"Kinderbetreuung sichergestellt"

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Newbie2007
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"Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Newbie2007 »

Hi all,

eine Frage: bei der Arbeitslosmeldung wird man ja gefragt, ob die Betreuung der eigenen Kinder sichergestellt ist. Sonst kein Anspruch auf ALG1, da man ja dem Arbeitmarkt nicht zur Verfügung steht.

Wie verhält es sich nun im folgenden Fall:

Das Kind des Arbeitslosen ist von 7:30 bis 17:30 in der Kita. Die Ehefrau des Arbeitslosen muss öfter mal bis 19:00 arbeiten, deswegen holt der Ehemann das Kind abends ab. War im alten Job kein Problem. Die Kinderbetreuung in der Zeit von 17:30 bis 19:00 ist aber definitiv nicht sichergestellt.

Was kreuzt man an? Natürlich "Kinderbetreuung ist sichergestellt".

Aber was macht man, wenn die AfA einem einen Vermittlungsvorschlag unterbreitet, wo man ebenfalls bis 19:00 arbeiten müsste? Darf man das dann ablehnen? (Bzw. man kann ja auch hingehen und dem AG mitteilen, dass man keine Kinderbetreuung für die Vorabendzeiten hat - dürfte sanktionsrechtlich auf das Gleiche hinauslaufen.)

Generell frage ich mich, wie solchen Konflikte in der Praxis wohl gelöst werden - es gibt nun mal in D keine 24-Stunden-Kinderbetreuung.

Danke,
Newbie

Baden1957
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Baden1957 »

Newbie2007 hat geschrieben:- Vollzitat entfernt -

Hallo,

die "Regelarbeitszeit" liegt ja irgendwo zwischen 7.00 h - 17.00 h, je nach Job und Gewerbe des AG; wenn die Kinderbetreuung bis 17.30 h sichergestellt ist, kann man im Antrag mit ruhigem Gewissen dies bejahen.

Es kommt auf die Ausbildung und bisherigen Job an, welche man hatte, denn man muss nicht zwingend ein Vermittlungsangebot annehmen, welche Arbeitszeiten hat, die nach 17.30 h enden.

Sollte ein solcher Vermittlungsvorschlag kommen, einfach hingehen, das Bewerbungsgespräch führen und auf die Absage warten, denn kein "vernünftiger" Arbeitgeber stellt eine Mutter mit Kind(er) ein, wenn er gleichwertige Bewerberinnen ohne KInder hat.

lG
Zuletzt geändert von Dipl.-Sozialarbeiter am 25.04.15, 19:38, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat entfernt - da unnötig
Hinweise erfolgen ausschließlich aufgrund eines vorgetragenen Sachverhaltes und nicht aufgrund von Vermutungen; je detaillierter der Sachverhalt ist, desto zutreffender können die Hinweise sein.

Newbie2007
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Newbie2007 »

Danke,

allerdings...
Baden1957 hat geschrieben: Es kommt auf die Ausbildung und bisherigen Job an, welche man hatte, denn man muss nicht zwingend ein Vermittlungsangebot annehmen, welche Arbeitszeiten hat, die nach 17.30 h enden.
Das heißt aber doch, wenn einen Job gearbeitet hat, wo üblicherweise (nur halt nicht beim bisherigen Arbeitgeber) länger gearbeitet wird, hat man ein Problem?

Und was ist eigentlich mit Pendelzeiten, nehmen wir an, der neue Job ist weiter weg, dann müsste man vielleicht schon um 16:30 h aufhören...
... kein "vernünftiger" Arbeitgeber stellt eine Mutter mit Kind(er) ein, wenn er gleichwertige Bewerberinnen ohne KInder hat.
Ich hoffe doch nicht...

Hier handelt es sich aber sowieso um einen Vater mit Kindern.

Mir ist klar, dass man in der Praxis versuchen wird, irgendeine Lösung zu finden, man will ja schließlich wieder arbeiten. Auch sind mittlerweile viele Arbeitgeber flexibel, es gibt gleitende Arbeitszeit und Home Office. Mich interessiert aber die Rechtslage.

questionable content
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von questionable content »

Im juristischen Sinn ist die kinderbetreuung sichergestellt, so lange das Kind tagsüber in einer KiTa ist.

Gar nicht erst beim Ankreuzen darüber nachdenken, es sind keine Ausnahmen und persönlichen Sonderfälle gemeint.

