Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

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refko
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Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

Beitrag von refko » 22.03.15, 15:26

Wir hatten vor kurzem auf dem Weg in den Urlaub eine Flugverspätung von fast 15 Stunden. Grund war wohl ein technischer Defekt (Hydraulikleitung) am Flieger, wo die Reparatur den ganzen Tag andauerte. Inwieweit stehen uns jetzt Entschädigungen der Fluggesellschaft zu ? und wieviel werden diese ca. betragen? Es handelte sich hier um sogenannte Codesharing - Fluggesellschaft hat den Flug an ein anderes Subunternehmen geteilt. Also quasi ein Interlining. Die Fluggesellschaft will es nicht zahlen da der Flug nicht von ihnen sondern von Subunternehmen durchgeführt ist.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen?

klausschlesinger
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Re: Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

Beitrag von klausschlesinger » 22.03.15, 18:08

Ansprüche von Passagieren richten sich immer gegen das 'ausführende Luftfahrtunternhemen'. Was dies ist siehe Art. 2 Buchst. B) VO (EG) 261/2004.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

klausschlesinger
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Re: Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

Beitrag von klausschlesinger » 23.03.15, 05:02

Ob es eine Ausgleichszahlung gibt, hängt davon ab, von wo nach wo geflogen wurde und um welche Airlinee es sich handelte ( europäische oder nichteuropäische). ein Teschingsscher Mängel zählt in der Regel nicht als außergewöhnlicher Umstand.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
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ruma
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Re: Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

Beitrag von ruma » 23.03.15, 15:53

Ein solcher Vorfall gibt es schon, mit einer Amtsgerichturteil - http://www.kanzlei-narewski.de/ausgleic ... hungscode/.

"...Das Amtsgericht Rüsselsheim (Az.: 3 C 3947/13 (31)) hat für den Fall des Codesharings zugunsten der Passagiere entschieden...." "..Die Gesellschaft, deren Flugcode auf den Buchungsunterlagen angegeben sei, sei auch als ausführendes Luftfahrtunternehmen im Sinne der Verordnung anzusehen...."

Ab 3 Stunden Verspätung hast Du Anspruch auf Entschädigung bei kurzen und ab 4 Stunden auf langen Strecken, sofern die Verspätung im Einflussbereich der Airline liegt

klausschlesinger
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Re: Codesharing - Fluggesellschaft will nicht zahlen

Beitrag von klausschlesinger » 09.04.15, 22:24

ruma hat geschrieben:Ein solcher Vorfall gibt es schon, mit einer Amtsgerichturteil - http://www.kanzlei-narewski.de/ausgleic ... hungscode/.

"...Das Amtsgericht Rüsselsheim (Az.: 3 C 3947/13 (31)) hat für den Fall des Codesharings zugunsten der Passagiere entschieden...." "..Die Gesellschaft, deren Flugcode auf den Buchungsunterlagen angegeben sei, sei auch als ausführendes Luftfahrtunternehmen im Sinne der Verordnung anzusehen...."
'Henning Stoffregen, der zahlreiche geschädigte Passagiere in Verfahren gegen diverse Fluggesellschaften erfolgreich vertritt, erklärt hierzu: „Das Urteil wird teilweise so verstanden, daß bei Codesharing-Flügen stets die gebuchte Fluggesellschaft die Ausgleichszahlung bei einer Verspätung zahlen müßte. Diese Annahme ist unzutreffend und führt für die Passagiere zu der Gefahr, daß sie auf erheblichen Kosten für eine erfolglose Klage sitzen bleiben, da sie die falsche Fluggesellschaft verklagt haben. In den meisten Fällen haftet bei Codesharing-Flügen das ausführende Luftfahrtunternehmen und nicht die Fluggesellschaft, über die die Buchung erfolgte. Dies änder sich nur beim Subcharter oder dann, wenn sich aus den Umständen des Einzelfalls kein Codesharing-Flug, sondern ein Subcharter ergibt. Dies muß sorgfältig geprüft werden, bevor eine Klage eingereicht wird. Ohnehin bleibt abzuwarten, ob sich andere Gerichte der Auffassung des Amtsgerichts Rüsselsheim anschließen.“' Quelle: http://www.diekmann-rechtsanwaelte.de/n ... hszahlung/

Wenn also bereits seit der Flugbuchung feststand, welcher Flug mit welcher Airline durchgeführt werden sollte, dann trifft das Rüsselsheimer Urteil hier nicht zu!!!

ruma hat geschrieben: Ab 3 Stunden Verspätung hast Du Anspruch auf Entschädigung bei kurzen und ab 4 Stunden auf langen Strecken, sofern die Verspätung im Einflussbereich der Airline liegt
Und bei ganz kurzen Strecken schon ab zwei Stunden:
Die Ausgleichszahlung beträgt nämlich:
-250 € für eine Flugstrecke kürzer gleich 1500 km und einer Verspätung um mehr als zwei Stunden im Falle einer Fluggannullierung oder Nichtbeförderung,
-400 € für eine weitere Strecke innerhalb der EU oder kleiner gleich 3500 km und einer Verspätung um mehr als drei Stunden und
-600 € bei Flugstrecken länger als 3500 km und einer Verspätung um mehr als vier Stunden.

Dies gilt allerdings nur, wenn die 'Europäische Fluggastrechteverordnung' Anwendnung findet. So findet diese beispielsweise keine Anwendung auf einen Flug zwischen Timbuktu und Washington.
Da uns der Threadeinsteller keine weitere Angaben macht, von wo nach wo gefolgen wurde und mit welcher Airline, können wir also nicht sagen, ob ihm überhaupt eine Ausgleichsleistung zusteht!
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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