Stornogebühren für Zugfahrkarte

Reisevertragsrecht, Reisevermittlungsrecht, Reiseversicherungsrecht, Luft-, Bus-, Bahn- und Schiffsbeförderungsrecht

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Elmo6
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Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von Elmo6 » 21.04.15, 12:24

Hallo zusammen,

ich habe bei SNCF über die Internetseite in Deutschland eine Fahrkarte gekauft. Diese musste ich 5 Minuten später leider wieder stornieren,da ich festgestellt habe, dass ich den falschen Zug gebucht habe. Der Preis der Fahrkarte lag bei 240 Euro.

Nach der Stornierung wurde mir ein Betrag von 22 Euro rückerstattet mit dem Hinweis dass der Restbetrag nicht erstattbar sei.

Im Moment fällt es mir noch schwer, dies zu glauben. Gibt es hierfür irgendwo eine gesetzliche Regelung? Widerrufsrecht bei Onlinegeschäften oder ähnliches?

Vielen Dank schonmal für die Anregungen

Elmo6
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von Elmo6 » 21.04.15, 12:28

Als Ergänzung vielleicht noch Obergrenzen für Stornierungen und Rückerstattungen?

aurorashmi
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von aurorashmi » 21.04.15, 13:27

Elmo6 hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich habe bei SNCF über die Internetseite in Deutschland eine Fahrkarte gekauft. Diese musste ich 5 Minuten später leider wieder stornieren,da ich festgestellt habe, dass ich den falschen Zug gebucht habe. Der Preis der Fahrkarte lag bei 240 Euro.

Nach der Stornierung wurde mir ein Betrag von 22 Euro rückerstattet mit dem Hinweis dass der Restbetrag nicht erstattbar sei.

Im Moment fällt es mir noch schwer, dies zu glauben. Gibt es hierfür irgendwo eine gesetzliche Regelung? Widerrufsrecht bei Onlinegeschäften oder ähnliches?

Vielen Dank schonmal für die Anregungen
was steht denn in den AGB?
Und was halten Sie als Unbeteiligter vom Thema Intelligenz?

Elmo6
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von Elmo6 » 21.04.15, 13:57

Zum Thema Rückgängig machen von Stornierungen steht dort nichts. Teilweise können Fahrkarten nicht rückerstattet werden. Die Frage ist aber, ob dies gesetzeskonform ist.

aurorashmi
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von aurorashmi » 21.04.15, 14:05

Elmo6 hat geschrieben:Zum Thema Rückgängig machen von Stornierungen steht dort nichts. Teilweise können Fahrkarten nicht rückerstattet werden. Die Frage ist aber, ob dies gesetzeskonform ist.
ich bin der Meinung, dass sowas immer in den AGB steht....

Vielleicht nochmal nachsehen?

Du meinst Stornierungen - nicht "rückgängig machen von Stornierungen"?
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aurorashmi
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von aurorashmi » 21.04.15, 14:07

ich bin gerade auf der Seite des Anbieters und dort findet sich ein Sammelsurium von Bedingungen betreffend Rückerstattungen / Stornierungen...

Also: nochmal genau nachgucken!
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Elmo6
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von Elmo6 » 21.04.15, 14:13

Für mein Ticket steht dort, das es nicht erstattungsfähig ist. Die Frag ist, ist das zulässig? Und ob man eine Stornierung rückgängig machen kann, so das das Ticket wieder aktiv wird.

aurorashmi
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von aurorashmi » 21.04.15, 14:21

Elmo6 hat geschrieben:Für mein Ticket steht dort, das es nicht erstattungsfähig ist. Die Frag ist, ist das zulässig? Und ob man eine Stornierung rückgängig machen kann, so das das Ticket wieder aktiv wird.
Ich denke schon, dass das zulässig ist.

zur 2. Frage: ich würde dort anrufen und fragen - das können wir hier auch nicht wissen
Und was halten Sie als Unbeteiligter vom Thema Intelligenz?

FM
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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von FM » 21.04.15, 17:16

In Deutschland ist ein Erstattungausschluss bei ermäßigten Fahrkarten zulässig, siehe Absatz 2 hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/evo/__18.html

Allerdings scheint es um Frankreich zu gehen, da gilt die dt. EVO natürlich nicht. Muss man im dortigen Gesetz nachsehen.

