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Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 08:16
von sueti
Hallo, ich habe nur eine kurze Frage und weiß auch nicht ob die hierher gehört. Wir haben für unsere Oma 92 Jahre Pflegestufe beantragen müssen weil sie von heute auf morgen zum Pflegefall wurde und jetzt rund um die Uhr in unserer Wohnung betreut wird. Es wurde Pflegestufe 1 bewilligt und als wir einen Widerspruch einlegten, hat der Mitarbeiter der Krankenkasse bei uns angerufen und meine Mutter telefonisch überredet den Widerspruch zurück zu nehmen, weil wir niemals Pflegestufe 2 bekommen würden. Meine Frage: Ist das wirklich erlaubt? Darf dieser Mitarbeiter telefonisch meine Mutter überreden den Wiederspruch zurückzunehmen? Vielen Dank für die Antworten und ich wünsche noch eine schöne Woche. lg sueti

Re: Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 08:55
von Elyss
Natürlich kann die Oma selber darüber entscheiden, ob der Widerspruch zurückgenommen wird

Re: Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 10:28
von sueti
danke für die antwort, aber ich will eigentlich wissen ob der Mitarbeiter der Pflegekasse solche Anrufe tätigen darf.
lg sueti

Re: Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 12:09
von Ronny1958
Warum sollte nicht auf eine gütliche Erledigung eines möglicherweise aussichtslosen Verfahrens hingearbeitet werden dürfen?

Re: Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 16:10
von windalf
Warum sollte nicht auf eine gütliche Erledigung eines möglicherweise aussichtslosen Verfahrens hingearbeitet werden dürfen?
Naja ein Geschmäckle bekommt das Ganze "hinsichltich Überzeugung von alten Leuten" schon... Solche Überzeugungsgespräche werden ja auch gerne von Leuten angewendet, die alten Leuten irgendwelche Produkte andrehen oder zu anderen Dingen nötigen wollen.

Auf alte Leute Druck ausüben erscheint ggf. deutlich einfacher und kostengünstiger als sich inhaltlich mit dem Widerspruch auseinander setzen zu müssen. Mir erscheint es auch nicht unwahrscheinlich, dass da erfolgreich nicht nur der einfachere, sondern auch der vor allen Dingen preisgünstigere Weg gewählt wurde...

Re: Pflegekasse

Verfasst: 24.09.12, 20:26
von hws
windalf hat geschrieben:... Solche Überzeugungsgespräche werden ja auch gerne von Leuten angewendet, die alten Leuten irgendwelche Produkte andrehen oder zu anderen Dingen nötigen wollen....
Und 5 Minuten später stellt Oma - nach Überzeugung / Bequatschen der Enkelin - einen neuen Antrag.... Und man stellt Oma kein Telefon mehr ans Bett, sondern geht erstmal selbst ran, bzw "berät" Oma beim Gespräch.

hws

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 09:40
von sueti
ähm..................erst nachdenken und dann reden. meine oma kann garnicht mehr reden und auch nichts mehr sehen. und trotzdem hat sie ein telefon an ihrem bett. in einem 20 qm raum (ehemals wohnzimmer) mit einem extragroßen fernseher. es geht eigentlich darum das wir uns den pflegedienst nicht leisten können mit pflegestufe eins. und meine mutter am ende ihrer kräfte ist, da meine oma eine 24 stundenbetreuung braucht. letzte woche hat meine mutter gekocht (es wird jeden tag das gekocht was oma möchte) und da hat sie einen zuckerschock bekommen und wurde mit blaulicht ins krankenhaus gebracht. solche aussagen machen mich ja gerade sehr wütend. wir sind fast rund um die uhr für oma da. meine eltern und auch ich. wir holen sogar freunde von oma ab zum besuch, da sie jetzt 50 km von ihrem alten zu hause wohnt. sie kann fast nichts mehr alleine und da habe ich gedacht das kann nicht sein stufe 1. meine mutter ist nun eingeschüchtert und stellt keinen neuen antrag. lieber wird erstmal das sparbuch geplündert. selbst einen krankentransport vom krankenhaus nach hause haben sie abgelehnt und oma so ausm krankenhaus geholt. ich hoffe es ist klar geworden das wir keinen widerspruch gestellt haben wegen des geldes. gruß sueti

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 09:57
von Elyss
Weder die Tatsache, dass man sich den Pflegedienst mit Pflegestufe 1 nicht leisten kann noch, dass die Mutter die Pflege gesundheitlich nicht schafft, begründen einen Widerspruch gegen die Einstufung des MDK.