Falls man ein Jobangebot bekommt mit untypischen Arbeitszeiten und die Kinderbetreuung passt dann nicht, ist es eher umgekehrt. Es kann ein rechtmäßiges Argument für eine Ablehnung des Jobs - oder für staatliche Hilfen - sein.
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Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Newbie2007 hat geschrieben:... - es gibt nun mal in D keine 24-Stunden-Kinderbetreuung.
In D gibt es sehr wohl eine "24-Stunden-Kinderbetreuung", und zwar in Pflegefamilien, Außenwohngruppen, Kinderheimen, Internate mit Wohnheim usw..

Wer für sein Kind eine 24 Stunden-Betreuung am Tag (mit Übernachtsbetreuung) braucht, kann sich an das Jugendamt wenden und Hilfen nach § 27 SGB VIII beantragen.

Chavah
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Chavah »

Natürlich steht er ganztags zur Verfügung. Wieso kommen die Leut nicht auf das Naheliegendste, sollte es zeitlich eng werden? Aushang am schwarzen Brett des Kindergartens "welche Mutti/welcher Vati" nimmt Jannik bei Bedarf für ca 2 Stunden mit zu sich nach Hause? Wenn man Glück hat, ist die Mutter der besten Freundin/des besten Freundes dazu bereit. Ist doch nichts großes. Ein Betreuungskonzept, nur auf Kita abgestellt, das funktioniert sowieso nicht. Es kann immer was passieren, dass man was abpuffern muss.

Chavah

Newbie2007
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Newbie2007 »

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:
Newbie2007 hat geschrieben:... - es gibt nun mal in D keine 24-Stunden-Kinderbetreuung.
In D gibt es sehr wohl eine "24-Stunden-Kinderbetreuung", und zwar in Pflegefamilien, Außenwohngruppen, Kinderheimen, Internate mit Wohnheim usw..

Wer für sein Kind eine 24 Stunden-Betreuung am Tag (mit Übernachtsbetreuung) braucht, kann sich an das Jugendamt wenden und Hilfen nach § 27 SGB VIII beantragen.
Hm. Klappt das auch, wenn man die Kinderbetreuung benötigt, um eine neue Stelle annehmen zu können, oder sagt dann das Jugendamt eher "suchen SIe sich halt eine andere Stelle, Sie haben als Eltern schließlich eine Verantwortung"? Hier gibt es eine Nachbarin, die, weil arbeitslos, für ihr Kind keinen Platz im Tagesheim bekommen hat, und weil sie keinen Platz im Tagesheim hat, kann sie sich auch nicht auf freie Stellen bewerben. :(
Chavah hat geschrieben:Wieso kommen die Leut nicht auf das Naheliegendste, sollte es zeitlich eng werden? Aushang am schwarzen Brett des Kindergartens "welche Mutti/welcher Vati" nimmt Jannik bei Bedarf für ca 2 Stunden mit zu sich nach Hause? Wenn man Glück hat, ist die Mutter der besten Freundin/des besten Freundes dazu bereit. Ist doch nichts großes. Ein Betreuungskonzept, nur auf Kita abgestellt, das funktioniert sowieso nicht. Es kann immer was passieren, dass man was abpuffern muss.
"Bei Bedarf" geht das sicher, aber was ist mit "2-3x in der Woche"?

Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Konflikt öfters vorkommt und auch nicht immer so einfach zu lösen ist, z. B. wenn beide Partner im Schichtdienst arbeiten...

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Newbie2007 hat geschrieben:...
Hm. Klappt das auch, wenn man die Kinderbetreuung benötigt, um eine neue Stelle annehmen zu können, oder sagt dann das Jugendamt eher "suchen SIe sich halt eine andere Stelle, Sie haben als Eltern schließlich eine Verantwortung"? Hier gibt es eine Nachbarin, die, weil arbeitslos, für ihr Kind keinen Platz im Tagesheim bekommen hat, und weil sie keinen Platz im Tagesheim hat, kann sie sich auch nicht auf freie Stellen bewerben. :(
...
Wer ist denn für die eigene Brut hauptsächlich verantwortlich?

Schauen wir doch mal in die Gesetze:
Art. 6 II GG hat geschrieben:(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
und
§ 1626 Abs. 1 BGB hat geschrieben:(1) Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).
sowie
§ 1631 Abs. 1 BGB hat geschrieben:(1) Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.
Sie sehen also, dass vor allem die Eltern für ihre Kinder zuständig sind.

Notfalls müssen die Eltern privat eine Kinderbetreuung bezahlen und sicherstellen.

Chavah
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Chavah »

Wieso soll das Jugendamt für die Kinderbetreuung sorgen? Jemand, der nicht mal in der Lage ist, selbst einen Zettel ans schwarze Brett des Kindergartens zu heften, der dürfte auch kaum in der Lage sein, einen wie auch immer gearteten Job auszufüllen.

