Riester und Hartz IV

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greenhorn2000
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Riester und Hartz IV

Beitrag von greenhorn2000 » 12.04.09, 12:41

hallo,
ich habe gehört, dass Arbeitslose bzw. HartzIV Empfänger die "Eigenbeträge" für die Riester Vorsorge als zusätzliche Arbeitslosen- bzw. HartzIV-Unterstützung erhalten.
Ist es richtig, dass dann NICHT der Mindestbeitrag (5,00EU) kalkuliert wird sondern der tatsächliche Eigenbetrag nach Abzug der Zulagen entsprechend dem 4%igen Bruttovorjahreseinkommen?

Beispiel: Brutto: 20000,00
Eigene Zulage: 154,00
Kinderzulagen 370,00

Eigenbeitrag: 800-154-370= 23,00EU monatlich // =Zuschuss zur Arbeitslosen- bzw. HartzIV-Unterstützung???

Auch wurde es mir helfen, sofern ich den entsprechenden Gesetzestext finden könnte.....

Vielen Dank vorab

FM
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Beitrag von FM » 12.04.09, 13:17

Nein, das trifft nicht zu. Man kann den Betrag lediglich von vorhandenem Einkommen absetzen, bevor dieses angerechnet wird.

Sollte der pauschale Freibetrag von 100 Euro bei Erwerbseinkommen zur Anwendung kommen, ist das damit schon abgegolten.

Olidata
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Beitrag von Olidata » 12.04.09, 13:23

Gibt es immer noch Leute die auf den Riestequatsch reinfallen? Es gab jetzt schon so viel Reportagen im TV das die Riester nur sehr wenigen Leuten wirklich etwas bringt, der Großteil zahlt drauf und merkt es aber garnicht.

kirchturm
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Beitrag von kirchturm » 12.04.09, 13:42

Olidata hat geschrieben:Gibt es immer noch Leute die auf den Riestequatsch reinfallen? Es gab jetzt schon so viel Reportagen im TV das die Riester nur sehr wenigen Leuten wirklich etwas bringt, der Großteil zahlt drauf und merkt es aber garnicht.
Quelle?
Hohle Gefäße geben mehr Klang als gefüllte. Ein Schwätzer ist meist ein leerer Kopf. ([url=http://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Platen]August von Platen[/url])

Olidata
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Beitrag von Olidata » 12.04.09, 14:06

Meine Augen ich kann sehen und kann sogar schon den Ein-Knopf am TV betätigen.

Hier wird eine der Sendungen geschrieben:

http://www.shortnews.de/start.cfm?id=694164

kirchturm
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Beitrag von kirchturm » 12.04.09, 14:23

Olidata hat geschrieben:Hier wird eine der Sendungen geschrieben
Ich hab's geahnt. :wink:
Der Link hat geschrieben:Die so genannte Riester-Rente lohne sich bereits für einen Menschen mit mittlerem Einkommen nicht, ergaben Recherchen des Magazins. Sozialämter würden diese Art der zusätzlichen privaten Altersvorsorge bei der Berechnung der Grundsicherung miteinbeziehen.
Menschen mit mittlerem Einkommen werden später Grundsicherung nach SGB XII beziehen? Das ist nichts weiter als eine an den Haaren herbeigezogene Behauptung, aus der man keinesfalls Schlüsse wie "Riestern lohnt sich nicht" ziehen kann.
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Olidata
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Beitrag von Olidata » 12.04.09, 14:32

Du mußt es ja wissen, der Staat verschenkt doch kein Geld.

kirchturm
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Beitrag von kirchturm » 12.04.09, 15:43

Eine sehr aussagekräftige Bemerkung. :?

Wenn man im Alter aufgrund unzureichender Vorsorge (die Frage, wer daran Schuld hat, lassen wir mal außen vor) auf staatliche Fürsorgeleistungen angewiesen sein sollte, muss man sich eine evtl. gezahlte Riesterrente natürlich als Einkommen anrechnen lassen. In jedem Fall mindert sie aber den Umfang der Hilfsbedürftigkeit, man benötigt also statt 500 € vielleicht nur noch 400 € Grundsicherungsleistung (Zahlen frei erfunden) und profitiert daher natürlich schon von der Riesterrente.

