Die Bedingungen des Leistungsträgers sind niergends auffindbar, können also gar nicht gelesen werden. Laut Angabe des Reisebüros ist das so "um die Kunden nicht zu verunsichern". in den AGBs steht zur Stornierung nur, dass dies vom Leistungsträger abhängig ist. Das der Leistungsträger ein Großhändler ist und nicht direkt die Airline ist niergends ersichtlich.

Wie beurteilt ihr die Rechtliche Situation?
Ich bin der Meinung, dass das Reisebüro über einen Wesentlichen Vertragsgegenstand (nämlich Umbuchungsgebühren) nicht ausreichend hingewiesen hat und deshalb die Erhebung der Gebühren nicht zulässig wäre.
Andere These: Das Reisebüro hat mit Abschluss meiner Buchung ihren Vermittlungsauftrag erfüllt. Sprich einziger Ansprechpartner ist jetzt die Airline. Problem: Mann kann die Airline wohl nicht dazu zwingen einen Flug umzubuchen - oder?

Freue mich auf eure Diskusionsbeiträge hierzu...

VG

klausschlesinger
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Re: Umbuchung/Stornierung eines Rückfluges - Hinweis bei Buc

Beitrag von klausschlesinger » 29.01.15, 14:50

Grundsätzliches:
Genauso ist es: nach der Vermittlung durch das Reisebüro bestehen direkte Vertragsbeziehungen zwischen dem Passagier und der Airline. Es besteht zwischen beiden ein Beförderungsvertrag, also ein Unterfall des Werkvertrages.

Die Vertragsbeziehungen zwischen dem Kunden und evtl. noch vor der Airline beim Ticketkauf zwischengeschalteten Vermittlern (Ticketgroßhändler, Reisebüro) wirken sich nicht auf die Vertragsbeziehungen Ariline-Passagier aus.

1.
Oft ist es so, daß ein Hin- u. Rückflugticket wesentlich günstiger ist als ein One-Way-Ticket, meistens sogar um mehr als die Hälfte (so unlogisch dies auch klingen mag).

Tritt man einen Rückflug nicht an, so könnte der Passagier von der Ariline sogar noch umtarifiert werden, nämlich auf den One-Way-Tarif. Insofern würde ich hier als Passagier 'kein Fass aufmachen' und die Sache auf sich beruhen lassen. In den allermeisten Fällen geschieht dann nichts weiter.

Zu dieser Umtarifierung:
Zu den Verbaucherrechten gehört u. a. auch: 'Der Gläubiger (Passagier) ist grundsätzlich berechtigt, nur einen teilbaren Teil der ihm vertraglich zustehenden Gesamtleistung vom Schuldner (Airline) zu fordern, sofern dem nicht der Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) entgegensteht.' (Leitsatz aus BGH-Urteil v. 29. April 2010, Az.: Xa ZR 5/09, (http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-b ... os=0&anz=1), in welchem ein Verbraucherschutzverein gegen die Klauseln in den AGB der Fluggesellschaften 'Lufthansa' und 'British Airways' geklagt hatte, die besagen, daß ein Flugschein seine Gültigkeit verliere, wenn nicht alle Teilstrecken in der angegebenen Reihenfolge abgeflogen würden).

Solche Klauseln dienen lediglich dem Schutz der Airline, daß deren Tarifsystem nicht durch sogen. 'Überkreuzbuchungen' unterlaufen werden. Hierzu: 'Hintergrund dieser Regelungen sind die komplexen Tarifstrukturen der Fluggesellschaften, die unter bestimmten Bedingungen besonders günstige Preise ermöglichen. So sind Flüge insbesondere dann relativ günstig, wenn zwischen Hin- und Rückflug mehrere Tage oder ein Wochenende liegen oder ein günstigerer Preis bei Zwischenlandungen vorgesehen wird. Aufgrund dieser Praxis sind sowohl Reisevermittler als auch Kunden dazu übergegangen, so genannte Überkreuzbuchungen durchzuführen, also zwei Hin- und Rückflüge unter Berücksichtigung eines Wochenendes zu buchen, aber nur die jeweiligen Hinflüge in Anspruch zu nehmen und die Rückflüge verfallen zu lassen.' Quelle: 'Legal Tribune' (http://www.lto.de/recht/hintergruende/h ... en-lassen/ mit lesenswertem Kommentar zum Urteil!)

Dies heißt im Klartext: Stand schon bei Buchung des Hin- und Rückflugtickets fest, daß der Passagier gar nicht zurückfliegen wollte, hätte er vermutlich das Tarifsystem der Ariline unterlaufen. Änderten sich seine Reisepläne erst während der Reise, so wäre die Nichtinanspruchnahme des Rückfluges zulässig, ohne daß der Passagier in den One-Way-Tarif umgebucht werden dürfte.

2.
Sollte es auf der gebuchten Stecke jedoch ausnahmsweise so gewesen sein, daß das Hin-und Rückflugticket ca. das Doppelte eines OneWay-Tickets kostete, dann hätte der Passagier nur Anspruch auf Erstattung des Teilpreises, wenn das Ticket auch noch nach Erst-/Hinflugantritts für den Rückflug stornierbar war. Diesbezüglich bitte den den AGB/Beförderungs- oder Ticketbedingungen der Airline nachsehen. Sollte es nach Antritt des Erst-/Hinflug jedoch in diesen Fällen nicht mehr stornierbar gewesen sein, müßte der Passagier der Ariline nachweisen, daß die Airline seinen Sitz an einen anderen Passagier verkauft hat. Dieses geht jedoch nur, wenn man der Airline nachweisen kann, daß die Maschine voll besetzt war. Hierzu auch: http://www.fluggastrecht.blogspot.de/20 ... g-bei.html
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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