Wenn man wirklich einen höheren Pflegeaufwand belegen kann als im Gutachten festgestellt, so kann man an dem Widerspruch festhalten

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 10:04
von Old Piper
Grundsätzlich ist wohl nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Sachbearbeiter versucht, einen Widerspruchsführer telefonisch darauf hinzuweisen, dass sein Widerspruch nach seiner Auffassung keine Aussicht auf Erfolg hat und zu fragen, ob er nicht den Widerspruch zurücknehmen will. Mache ich selber auch schon mal (außer bei Lehrern und Sozialpädagogen - die sind eh beratungsresistent). Ob das bei einer 92jährigen, die noch nicht mal reden kann (wie kann das Telefonat da überhaupt stattgefunden haben?), sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage.

Allerdings stelle ich mir in dem geschilderten Fall die Frage, ob die telefonische Rücknahme des Widerspruchs wirklich ausreichend ist, um das Verfahren wirksam abzuschließen. Hat die Oma die Rücknahme des Widerspruchs schriftlich bestätigt?

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 10:13
von sueti
Alles was meine Oma betrifft erledigt meine Mutter. Sie hat auch mit dem Mitarbeiter telefoniert und dann den Widerspruch schriftlich zurück genommen. Der Mitarbeiter hat ihr das genau erklärt. Ich wollte nur wissen ob das rechtlich erlaubt ist solche Anrufe zu tätigen. Ich selber arbeite in einer Praxis und dort muß ich auf sehr vieles achten was ich unseren Patienten sage. Ich darf noch nichtmal einem Patienten empfehlen zu einem bestimmten Therapeuten zu gehen oder ähnliche Dinge. Ein neuer Antrag wird meine Mutter jetzt eh nicht mehr stellen. Ich habe auch nicht gefragt weil ich irgendwelche Maßnahmen ergreifen möchte. Das wäre nicht im Sinne meiner Oma. Nein, es interressiert mich nur ob das normal ist , denn irgendwann bin ich vielleicht in der Position meiner Mutter.

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 10:24
von pOtH
Das die Pflegekasse eine höhere Einstufung erst einmal ablehnt ist eig. normal - Hier sollte jedesmal wiederspruch eingelegt werden!
Auch geht es bei der Pflegestufe um die Pflege u. Versorgung, die Betreuung (im sinn von "bespaßen") wird hier nicht erfasst. Bei der Pflegestufe sind die "Zeitwerte" sehr wichtig, d.h. wenn die Oma auf die Toilette muss, dann nutzt sie die Toilette u. nicht den Toilettenstuhl... Der Arzt macht keine Hausbesuche, man begleitet die Großmutter dort hin... Die Großmutter bekommt das Essen nicht hingestellt, man bereitet es Mundgerecht zu u. reicht es ihr an... Es sind immer nur wenige Minuten, aber das summiert sich u. führt zu einer höheren Pflegestufe!

Auch sollten alle Hilfsmittel in Anspruch genommen werden die Nötig sind, z.B. ein "Hausnotruf", Krankentransporte (sitzend od. liegend; inkl. Begleitperson), Duschstuhl...
Man sollte bei der Pflegekasse immer(!) eine Kopie des MDK-Gutachtens anfordern um auf Dinge eingehen u. im Widerspruch begründen zu können!

Fakt ist, das Pflegedienste u./od. Pflegeheime ganz anders begründen weshalb eine höhere Pflegestufe benötigt wird, daher sollte man sich überlegen ob man für die Beantragung nicht vielleicht doch einen Pflegedienst ins Boot holt. Auch sollte man der Großmutter klar machen das es dabei nicht darum geht das der MDK sieht was die Person alles noch kann, es geht vielmehr darum das derjenige vom MDK sieht was die Person nicht mehr kann - Meine Oma ist vor dem MDKler rumgehüpft wie ein junges Reh... bis ich ihr, im Beisein des MDKlers, gesteckt habe das es nicht darum geht zu zeigen was sie noch kann... Endeffekt war das sie dem MDKler doch sehr argh die Ohren vollgeheult hat u. die Pflegestufe II bewilligt wurde.