Wenn man aber den Maßstab "Eigenvorsorge lohnt sich nicht, solange der Grundsicherungsbedarf nicht erreicht wird!" anlegt, begibt man sich auf ein Niveau mit denjenigen, die heute Alg2 (besser bekannt als "Hartz 4") beziehen und sagen "Warum soll ich denn arbeiten, wenn ich ohne Arbeit das gleiche Geld kriege!".
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windalf
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Beitrag von windalf » 12.04.09, 15:49

Gibt es immer noch Leute die auf den Riestequatsch reinfallen? Es gab jetzt schon so viel Reportagen im TV das die Riester nur sehr wenigen Leuten wirklich etwas bringt, der Großteil zahlt drauf und merkt es aber garnicht.
So ein Quatsch. Bei den Personen, bei denen es sich nicht rechnet hat doch sowieso der Staat den Großteil des Vertrages finanziert...
Du mußt es ja wissen, der Staat verschenkt doch kein Geld.
Die Abwrackprämie lässt etwas anderes vermuten. Klar ist das der Staat es sich irgendwie über Abgaben/Steuern wiederholen wird. DIe Frage ist von wem. Der der nichts hat, von dem kann man sowieso nichts abgreifen. Die Zeche zahlt ein anderer...
Wenn man aber den Maßstab "Eigenvorsorge lohnt sich nicht, solange der Grundsicherungsbedarf nicht erreicht wird!" anlegt, begibt man sich auf ein Niveau mit denjenigen, die heute Alg2 (besser bekannt als "Hartz 4") beziehen und sagen "Warum soll ich denn arbeiten, wenn ich ohne Arbeit das gleiche Geld kriege!".
Ich mag mich zwar hin und wieder gern auf ein niedriges Niveau herablassen aber
"Warum soll ich denn arbeiten, wenn ich ohne Arbeit das gleiche Geld kriege!".
das ist doch kein niedriges Niveau, sondern einfach nur eine ökonomische Herangehensweise. Wenn das gilt, ist im System was gehörig falsch und nicht bei denen die nach den Regeln spielen...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

kirchturm
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Beitrag von kirchturm » 12.04.09, 16:25

windalf hat geschrieben:das ist doch kein niedriges Niveau, sondern einfach nur eine ökonomische Herangehensweise. Wenn das gilt, ist im System was gehörig falsch und nicht bei denen die nach den Regeln spielen...
Nein, es ist weder ökonomisch noch ist im System was falsch. Man darf nur nicht die "unberechtigte Inanspruchnahme staatlicher Fürsorge" in seine Ökonomieüberlegungen einbeziehen. Der Kollege Dipl.-Sozialarbeiter hat es kürzlich hier gut formuliert.
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Beitrag von windalf » 12.04.09, 17:00

Man darf nur nicht die "unberechtigte Inanspruchnahme staatlicher Fürsorge" in seine Ökonomieüberlegungen einbeziehen
Es ist vielmehr hirnverbrannt zu glauben, dass alle das nicht in ihre Ökonomieüberlegungen mit einbeziehen würden. Von welcher "utopischen Laus" um so blind zu werden muss man denn da gebissen werden?
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Beitrag von Olidata » 12.04.09, 18:36

kirchturm hat geschrieben:Eine sehr aussagekräftige Bemerkung. :?

Wenn man im Alter aufgrund unzureichender Vorsorge (die Frage, wer daran Schuld hat, lassen wir mal außen vor) auf staatliche Fürsorgeleistungen angewiesen sein sollte, muss man sich eine evtl. gezahlte Riesterrente natürlich als Einkommen anrechnen lassen. In jedem Fall mindert sie aber den Umfang der Hilfsbedürftigkeit, man benötigt also statt 500 € vielleicht nur noch 400 € Grundsicherungsleistung (Zahlen frei erfunden) und profitiert daher natürlich schon von der Riesterrente.

Wenn man aber den Maßstab "Eigenvorsorge lohnt sich nicht, solange der Grundsicherungsbedarf nicht erreicht wird!" anlegt, begibt man sich auf ein Niveau mit denjenigen, die heute Alg2 (besser bekannt als "Hartz 4") beziehen und sagen "Warum soll ich denn arbeiten, wenn ich ohne Arbeit das gleiche Geld kriege!".
Wenn man an die Sache so rangeht, das man den Staat entlasten will, ist das unrealistisch, weil wer weiß ob man das Rentenalter noch erlebt.