Eine Zugfahrkarte für 240 Euro kann aber kaum ein ermäßigter Tarif sein. Innerhalb Deutschlands käme da nur Normalpreis in Frage und da macht es nichts, wenn man den falschen Zug gebucht hat, sie gilt innerhalb einer bestimmten Zeit auch für jeden anderen Zug auf der Strecke. Lediglich eine Reservierung würde verfallen. Aber auch das kann bei SNCF anders sein.

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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von klausschlesinger » 21.04.15, 20:49

Elmo6 hat geschrieben: Im Moment fällt es mir noch schwer, dies zu glauben. Gibt es hierfür irgendwo eine gesetzliche Regelung? Widerrufsrecht bei Onlinegeschäften oder ähnliches?
§ 312 b Abs. 3 Nr. 6 Fernabsatzverträge
Die Vorschriften über Fernabsatzverträge finden keine Anwendung auf Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Unterbringung, Beförderung, Lieferung von Speisen und Getränken sowie Freizeitgestaltung, wenn sich der Unternehmer bei Vertragsschluss verpflichtet, die Dienstleistungen zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines genau angegebenen Zeitraums zu erbringen...

Zwischenergebnis: Widerrufsrecht bei Onlinegeschäften kommt hier nicht zum Zuge.

AGB von SNCG, Aritkel 9
Diese allgemeinen Bedingungen und insbesondere auch der Vertrag, den Sie mit Voyages - sncf.com abgeschlossen haben, unterliegen dem französischen Recht.
Für Auseinandersetzungen bezüglich der Interpretation und/oder Ausführung sind die französischen Gerichte zuständig.


AGB von sncf, Aritkel 2.1
Sämtliche Bedingungen zu Stornierung, möglichen Bestelländerungen und/oder Rückerstattungen werden in diesen allgemeinen Bedingungen für jede Leistungsart und/oder in den für jede Leistung geltenden Sonderbedingungen definiert.
Sie können Ihre Online - Fahrkarten über Ihre Bestellbestätigung oder über das elektronische Formular „Infos und Hilfe“ ändern oder stornieren.
Bitte beachten Sie, dass bestimmte Leistungen ggf. nicht stornierbar und sogar weder stornierbar noch änderbar
sind. Sie werden darüber vor der Bestätigung Ihrer Bestellung informiert.

Elmo6 hat geschrieben:ich habe bei SNCF über die Internetseite in Deutschland eine Fahrkarte gekauft. Diese musste ich 5 Minuten später leider wieder stornieren,da ich festgestellt habe, dass ich den falschen Zug gebucht habe. Der Preis der Fahrkarte lag bei 240 Euro.
Es könnte ein Irrtum auf Seiten des Bestellers vorliegen. In Deutschland ist dies in §§ 119 und 121 BGB u. a. geregelt. Ob es nach deutschem Recht ein Irrtum ist und der Besteller widerrufen kann, ist unerheblich, denn es wurde ja französisches Recht vereinbart (siehe oben).

'Irrtum - siehe Art. 1110 Code Civil (CC)
ein Irrtum ist beachtlich, wenn er die Substanz der Sache betrifft

Nur ein entschuldbarer Irrtum kann beachtlich sein = unentschuldbar und unbeachtlich ist der Irrtum dann, wenn es im Einflussbereich des Irrenden lag, sich vor Abschluss des Vertrages genaue Tatsachenkenntnis zu verschaffen.' Quelle: http://www.humboldtverein.de/lernhilfe/ ... ichung.pdf

Ein Irrtum des Bestellers ist nach französischem Recht ausgeschlossen. Der Besteller hätte sich über die Stonierungsbedingungen vorher informieren können, denn sie werden zu jedem Tarif gesondert angzeigt (s. o.).

Fazit: Bestehende Verträge sind einzuhalten. Ein Widerrufsrecht existiert nach französischem Recht nicht (s. o.). Der Beförderungsvertrag war offenbar nur eingeschränkt stornierbar.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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Re: Stornogebühren für Zugfahrkarte

Beitrag von Ronny1958 » 22.04.15, 11:05

@klausschlesinger:

Für diese ausführliche und nachvollziehbare Erläuterung der Rechtslage:

Chapeau ;)
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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