Chavah

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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Newbie2007 hat geschrieben:...
Chavah hat geschrieben:Wieso kommen die Leut nicht auf das Naheliegendste, sollte es zeitlich eng werden? Aushang am schwarzen Brett des Kindergartens "welche Mutti/welcher Vati" nimmt Jannik bei Bedarf für ca 2 Stunden mit zu sich nach Hause? Wenn man Glück hat, ist die Mutter der besten Freundin/des besten Freundes dazu bereit. Ist doch nichts großes. Ein Betreuungskonzept, nur auf Kita abgestellt, das funktioniert sowieso nicht. Es kann immer was passieren, dass man was abpuffern muss.
"Bei Bedarf" geht das sicher, aber was ist mit "2-3x in der Woche"?
...
Dann gehen eben die Eltern für die private Kinderbetreuung arbeiten. Wo ist das Problem? :wink:

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Chavah hat geschrieben:Wieso soll das Jugendamt für die Kinderbetreuung sorgen? ...
Na, die Jugendämter sind doch für die Kinder verantwortlich. Dies nennt sich doch: "geteilte Eltern- und Verantwortungsgemeinschaft". ;-)

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie aus dem Anspruch auf Tagesbetreuung eine 24 Stundenbetreuung abgeleitet wird.

Oktavia
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Oktavia »

Newbie2007 hat geschrieben:Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Konflikt öfters vorkommt und auch nicht immer so einfach zu lösen ist, z. B. wenn beide Partner im Schichtdienst arbeiten...
Gasnz einfache Lösungen: Einfach keine Kinder bekommen oder vorhandene Kinder zur Adoption freigeben *zynismusmodusoff*
Ginge es tatsächlich um 7x24x52 bekämen Eltern niemals ALG. Ich finde diese Frage nach der Kinderbetreuung sowieso eine Frechheit. Außerdem bekommen Eltern eine Betreuung fast immer hin und ArbeitgeberInnen sind meist flexibel genug auf die Bedürfnisse von ArbeitnehmerInnen einzugehen.

Ganz ehrlich, ich würde die Frage immer mit "Betreuung ist gesichert" beantworten. Ich halte die Frage für nicht zulässig und deshalb dürfte ich lügen bis sich die Balken biegen.
"Alte Leute sind gefährlich; sie haben keine Angst vor der Zukunft."
George Bernard Shaw

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Chavah
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Chavah »

Die Frage der Kinderbetreuung bzw. der Verfügbarkeit des Arbeitssuchenden ist durchaus nicht Blödsinn. Wie soll die AfA punktgenau vermitteln, wenn sie nichts über die Verfügbarkeit weiss?

Chavah

Froggel
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Froggel »

Chavah hat geschrieben:Die Frage der Kinderbetreuung bzw. der Verfügbarkeit des Arbeitssuchenden ist durchaus nicht Blödsinn. Wie soll die AfA punktgenau vermitteln, wenn sie nichts über die Verfügbarkeit weiss?

Chavah
So blödsinnig finde ich die Frage auch nicht. Allerdings ist mit dieser Frage auch keine 24 Stunden Betreuung gemeint. Es sollte ausreichen, wenn das Kind, wie allgemein üblich, über zehn Stunden am Tag untergebracht werden kann. Damit dürfte ein Acht-Stunden-Arbeitstag für das Amt mit Kinderbetreuung abgedeckt sein, der Anspruch auf Zahlung ALG besteht. Wie es dann in der Praxis gehandhabt wird, steht wieder auf einem anderen Blatt.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

Newbie2007
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Re: "Kinderbetreuung sichergestellt"

Beitrag von Newbie2007 »

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:
Chavah hat geschrieben:Wieso soll das Jugendamt für die Kinderbetreuung sorgen? ...
Na, die Jugendämter sind doch für die Kinder verantwortlich. Dies nennt sich doch: "geteilte Eltern- und Verantwortungsgemeinschaft". ;-)

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie aus dem Anspruch auf Tagesbetreuung eine 24 Stundenbetreuung abgeleitet wird.
Wer hat denn was von Anspruch geschrieben? Ich habe - ganz neutral - geschrieben, dass es keine 24 Stundenbetreuung gibt. Daraufhin hat Sozialarbeiter geschrieben "gibt es doch". Ich habe das bezweifelt - und jetzt wird mir irgendwas unterstellt, was ich so nie geschrieben habe? :roll:
Zuletzt geändert von Newbie2007 am 27.04.15, 10:22, insgesamt 1-mal geändert.

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