Die Werbung der Riesterrente ist, das man im Alter mehr bekommt, in ihrem Beispiel wäre es aber nicht so.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 12.04.09, 19:15

Olidata hat geschrieben:...
Wenn man an die Sache so rangeht, das man den Staat entlasten will, ist das unrealistisch, weil wer weiß ob man das Rentenalter noch erlebt.

Die Werbung der Riesterrente ist, das man im Alter mehr bekommt, in ihrem Beispiel wäre es aber nicht so.
Zu: Wem nützt die Riester-Rente?

Hallo Olidata,

in der Altersvorsorge geht es nicht darum "den Staat zu entlasten" sondern die zukünftige Generation nicht "mehr zu belasten". Im Prinzip kann der Staat nur das verteilen, was er zuvor seinen Bürgern weggenommen hat. Die augenblickliche Rentenversicherungen ist so aufgebaut, daß die jetzigen Erwerbstätigen über ihre Beiträge in die Rentenversicherung die jetzt lebenden Rentner unterstützen. Dies ergibt sich aus dem Generationenvertrag.

In der Vergangenheit klappte dieser Generationenvertrag sehr gut, weil den damaligen Rentnern mehr Erwerbstätige gegenüber standen. Ferner wurden die Menschen früher nicht so alt wie heute.

In der Zukunft werden die Menschen immer älter (dank guter gesundheitlicher Versorgung) und es werden, auf Grund der gestiegenen Geburtenraten in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhundert, immer mehr Rentner geben. Dagegen sinkt aber die Zahl der Erwerbstätigen.

Die jetzt 20jährigen jungen Menschen werden, wenn die gegenwärtige Bevölkerungsentwicklung so weiter verläuft wie jetzt, im Vergleich zu den jetzigen Rentnern weit aus weniger Rente aus gesetzlichen Rentenversicherung beziehen. Ferner müßten sie gleichzeitig mehr in Rentenversicherung einzahlen.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist kein Sparklub, sondern sie gibt das Geld was sie einnimmt (die Beiträge zur Rentenversicherung) sofort wieder aus (d.h. an die jetzigen Rentner).

Die private Altersvorsorge lohnt sich auf jeden Fall für die jetzige junge Generation, weil die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig nicht in dem Umfang gegeben ist, wie sie heute noch ist. Wenn das Rentenversicherungssystem nicht grundsätzlich reformiert wird, dann werden wir uns auf eine einheitliche, niedrige Grundrente einstellen müssen. Diese Grundrente wird sicher dem jetzigen Sozialhilfeniveau entsprechen. Wer seinen bisherigen Lebensstandard halten will, kann dies nur dann erreichen, wenn er früh genug mit einer privaten Altersvorsorge begonnen hat.

Liebe Grüße

Klaus

Olidata
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Beitrag von Olidata » 12.04.09, 19:21

Ich wette aber, das ein Großteil der Einzahler mit dem Glauben einzahlen das sie am Ende mehr bekommen und nur wenige dabei sind die so denken das man den Generationsvertrag aufrecht erhalten kann.

Die meisten Leute interessiert es doch garnicht was mit den anderen passiert, daher meine ich, das die meisten nur einzahlen mit der Hoffnung nachher mehr zu bekommen.

kirchturm
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Beitrag von kirchturm » 12.04.09, 23:52

Olidata hat geschrieben:Die Werbung der Riesterrente ist, das man im Alter mehr bekommt, in ihrem Beispiel wäre es aber nicht so.
Sie haben es immer noch nicht verstanden.

Nehmen wir mal an, dass der (Grundsicherungs--) Bedarf im Alter bei 800 € liegt. Dann stellen wir uns mal zwei Leute vor, die beide im Lauf ihres Lebens Rentenansprüche erworben haben, der eine 700 €, der andere 800 €. Beide haben zudem geriestert und jeweils einen Anspruch von 100 € monatlich.

Nach Ihren Vorstellungen soll also der 700-€-Rentner dann 100 € Grundsicherung bekommen; die Riesterrente bleibt anrechnungsfrei. Er hätte dann 900 € monatlich. Der 800-€-Rentner bekommt keine Grundsicherung. Auch er hätte dann 900 € im Monat. Und das soll richtig sein?
Hohle Gefäße geben mehr Klang als gefüllte. Ein Schwätzer ist meist ein leerer Kopf. ([url=http://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Platen]August von Platen[/url])

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