Buchung über Gutschein nicht möglich

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Thomas0815
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Buchung über Gutschein nicht möglich

Beitrag von Thomas0815 » 23.02.15, 12:52

Hallo, habe folgendes Problem:

Vor mittlerweile 4 Jahren ersteigerten meine Eltern für mich zum Geburtstag über Internetauktionshaus [Name geändert] einen Reisegutschein (2 Tage/2 Personen)
für ein Hotel in Berlin für 79€.
Kurzgefasst (und es ist eine Geschichte mit jahrelangem Hin- und Her) versuchten wir mehrmals zu buchen und schlugen Termine vor,
die dann entweder nicht möglich waren oder es wurde immer monatelang auf keine Nachfrage reagiert.
Bei Internetauktionshaus [Name geändert] ist der Anbieter rausgeflogen, und zwischenzeitlich wurde der Firmenname gewechselt.
Der Gutschein war 3 Jahre gültig (bis Mitte 2014), ich habe aber eine schriftliche Zusage aus dem Mai 2014 (von der neuen Firma!)
das der Gutschein auf Kulanz "kostenlos entsprechend verlängert" wird.
Leider ist seit mehreren Monaten nun keinerlei Kommunikation mehr möglich,
habe erst einen neuen Termin vorgeschlagen und nun wollte ich das
Geld zurückverlangen, der Anbieter stellt sich komplett tot (Firma ist lt. Social-Network-Portal [Name geändert] aber noch aktiv).
Plane, das ganze jetzt einem Anwalt einzureichen, vorab die Frage - reicht die schriftliche Zusage, das "entsprechend" verlängert wird,
oder könnte sich der Anbieter im Ernstfall damit rausreden, der Gutschein sei nur 3 Jahre gültig gewesen?

Viele Grüße

webelch
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Re: Buchung über Gutschein nicht möglich

Beitrag von webelch » 23.02.15, 13:01

Hier würde ich mir, unabhängig vom konkreten Sachverhalt, ernsthaft die Frage stellen, ob man gutes Geld dem schlechten Geld hinterher werfen sollte.

klausschlesinger
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Re: Buchung über Gutschein nicht möglich

Beitrag von klausschlesinger » 23.02.15, 21:08

'Ein Gutschein ist nur gegen eine Ware oder Dienstleistung eintauschbar. Es ist weder möglich, sich den Gegenwert des Gutscheins bar auszahlen zu lassen, noch hat man das Recht auf Barzahlung des nicht genutzten Restwertes des Gutscheins.

Anders ist dies nur, wenn der Gutschein sich auf ein bestimmtes Produkt bezieht und gerade dieses nicht mehr erhältlich ist. Dann ist die Erfüllung des ursprünglich geschlossenen (Kauf-/Dienst-)Vertrags nicht mehr möglich und der Ladenbesitzer, der die Gegenleistung, sprich die Bezahlung für die Ware / Dienstleistung bereits erhalten hat, hat diese wieder herauszugeben.' Quelle: http://www.vzhh.de/recht/30441/gutschei ... eltig.aspx

Verklagt werden müßte hier die gutscheinausstellende Firma - wenn es diese noch gibt, ansonsten deren Rechtnachfolgerin.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

Newbie2007
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Re: Buchung über Gutschein nicht möglich

Beitrag von Newbie2007 » 23.02.15, 22:24

2014 hätte man eventuell noch klagen können, jetzt ist die Sache definitiv verjährt. Die regelmäßige Verjährungsfrist für die Forderung aus dem Gutschein hat am 31.12.2014 geendet, vergleiche §195 und §199 BGB.

Ob eine Zusage "auf Kulanz" eine neue Forderung begründet bzw. die Verjährungsfrist hinausschiebt - ich glaube eher nicht. "Auf Kulanz" bedeutet üblicherweise "ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs".

klausschlesinger
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Re: Buchung über Gutschein nicht möglich

Beitrag von klausschlesinger » 25.02.15, 02:19

Newbie2007 hat geschrieben:2014 hätte man eventuell noch klagen können, jetzt ist die Sache definitiv verjährt. Die regelmäßige Verjährungsfrist für die Forderung aus dem Gutschein hat am 31.12.2014 geendet, vergleiche §195 und §199 BGB.

Ob eine Zusage "auf Kulanz" eine neue Forderung begründet bzw. die Verjährungsfrist hinausschiebt - ich glaube eher nicht. "Auf Kulanz" bedeutet üblicherweise "ohne Anerkennung eines Rechtsanspruchs".
Newbie2007 hat Recht. Das Kulanzangebot verlängert die Verjährungsfrist nicht und läßt sie auch nicht von neuen beginnen.
Hier ein interessanter Aritkel zur Kulanz (inlusive Verjährung): http://www.it-recht-kanzlei.de/kulanz-p ... recht.html

Entgegen meiner ersten Antwort zum Thema rate ich hier von einer Klage (wegen Verjährung) ab. Ebenfalls rate ich davon ab, sollte keine Rechtsschutzversichrung die Deckung übernehmen, einen Rechtswanwalt zu befragen, denn dort entsteht eine Erstberatungsgebühr für eine aufgrund Verjährung aussichtslose Sache.
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