Den Antrag auf Prüfung der Pflegestufe muss von der Großmutter unterschrieben werden, ausfüllen kann ihn auch ein anderer u. nur weil die Mutter etwas nicht will, heißt das noch lange nicht das die Großmutter möchte "das die Kinder später mal nix mehr erben" *hust.... wink mit dem Zaunpfahl...* :lol:

Re: Pflegekasse

Verfasst: 25.09.12, 11:07
von lottchen
Ein telefonischer Hinweis, dass der Einspruch zurückgezogen werden sollte, da er nicht erfolgsversprechend ist, ist sicher erlaubt. Es ist doch noch immer Sache von Oma / Mutter dann zu entscheiden, ob sie diesem Rat folgen wollen oder nicht.

Meine Mutter hat für meine Oma die Formalitäten auch immer erledigt, sich um sie gekümmert usw. Als Omi um die 90 war, wurde auch ein Antrag auf Pflegestufe gestellt. Abgelehnt. Meine Mutter hat es damals auch einfach akzeptiert und sich weiter ohne Bezahlung abgerackert, 3x am Tag hingegangen und so weiter. 2 oder 3 Jahre später nochmal den Antrag gestellt, dann wenigstens Stufe 1 bekommen. Die Bewilligung zur nächsthöheren Stufe kam per Post, als Omi dann verstorben war....Die sitzen das aus, so lange wie möglich und wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, Pflegestufen vergeben zu müssen bzw. die zu erhöhen. Ist nun mal so. Wenn Oma ganz schlecht sieht und ein Arzt das attestiert ist auch die Beantragung von Blindengeld möglich. Erkundige Dich mal. Meine Omi hatte es auch bewilligt bekommen, rückwirkend zum Tag des Antrags. Nur da sie zwischenzeitlich verstorben war, wurde da auch null-Komma-nichts ausgezahlt, auch nicht mehr für den Zeitraum, wo sie noch lebte. Auszahlungen dürfen nicht an die Erben erfolgen.

Re: Pflegekasse

Verfasst: 27.09.12, 08:22
von sueti
guten morgen, ich sage erstmal danke an alle hier. das mit dem erben war gut, es gibt bei oma nichts zu erben. wir sehen zu das rund um die uhr einer bei oma ist. über tag sitzt sie öfters im sessel und hört musik. oma braucht bei allem hilfe. alleine laufen geht nicht mehr, oder aufstehen, sie macht alle mahlzeiten mundgerecht und reicht sie ihr, auf die toilette gehen mit ihr, medikamente reichen oder spritzen, oma waschen (leider haben wir unten keine dusche und der wannenlift paßt nicht in die wanne). der arzt kommt zum hausbesuch weil oma das nicht mehr schafft. nachts muß mama mind. 3 mal aufstehen wegen toilette oder trinken. leider wollen meine eltern keinen widerspruch einlegen und sich hilfe holen. ich finde das schade. vielen dank nochmals an alle. lg sueti

Re: Pflegekasse

Verfasst: 27.09.12, 09:24
von FM
sueti hat geschrieben: leider wollen meine eltern keinen widerspruch einlegen und sich hilfe holen. ich finde das schade. vielen dank nochmals an alle. lg sueti
Also eigentlich müßte die Oma selbst die Leistung beantragen, den Widerspruch einlegen und auch ggf. die Rücknahme erklären. Offenbar hat sie aber die Mutter (also ihre Tochter) bevollmächtigt, oder diese ist Betreuerin. Wenn nun die Mutter den Widerspruch am Telefon zurück genommen hat und nach wie vor dabei bleibt keinen einlegen/aufrechterhalten zu wollen, dann gibt es doch gar kein Problem. Dass irgendjemand anderes aus der Familie anderer Meinung ist, hat nichts zu sagen. Die Pflegekasse muss sich an den halten, der Betreuer oder Bevollmächtigter ist.

Re: Pflegekasse

Verfasst: 27.09.12, 17:42
von Ronny1958
OldPiper hat geschrieben:(außer bei Lehrern und Sozialpädagogen - die sind eh beratungsresistent)
Bei den erstgenannten gibts noch eine Steigerung: ...mit Dr. Grad....

Beratungsresistente zahlen (bei mir) den vollen Satz einer Widerspruchsgebühr.